Korps Mariniers und Seebataillon
#31
Kennt sich im Forum jemand näher mit dem Seebataillon aus? Arbeitet hauptsächlich die Küsteneinsatzkompanie (KEK) mit dem Korps Mariniers zusammen? In anderen Medien wird von einem Amphibischen Zug gesprochen?

https://twitter.com/seebataillon/status/...33?lang=de

Weiß jemand welche Art von Mörser und Flugkörper das Seebataillon bekommen soll? Ich vermute mal 60mm Mörser und Spike LFK.

Hier das Interview mit dem damaligen Kommandeur:

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig...e1178.html
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#32
Interessanter Artikel vom früheren Kommandeur Seebataillon in ESUT:

https://esut.de/2020/03/fachbeitraege/st...d-von-see/
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#33
In der Tat ein hochinteressanter Artikel, Danke für die Info!
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#34
Ich fand vor allem das Thema zu den "Raids" sehr interessant - hier ein Ausflug in Future Commando Force:

"Die Boote entsprechen darüber hinaus uneingeschränkt der von der NATO und der Bundeswehr geforderten Mobilität, Stärke und Flexibilität. Mit ihnen könnten schnell eigene Truppenkontingente und damit operative Schwerpunkte in der Ostsee verlagert werden. Gezielte „Raids“ könnten potenziell feindliche Handlungen Moskaus in der Region aktiv behindern, insbesondere in einem Umfeld, in dem die russischen Streitkräfte den Zugang von großen Kampfschiffen womöglich wirksam unterbinden können (Stichwort Anti-Access/Area Denial). Gestützt wird diese Entwicklung auch von Major General Charlie Stickland, Commandant General der britischen Royal Marines, der die amphibische Zukunft in mobilen, flexiblen und schlagkräftigen kleineren Kommandoeinheiten sieht. Für diese solle ein neues, schnelles Landungsfahrzeug beschafft werden, das sowohl die Schlagkraft und Reichweite verbessern würde, sagte er „Jane’s Navy International“ im Juli 2019."
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#35
Die Briten haben ja gerade eine Übung in Norwegen veranstaltet (Link -hier-) und haben dabei für ihre Raids norwegische CB90-Boote benutzt. Womit sie die "Vikings" (gepanzerte Hägglunds) an Land gebracht haben, steht dort nicht. Ich vermute, es waren LCVP Mk5 der Royal Navy.
Eine solche Kombo aus CB90 und LCVP wäre m.E. auch eine gute Wahl für das Seebataillon..
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#36
Ja das denke ich auch. Dann müßten sie zumindest keine Hägglunds mehr von den Gebirgsjägern ausleihen.

Nachdem man schon mind. fünf Jahre über die Beschaffung der Kampfboote spricht, ohne dass tats. eine Bestellung ausgelöst wurde, möchte ich mir nicht vorstellen, wie lange die Beschaffung von gepanzerten Hägglunds dauert. Dabei sind sowohl Kampfboote als auch Hägglunds marktverfügbar und müssen nicht erst neu erfunden bzw. entwickelt werden.

Über größere Landungsboote, die auch Fahrzeuge tragen können, wird ja noch nicht mal diskutiert.....
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#37
Die Fassmer-Werft hat bei der Euronaval 2018 ein Konzept für ein "FlexPatrol Vessel"(FPV90) vorgestellt -hier-. Einsatzzwecke sind laut Homepage "long range offshore patrol vessel, transport ship, floating hospital or as a tender vessel". Vielleicht ist das "too far out", aber ich könnte mir eine weitere Rolle vorstellen: Mutterschiff für amphibische Raiding Groups, sprich kleine Einsatzgruppen für amphibische Kommandooperationen. Das FPV90 könnte in seinem Welldeck vermutlich 6 CB90 und auf seinen Helodecks 2 NH90 transportieren. Damit könnte man eine Kommando-Kompanie transportieren, verbringen und unterstützen.

"Too far out"?
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#38
Nein, ich denke das ist ein sehr interessanter Ansatz - siehe "Minenstreitkräfte". Der Trend schein ja generell zu kleineren Einheiten sowohl an Land als auch bei den Landungsschiffen zu gehen. Man möchte dem Gegner keine so großen Ziele bieten, weniger Signaturen haben, schneller sein und weniger Tiefgang haben, um den Gegner zu überraschen. Diesen Trend sieht man bei der amphibischen Doktrin im UK und auch beim USMC.

Für das Seebataillon wird das wohl noch ein weiter Weg. Ich denke hier wären für den Küsteneinsatz noch ein oder zwei zusätzliche Kompanien sinnvoll und vor allem fehlt es an Transportmitteln:

- Transportschiffe wie z.B. FPV 90
- Landungsboote (LCM) für Fahrzeuge
- Kampfboote wie z.B. CB90
- Gepanzerte amphibische Transportfahrzeug wie z.B. BV 206 oder größere Transporter, die auch sicher durch die Brandung kommen

Ich denke auch dass man zwischen weltweiten Einsätzen, d.h. für Deutschland momentan eher Mittelmeer, Afrika, Nordsee, Norwegische See und der Ostsee unterscheiden muss. Vielleicht sollte man für die Ostsee auch einen neuen Weg gehen und schnelle Katamaran-Landungsboote wie z.B. L-Cat shore to shore beschaffen:

https://www.youtube.com/watch?v=FRA4xhf4wbA

https://cnim.com/en/businesses/defense-s...hore-shore
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#39
Vielleicht wäre auch ein traditionellerer Ansatz interessant, so wie die LST, die Damen anbietet.
Damen LST 100
Bietet neben Transportkapazitäten auch einen Landespot für einen Heli der 10t-Klasse und kann an den Davits auch Boote von der Größe eines CB90 (bis 20m) mitnehmen. Gibt es auch noch eine Nummer größer mit Platz für vier Boote.

Ob das SeeBtl noch weiter aufwachsen kann, halte ich für fragwürdig. Allerdings gibt es im Bataillon Bestrebungen, die Struktur der spezialisierten Kompanien aufzubrechen und aus allen Soldaten an erster Stelle "richtige Marineinfanteristen" zu machen, die dann Zusatzaufgaben wie Boarding, usw. übernehmen.
Das wäre in meinen Augen auch der richtige Schritt, gerade wenn man nur über die begrenzte Anzahl an Kräften verfügt.

Ob die Amerikaner als Beispiele eines generellen Trends zu kleineren Einheiten herhalten können, wage ich zu bezweifeln: Die US Marines haben sich nun halt vollständig auf den Pazifik mit China als potentiellem Gegner eingeschossen und strukturieren deshalb auf ein "Islandhopping"-Szenario à la 2. Weltkrieg um. Man wird dabei aber auch weiterhin große Schiffe wie die America-Klasse und die San Antonio-Klasse nutzen.

Und bei den Briten versucht man eher die Not als Tugend zu verkaufen, denn finanziell ist bei denen auch der Schmalhans Küchenmeister.
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#40
Nun, ich denke dass die Situation in der Ostsee und im Pazifik dahingehend gleich sind, dass die Russen bzw. Chinesen diese Seegebiete mittels moderner und z.T. überschallfähiger SSM sperren könnten. Die Amerikaner werden ihre wertvollen und sehr besatzungsstarken Schiffe nicht in diese Seegebiete einfahren lassen, ohne dass sie vorher gesichert sind. Deshalb die ganze Verkleinerung, d.h. die Marines besetzen strategisch wichtige Inseln....

In der Ostsee ist das noch viel extremer, da alles viel kleiner ist. Ein Schiff würde dort sofort aufgeklärt und bekämpft.

"Trotzdem halten sich Einschätzungen von der Ostsee als Killbox. Große Gebiete rund um die Enklave Kaliningrad werden als sogenannte A2AD-Zone (Anti Access, Area Denial) bezeichnet, in der Systeme auch von Land und aus der Luft jedem Schiff den Zugang in die östliche Ostsee verwehren können. Diese äußerst pessimistische Bewertung beruht auf handfesten militärischen Entwicklungen der letzten Jahre, zu denen die jede Strategie beeinflussenden wirtschaftlichen, infrastrukturellen und sogar demografischen Rahmenfaktoren noch ergänzt werden müssen."

https://esut.de/2020/01/fachbeitraege/st...ottille-1/
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#41
Ich glaube auch nicht, dass irgendjemand mir LHDs oder LPDs in der Ostsee operieren will. Für die Ostsee erachte ich amphibische Operationen, die über kleine Kommandoaktionen hinausgehen (überhaupt sinnvoll?), für zum Scheitern verurteilte Fehlplanungen.

Wie du richtig sagst, ist die Oststee eine Killbox. Dort herrscht marinetechnisch eine Pattsituation: Die NATO weiß, dass sie den Großteil der Ostsee kontrolliert, aber auf die russischen Territorien von See aus keinen Zugriff hat. Gleichzeitig muss sich die russische Baltische Flotte eingehstehen, dass man selbst aus der eigenen Häfen kaum herauskommt. Deswegen auch die A2AD-Zonen und die Tatsache, dass sogar die Korvetten der Baltischen Flotte die Möglichkeit erhalten Kalibr-Marschflugkörper zu verschießen - einfach um noch eine Handlungsmöglichkeit zu haben.

Man muss halt wissen, was man mit seiner Amphibik machen will. Je nachdem stattet man seine Flotte aus. Gerade im asiatisch-ozeanischen Raum geht der Trend in den vergangenen Jahren ja tatsächlich zu größeren Einheiten (Dokdo-Klasse (Korea), Izumo und Hyuga-Klasse (Japan), Canberra-Klasse (Australien), Makassar-Klasse (Philippinen, Indonesien, Myanmar), Typ 71 und 75 (China))
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#42
Verstehe ich das jetzt richtig, es gibt Grundsätzlich zwei Ansätze:

Ansatz 1:
Area ist durch den potentiellen Gegner gesichert,
Einsatz nur von kleinen hoch mobilen Einheiten möglich/sinnvoll.

Ansatz 2:
Für Verlegungen benötigt man nach wie vor große LHD/LPD.

Können die Kräfte nach Ansatz 1 mit Mitteln des Ansatzes 2 verlegt werden ?

Kampfboote sind für das Seebataillon ja für 20/21 vorgesehen.
Damit bewegt man sich ja im Ansatz 1.
Bleibt man da ?

Wie soll dann die Evakuierung dt. Staatsbürger Weltweit gesichert werden ?
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#43
@Vanitas
Ich bin gespannt was sich da die nächsten Jahre bei der Entwicklung vom amphibischen Einheiten tut und ob wir evtl. neue Trends sehen.

Ja, für die Ostsee bleibt es wahrscheinlich bei kleineren Kommandoaktion. Käme es zu einer militärischen Konfrontation im Baltikum, könnte ich mir dort evtl. auch größere amphibische Operationen vorstellen. Das Risiko wäre aber sehr hoch. Man muss vorher an Kaliningrad vorbei.

Deutschland fehlen hier Anti-Schiffflugkörper, sowohl luft- als auch landgestützt und die paar RBS15 von den Korvetten sind nicht der Rede wert. Ich meine mich an 25 St. RBS 15 für die ersten 5 Korvetten erinnern zu können. Bei 4 pro Einheit, bleiben da sage und schreibe 5 St. in Summe übrig.

@Mike112

Ja, ich sehe es auch so.

Bzgl. Ansatz 1 könnten diese Einheiten auch bewaffnet werden, z.B. Spike NLOS, die kommen wohl auch auf ca. 25 km Reichweite.

Evakuierungen sind nur mit größeren Einheiten möglich. Diese könnten aber wiederum Kampfboote mit sich führen. Solche Operation finden in aller Regel weit entfernt statt, d.h. weite Anmarschwege. Da kommt dann ja auch mehr zusammen, Versorgung, Führung, Lazarett etc. muss vorgehalten werden usw. Ich glaube der Inspekteur hatte mal etwas gesagt, dass er in den 2030er Jahren sog. Big-Decks, also größere amphibische Einheiten zusammen mit NL, beschaffen möchte. Konkrete Planungen gibt es dazu aber nicht.

Momentan bleibt seeseitig nur F125 oder improvisierte Verbände mit Fregatten und EGV wie vor Libyen.
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