Zukunft (Groß-) Syriens
#1
Im Thread "Zukunft des Irak" haben wirin den letzten Tagen auch die Entwicklung von Syrien gestreift.

Und Shahab3 hat im Syrien Thread schon die Steilvorlage geliefert:
Shahab3 schrieb:Übersichtskarte Minderheiten:
http://worldshiaforum.files.wordpress.c ... an-map.jpg

Bei einer Zerschlagung Syriens und des Libanon und anschließender ethnischer Bereinigung der Gebiete, könnten auf Basis der traditionellen Siedlungsgebiete neue Staaten entstehen:
1) Ein alawitisch/schiitischer Küstenstaat von der Türkei bis Israel
2) Ein sunnitischer Wüstenstaat auf etwa 60-70% des heutigen Territoriums von Syrien (inkl. Golanhöhen?)
3) Dazwischen ggf. ein christlicher Pufferstaat
4) Die Kürdengebiete im Nordosten Syriens könnten sich mit den Kurdengebieten im Irak zusammenschließen

Auch interessant ist die Übersichtskarte über die aktuellen Konfliktzonen, die ich im web gefunden habe:
http://a10.idata.over-blog.com/500x375/ ... ia-map.jpg

Dabei ist die Frage eher spekualtiv bzw. hypothetisch!
1.Bürgerkrieg (ist ja eigentlich schon)
2.Syrien zerfällt.

Was passiert dann..???

Welche Staaten kann es dort geben,wer legitimiert sie,was werden die Nachbarn machen oder wie werden sie es aufnehmen?

Ich möchte dabei gezielt den Begriff "Groß-Syrien" verwenden, weil zumindest der Libanon zwangsläufig (wie auch Shahabs Steilvorlage zeigt) in dieser Entwicklung betroffen sein wird.
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#2
Nach meiner Vorstellung, sind der Libanon, der Irak und die Türkei in diese Szenarien zwangsläufig zu integrieren. So hat der Irak nicht nur eine gemeinsame Grenze, sondern er hat vor allem Kurden und sunnitische Clans mit sehr enger Verbindung nach Syrien. Eine Abspaltung eines Teils des Irak ist innerhalb der nächsten 10 Jahre nicht unwahrscheinlich. Die Türkei hat Millionen von Kurden, Alawiten und Aleviten.
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#3
Und jetzt (ausserhalb der Forums-Ettikette, hunter1, ich hoffe, Du kannst mir verzeihen) möchte ich gleich auch meine eigene Antwort dazu geben:

Erst mal ist es interessant, die beiden Karten, die Shahab3 gepostet hat, nebeneinander zu legen. Sie zeigen, dass die Konflikte genau an den Grenzen der ethnischen Siedlungsgemeinschaften auftreten
- in Syrien erst im drusischen Araa
- und dann von Aleppo über Hama und Homs bis nach Damaskus.

Syrien - das ist offensichtlich - scheint an seinen Ethnien zu zerbrechen, genauso wie der Libanon und der Irak. Es hat sich über Jahrzehnte hin, seit der Existenz dieser nachkolonialen "Kunst-"Staaten, kein übergeordnets nationales "Wir-"Bewustsein gebildet. Die gleiche Situation haben wir ja auch im Irak, in dem die Briten mehrere osmanische Provinzen in einen Staat gezwängt haben.
Damit wird zwangsläufig die Frage virulent, ob diese nachkolonialen Grenzen dauerhaft sein können. Ich meine, sie können es nicht innerhalb eines Zentralstaates sein.

Alawiten, Shiiten, Sunniten, Kurden, Christen und Drusen bilden relativ klar umrissene Siedlungsgebiete, die allerdings (zum Teil) nicht zusammen hängen. Daher muss ein erster Schritt zur Entspannung und Befriedung der Situation zwangsläufig darin bestehen, diesen einzelnen Siedlungsgebieten nach dem "Subsidiaritätsgrundsatz" möglicht große Autonomie zuzugestehen.
Dies ist insbesondere im kulturellen (schulischen Bereich) und der (kommunalen, regionalen) Selbstverwaltung - bis hin zu eigenen, regionalen und gut ausgestatteten Polizeieinheiten zu fordern.

Und das betrifft den gesamten Bogen des "fruchtbaren Halbmondes" - vom Libanon über Syrien und die Türkei (Kurden) bis hin zum Irak.

Gleichzeitig wird man aber auch zugestehen müssen, dass viele dieser regionalen Territorien für sich alleine wirtschaftlich nicht (über-)lebensfähig sind. Diese (insbesondere die isolierten Enklaven) werden nach wie vor auf einen möglichst reibungslosen Wirtschaftsaustausch mit dem umliegenden Gebieten angewiesen sein.
Ein solcher ungestörter Wirtschaftsaustausch (Handel, Dienstleistungen) setzt aber voraus, dass die Enklaven weiterhin in einen gemeinsamen Staat mit den Nachbarregionen eingebettet sind - zumindest solange, wie nicht (etwa nach dem Vorbild der europäischen Union) eine größere Wirtschaftsgemeinschaft aus mehreren Staaten entsteht.

Das ist dann auch wieder die Chance für eine "übernationale" Lösung. Ich setze "übernational" in Anführungszeichen, weil etwa die Weiterentwicklung der arabischen Liga zu einer überstaatlichen Wirtschaftsgemeinschaft der arabischen Staaten eigentlich eine "national-arabische Lösung" wäre.
Bisher ist diese Entwicklung an den konträren Interessen der einzelnen Staatenführer gescheitert.
Aber das muss nicht endgültig sein.
Der "arabische Frühling" zeigt, dass in den arabischen Ländern eine demokratische Bewegung gewachsen ist, die sich zumindest von Tunesien bis Syrien auf einer vergleichbaren Basis gründet.
Von Marokko bis Irak und vom Atlantik bis zum Indischen Ozean verbreiten arabische Medien (Al Jazeera) nicht nur Nachrichten aus der arabischen Welt, sondern mit "soaps" auch ein unterschwelliges gemeinsames Lebensgefühl. Die Menschen kommen sich näher, verstehen sich, haben eine gemeinsame "Erlebniswelt" - und (was ich immer betone): weil der Mensch "in seine Sprache denkt" dient die gemeinsame Sprache auch dem Gedanken- und Ideenaustausch. Sie bildet den Kern der "Nation", der eben alle arabischen Länder (unabhängig von ihrer eigenen regionalen Identität) umfassen könnte.
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#4
http://www.wiwo.de/politik/ausland/aus- ... 274-3.html
Zitat:...

Splittet sich Syrien in mehrere Teile auf?

Die Minderheiten, auf die sich das Assad-Regime stützt, fürchten nicht zu Unrecht blutige Vergeltungsmaßnahmen, sollte Assad fallen. Weil die Konfliktlinien zwischen den Religionen unversöhnlich scheinen, rechnen manche Beobachter schon mit einer Aufsplitterung des Landes in drei oder vier Teile. Für Ex-Außenminister Joschka Fischer ist die „Balkanisierung des Landes zwischen unterschiedlichen Ethnien und religiösen Gruppen“ absehbar.

Im Zentrum der Konfliktlinien des Nahen Osten

Zu den religiösen Gruppen kommen noch die syrischen Kurden, zwischen 10 und 15 Prozent der Gesamtbevölkerung, im Grenzgebiet zur Türkei. Obzwar sunnitischen Glaubens, befürchten sie türkische Repressionen. Denn mit Sicherheit wird die Türkei in einem Post-Assad-Syrien größeren Einfluss bekommen, was die Kurden ungern sehen, da sie einen eigenen Staat anstreben, der sich aus ihren Siedlungsgebieten in der Türkei, Syrien und dem Irak zusammensetzen soll.
...
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#5
Zitat:Salehi visits Egypt to attend four-party meeting on Syria

TEHRAN, Sept. 17 (MNA) - Iranian Foreign Minister Ali Akbar Salehi leaves Tehran for Cairo to take part in the four-party consultation meeting on the Syrian crisis on Monday.

Besides Iran, Turkey and Saudi Arabia are also present at the summit along with Egypt as the host of the meeting.
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http://www.mehrnews.com/en/newsdetail.a ... ID=1698174

Endlich sitzen mal die richtigen Leute am Tisch.
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#6
Nö. Die Saudis und der Iran sollen ihre Finger raushalten. Ich verstehe es, wenn die Türkei, der Irak und Jordanien sich zusammensetzen würden. Ja, auch der Libanon MUSS einbezogen werden. Sie sind die wichtigsten Anrainer, aber Iran und Saudi-Arabien sind nur Nutznießer, Schmarotzer meinetwegen, die sich einen Ausbau der eigenen Einflusssphäre auf der Basis des sich möglicherweise ankündigenden Zerfalls des Landes erhoffen und ihre "Trüppchen" schon in Position haben, die Saudis ihre wahhabitischen Fanatiker, die Mullahs ihre Revolutionsgarden und die Alawiten-Clique Assads...

Schneemann.
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#7
aus einer Meldung der Süddeutschen Zeitung, die wir hier "klick" verlinkt haben:
Zitat:...
Assad ... kümmert sich kaum um den kurdischen Nordosten und macht keine Anstalten, die Gebiete in Rebellenhand um Aleppo oder im Osten insgesamt zurückzuerobern. Aus der Luft greift die Armee zwar sporadisch an, aber Assad konzentriert sich zusehends auf Zentralsyrien von Deraa über Homs und Hama bis zur Küste, wo jenes alawitische Kernland liegt, in das sich Assad, ebenfalls Angehöriger der schiitischen Alawiten, eines Tages zurückziehen könnte.

Syrien, so urteilen manche, hat in seiner früheren Form aufgehört zu existieren. Es ist in Kantone zerfallen, deren Konflikte über die Grenzen in den Irak, die Türkei und nach Libanon ausstrahlen.
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#8
Es gibt verschiedene Anzeichen für einen mehr oder weniger koordinierten Plan diverser schiitischer, alawitischer und palästinensischer Gruppen sich zu reoganisieren und aus der Defensive in die Offensive zu gehen bzw. die Konfliktzone in Richtung der Ursprungsländer hin auszuweiten. Also aus den eigenen Gebieten die Kamphandlungen gezielt in die Türkei, Israel, Jordanien und die Golfstaaten bzw. Saudi Arabien zu tragen. So ist verschiedenen Quellen zu entnehmen, dass die irakische Mahdi Miliz, die libanesische Hisbollah und die Palästinensische PFLP-GC mit syrischer und iranischer Unterstützung Einheiten zu diesem Zweck abstellen werden. Gut möglich, dass diese Truppen durch Basij und Quds Truppen vestärkt werden. Das sind die ersten öffentlichen Anzeichen, dass die bis dato extrem defensive Haltung dieser Gruppierungen in Absprache miteinander beendet wird. Ich packe das daher mal hier hin, denn man wird in der Folge womöglich absehen können, wie groß "Syrien" ist, war oder sein wird.

Zitat:...
'From a security and military perspective, I should say the liberation of Golan [Heights] is not impossible; it can happen,' said Deputy Chief of Staff of the Iranian Armed Forces Major General Massoud Jazayeri in an interview with the Lebanese television Al-Manar.

'It seems that we will be witnessing fundamental changes in the region in the next several months, in which case we will [also] witness a new Syria,' the Iranian commander added.
...
His comments come against the backdrop of the recent remarks by Leader of Lebanon’s Hezbollah Movement Seyyed Hassan Nasrallah, who said preparations are underway to liberate the Golan Heights from Israeli occupation.
...
http://presstv.com/detail/2013/05/18/30 ... -be-freed/

Zitat:Zeitung: Iran will Konflikt mit Israel in Syrien anheizen

Der Iran will laut einem Medienbericht den Syrien-Konflikt an der israelischen Grenze weiter eskalieren lassen. Die arabische Tageszeitung „al-Hajat“ berichtete gestern unter Berufung auf nicht näher definierte „informierte Kreise“ in Teheran, dass der Iran den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad überzeugt habe, auf den Golanhöhen „die Tür zum Dschihad“ gegen Israel zu öffnen.

Demnach soll die libanesische Hisbollah in die Lage versetzt werden, von dort aus eine neue Front zu formieren. Alle Araber und Muslime sollten sich an dem Kampf beteiligen können, hieß es.
...
Ähnliche Berichte hatte es in den vergangenen Tagen immer wieder gegeben. So meldete bereits die syrische Zeitung „al-Watan“, dass Syriens Regime erwäge, bewaffneten palästinensischen Gruppen von den Golanhöhen aus Angriffe gegen Israel zu erlauben. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC) erklärte daraufhin in Damaskus, dass sie Kampfbrigaden bilde.
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http://orf.at/stories/2182227/

Zitat:Shafaq News / The Head of the Sadrist movement, Moqtada al-Sadr ordered on Sunday, his resistance fighters to respond to the Israeli shelling Syria yesterday, stressing the need to save the latter’s status.
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“It is not necessary to save the status of Syria,”
...
http://www.shafaaq.com/en/politics/6007 ... syria.html
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#9
http://www.sueddeutsche.de/politik/sunn ... -1.1685634
Zitat:1. Juni 2013 14:48
Sunniten gegen Schiiten
Nahöstlicher Weltkrieg

Unter entsetzlichen Verwerfungen treten in Syrien die Bruchlinien eines 1400 Jahre alten und äußerst komplexen Konflikts zu Tage. Er kann Ländergrenzen einreißen und hat das Zeug zu einem nahöstlichen Weltkrieg: der Antagonismus zwischen den islamischen Glaubensanhängern, den Sunniten und Schiiten
.

... Als Israel 1982 in den Süden Libanons einmarschierte, begrüßten die Schiiten dort die fremden Soldaten mit offenen Armen, mit Blumen. Jahrzehnte hatten die Palästinenser Israel aus Südlibanon angegriffen und so Vergeltungsschläge provoziert. Nun hofften die libanesischen Schiiten, das politisch marginalisierte Prekariat des Landes, ausgerechnet auf den jüdischen Staat.

Die Schiiten waren damals tief enttäuscht vom Versprechen des arabischen Nationalismus, das sie aus Kairo und Beirut, Bagdad und Amman hörten - das aber doch nur der Hegemonie sunnitischer Herrscher diente. Sie hatten Kriege geführt im Namen der arabischen Sache, doch alle Loyalitätsanstrengungen milderten nicht das Misstrauen seitens der Sunniten und die Zurücksetzung, die sich von den grausamen Omaijaden bis zu den Osmanen und den europäischen Kolonialmächten fortsetzte.

...
In diesen Tagen nun kämpft die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah in einer syrischen Kleinstadt an der Seite des Assad-Regimes - Alawiten mit schiitischen Wurzeln - gegen vornehmlich sunnitische Aufständische. Der Bruderkampf zwischen Sunniten und Schiiten, so versucht die Hisbollah ihren Anhängern weiszumachen, sei in Wahrheit eine Art verlagerte Vorwärtsverteidigung gegen fremdfinanzierte sunnitische Extremisten, kurz: gegen Amerika und Israel.

...Im dritten Jahr des Bürgerkriegs hat die Hisbollah alle überkonfessionelle Anziehungskraft verloren und ist schiitischer denn je. Mehr noch, unter entsetzlichen Verwerfungen treten in Syrien die Bruchlinien eines Konflikts zu Tage, der älter ist als Amerika, komplexer als der Streit zwischen Demokratie und Tyrannei, der Ländergrenzen einreißen kann und das Zeug zu jenem kathartischen nahöstlichen Weltkrieg hat, den manche fürchten und manche als notwendige Reifephase erhoffen: der Antagonismus zwischen Sunna und Schia.
...
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#10
Ich sehe auch, das sich Syrien in zwei Staaten aufspaltet.
Die Rebellen sind nicht stark genug, um das Assad-Regime auch aus der Küstenregion zu vertreiben, und das Regime selbst kann auch mit Hilfe der Hizbollah und des Iran die Rebellen nicht besiegen.
Der eine syrische Staat wird das Gebiet um Aleppo und das östliche Hinterland um Deir-as-Zayr umfassen, während das Assad-Regime wohl die Küstenregion um Latakia, die Grenze zum Libanon und wohl auch den Raum Damaskus halten würde.
Die realistischste Gefahr einer Eskalation sehe ich darin, das die Türkei in Syrien einmarschieren könnte, was ich angesichts der jüngsten Entwicklung dort für immer wahrscheinlicher ansehe. Aber auch die irakischen Kurden, ja sogar der Irak selbst könnten in diesen Konflikt hineingezogen werden.
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#11
im Falle der Teilung dürfte sich auch das kurdische Gebiet an der Grenze zum kurdischen Irak verselbstständigen - keine der beiden anderen Fraktionen dürfte stark genug sein, das zu verhindern. Und wenn "zwei sich streiten ...."
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#12
Vor einiger Zeit wurde ein bekannter deutscher Journalist interviewt - ich bin über das Interview leider erst jetzt gestolpert:
http://de.ria.ru/opinion/20140705/268930655.html
Zitat:Scholl-Latour: Die Teilung des Iraks ist praktisch vollzogen

16:15 05/07/2014


Daniela Hannemann, Stimme Russlands / RIA Novosti ...

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Steht das Land vor einer Teilung?


Ja, die ist praktisch vollzogen. Dass Syrien und Irak in den früheren Grenzen wieder entstehen, dass kann ich mir schlecht vorstellen. Das Gerede darum ist Wunschdenken. Zum Beispiel jetzt der Versuch des amerikanischen Außenministers Kerry, „inclusive“ zu arbeiten. Wie will er das denn mit den Kurden machen, wo Barzani gerade in einem Interview erklärt hat, dass eine Volksabstimmung stattfinden wird über eine Unabhängigkeit Kurdistans im Nordirak. Er erwartet eine Mehrheit für die Unabhängigkeit, was natürlich für die Türkei ein erhebliches Problem sein wird.
...

Sie hatten einmal gesagt, Assad sei das kleinere Übel. Wie sehen Sie die Zukunft Syriens?

Weiterhin bleibt Assad das kleinere Übel. Der wird den Westen Syriens, also die Küsten, die von den Alawiten bewohnten Gebieten oder sagen wir die etwas entwickelteren Gebiete, auch weiter kontrollieren. Und es sind ja auch viele Leute zu den Wahlen gegangen, auch in den Flüchtlingslagern. Er ist stärker, als man ihn haben will. Und die Leute sagen sich eben, dieses Chaos was jetzt herrscht, ist sehr viel schlimmer, als das frühere Regime von Assad, was ja das einzige säkulare Regime im arabischen Orient war und auch ein Regime, das extrem tolerant war. Tolerant auch gegenüber den Minderheiten, vor allem den Christen. Das ist heute nicht mehr der Fall, die Christen müssen um ihr Leben fürchten.
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#13
Hält sich der Iran zurück?
http://www.sueddeutsche.de/politik/iran ... -1.2082249
Zitat:9. August 2014 18:52


Irans Reaktion auf Konflikt im Irak
Warum Iran sich gegenüber den IS-Milizen bislang zurückhält

Bisher hat Teheran angesichts der Kämpfe im Nachbarland lediglich ein paar Berater zur Unterstützung der irakischen Kräfte gesandt. Aber das kann sich schnell ändern, sollten die Dschihadisten eine bestimmte Grenze überschreiten.

Es mag bisher auf den ersten Blick nicht erkennbar gewesen sein. Aber im Umgang mit der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat Iran zumindest eine Grenze gezogen. Die IS-Kämpfer, in Teheran wie in der arabischen Welt "Daesch" genannt, dürfen keine der heiligen Stätten der Schiiten gefährden. Als sich die Terroristen dem Heiligtum von Samara, 120 Kilometer nördlich von Bagdad, näherten, unterstützten schiitische Milizen und iranische Revolutionsgarden die irakische Armee erfolgreich bei der Abwehr. Drei Pasdaran, drei Revolutionsgardisten, kamen dabei ums Leben. Gelänge es der Daesch, sich Nadschaf und Kerbela zu nähern, dürfte die Intervention der Iraner erheblich intensiver ausfallen.
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Dazu aus iranischer Sicht ... ein Debattenbeitrag:
http://irananders.de/nachricht/detail/748.html
Zitat:Amerika und Iran befriedeten schon einmal den Irak

16.07.2014 Mohammad Ali Shabani

Um den Irak vor sunnitischen Extremisten zu retten, mobilisiert Iran derweil Verbündete im Irak und fördert eine Kooperation zwischen der irakischen Regierung und Syrien. Washington schickte unterdessen Militärberater nach Bagdad. Jeder für sich setzt sich nunmehr beherzt ein. Ohne eine angemessene Koordination all dieser Unterfangen, ist der Erfolg Washingtons und Teherans jedoch zum Scheitern verurteilt.
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Das Ergebnis der sunnitischen Offensive ist vorhersehbar. Die ISIS wird dabei scheitern, die eroberten Landstriche zu halten und diese verwalten zu können, weil die irakischen Sunniten nicht gewillt sind, die Staats- und Gesellschaftsvorstellungen der ISIS zu akzeptieren. Amerikas früherer Erfolg, einige irakische Sunniten gegen militante Extremisten zu mobilisieren, ist ein Argument und Herr Maliki weiß das. Während die politische Integration der Sunniten entscheidend ist, darf jedoch Gewalt nicht mit Konzessionen belohnt werden. Die ISIS muss von den größeren urbanen Zentren und Grenzstationen des Landes abgedrängt werden, bevor man sich auf Verhandlungen mit pragmatischen Militanten einlässt.

Die irakischen Sunniten müssen entweder die Realitäten der neuen politischen Ordnung des Landes akzeptieren, welche von Schiiten und Kurden dominiert wird, oder sie verdammen sich selbst dazu, für die andauernde Instabilität und Gewalt verantwortlich zu sein, die von Extremisten in ihren Reihen und von ausländischen Kämpfern, die sich ihnen anschließen, hervorgerufen wird.

Die Kurden stehen vor schweren Entscheidungen. Über Jahre hinweg lebten sie im Zwielicht zwischen Unabhängigkeit und Föderalismus. Die USA und Iran müssen den kurdischen Führern deutlich machen, dass ihr Schritt, das derzeitige Chaos auszunutzen, um in Fragen wie den eigenständigen Ölexporten und der Zukunft der umstrittenen Stadt Kirkuk Konzessionen von Bagdad zu erlangen, nach hinten losgehen wird. Washington ist abgeneigt, zwischen Erbil und Bagdad Partei zu ergreifen. Sollte es trotzdem dazu kommen, dann würden die Amerikaner allen Vermutungen nach nicht zu Ungunsten Malikis handeln – und ebenso Teheran nicht.

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#14
auf Tagesschau de gibt's es neue Karte mit Darstellung der von von der IS kontrollierten Gebiete, die sich über weite Gebiete in Syrien und im Irak erstrecken,
Zitat:zum Teil handelt es sich um unbewohnte Landstriche. In Syrien kämpfen die sogenannten Aufständischen, die IS sowie die Assad-Truppen. In beiden Ländern kontrollieren die Kurden Gebiete im Norden.
http://www.tagesschau.de/ausland/irak-5 ... pos-2.html
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#15
http://www.zeit.de/politik/ausland/2014 ... irak-obama
Zitat: "Es wird kein gutes Ende für den Mittleren Osten geben"

Der frühere US-Botschafter im Irak ist sehr pessimistisch: Er sieht keine Lösung für die Region und glaubt wie Präsident Obama nicht an das Konzept von Nationbuilding.
Interview: Kerstin Kohlenberg


25. September 2014 16:59 Uhr
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Jeffrey: Ich glaube nicht, dass wir für den Mittleren Osten jemals eine Lösung finden werden, wie wir es für den Balkan oder Osteuropa geschafft haben. Es wird kein gutes Ende für den Mittleren Osten geben. Wir können nur versuchen, die schwachen Nationalstaaten vor den brutalen islamischen Bedrohungen zu schützen.
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