Finanzkrieg / Finanzterrorismus
#16
Quintus Fabius schrieb:....Der globale Finanzkapitalismus ist eine dem Nationalismus diametral entgegen stehende Ideologie. Er zerstört allein schon durch seine Existenz mit der Zeit jedwede Nation.
es wird mal Zeit, diesen alten Spekulations-Thread wieder zu aktivieren:
http://www.welt.de/wirtschaft/article13 ... leife.html
Zitat: 08.08.14

Starökonom fürchtet Crashs in der "Endlosschleife"

Nur wenige Experten warnten früh und präzise vor der Finanzkrise 2008 – die Topökonomen Raghuram Rajan, Robert Shiller und William White sind drei von ihnen. Nun befürchten sie erneut große Probleme
.

...
Roubinis Wirken hat Methode: Seit Ende 2009 prophezeite er neben einer langen Rezession der US-Wirtschaft auch den unmittelbar bevorstehenden Zerfall der Euro-Zone, den Einbruch der Aktienmärkte Osteuropas und eine harte Landung Chinas. Nichts von alledem trat bis zum heutigen Tage ein.

Entsprechend schenken Kenner den Vorhersagen von Roubini, der auch Dr. Doom genannt wird, immer weniger Beachtung. Es gibt nüchternere Beobachter, die seltener warnen – deren Aussagen dann aber umso mehr Gehör finden.

2005 kritisierte Raghuram Rajan die Legende Greenspan

Einer von ihnen ist Raghuram Rajan. Der breiten Öffentlichkeit ist der heutige Chef der indischen Notenbank zwar weniger bekannt als die medienaffinen Nobelpreisträger Joseph Stiglitz oder Paul Krugman. Doch in Fachkreisen hat Rajans Wort Gewicht. Von 2003 bis Ende 2006 war der Chicago-Ökonom oberster Wirtschaftsexperte des Internationalen Währungsfonds (IWF) und warnte in dieser Zeit eindringlich vor möglichen Verwerfungen.
...
Zitieren
#17
Das ist genau das was ich auch sehe.
Man hat nicht wirklich etwas am System geändert.
Warum? Weil die moderne Finanz- und Volkswirtschaft ein Glaubenssystem ist, ganz ähnlich einer Sekte, die ihre absoluten Wahrheiten aufrechterhält.
Man ist geistig zu bequem und selbstzufrieden, um etwas zu überdenken.
Deshalb werden z.B. auch nach wie vor im Studium die gleichen überholten Thesen weiter gepredigt.
Zitieren
#18
Das ist ohnehin amüsant, wie die ganzen sogenannten Wirtschaftswissenschaften wenn man sie mal genauer unter die Lupe nimmt sehr schnell ins völlig unwissenschaftliche Abgleiten und/oder in moralischem Nihilismus versumpfen. Was die Apologeten besagter "Wissenschaften" natürlich auf das heftigste bestreiten, weshalb es diese Leute immer im besonderen aufregt, wenn sich eine "Wirtschaft" oder ein "Markt" nicht so verhält, wie er sich verhalten sollte.

Anbei: in der aktuellen ZEIT ist ein Artikel über Methoden des Finanzkrieges heute und wie die USA diese bereits praktisch anwenden. Ein Musterbeispiel dafür ist die Art und Weise, wie die USA das Unternehmen Swift nutzen. Zum einen um Daten zu gewinnen, zum anderen um damit Nationen anzugreifen und massiv zu schädigen.

Ein hochinteressanter Artikel, der insbesondere die plumpe gewaltsame Vorgehensweise der USA in diesem Kontext aufzeigt: im Endeffekt werden alle die den USA hier zuarbeiten müssen recht primitiv einfach mittels Drohungen zur Kooperation und Erledigung der Drecksarbeit für die USA genötigt. Teilweise wenig kreativ, aber noch ziemlich effektiv.

Die Frage stellt sich allerdings, ob diese kriminellen Methoden nicht eines Tages sehr massiv gerade auf die USA zurück fallen werden. Aber für diesen Fall hat man ja lange genug echte Waffen gerüstet, um dann die Opfer des Finanzkapitalismus mit Waffengewalt dafür zu bestrafen, dass sie sich etwaig mal dagegen wehren wollen einfach nur Spielball der Wallstreet sein zu müssen.

Der Finanzkapitalismus hat hier nun seine eigenen Streitkräfte aufgestellt, deren indirekte Methoden zwar nicht sichtbar sind, in ihren Auswirkugen aber genau so töten können wie echte Bomben, ohne dass man dafür Schuldige im rechtsstaatlichen Sinne benennen könnte. Der wahrhaft Schuldige aber sitzt da, fett und zufrieden auf der anderen Seite des Meeres.
Zitieren
#19
Es gibt ein grundsätzlich unterschiedliches Verständnis von "guter Wirtschaft" zwischen der anglo-amerikanischen (incl. britischen) und festlandseuropäischen Sichtweise.

Im anglo-amerikanischen Bereich (Thatcherismus) wird der freie und ungezügelte Markt, also das Streben nach "Gewinnmaximierung" als ideales Regulativ gesehen. Jeder staatliche Eingriff wird als kontraproduktiv und schädlich beurteilt. Auf dieser Basis werden Freihandelsabkommen wie TTIP usw. abgeschlossen. Der Schutz von Investitionen der Unternehmer genießt absoluten Vorrang, und zu deren Schutz gibt es dann private "Schiedsgerichte", eine "Paralleljustiz" zu rechtsstaatlichen Verfahren, die Staaten zu Milliarden-Schadensersatzleistungen "verurteilen" können.
Die Klage eines skandinavischen Atomkonzerns gegen den deutschen Atomausstieg ist ein Beispiel dafür.
TTIP ist ein Beispiel - verboten wird in den USA nur, was nachweislich schädlich ist. Es muss also erst mal ein Schaden entstehen ... wobei dann die Schadensleistungen irre Höhen annehmen.

Auf dem Kontinent gilt stattdessen das Prinzip des "Eigentum verpflichtet" (soziale Marktwirtschaft). Der "ungezügelte Markt" wird als unsozial gesehen.
Ein Beispiel aus TTIP: erlaubt wird bei uns nur, was nachweislich unschädlich ist (und das wird schon oft genug übersehen).

Diese Trennung zieht sich wie ein "roter Faden" durch. Die USA haben nur einen geringen Teil der internationalen ILO-Abkommen unterzeichnet, weil die zu sozialem Handeln verpflichten .......

... das hat aber nichts mit "Finanzkrieg" zu tun. Auch wenn die Verurteilung von Argentinien zu Milliarden-Zahlungen durch einen einsamen US-Richter so gesehen werden könnte.
Zitieren
#20
Hab den Artikel gerade im Netz gefunden:

http://www.zeit.de/2014/44/financial-wa ... n-russland

Zitat:Daniel Glaser ist ein Krieger. Er hat gegen den Iran, gegen Nordkorea, Kuba, Somalia, den Sudan, den Jemen und Simbabwe gekämpft. Seit jenem Tag im Februar kämpft er gegen Russland.

In den meisten dieser Länder ist Glaser nie gewesen. Er hat während seiner Einsätze keine einzige Patrone verschossen. Glasers Waffe ist das Geld.

Seit einigen Monaten trägt Glaser Dreitagebart, er hat viel zu tun. Seit Neuestem kämpft er auch gegen die Islamisten in Syrien und im Irak. Durch die Fenster seines weitläufigen Büros blickt Glaser auf den marmornen Obelisken des Washington Monument; wenn Barack Obama ihn ruft, hat er nur wenige Meter zu gehen. In siebzehn Jahren Dienst hat Glaser sich vom ersten Stock in die oberste Etage des amerikanischen Finanzministeriums hinaufgearbeitet. In eine Abteilung, in der die weltweiten Konflikte des 21. Jahrhunderts entschieden werden: die Abteilung für Financial Warfare, für den Krieg mit den Mitteln des Finanzmarktes.

Zitat:Seine Waffe zielt direkt auf den Wohlstand des Gegners. Ihre Wirkung beruht auf dem Umstand, dass sich dieser Wohlstand in einer globalisierten Weltwirtschaft nur vermehrt, wenn das Geld ungestört um den Erdball zirkulieren kann, durch ein verzweigtes Netz von Datenkanälen, das die Welt umspannt. Ohne einen Anschluss an dieses Netz können Unternehmen keinen Handel treiben, müssen Banken den Betrieb einstellen, werden Kreditkarten wertlos. Wer den Zugang zu diesem Netz kontrolliert, der verfügt über sehr viel Macht.

Zitat:Als Glaser im Finanzministerium anfing, war er Anfang zwanzig. Er hatte Jura studiert und war danach in den Staatsdienst eingetreten, in die Abteilung für Finanzkriminalität. Glaser ist ein Patriot, sein Blick auf die Welt ist der eines Polizisten.

Dann wurde das World Trade Center angegriffen. Nun galt es, Terroristen zu jagen. Glasers Abteilung drohte an Bedeutung zu verlieren. Bis Glaser und seinem damaligen Chef Juan Zarate an einem Abend im Büro die Idee mit dem Finanzkrieg kam. Heute verfügt ihre Einheit über 730 Mitarbeiter und einen eigenen Geheimdienst. "Wir haben die Waffe der Zukunft entwickelt", sagt Zarate stolz.

Zitat:Wenige Tage nach dem 11. September 2001 trifft in La Hulpe ein offizielles Schreiben der amerikanischen Regierung ein. Es ist an Lenny Schrank adressiert, den damaligen Chef von SWIFT. Die Amerikaner bitten ihn um ein Treffen. "Ich will ihre Daten", mit diesen Worten eröffnet ein Unterhändler des US-Finanzministeriums das Gespräch. Ende Oktober 2001 bekommt er sie.

Zitat:Glasers größter Erfolg: Im März 2012 wurde iranischen Banken die Verbindung zu SWIFT gekappt. Seitdem ist der internationale Handel mit dem Land weitgehend zum Erliegen gekommen, weil ausländische Unternehmen nicht mehr an ihr Geld gelangen. Die Sanktion hat der iranischen Wirtschaft schwer geschadet.

Zitat:Glasers Kontaktmann in Deutschland ist Michael Findeisen, ein nachdenklicher Mann mit grauen Locken, der sich seit vielen Jahren mit Terrorfinanzierung, Geldwäsche und anderen Schattenseiten des internationalen Finanzsystems beschäftigt. Seine Abteilung heißt schlicht Referat VII A 3, sein Chef ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Zitat:Als die USA die Sanktionen gegen den Iran verschärften, wurden in dem Land die Medikamente knapp. Es gab lange Schlangen vor Apotheken sowie Berichte über Krebspatienten, die nicht mehr behandelt werden konnten. Und es gab Experten, die davor warnten, dass das Regime durch die Sanktionen nicht geschwächt, sondern gestärkt werde. So wie in Nordkorea. Nachdem Glaser die Bank in Macao ausgeschaltet hatte, führte das Land seinen ersten Atomtest durch. Bush sah sich gezwungen, die Sanktionen wieder aufzuheben.

Glaser war dagegen. Er glaubt daran, dass überall auf der Welt die Sehnsucht nach Wohlstand größer ist als alles andere. Seine Einsätze werden von einem eigens eingerichteten war room aus gesteuert. Der Weg dorthin führt durch einen unterirdischen Tunnel. Er verbindet das Finanzministerium mit einem Anbau. Unter der Decke läuft ein gigantischer Kabelstrang entlang. Er versorgt Glasers Finanzsoldaten mit allem, was sie für ihre Einsätze brauchen: Daten und Analysen von Geheimdiensten, Ökonomen, Banken und Börsen.

Am anderen Ende des Tunnels sitzen schmale junge Männer in Anzügen hinter ihren Computern. Sie könnten auch für eine Versicherung oder eine Bank arbeiten. Nur eine mit Wladimir Putins Konterfei bedruckte Klorolle unter einem der Schreibtische verrät, dass diese Männer nicht mit Geschäftspartnern, sondern mit Gegnern umgehen, die sie finanziell ausschalten können: Privatleute, Banken, Unternehmen oder ganze Wirtschaftssektoren. Jederzeit. An fast jedem Ort der Welt.

Zitat:Im Sommer 2007 tauchten Glasers smarte Jungs unversehens in Frankfurt auf. In ihren Unterlagen befand sich eine Liste mit Kontaktdaten der führenden Banker der Republik, darunter die Chefs der Deutschen Bank und der Commerzbank. Nach wenigen Tagen reisten sie wieder ab; kurz darauf stellten fast alle deutschen Kreditinstitute die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran weitgehend ein.

Eine rechtliche Grundlage konnten die Amerikaner nicht vorweisen, weil Europa damals noch überhaupt keine Sanktionen gegen den Iran verabschiedet hatte. Sie hatten noch nicht einmal die Bundesregierung informiert. Dafür hatten sie etwas, was alle wollten: den Dollar.

Etwa 80 Prozent des internationalen Handels und 90 Prozent aller Devisengeschäfte werden in amerikanischer Währung abgerechnet. Wenn ein deutsches Unternehmen Geld nach Mexiko überweisen will, dann wird der Betrag in der Regel zunächst vom Euro in den Dollar getauscht und dann in mexikanische Peso umgewandelt. Der Dollar ist die Leitwährung der Weltwirtschaft.

Wer die Leitwährung kontrolliert, der kontrolliert den neben SWIFT zweiten wichtigen Knotenpunkt im Netz der internationalen Finanzströme. Denn jede elektronische Dollar-Zahlung muss auf amerikanischem Boden abgewickelt werden. Wenn also irgendwo auf der Welt Dollar bewegt werden, dann überqueren diese Dollar gewissermaßen die amerikanische Staatsgrenze und halten sich für eine Millisekunde auf einem Computer einer Bank zum Beispiel in New York auf. Dort kann Glaser diese Zahlung stoppen lassen.

Es wäre für jede international tätige Bank das Todesurteil, keinen Zugriff auf den Dollar mehr zu haben. Deshalb müssen Glasers Leute ihren Gesprächspartnern auch nicht offen drohen. In Frankfurt genügte der Hinweis darauf, dass es "im Interesse des Präsidenten der Vereinigten Staaten" sei, den Iran finanziell zu isolieren. Die Banker wussten, was zu tun war.

Zitat:Wer sich weigert, wird bestraft: Die französische Großbank BNP Paribas musste neun Milliarden Dollar an die USA zahlen und darf ein Jahr lang nicht mehr am Dollarhandel teilnehmen, weil sie weiter mit dem Iran Geschäfte machte. Der Fall nährte nicht nur Furcht, sondern auch einen Verdacht: dass nämlich die Amerikaner nebenbei einen europäischen Konkurrenten ihrer eigenen Banken ausschalten wollten.

Um den Zorn der amerikanischen Finanzkrieger nicht auf sich zu ziehen, durchforsten Banken ihre Kontendaten mittlerweile automatisch mit Computerprogrammen. Wenn diese Programme auf einen Namen stoßen, der auf einer Sanktionsliste steht, schlagen sie Alarm. Und dann kann es sehr schnell gehen:

Am 21. März dieses Jahres funktionierten die Kreditkarten von Kunden der russischen Bank Rossija plötzlich nicht mehr.

Am 26. März stellte die russische Botschaft in Kasachstan fest, dass die Überweisung eines Versicherungsbeitrags nach Moskau nicht durchgegangen war. In New York hatte JP Morgan die Zahlung blockiert.

etc pp
Zitieren
#21
Meine Gedanken dazu (Glaser): Vom Prinzip her ist das natürlich ein genialer Ansatz, weil man das Portemonnaie der Richtigen trifft. Sobald es in der eigenen Tasche schmerzt, dann geht was. Das ist gleich wie Benzinpreiserhöhung und vernünftigere Autos.

Ich war eigentlich erstaunt, dass in der Ukraine-Russland Konflikt die Sanktionen tatsächlich etwas bewirkt haben. Wahrscheinlich gab es diesen hier erklärten Wirtschaftskrieg in einem noch viel grösseren Ausmass im Hintergrund, der die Sache in der Ukraine gestoppt hat.

Bedenklich ist natürlich, dass das eine Nation bestimmen kann. Nur ist die UNO wegen dem Vetorecht von z.B. Russland momentan zu keinen vernünftigen Aktionen fähig (dito USA bez. israelischer Siedlungspolitik/Zweistaatenlösung). Aus der Sicht gesehen, ändert sich nicht viel, weil die USA eh militärisch den Lead haben. Schön wäre natürlich, wenn die UNO handlungsfähig wäre und so einen Hebel hätte. Trotzdem bin ich froh, dass wenn schon, die USA von allen Grossmächten diesen Hebel in ihren Händen hält.
Zitieren
#22
Dieser US-Hebel wird, wenn er zu sehr eingesetzt wird zwingend sehr negative Konsequenzen haben: 1 erzeugt er Instabilität in ohnehin instabilen Ländern 2 wälzen die Reichen den Schaden der ihnen entsteht auf die Armen ab womit 1 noch mehr befördert wird 3 sucht man dann für die Probleme der Armen ausländische Schuldige und lenkt den Druck nach Außen ab 4 ist das weltweite Dollar-System primär eines der eigenen Bequemlichkeit, weil Aufwand und Kosten für eigene Alternativsysteme zu aufwendig sind im Vergleich zum Nutzen. Je mehr aber die USA hier ihr eigenes System als Waffe gegen andere Staate nutzen, desto mehr verändert sich hier die Kosten/Nutzen Rechnung und desto eher wird es dazu kommen, dass Alternativsysteme entstehen was dann die Macht der USA mehr beschneiden wird als wenn man jetzt auf diese Mittel verzichten würde.

SWIFT ist ein besonders gutes Beispiel eines solchen Systems der Bequemlichkeit dass zur Zeit ohne Not von den USA unterminiert wird was langfristig durch seine Fern- und Nebenwirkungen einen größeren Schaden anrichten könnte als wenn man jetzt auf die Verwendung von Swift als Waffe verzichten würde und dafür im Gegenzug deutlich geringere Nachteile in Kauf nehmen würde.

Zitat:Ich war eigentlich erstaunt, dass in der Ukraine-Russland Konflikt die Sanktionen tatsächlich etwas bewirkt haben. Wahrscheinlich gab es diesen hier erklärten Wirtschaftskrieg in einem noch viel grösseren Ausmass im Hintergrund, der die Sache in der Ukraine gestoppt hat.

Da ich mich in Russland ein klein wenig auskenne kann ich dir versichern, dass die Sanktionen in keinster Weise das Geschehen in der Ostukraine beeinflusst haben, ganz im Gegenteil bargen sie geraume Zeit die Gefahr einer Eskalation. Die Idee mit solchen Sanktionen wie sie ergriffen wurden die russische Politik zu beeinflussen scheitert schon von Grund auf den Wirkmechanismen der russischen Sozialkultur und ihren Auswirkungen auf die Innenpolitik.

Genau deshalb hat sich der Westen klugerweise auch mit den Sanktionen zurück gehalten und bestimmte Dinge die möglich gewesen wäre gerade eben nicht angewandt weil dann eine massive Eskalation der Lage zwingend die Folge gewesen wäre. Es gab also hinter den Kulissen keinesweges einen geheimen größeren Wirtschaftskrieg sondern im Gegenteil wurde hinter den Kulissen fleissig daran gearbeitet, die Wirkung der öffentlichen Sanktionen abzuschwächen und trotzdem mit Russland im Geschäft zu bleiben. Man hat hier nach außen eine größere Schau veranstaltet als tatsächlich etwas getan. Bezeichnend, dass etliche bedeutende deutsche Konzernchefs während oder kurz nach Erlass der Sanktionen dann in Moskau waren um über den Umgang mit selbigen mit der russischen Führung zu einer gütlichen Einigung zu kommen.
Zitieren
#23
Quintus Fabius schrieb:Da ich mich in Russland ein klein wenig auskenne kann ich dir versichern, dass die Sanktionen in keinster Weise das Geschehen in der Ostukraine beeinflusst haben, ganz im Gegenteil bargen sie geraume Zeit die Gefahr einer Eskalation.
Und was ist der Grund wieso es nicht funktioniert?

Zitat:Die Idee mit solchen Sanktionen wie sie ergriffen wurden die russische Politik zu beeinflussen scheitert schon von Grund auf den Wirkmechanismen der russischen Sozialkultur und ihren Auswirkungen auf die Innenpolitik.
Die da wäre? Nicht ein idealisierter Kram, bitte so wie es wirklich ist.

Zitat:Es gab also hinter den Kulissen keinesweges einen geheimen größeren Wirtschaftskrieg sondern im Gegenteil wurde hinter den Kulissen fleissig daran gearbeitet, die Wirkung der öffentlichen Sanktionen abzuschwächen und trotzdem mit Russland im Geschäft zu bleiben.
Ich frag mich wie du das wissen kannst. Das geschieht ja im Geheimen.

Zitat:Man hat hier nach außen eine größere Schau veranstaltet als tatsächlich etwas getan.
Man kann ja den Zauber für die Öffentlichkeit veranstalten und Rest nach der Logik "Glaser" im Geheimen ausführen, was spricht dagegen?

Zitat:Bezeichnend, dass etliche bedeutende deutsche Konzernchefs während oder kurz nach Erlass der Sanktionen dann in Moskau waren um über den Umgang mit selbigen mit der russischen Führung zu einer gütlichen Einigung zu kommen.
Vielleicht um zum Kitten was der grosse Bruder USA angerichtet hat, sozusagen um vor den Russen den Bückling zu machen, dass sie nach wie vor im Geschäft bleiben. Deutschland und die USA machen schon längst keine gemeinsame Aussenpolitik mehr.
Zitieren
#24
phantom:

Die russische Führung steht, auch wenn das vom Ausland anders aussieht intern unter erheblichem Druck. Dieser wird noch darüber hinaus von der russischen Elite stärker wahrgenommen als er ist. Die Ereignisse auf dem Maidan und dann in der Ukraine waren für die russische Regierung eine Art Alptraum und wurden dort ganz anders wahrgenommen als hier, nämlich als massive und direkte Bedrohung der eigenen Macht - durch das einfache russische Volk. Gerade deshalb diese extrem massive, man könnte sogar sagen überzogene Reaktion Russlands.

Sozialkulturell ist heute in Russland "Stärke" in einem weiteren Kontext verstanden eines der wesentlichen Leitmotive der Kultur und muss daher von der Führung fortlaufend demonstriert werden um an der Macht zu bleiben. Dieses verfehlte Selbstverständnis und die sich daraus ergebenden Handlungszwänge schränken die Optionen der russischen Führung stark ein und gefährden ihre Position in vielen Fällen einer aus unserer Sicht vernünftigeren Politik. Die russische Regierung und insbesondere Putin sind daher hier nicht diejenigen welche uneingeschränkte Handlungshoheit haben, sie sind Getriebene innenpolitischer und sozialkultureller Prozesse.

Schärfere echte Sanktionen würden sie daher zu sehr massiven Reaktionen zwingen, selbst wenn die russische Führung diese Eskalation nicht wollte. Sie müsste diese dann trotzdem wahrnehmen wenn sie die Macht im Inneren behaupten will. Bereits die Sanktionen jetzt haben in Russland einen sehr starken Handlungsreflex ausgelöst und aufgrund des Umstandes, dass die Führung dort weniger der Treibende als der Getriebene der Umstände ist, raubt das Verhandlungsoptionen und Handlungsoptionen.
Zitieren


Gehe zu: