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Erich schrieb:is ja auch idiotisch - die meisten der Staaten gehörten der Sowjetunion an,
die Einzelwirtschaften aufeinander abgestimmt,
die Familien z.T. über mehrere Mitgliedsländer verstreut,
und dann wird ein Popanz von Grenzkontrollen aufgebaut ....
ergänzend <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20120605">http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... D=20120605</a><!-- m -->
Zitat:INTERNATIONALES WIRTSCHAFTSFORUM ASTANA
Eurasische Ambitionen und opulente Inszenierung
Vom 21.-24. Mai trafen sich in Kasachstans Hauptstadt Astana Politiker, Diplomaten und Wirtschaftswissenschaftler aus fast 100 Ländern zum 5. Internationalen Wirtschaftsforum. Diskutiert wurde ein neues globales Entwicklungsmodell nach der Finanzkrise und Integrationsprozesse in der Eurasischen Union.
Von Julia Schatte
EM 06-12 · 02.06.2012
...
und weil wir gerade bei Kasachstan sind:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20120604">http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... D=20120604</a><!-- m -->
Zitat:EM-INTERVIEW
„Unsere Ambitionen sind grandios, aber wir bewegen uns langsam“
In Kasachstan leben mehr als 50 ethnische Gruppen: Tataren, Russen, Ukrainer, Usbeken, Koreaner, Chinesen, Kurden usw. Die Nation-Bildung ist schon deshalb ein großes Thema in der politischen Diskussion Kasachstans. Mit seinen Nachbarn aus der ehemaligen Sowjetunion unterhält Kasachstan enge Wirtschaftsbeziehungen. Angestrebt wird eine starke Stellung innerhalb der Eurasischen Union ...
... da scheint sich zunehmend eine Trennung zu Russland zu entwickeln:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-07/putin-russland-ukraine-eurasische-wirtschaftsunion">http://www.zeit.de/politik/ausland/2014 ... haftsunion</a><!-- m -->
Zitat:Putins Vasallen begehren auf
Der Ukraine-Konflikt spaltet die Eurasische Wirtschaftsunion: Russland will seinen Markt für ukrainische Waren abschotten, aber Belarus und Kasachstan weigern sich. von Susanne Spahn
9. Juli 2014 17:41 Uhr ...
Der Widerstand Kasachstans und Belarus' versetzt der russischen Integrationspolitik einen herben Rückschlag, denn die beiden Staaten sind als Mitglieder einer Zollunion mit Russland zu einer gemeinsamen Handelspolitik gegenüber Drittstaaten verpflichtet. Minsk und Astana sind auch die wichtigsten Partner der Eurasischen Wirtschaftsunion, deren Vertrag Ende Mai unterzeichnet wurde. 2015 soll diese Vision Wirklichkeit werden: ein Binnenmarkt mit 170 Millionen Menschen, in dem die Freiheit von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital herrscht. Die Eurasische Wirtschaftsunion ist aber vor allem Putins geopolitisches Kernprojekt: der Versuch, eine von Russland dominierte Union als Gegengewicht zur EU zu etablieren und damit die russische Einflusssphäre im postsowjetischen Raum zu sichern.
...
Astana erlaubte im vorigen Jahr demonstrativ die Einfuhr von Schokolade aus der Firma des heutigen ukrainischen Präsidenten Poroschenko, Roshen, die Russland wegen angeblich schädlicher Inhaltsstoffe verboten hatte.
Aber Russland, Belarus und Kasachstan sind nicht nur von einer gemeinsamen Handelspolitik gegenüber Drittstaaten weit entfernt, auch untereinander leidet der Handel:
...
Belarus - und vor allem Kasachstan - haben eine starke russische Minderheit an der russischen Grenze. Mit der Argumentation, die in der Ukraine vorgetragen wird, könnten auch diese russischen Minderheiten aufbegehren. Und das wäre gerade für diese beiden Staaten existenziell bedrohlich.
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Hier geht es zwar nicht nur um die turksprachigen Staaten Zentralasiens, aber solange kein entsprechender Thread exisistiert ist das für mich hier der Zentralasienthread:
Zitat:Stalled Turkmenistan-Tajikistan-Afghanistan Railroad on Again (Maybe)
July 23, 2014 - 11:22pm, by Chris Rickleton
The idea of linking Turkmenistan, Afghanistan and Tajikistan by rail appears to have wheels once more, following reports earlier this year that the project was running short of steam.
Back in January, Turkmenistan went cold on the estimated $2 billion link, slated to be part financed by the Asian Development Bank. Ashgabat faulted Afghanistan and Tajikistan for not keeping the Turkmen leadership in the loop with regard to the route the railroad would follow.
...
For isolated Tajikistan, the track is crucial as neighbor Uzbekistan gradually cuts its rail connections with the outside world. While Turkmenistan and Tajikistan do not share a common border, ties have warmed considerably on the back of billions of dollars worth of Chinese investment in Ashgabat’s energy sector: Line D, the fourth in a quartet of pipelines China is threading through the region from Turkmenistan’s gas fields, will transit Tajikistan when construction starts later this year, earning the regime of President Emomali Rakhmon some easy cash.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.eurasianet.org/node/69181">http://www.eurasianet.org/node/69181</a><!-- m -->
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<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.welt.de/reise/Fern/article130563641/Die-Diktatur-ist-in-Usbekistan-allgegenwaertig.html">http://www.welt.de/reise/Fern/article13 ... ertig.html</a><!-- m -->
Zitat:05:13
Die Diktatur ist in Usbekistan allgegenwärtig
Mausoleen in Chiwa und der Himmel über Samarkand – Usbekistan ist ein faszinierendes Land. Wer entlang der historischen Seidenstraße reist, stößt aber auch immer wieder auf Demonstrationen der Macht.
...
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Die "Alternative Pipeline", die den Transit von Zentralasien über Russland umgeht, führt über Aserbaidschan. Und das ist anscheinend ein unsicherer Kantonist, der sich in seiner Haltung zu Menschenrechten und Demokratie den zentralasiatischen Machthabern anschließt:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/aserbaidschan-zerschlagene-hoffnungen-in-baku-13077158.html">http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 77158.html</a><!-- m -->
Zitat:Aserbaidschan
Zerschlagene Hoffnungen in Baku
Das Regime in Aserbaidschan geht mit Härte gegen Kritiker vor. Nun ist die prominente Bürgerrechtlerin Leyla Yunus wegen „Spionage für Armenien“ angeklagt worden.
02.08.2014, ....
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Erich schrieb:...
China werkelt feste an dieser Verbindung:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/eine-neue-seidenstrasse-warum-china-bald-bis-duisburg-reicht-13019118.html">http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/e ... 19118.html</a><!-- m -->
Zitat:Eine neue Seidenstraße
Warum China bald bis Duisburg reicht
China propagiert eine neue Seidenstraße und will von Astana bis Duisburg ein riesiges eurasisches Handelsnetz knüpfen. Es soll helfen, die Position des Landes als Weltmacht zu etablieren.
01.07.2014, ...
inzwischen ist ein weiterer Schritt getan:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/zug-nach-china-100.html">http://www.tagesschau.de/wirtschaft/zug ... a-100.html</a><!-- m -->
Zitat: Erster Güterzug von Hamburg nach Zhengzhou
41 Container auf dem Weg nach China
Stand: 01.09.2014 16:27 Uhr
Der erste Güterzug von Hamburg nach China ist unterwegs. Der mit 41 Containern beladene Zug transportiert unter anderem Industrieroboter für einen internationalen Technikkonzern,
...
Die Container sind auf der mehr als 10.200 Kilometer langen Strecke rund 17 Tage unterwegs und damit mehr 20 Tage schneller am Ziel als ein Schiff.
Bereits seit 2013 gibt es eine wöchentliche Verbindung von Zhengzhou nach Hamburg; nun soll auch die Gegenrichtung befahren werden.
... Problem ist aber, dass der Transit über Russland führt, und im Zuge der Ukraine-Krise diese Verbindung wohl kritisch gesehen werden könnte.
Umso drängender wäre eine Alternativ-Trasse über die Türkei und dann entweder über den Iran oder über Georgien, Aserbaidschan und das kaspische Meer.
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Zitat:Iran, Turkmenistan to boost military cooperation
15 September 2014, 15:25 (GMT+05:00)
...
Referring to the historical, cultural and religious commonalities between the Islamic Republic and Turkmenistan, Iran's Defense Minister Brigadier General Hossein Dehghan said that the mutual ties should be boosted in all fields, ISNA news agency reported Sept. 15.
...
The two sides also stressed cooperation on fighting terrorism and extremism.
...
The Iranian official is in Turkmenistan at the invitation of Gundogdiev to discuss bilateral, regional and international issues with senior Turkmen political and military officials.
...
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.azernews.az/region/70738.html">http://www.azernews.az/region/70738.html</a><!-- m -->
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Zitat:Wed Dec 03, 2014 9:9
...
The joint railway, in the East of the Caspian Sea, linking Iran to Turkmenistan and Kazakhstan came into operation this morning.
The length of the railway is about 908 km of which 120 km is in Kazakhstan, 700 in Turkmenistan and 88 km in Iran. The railway route connects the Commonwealth of the Independent States (CIS) countries to the Persian Gulf and the South East Asian nations.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://english.farsnews.com/newstext.aspx?nn=13930912001572">http://english.farsnews.com/newstext.as ... 0912001572</a><!-- m -->
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Erich schrieb:...
ergänzend <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.eurasischesmagazin.de/artikel/?artikelID=20120605">http://www.eurasischesmagazin.de/artike ... D=20120605</a><!-- m -->
Zitat:INTERNATIONALES WIRTSCHAFTSFORUM ASTANA
Eurasische Ambitionen und opulente Inszenierung
Vom 21.-24. Mai trafen sich in Kasachstans Hauptstadt Astana Politiker, Diplomaten und Wirtschaftswissenschaftler .... Diskutiert wurde ein neues globales Entwicklungsmodell nach der Finanzkrise und Integrationsprozesse in der Eurasischen Union. ...
... ob die Eurasische Union in der derzeitigen Situation wirklich geeignet ist, die zentralasiatischen Turkstaaten wirschaftlich mehr mit Russland zu verbinden, kann bezweifelt werden. Ich erwarte, dass sich diese Staaten eher vom "sinkenden Schiff" abkoppeln wollen. Für die beiden zentralasiatischen Turk-Staaten Kasachstan und Kirgistan scheint China der attraktivere Partner zu sein.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/eurasische-union-101.html">http://www.tagesschau.de/ausland/eurasi ... n-101.html</a><!-- m -->
Zitat:Eurasische Union nimmt Arbeit auf
Im Sog der russischen Krise
Der heutige Start der Eurasischen Union fällt in eine ungünstige Zeit: Russland als treibende Kraft im Bündnis zieht die anderen Mitglieder in den Sog seiner Wirtschaftskrise. Die vier Ex-Sowjetrepubliken kämpfen mit den Folgen der engen Anbindung und des Rubelverfalls.
Stand: 01.01.2015 09:31 Uhr ...
.... Familien im Südkaukasus und in Zentralasien, die ohnehin schon am Rande des Existenzminimums leben, geraten dadurch noch stärker in Bedrängnis.
So gab es in Armenien und Kirgistan Protest der Opposition und Demonstrationen gegen die schnelle Aufnahme in das Wirtschaftsbündnis zu den Bedingungen Russlands. Denn auch andere Länder haben Interessen im Südkaukasus und in Zentralasien - und verfügen zudem über erhebliche Investitionskraft.
So will der Iran seit langem die Infrastruktur für Verkehr und Energie nach Armenien verbessern. Dies verzögert sich jedoch seit Jahren auch deshalb, weil russische Firmen in Armenien ihre dominante Stellung nicht aufgeben wollen. Türkische Produkte finden sich überall auf Märkten in der Region. China investiert großflächig in die Infrastruktur Zentralasiens und erwächst damit zum großen Konkurrenten Russlands, das in dieser Region weniger, aber gezielter Geld für Projekte ausgibt, die politisch von Bedeutung sind.
...
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in den letzten Jahren haben wir uns sehr auf einzelne Länder konzentriert. Ich versuche mehr, in Zusammenhängen zu denken und die großen Linien und Entwicklungen zu analysieren. Deshalb möchte ich - au aktuellem Anlass - diesen alten Thread wieder ausgraben.
Tatsächlich ist ja das, was vor fast 10 Jahren geschrieben wurde, zunehmend fest zu stellen:
Zitat:Ich erwarte, dass sich diese Staaten eher vom "sinkenden Schiff" abkoppeln wollen.
Ich erinnere an den Konflikt zwischen Azerbaidschan und Armenien - in dem zuletzt die Azeris mit türkischer Unterstützung den (von Russland unterstützten) Armeiniern eine vernichtende Niederlage bereitet haben.
Der Krieg in der Ukraine hat diese "Abkoppelungstendenzen" verstärkt, Während sich Russland in der Ukraine erschöpft, schwimmen sich die zentralasiatischen Staaten frei - und können dabei darauf bauen, dass sowohl China wie auch die Türkei bestrebt sind, an die Stelle der Russen zu treten.
China hat mit der SCO und der "Seidenstraßeninitiative" eine Führungsrolle in Zentralasien übernommen. Diese "Seidenstraße" hat für China schon bei einer Beschränkung auf Zentral- und Ostasien eine gewisse Bedeutung. Richtig komplett wird das aber erst mit der Verbindung nach Europa - dort sitzen die potentiellen Handelspartner mit großer Marktmacht für Angebot und Nachfrage.
Da der Weg nach Europa aber über das vom Westen boykottierte Russland führt(e), ist China zur Vervollständigung seiner Initiative über einen südlicheren Korridor angewiesen. D.h. also entweder über den Iran oder - unter Intensivierung der Seeverbindungen - über das Kaspische Meer nach Azerbaidschan, Georgien und dann die Türkei.
Der Landweg über den Iran darf zur Zeit getrost als eher unwahrscheinlich beiseite gelegt werden. Derzeit wird eher die Verbindung zwischen Russland und Iran enger.
Somit bleibt der "Seeweg" mit dem Kaspischen Meer zwischen dem türkischen Juniorpartner Aserbaidschan im Westen und Kasachstan bzw. Turkmenistan im Osten des Meeres.
In diesem Kontext also die aktuelle Meldung von ESUT: Zitat:Die Türkei als sicherheitspolitischer Partner der Europäischen Union
...
Trotz aller wirtschaftlichen Probleme, wie einer fast 10%igen Arbeitslosigkeit und einer galoppierenden Inflation, gehört die Nation am Bosporus zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, ist zu einer regionalen Militärmacht aufgestiegen und in die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika, im Kaukasus sowie mittelbar in den Russland-Ukraine-Krieg verwickelt, bei dem es zusammen mit den Vereinten Nationen eine Schlüsselrolle beim Abschluss des Getreideexportabkommens zwischen Russland und der Ukraine übernahm. Die Türkei aktivierte im Frühjahr 2022 das Abkommen von Montreux und schränkte damit u.a. für russische Kriegsschiffe die Durchfahrt vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer ein. Die strategische Lage der Türkei als Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten und ihr Status als wichtiges NATO-Mitglied an der Südostflanke mit einem direkten Zugang zum Schwarzen Meer machen Ankara zu einer zentralen Figur bei der Bewältigung der vielen Krisen und Konflikte in der Region.
....
ich möchte da auf mehreres hinweisen:
1. Die Überschrift deutet an, dass die Türkei nicht mehr als (potentieller) Teil der EU sondern a ls gleichberechtigter Partner der EU "auf Augenhöhe" gesehen werden kann.
2. Die geographische und geopolitische Lage der Türkei an zentraler Schnittstelle wird im Kontext mit ihrer Wirtschaftskraft gesehen - die Türkei ist wirtschaftlich und militärisch eine aufstrebende Regionalmacht.
Und daraus ergibt sich:
3. über die Türkei als "Transmissionspartner" können die islamischen Länder Nordafrikas und Vorderasiens genauso wie die turksprachigen Länder Zentralasiens auch politisch, wirtschaftlich (und militärisch?) an die EU herangeführt werden.
Das verlangt aber, die Türkei als Regionalpartner mit ggf. unabhängigen oder besser eigenständigen Interessen zu akzeptieren und zu unterstützen.
Gerade, wenn man China als "strategischen Rivalen" betrachtet wird dies umso nötiger. Denn die Türkei kann alleine nicht gegen Chinas gelenkte Einflussnahme bestehen. Erst mit anderen Partnern entsteht eine ausreichende Stärke für ein solches Bemühen.
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(26.07.2024, 10:58)Kongo Erich schrieb: ich möchte da auf mehreres hinweisen:
1. Die Überschrift deutet an, dass die Türkei nicht mehr als (potentieller) Teil der EU sondern als gleichberechtigter Partner der EU "auf Augenhöhe" gesehen werden kann.
2. Die geographische und geopolitische Lage der Türkei an zentraler Schnittstelle wird im Kontext mit ihrer Wirtschaftskraft gesehen - die Türkei ist wirtschaftlich und militärisch eine aufstrebende Regionalmacht.
Und daraus ergibt sich:
3. über die Türkei als "Transmissionspartner" können die islamischen Länder Nordafrikas und Vorderasiens genauso wie die turksprachigen Länder Zentralasiens auch politisch, wirtschaftlich (und militärisch?) an die EU herangeführt werden.
Das verlangt aber, die Türkei als Regionalpartner mit ggf. unabhängigen oder besser eigenständigen Interessen zu akzeptieren und zu unterstützen.
Gerade, wenn man China als "strategischen Rivalen" betrachtet wird dies umso nötiger. Denn die Türkei kann alleine nicht gegen Chinas gelenkte Einflussnahme bestehen. Erst mit anderen Partnern entsteht eine ausreichende Stärke für ein solches Bemühen.
1. Um den Größenwahn noch zu bestätigen?
2. Die strategische Lage hat die Türkei überhaupt erst einmal in die Lage versetzt wirtschaftlich jetzt da zu stehen wo sie steht, in dem man in den letzten Jahrzehnten aus allen Richtungen diverse Zuwendungen erhalten hat. Allerdings dürfte das darauf basierende Wirtschaftswachstum kaum nachhaltig sein. Und militärisch zumindest auf dem Papier eine Regionalmacht, nur ist diese auch quasi nur von potentiellen Feinden umgeben.
3. Die Türkei hat nur in den Staaten einen gewissen Einfluß in denen die Muslimbruderschaft in die Regierung hineinwirken kann. Dies betrifft in Nordafrika eigentlich nur Westlibyen. Die Regierungen in Marokko, Algerien, Tunesien, Ostlibyen und Ägypten lehnen diese hingegen strikt ab oder haben sie sogar verboten. Kurzum in Nordafrika hat die Türkei absolut nichts zu melden. Auf der arabischen Halbinsel sieht es auch nicht viel besser aus, von Katar mal abgesehen (warum wundert mich das nicht?)
Bleiben die sogenannten Turkstaaten. Da sticht Aserbaidschan natürlich als Partner für die Türkei heraus, allein aus historischen Gründen und der Feindschaft gegenüber Armenien. Aber dahinter beginnt der Einfluß schnell zu schwinden. Auch in den Turkstaaten hat man wenig Interesse daran Juniorpartner für die Türkei zu spielen sonst folgt prinzipiell erst einmal ureignen Interessen.
Fazit: Die obig beschriebene Idee wird in der Realität grandios scheitern, allein schon weil ihr Einfluß auf die muslimische Welt wesentlich geringer ist als angenommen. Man wird sie auch nicht gegen China in Stellung bringen können, weil der Balanceakt der Türkei zwischen den Weltmächten ihr Garant für den Status quo ist.
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Mit wem die Türkei welches Bündnis eingeht, auflöst oder intensiviert, dürfte auch immer stark am aktuellen Machthaber liegen. Ja, das ist jetzt schon sehr sehr lange Erdogan, aber dessen Nachfolge ist weiterhin ungeklärt (auch wenn man seinem Schwiegersohn vom Drohnenhersteller Bayraktar gewisse Ambitionen nachsagt).
ESUT schaut mir zu sehr auf Abstand mit der Türkei. Hier aber heißt es:
Zitat:Angenommen, es käme zu einem Machtwechsel in der Türkei, – beispielsweise indem der amtierende Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu von der oppositionellen CHP, der nächste Präsident des Landes werden würde – hätte das Auswirkungen auf das Verhältnis zur NATO? Oder würde sich die Außenpolitik nicht wesentlich ändern?
Meiner Ansicht nach würde sich an dem Verhältnis Türkei-NATO vieles ändern, weil die Opposition nach meiner Prognose eine andere diplomatische Strategie fahren würde. Sie würde besser verhandeln und die aggressive Rhetorik von heute nicht fortsetzen. Insofern würde vieles einfacher.
Auch, weil die säkular eingestellten Menschen eine größere Rolle in der NATO übernehmen würden. Das sind diejenigen, die ein besseres Verhältnis zu Europa, zum Westen haben; diejenigen, die vielleicht eine bessere Sprachkenntnis haben, die keine oder zumindest weniger Ressentiments gegen Europa hegen. Das würde die Zusammenarbeit natürlich erleichtern.
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(26.07.2024, 23:12)MartiniX schrieb: Mit wem die Türkei welches Bündnis eingeht, auflöst oder intensiviert, dürfte auch immer stark am aktuellen Machthaber liegen. ... Du übersiehst die (Ver-)Bindung, die kulturelle und sprachliche Einheit verursachen. Diese Bindungswirkung ist deutlich nachhaltiger und tiefer als der Einfluss von einzelnen Politikern.
Von daher bin ich überzeugt, dass auch bei einem Regierungswechsel in der Türkei die türkische Interessenspolitik sowohl im Bereich des ehemaligen "Osmanischen Reiches" wie insbesondere auch im Bereich der zentralasiatischen "Turk-sprachigen" Staaten weiter gehen wird. Da es bei letzteren Staaten zudem keine Kollisionen mit Interessen der EU oder der USA gibt (eher sogar komplementäre Ideen), wird selbst eine radikale pro-europäische Wendung der türkischen Außenpolitik nicht dazu führen, dass das türkische Engagement in Zentralasien nachlässt.
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Erdoğan und Netanyahu werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr:
Zitat:Diplomatische Eskalation in Nahost
Israels Außenminister vergleicht Erdoğan mit Saddam Hussein
Erst verglich der türkische Präsident den israelischen Premier mit Hitler. Nun kontert die israelische Regierung. Washington versucht derweil, die Lage im Libanon zu beruhigen, Berlin ruft Deutsche zur Ausreise auf.
....
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(28.07.2024, 11:17)Kongo Erich schrieb: Du übersiehst die (Ver-)Bindung, die kulturelle und sprachliche Einheit verursachen. Diese Bindungswirkung ist deutlich nachhaltiger und tiefer als der Einfluss von einzelnen Politikern.
Welche sprachliche Einheit soll das sein? Man muss sich als Türke schon in Aserbaidschan konzentrieren, um dort ein Gespräch zu führen. In Usbekistan oder Kasachstan geht dann gar nichts mehr. Das ist in etwa so, als wenn du einem Italiener zuhörst und dann glücklich bist, weil du das Wort cisterna verstanden hast.
Ja, unter den türkischen Rechtsextremen findest du die Anhänger des türkischen Großreiches Turan. Das sind aber ideologisch geprägte Menschen, die das Großreich wollen, ohne sich den Menschen in den anderen Teilen wirklich verbunden zu fühlen. Auf der anderen Seite gibt es aber die westlich geprägten Türken in der Tradition Atatürks, die eben mit den anderen Turkvölkern nicht viel anfangen können, außer, dass sie auf TRT belgesel Dokumentationen schauen. Wenn andere politische Strömungen an die Macht kämen, dürfte das Interesse an Zentralasien auch wieder nachlassen. (Was natürlich nicht heißt, dass es ganz aufhört).
Die Gebiete des ehemaligen Osmansichen Reiches stehen dann natürlich auf einem anderen Blatt. Dass sind ja entweder direkte Nachbarstaaten der heutigen Türkei, europäische Balkanstaaten oder wenigstens Mittelmeeranrainer.
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