Vor 2 Stunden
(Vor 4 Stunden)wenkman schrieb: 1- Definiere Einsatzgebiet Bundeswehr/Marine — solange wir das Thema „Indopazifik“ so aktiv (politisch) leben wie derzeit, fehlt es uns tatsächlich an globaler Reichweite; hier würden Träger durchaus Sinn machen.Ich würde eher sagen: Priorisiere Einsatzräume.
Denn wir werden unsere maritimen Kapazitäten personell nicht so erheblich erweitern können, dass wir mehrere globale Schauplätze parallel abdecken können. Dementsprechend müssten zusätzliche Kapazitäten wie Träger in allen unseren Hochsee-Operationsgebieten gleichermaßen zum Einsatz kommen können oder wir müssen uns auf einen Einsatzraum konzentrieren und die anderen vernachlässigen.
Beschaffen wir also einen Träger für den Indopazifik, dann muss dieser auch Einheiten im Nordmeer vollwertig ersetzen können oder wir müssen uns von dort zurückziehen.
Gleiches gilt ja auch allgemein für IKM-Einheiten. Entweder die können auch LV/BV im Norden, oder sie schwächen unsere entsprechenden Kapazitäten in diesem Umfeld. Die F125 ist das aktuelle Beispiel dafür.
Zitat:2- Definiere Träger: Bsp. Japan; die packen zukünftig die F-35 auf die „Hubschrauberträger“ (pardon, Flugdeckkreuzer) und schwupps, haben am Ende vier vollwerte Flugzeugträger. Will sagen, braucht nicht zwingend teure Katapult-Träger.Dabei muss man mMn sehr genau darauf schauen, welche Fähigkeiten man in welcher Tiefe durch den Flugzeugbetrieb gewinnt. Je kleiner die Jet-Komponente wird, desto weniger effizient sind die eingesetzten materiellen und personellen Ressourcen verwendet.
Die America-Klasse benötigt bei ca. 20 F-35B zzgl. Hubschrauber über 1000 Seeleute, die Izumo halbiert das etwa bei ähnlichen Verhältnissen. D.h. wir müssten fast das gesamte geplante Personal der F126-Klasse aufbringen, um ein Schiff dieser Art betreiben zu können, mit dem wir dann eine halbe Staffel F35B einsetzen können. Da ein Schiff kein Schiff ist, brauchen wir zwei davon, somit muss auch die F125 dran glauben. Es bliebe uns dann noch das Personal der F124, um damit Eskorten für diese Träger zu bemannen. Nach der 3er-Rotation kämen wir damit auf 4xF127 und hätten somit in der gesamten Hochseeflotte noch zwei Kriegsschiffe gleichzeitig einsetzbar. Einen Träger mit einem Geleitzerstörer. Alles darüber hinaus könnte nur durch Personalaufwuchs generiert werden.
Und nehmen wir alternativ an, man würde nur auf einen Träger setzen, blieben immerhin gerade noch genug bemannbare Schiffe übrig, um eine Kampfgruppe von 2-3 Schiffen zu formen, die dann temporär über einen Träger verfügen würde.
Diese Einschränkungen würden dann lediglich ausgeglichen durch zwei Handvoll seegestützt einsetzbare STOVL-Jets und ggf. ein paar Nebeneffekte durch die Nutzbarkeit als LHD. Ist es das Wert? Was kann ein Dutzend Jets alleine in welchem Szenario ausrichten? Und wenn sie nicht alleine, sondern im Bündnis eingesetzt werden sollten: Können wir dann nicht effizienter andere Kapazitäten beisteuern, die für uns selbst in unseren Kernaufträgen einen höheren Wert haben?
Zitat:3- Definiere Einsatzrolle: wie bereits hier diskutiert, muss man ja mit den Trägern nicht gleich fremde Länder angreifen, man könnte im Gegenteil unsere spezifisch (politisch) deutsche Rolle eventuell gerade mit Trägern gut weiter ausfüllen: hätte das Schiff auch amphibische Fähigkeiten könnte man prima humanitäre Hilfsaktionen durchführen, mit Air Cover durch eigene F-35 an Bord…Wozu braucht es bei humanitären Einsätzen Kampfjets? Sollte die Sicherheitslage derart kritisch sein, würde man da nicht mit einem einzelnen amphibischen Träger rein gehen. Das sind für mich zwar Argumente für ein LHD, nicht aber für einen STOVL-Träger.
Viel relevanter wäre es, zu schauen, welche bisher anders abgedeckten Fähigkeiten in den Kategorien ASW, AAW, ASuW, SigInt/EloKa etc. von diesen Flugzeugen ersetzt werden könnten. Denn die würden ja für deren Einführung massiv zusammengestrichen werden müssen, weil für andere Plattformen kein Personal mehr da wäre.
Für mich wäre eine deutsche Träger-Debatte nur dann zielführend, wenn sie auf einen Drohnenträger abzielt, der CCA in der Leistungsklasse von Loyal Wingmen mit geringem Personalansatz zum Einsatz bringen kann. Die gesamte Konzeption und der Bau eines Trägers würden ohnehin über ein Jahrzehnt dauern, so dass wir damit in einem Zeitalter landen, in dem diese Klasse von UCAV einsatzreif sein und sich sukzessive auch auf Trägern durchsetzen werden. Und dann könnte das Verhältnis von eingesetzten Ressourcen und gewonnenen Kapazitäten vielleicht aufgehen.
