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Afghanistan - Druckversion +- Forum-Sicherheitspolitik (https://www.forum-sicherheitspolitik.org) +-- Forum: Blickpunkt Welt (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=90) +--- Forum: Sicherheitspolitik und Wirtschaft (https://www.forum-sicherheitspolitik.org/forumdisplay.php?fid=96) +--- Thema: Afghanistan (/showthread.php?tid=62) Seiten:
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- parabellum - 05.04.2010 @ Erich In Afghanistan wird rein garnichts verteidigt, es geht lediglich um die Durchsetzung deutscher Sicherheitsinteressen. 1.) durch eine Stabilisierung Afghanistan soll ein stabileres Pakistan und damit ein stabileres Südasien erreicht werden. Hierdurch bleiben nicht nur große Märkte erhalten auch der Indische Ozean bleibt weiter für den deutschen Handel offen. 2.) Wahrnehmung in der islamischen Welt bzw. in für islamistisches Gedankengut offene Personenruppen. Hier kann man mit Beispielen aus der jüngsten Vergangenheit (z.B. Somalia) argumentieren, dass ein Rückzug Deutschlands, welcher propagandistisch als Niederlage dargestellt werden könnte, Islamisten in ihrer Argumentation bestärkt, dass der Westen leicht eingeschüchtert und besiegt werden kann (Wir haben bisher nur 39 Gefallene zu verzeichnen, das mag für den betroffenen tragisch sein, ist aber bei 250k Soldaten verschwindend gering). Ein weiterer Grund ist das Bündnis mit den Vereinigten Staaten. Durch den Einsatz soll den Vereinigten Staaten bewiesen werden, dass die NATO auch für die USA weiterhin nützlich und erhaltenswert ist. Zudem stellt man sich sicher auch vor, in der Zukunft auf die Hilfe der USA zurückgreifen zu können, falls deutsche Interessen bedroht sind. Hierfür gibt es allerdings keine Garantie, und die USA sind nunmal die USA. Ihre Interessen kommen, wie bei den meisten anderen Staaten auch, zu erst. Alternativlos ist der Einsatz nicht. Es gibt unzählige Alternativen, die alle Vorteile und Nachteile haben, es ist aber verdammt schwierig Eintrittswahrscheinlichkeiten anzugeben. Eine Alternative wäre zum Beispiel für ein Jahr sämtliche verfügbaren Ressourcen der Bundeswehr (d.h. mindestens Divisionstarkes Kongtingent) auf Afghanistan zu konzentrieren und zu versuchen sämtliche Oppositionskräfte in den Pashtu-Pockets zu vernichten. Anschließend kann man "Mission Accomplished" erklären und sich zurückziehen, begleitet von massiver PR/Propaganda um der breiten Mehrheit der Islamismus-Zielgruppe klarzumachen, dass Deutschland in einer Position der Stärke und auch mit assymmetrischer Kriegführung nicht zu besiegen sei. - Erich - 05.04.2010 parabellum schrieb:@ Erich In Afghanistan wird rein garnichts verteidigt, es geht lediglich um die Durchsetzung deutscher Sicherheitsinteressen.Hi, das sind drei Gründe und eine Alternative, die mich aber nicht überzeugt. zu 1.) Das Ziel teile ich, allerdings stellt sich die Frage, ob der gewählte Weg der richtige ist. Ein stabilieres Afghanistan und erst recht ein stabileres Pakistan lässt sich nicht erreichen, in dem man ein Volk, das auf beiden Seiten der Grenze lebt und in Pakistan über lange Zeit als "Staatstragend" gegolten hat - die Paschtunen - unterdrückt und von einer umfassenden Autonomie oder Eigenstaatlichkeit fernhält. Werte wie "Demokratie", "Freiheit" oder "Gleichberechtigtung" können nicht von Aussen aufgezwungen werden, sondern müssen in der Gesellschaft selbst Fuß fassen. Da ist ein Bürgerkrieg der denkbar schlechteste Weg. zu 2.) Die Einmischung in regionale Konflikte und gewaltsame Umsetzung westlicher Werte wird von einer Gesellschaft mit anderer Kultur und anderer Ethik noch viel schlimmer als Kolonialisierung und Unterdrückung (miss-)verstanden. Es ist kein Wunder, dass jede fremde Truppe, die länger als ein Jahr in Afghanistan war, als "Besatzermacht" verstanden wurde. Wir können die Vertreter der Nordallianz (im Wesentlichen Usbeken, Turkmenen, Tadjiken und auch die Hazara) unterstützen, eine Dominanz der Paschtunen abzuwehren - zum Preis der Spaltung Afghanistans, und auch nur in enger Kooperation mit den Nachbarstaaten (Usbekistan, Turkmenistan, Tadjikistan und - vor allem - dem Iran), ja, aber wir können nicht die Paschtunen auf Dauer unter Kurratel halten. Der Druck, der sich da aufbaut, wird den Dampfkessel immer mehr zu einer immer größeren Explosion führen - und das in Nacbbarschaft zu Pakistan, einem atomar bewaffneten Staat, der auch Probleme mit seinen (paschtunischen) Grenzvölkern hat. zu 3.) Solidarität mit Amerika - ja, aber nicht zu jedem Preis. Al Quaida ist ein Netzwerk von unabhängig operierenden Terroristen, die "Zellen" in verschiedensten Staaten haben - auch in England, Deutschland oder den USA, in Marokko und Ägypten ... - und keine straff organisierte hierarchische Orgranisation. Der ideologische Führer - bin Laden - war (sicher mit finanzieller Unterstützung aus Saudi-Arabien) einige Zeit in Afghanistan. Die Flugzeugterroristen vom September waren in Deutschland und haben einen Teil ihrer Ausbildung sogar in den USA gemacht. Rechtfertigt das unbedingt einen Krieg oder die aktive Beteiligung an einem Bürgerkrieg? Der "normale Paschtune" hat mit den Terroristen von Al-Quaida soviel zu tun wie der "normale deutsche Muslim" mit den Flugzeugterroristen. Seit Jahren ist von Afghanistan kein einziger Terroranschlag gegen andere Staaten mehr ausgegangen. Insoweit war die Aktion auch (zunächst) erfolgreich. Seit Jahren wird nun Bin Laden gesucht - und niemand weiß, wo er sich aufhält oder ob er überhaupt noch lebt. Aus der "Strafaktion" gegen ein paar Terroristenlager von Al Quaida ist die Beteiligung an einem sich immer mehr anwachsenden Bürgerkrieg geworden. Insofern entwickelt sich die Aktion (dauerhaft) zu einem Desaster. Dazu <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.sueddeutsche.de/politik/582/507736/text/">http://www.sueddeutsche.de/politik/582/507736/text/</a><!-- m --> Zitat:AfghanistanEs wird höchste Zeit, das Egagement auf dem Höhepunkt des Erfolges zu beenden. Und noch mehr massive Unterdrückung - wie von Dir als Alternative dargestellt - wird nicht zu einer Befriedung führen, sondern den innerafghanischen Bürgerkrieg gegen das Volk der Paschtunen verstärken und in die Nachbarstaaten tragen, noch mehr als bisher. - parabellum - 05.04.2010 Zitat:Das Ziel teile ich, allerdings stellt sich die Frage, ob der gewählte Weg der richtige ist.Wie gesagt Stabilisierung ist nur das Ziel, über Alternativen zu dessen Erreichung kann man sich streiten. Zitat:Die Einmischung in regionale Konflikte und gewaltsame Umsetzung westlicher Werte wird von einer Gesellschaft mit anderer Kultur und anderer Ethik noch viel schlimmer als Kolonialisierung und Unterdrückung (miss-)verstanden.Das Problem dabei ist, dass wir ja bereits in Afghanistan sind. Das Ziel 2 hat sich also erst mit der Teilnahme an ISAF im Jahr 2002 ergeben. Ich bin nunmal kein Verhaltenswissenschaftler und kann nicht vorhersagen, wo und wie ein entsprechendes Vorgehen Deutschland wahrgenommen wird. Die von mir vorgeschlagene Alternative ist allerdings mehr auf unsere Verbündeten und die Zielgruppe von islamistischer Propaganda gerichtet. - Erich - 06.04.2010 dazu passt ein neuer Artikel in der FAZ <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.faz.net/s/Rub0CCA23BC3D3C4C78914F85BED3B53F3C/Doc~EDA7BA725ED29471AA47E3EEDB620F6DB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">http://www.faz.net/s/Rub0CCA23BC3D3C4C7 ... ntent.html</a><!-- m --> Zitat:Karzais Bemerkungenwir sind seit 2002 da, richtig, aber wir sind inzwischen zu lange da - und die westlichen Truppen weden immer mehr als Besatzungsmacht empfunden. DAS ist das Problem, mit dem wir fertig werden müssen. Und zwar gaaaanz schnell .... - Venturus - 06.04.2010 Was Karsai so von sich gibt kann man ohnehin getrost in die Mülltonne kloppen. Wir hatten seinerzeit mit dem Deutschen Bund eine stärkere Zentralgewalt, als die Afghanen heute mit dem Regime in Kabul. Und die Sympathie des einfachen Volkes? Schön wenn man sie hat, aber die Entscheidungsträger findet man dort sicherlich nicht. Will man in Afghanistan weiterhin westliche Truppen stationiert haben, führt kein Weg an den Stammesfürsten und Warlords vorbei. Dürfte bloß ein diplomatischer Alptraum sein, die alle unter einen Hut zu bringen. Geld, Waffen und diverse für diese Machthaber interessanter Güter als Schmiermittel sind sicherlich nicht das Problem. Aber die Feindseligkeiten untereinander. Was interessiert es einen lokalen Stammesfürsten, wenn ihm der lokalen U.S. Colonel sagt das er doch bitte aufhören soll seine Nachbarn zu drangsalieren? Da lacht der Afghane nach dem Motto "Die Fehde bestand schon lange bevor ihr damals von der Mayflower gekrochen seid." (sofern er sich in der Geschichte so gut auskennt). Dort drüben ticken die Uhren halt etwas anders. Wenn die USA/NATO unbedingt langfristig im Land verbleiben will, muss sie sich eben den Gegebenheiten anpassen. Sprich: Will man nach dem Abzug der ja ab 2011 anlaufen soll, dort noch Basen betreiben, wird man sich mit den lokalen Stammesfürsten der betreffenden Regionen und den Stammesfürsten durch deren Gebiete die Nachschublinien laufen einigen müssen und ansonsten sich fein aus den inneren Angelegenheiten der Afghanen raus halten. - Erich - 13.05.2010 <!-- m --><a class="postlink" href="http://de.rian.ru/world/20100513/126292869.html">http://de.rian.ru/world/20100513/126292869.html</a><!-- m --> Zitat:Unbekannte Krankheit vernichtet afghanische Rauschgift-Feldersowas aber auch ... - Schneemann - 13.05.2010 Zitat:AfghanistanLink: <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,694683,00.html">http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 83,00.html</a><!-- m --> Schneemann. - blasrohr - 13.05.2010 Erich schrieb:http://de.rian.ru/world/20100513/126292869.html na ja dann steigen halt die Preise ums 3fache - Erich - 13.05.2010 nochmal zu dem RIA-NOVOSTI-Zitat: Zitat:... Ich zweifle, dass den Taliban weiterhin entsprechende Finanzmittel in der bisherigen Größe zufließen. Denn es gibt ja auch andere Drogen, die anstelle des Opiums treten könnten. Und je teurer das Opium wird, desto (vergleichsweise) günstiger kommen diese Dröhnungen. - Quintus Fabius - 14.05.2010 Die Taliban handeln witzigerweise auch mit Marmor, Lapislazulli usw, einige Kämpfe um bestimmte Gebiete resultieren schlicht und einfach aus dem Versuch der Taliban dort wertvolle Rohstoffe zu kontrollieren. Soltle die Mohnernte tatsächlich durch diese Pflanzenkrankheit sehr schlecht ausfallen, dann ist das tatsächlich für die Aufständischen ein Problem. Andererseits produziert Afghanistan alleine mehr Rohopium als der Weltbedarf ist. Von daher müssen die Ausfälle schon ganz massiv sein. - Erich - 16.05.2010 <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,694944,00.html">http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1 ... 44,00.html</a><!-- m --> Zitat: 15.05.2010 - Schneemann - 19.05.2010 Zitat:Taliban greifen Nato-Basis in Afghanistan anLink: <!-- m --><a class="postlink" href="http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEBEE64I01R20100519">http://de.reuters.com/article/worldNews ... 1R20100519</a><!-- m --> Schneemann. - Erich - 23.05.2010 <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan1832.html">http://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan1832.html</a><!-- m --> Zitat:Sechs ISAF-Soldaten unter den Opfern<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/natokandahar100.html">http://www.tagesschau.de/ausland/natokandahar100.html</a><!-- m --> Zitat:Taliban feuern Raketen auf südafghanische Basiswenn das so weitergeht könnte es ein heisser Sommer werden - ThomasWach - 26.05.2010 Aus diversen Pressequellen (Spiegel, The Economist): Karsai lässt nicht nur unter der Hand immer wieder Gespräche mit Talibanvertretern in Dubai und Saudi-Arabien führen, er verhandelt nun auch neben den Taliban mit der Hezb-e-Islam, der politischen Partei eines der schlimmsten Warlords des Bürgerkriegs, Gulbuddin Hekmatyar. Einer seiner Schwiegersöhne soll gar, so wird spekuliert, bald ein Ministeramt bei Karzai erhalten. Es gab inzwischen auch schon hier direkte Gespräche, Vertreter Hekmatyars wurden im Frühjahr von Karzai persönlich empfangen. Nähere Details konnte ich aber dazu nicht finden. - Erich - 26.05.2010 Karsai versucht sich für den Abzug der Alliierten zu wappnen. Er weiß, dass er seine Stellung nur den Alliierten Gewehren und Kanonen verdankt, und er hat das Schicksl eines Vorgängers vor Augen, der seine Stellung den sowjetischen Gewehren und Kanonen verdankte. |