(Luft) Nachfolge Kampfhubschrauber Tiger
(11.04.2023, 14:31)Quintus Fabius schrieb: Noch zur Frage der militärischen Gewinnschwelle: Ein plakatives Beispiel: ... Wir verwenden also Systeme die Beschaffungskosten in Höhe von 1,4 Milliarden generieren um dann für Vollkosten um die 300 Millionen Euro beim Feind nur 200 Millionen Euro abzunutzen.

Ich halte diese Herangehensweise deinerseits für absolut nicht zielführend. Die Kosten eines Waffensystems müssen immer im Kontext der jeweiligen Streitkräfte und der sie tragenden Gesellschaften betrachtet werden. Eine reiche, aber wenig wehrfähige Gesellschaft wie die unsere kann sich extrem teure Systeme leisten, wenn diese in der Lage sind, fehlende personelle Wehrfähigkeit zu kompensieren. Wir können den zehnfachen Preis für ein System bezahlen, wenn es im Gegenzug nur die halbe Besatzungsstärke erfordert. (Zahlen wie üblich frei erfunden.)

Um dein Beispiel aufzugreifen: Wenn uns in dieser Rechnung 600 Mio. zur Verfügung stehen, dem Feind aber nur die Hälfte davon, dann geht das letzten Endes für uns auf. Sobald das Verhältnis des finanziellen Leistungspotentials höher als 3:2 für uns ausfällt, werden wir gewinnen. Das sollte eigentlich schon aufzeigen, dass ein solcher Kostenvergleich nicht geeignet ist, militärische Kapazitäten zu bewerten, denn sonst bräuchte Deutschland ja nur seinen Wehretat verdoppeln und wäre damit Russland bereits alleine überlegen.

Und da sehe ich häufiger in deinen Argumentationen eine Schwachstelle: Du denkst zu rational, um zu realistischen Einschätzungen zu gelangen. Abgesehen davon, dass du meistens voraussetzt, dass sich alle anderen militärisch rational verhalten und das tun, was du für richtig erachten würdest, verfällst du auch häufig in eine logisch-rationale Herangehensweise, die gewisse Faktoren außen vor lässt. Wir hatten das schonmal in Bezug auf den Sanitätsdienst: Wenn wir 10 Sanis streichen, hätten wir nicht 10 Soldaten mehr, sondern erstmal nur 10 Sanis weniger, von denen dann vielleicht ein oder zwei für andere Aufgaben zur Verfügung stünden, während die anderen einfach in zivile Verwendungen abwandern würden.
Etwas ähnliches ist hier der Fall: Durch einen Verzicht auf einen Kampfhubschrauber stünden uns nicht im Gegenzug die gleichen finanziellen Mittel in Form von Raketenartillerie, Panzerkavallerie, Fernspähern etc. zur Verfügung. Wir hätten einfach nur keine Kampfhubschrauber mehr und eine etwas weniger kritische Haushaltslage.
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Nachfolge Kampfhubschrauber Tiger - von Helios - 18.03.2023, 10:45
RE: Nachfolge Kampfhubschrauber Tiger - von Mic - 22.03.2023, 22:20
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