Afghanistan
Schneemann:

Auch die Bombardierung von den wenigen Straßen, Brücken oder E-Werken dürfte zwar den Unmut über sie erhöhen, aber genauso den Unmut über diejenigen, die bombardieren, was ihnen dann wieder Leute zutreiben könnte.

Deshalb schrieb ich explizit, dass man diese Angriffe entlang der Bruchlinien der afghanischen Gesellschaft ansetzen muss. Dass man also diese (welche ohnehin mehr eine Nicht-Gesellschaft ist als eine Gesellschaft) durch gezielte Eingriffe auseinander sprengt. Primär muss man jede Form von Wirtschaft dort zerstören und insbesondere den Mohnanbau. Jede falsche Rücksichtnahme wäre hier falsch.

Und natürlich wird das Leute dazu bringen sich für die Taliban zu entscheiden, aber das ist irrelevant. Ob nun die Mehrheit in den nächsten Jahren den Taliban folgen will oder folgen muss spielt gar keine Rolle. Wenn wir solche Angriffe immer weiter fortsetzen würden, dann wird die Unzufriedenheit mit dem Taliban Regime mit der Zeit immer größer werden und schließlich würde die Stimmung kippen. Wenn die Taliban die Wirtschaft nicht in den Griff kriegen, werden sie sich nicht halten können, deshalb ja meine Forderung jedwede Wirtschaft dort zu vernichten.

Zitat:Und das wiederum wird wieder eine neue Flüchtlingswelle verursachen, was wir auch nicht als wünschenswert ansehen.

Flüchtlinge kann es nur geben wenn diese die Flucht bezahlen können, was schon bald nicht mehr der Fall sein würde wenn wir die afghansiche Wirtschaft vollständig vernichten, und wenn wir diese in die EU hinein lassen, wofür keinerlei Anlass besteht.

Natürlich werden wir in jedem einzelnen Punkt das genaue Gegenteil machen, und schlußendlich wird dadurch Pakistan auseinandergeblasen werden.

Zitat:Ist sie nun ein Beispiel dafür, dass man es nicht "versucht" hat? Nein, ich denke, dies wäre zu verallgemeinernd. Man hat Compounds ausgebaut, die Straßen kontrolliert und darüber eine Luftglocke gestülpt.

Und wie sollte man so die Taliban besiegen können?

Zitat:sie haben eben versucht, es bei einer vergleichbaren Truppenstärke und mit gezielteren Aktionen und einer besseren Technik auf andere Weise zu erreichen

Um es ganz einfach auszudrücken: mit einer zu geringen Truppenstärke mit falschen Aktionen mit einer für diese Aufgabenstellung unbrauchbaren Technik auf eine falsche Weise.

Zitat:und dazu kann man auch "winning hearts and minds", das gerne despektierlich kommentierte Brunnenbohren und den Bau von Schulen zählen).

Die Sowjets haben übrigens in diesem Bereich wahrscheinlich sogar mehr geleistet als wir. Sinnvoller wäre es gewesen im ganzen Land Internet zur Verfügung zu stellen und jedem Afghanen ein Smartphone in die Hand zu drücken. Hätte mehr Effekt gehabt als ein Brunnen der dann dazu führte dass der Viehbestand in der Gegend zu groß wurde (bisherige Limitierung war der Mangel an Wasser) weshalb dann das Vieh eine Überweidung verursachte was dann einen Konflikt zwischen dem Nomadenstamm und den ansässigen Bauern verursachte worauf diese sich den Taliban anschlossen......

Und dass sie dabei nicht wie die Sowjets (vermutlich) 1,5 Mio. Menschen in zehn Jahren massakriert haben, sondern "nur" vermutlich 300.000 Tote in 20 Jahren verursachten, dies mag ich einfach nicht als Fehler auslegen oder als Beleg für ein Nichtversuchen deuten wollen.

Wir haben in Afghanistan den Tot von hunderttausenden Menschen verursacht, für gar nichts. Den schon vor 10 Jahren war klar dass das nie etwas wird und so wie wir es betrieben haben war das auch schon vor 20 Jahren klar. Ich selbst habe nie etwas anderes geschrieben in all den Jahren aber da hat man wie nicht unüblich erklärt dass ich halt einfach wie immer nur ein Schwarzseher sei und alles negativ sehen würde usw.

Wir haben es in Wahrheit dort nicht wirklich versucht. Sieh dir dazu mal die Bundeswehr vor Ort an. Es ist lächerlich was da veranstaltet wurde, das lief die ganze Zeit nur darauf hinaus dort zu sein, so zu tun als ob und möglichst nur keine eigenen Verluste zu erleiden.

Seit 2015 unterrichte ich gelegentlich Asylbewerber in Deutsch, da die Deutsche Sprache die herrlichste und edelste der Welt ist und je mehr Menschen diese beherrschen, umso besser ist dies für die Menschheit. Daher habe ich seit Jahren ziemlich engen Kontakt mit afghanischen Flüchtlingen. Noch jeder von diesen berichtete übereinstimmend, dass die westlichen Truppen extrem distanziert waren, man eigentlich gar keinen wirklichen Kontakt mit diesen hatte, lediglich sporadische Treffen, dass man nur froh war wenn keine westlichen Truppen präsent waren weil dann Frieden herrschte und keine Kämpfe stattfanden, dass die realen militärischen Leistungen der westlichen Truppen ein Witz waren, dass irgendwann die Taliban einfach so zurück kehrten und man nichts dagegen machen konnte (froh war man darüber auch nicht), dass die zivilen Leistungen des Westens ein Witz waren und nur dazu dienten Einzelne und die Eliten zu berreichen und zu stehlen und zu betrügen und zu unterschlagen was da nur geht.

Das Bild was ich da aus afghanischer Sicht im Laufe der Jahre zusammen getragen habe ist eines des kompletten Versagens, und des Nicht-Versuchens. Und ich will das ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mal als Vorwurf verstanden wissen, man wusste auch in der Bundeswehr ab 2010 herum dass Afghanistan komplett und vollständig gescheitert ist. Also ging es nur noch darum dort Flagge zu zeigen und keine Verluste zu erleiden und das letztgenannte hat man mit Bravour erledigt. Noch nie hatte eine Armee in einem derartigen Gelände mit einem derartigen Gegner derart geringe Verluste.

Wir haben nur so getan als ob und das war die Mission dort. Nichts anderes.
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Und die Geldzahlungen fangen an:

https://www.n-tv.de/politik/Maas-sagt-Af...01156.html

Dazu wird noch eine Menge Geld der Ölaraber fließen:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2021...gle.com%2F
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@Quintus
Zitat:Deshalb schrieb ich explizit, dass man diese Angriffe entlang der Bruchlinien der afghanischen Gesellschaft ansetzen muss. Dass man also diese (welche ohnehin mehr eine Nicht-Gesellschaft ist als eine Gesellschaft) durch gezielte Eingriffe auseinander sprengt. Primär muss man jede Form von Wirtschaft dort zerstören und insbesondere den Mohnanbau. Jede falsche Rücksichtnahme wäre hier falsch.

Und natürlich wird das Leute dazu bringen sich für die Taliban zu entscheiden, aber das ist irrelevant. Ob nun die Mehrheit in den nächsten Jahren den Taliban folgen will oder folgen muss spielt gar keine Rolle. Wenn wir solche Angriffe immer weiter fortsetzen würden, dann wird die Unzufriedenheit mit dem Taliban Regime mit der Zeit immer größer werden und schließlich würde die Stimmung kippen. Wenn die Taliban die Wirtschaft nicht in den Griff kriegen, werden sie sich nicht halten können, deshalb ja meine Forderung jedwede Wirtschaft dort zu vernichten.
Das wird aber praktisch nicht durchsetzbar sein. Technisch umsetzen könnte man es vllt., obwohl ich es immer für ein sehr gewagtes Konstrukt halte, darauf zu bauen, durch eine reine Bombenkampagne eine Bevölkerung dazu zu bringen, sich gegen ein Regime XYZ zu wenden. Zudem dürfte es äußerst schwierig sein, entlang der Bruchlinien einer Gesellschaft mit einer reinen Luftoffensive einzuwirken, so dass diese weiter zerfällt. Ich befürchte eher, dass wir zwar ein paar Brücken oder Tankstellen oder meinetwegen auch den einen oder anderen Taliban-Compound mit GBUs plattwalzen, aber dass es eben zugleich horrende zivile Verluste geben wird, die sich quer durch alle Volksgruppen dort zusammensetzen. Und dies wiederum dürfte die Menschen enger an das Regime heranrücken lassen.

Mohnanbau: Den Mohnanbau aus der Luft zu bekämpfen gestaltet sich auch schwierig, es sei denn ich greife auf flächenwirkende Waffen zurück (z. B. Napalm oder dessen Derivate) oder auf chemische Keulen. Beides ist geächtet und wäre international und politisch nicht durchzuhalten. Von moralischen Aspekten sprechen ich dabei noch nicht.
Zitat:Flüchtlinge kann es nur geben wenn diese die Flucht bezahlen können, was schon bald nicht mehr der Fall sein würde wenn wir die afghansiche Wirtschaft vollständig vernichten, und wenn wir diese in die EU hinein lassen, wofür keinerlei Anlass besteht.

Natürlich werden wir in jedem einzelnen Punkt das genaue Gegenteil machen, und schlußendlich wird dadurch Pakistan auseinandergeblasen werden.
Flüchtlinge von dort gab es schon immer, wobei der einzige Unterschied ist, dass manche tatsächlich mehr Geld haben dürften als andere und deswegen es bis nach Europa schaffen. Das ist aber unabhängig von der afghanischen Wirtschaft - da das, was wir treffen könnten, nicht die finanzielle Grundlage generiert von dem, was die Menschen dann zur Flucht nutzen könnten. Die meisten, die fliehen, sind nicht die Ärmsten, sondern haben halbwegs eine kleine Existenz (kleinere Betriebe, Handwerker, Bauern, Taxifahrer, vllt. auch der eine oder andere Schmuggler etc.). Und die treffe ich nicht mit einer Luftoffensive. Eher befördere ich deren Leid, so dass sie sich mit ihren Ersparnissen (auch mit dem, was sie in den letzten 20 Jahren ersparten) dann aufraffen zur Flucht.

Ich sehe also eher das Problem, dass wir mit einer Bombenkampagne a) mehr Flüchtlinge produzieren, wobei b) die etwas wohlhabenderen Menschen tatsächlich bis in den Westen zu gelangen suchen, während c) die Ärmsten gerade noch bis in den Nachbarstaaten es schaffen. Und dort wiederum gibt es das Risiko, vor allem bzgl. Pakistan, dass sie ein unzufriedenes und gehasstes bis fundamentalistisches Prekariat ausbilden, was dann zusätzlich die Destabilisierung Pakistans bewirken würde. Kurzum: Wir würden also mit einer Luftoffensive auch eher das bewirken, was wir wiederum nicht haben wollen, nämlich Pakistan destabilisieren.
Zitat:Und wie sollte man so die Taliban besiegen können?
Eine Universallösung, die politisch tragbar wäre, kann ich dir nicht nennen. Wenn es politisch akzeptiert und durchsetzbar wäre, dann würde ich sagen: a) Truppenstärke und Luftunterstützung wie im Golfkrieg II anno 1991 + b) "clear and hold" + c) Aufbau der zivilen Infrastruktur.
Zitat:Die Sowjets haben übrigens in diesem Bereich wahrscheinlich sogar mehr geleistet als wir. Sinnvoller wäre es gewesen im ganzen Land Internet zur Verfügung zu stellen und jedem Afghanen ein Smartphone in die Hand zu drücken. Hätte mehr Effekt gehabt als ein Brunnen der dann dazu führte dass der Viehbestand in der Gegend zu groß wurde (bisherige Limitierung war der Mangel an Wasser) weshalb dann das Vieh eine Überweidung verursachte was dann einen Konflikt zwischen dem Nomadenstamm und den ansässigen Bauern verursachte worauf diese sich den Taliban anschlossen...
Naja, während der Sowjetzeit sank die afghanische Bevölkerung um min. 1,5 Mio. Menschen ab (von grob 13,5 Mio. 1980 auf 11,8 Mio. 1989) und stagnierte das BIP, sank sogar leicht ab. Während der NATO-Intervention vervierfachte sich des BIP (von rund 4 Mrd. 2000 auf fast 19 Mrd. 2020) und die Bevölkerung verdoppelte sich fast. Interessanterweise sank auch die (hohe) Geburtenrate unter der NATO-Ära ab, was darauf hinweisen kann, dass es den Menschen insgesamt besser ging. Insofern sehe ich nicht wirklich, wo die Sowjets mehr geleistet hätten als wir.

Schneemann.
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Schneemann:

Zitat:Technisch umsetzen könnte man es vllt., obwohl ich es immer für ein sehr gewagtes Konstrukt halte, darauf zu bauen, durch eine reine Bombenkampagne eine Bevölkerung dazu zu bringen, sich gegen ein Regime XYZ zu wenden.

Die Zielsetzung wäre nicht primär, dass sich die Bevölkerung gegen die Taliban erhebt, sondern dass diese keinen funktionierenden Staat erhalten und das Land zu einem unregierbaren bloßen geographischen Gebiet wird, mit völlig zersplitterten belanglosen Machtstrukturen.

Zitat:Das ist aber unabhängig von der afghanischen Wirtschaft - da das, was wir treffen könnten, nicht die finanzielle Grundlage generiert von dem, was die Menschen dann zur Flucht nutzen könnten.

Wieder rein theoretisch: in einem reinen strategischen Luftkrieg wird gerade eben das angegriffen was die finanzielle Grundlage dessen generiert was Menschen zur Flucht nutzen können. Ein praktisches Beispiel: Stromversorgung. Wenn in allen größeren Städten jedwede Stromversorgung zerstört würde, dann bricht dort nicht nur die Wirtschaft vollständig in einer nicht drehbaren Abwärtsspirale zusammen, dann bricht auch jede Grundlage weg aufgrund derer sich die Menschen dort eine Flucht leisten könnten.

Als mindestes könnte man das Internet durch Cyberangriffe und bestimmte Eingriffe an Schlüsselstellen weitestgehend unbrauchbar machen (auch eine Grundlage für die Finanzierung von Fluchten und ebenso zwingend notwendig für die Flucht als Informationsmedium).

Zitat:Die meisten, die fliehen, sind nicht die Ärmsten, sondern haben halbwegs eine kleine Existenz (kleinere Betriebe, Handwerker, Taxifahrer,

Keine Brücke, keine Straße, kein Strom, kein Treibstoff etc und daraus folgend kein Taxi, kein Betrieb, kein Handwerk und auch niemand der die Vermögenswerte der genannten potentiellen Flüchtlinge kaufen könnte oder wollte. Also keine Möglichkeit sein Kapital liquide zu machen, während es zugleich rasant zunehmend unbrauchbar wird.

Zitat:Insofern sehe ich nicht wirklich, wo die Sowjets mehr geleistet hätten als wir.

Der Krieg hatte zur Zeit der Sowjets eine ganz andere Dimension als das Klein-Klein welchem wir gegenüber standen. In Afghanistan war es in den letzten zwei Dekaden durchschnittlich wesentlich sicherer als in Nordmexiko oder Teilen Südafrikas oder in Carracas. Und die Grundlagen (insbesondere die grundlegende Infrastruktur) beruhen immer noch auf dem was die Sowjets dort hinterließen. Teile Kabuls sehen heute noch aus wie die typischen Kommi Retortenstädte in Russland und Zentralasien:

https://origins.osu.edu/milestones/decem...fghanistan

In weiten Teilen war das Geschehen in Afghanistan unterhalb des militärischen Horizontes, und war der Gegner nicht ansatzweise so gut bewaffnet im Vergleich wie das vom Verhältnis her zu Sowjetzeiten noch der Fall war. Und vieles was die Sowjets bauten ist auch wieder zerstört worden, wie beispielsweise die Autobahn zwischen Kabul und Herat, die von den Sowjets errichteten Fabriken in welchen in Afghanistan beispielsweise Lkw gebaut wurden und vieles mehr. DIe Sowjets bauten hunderte von Pipelines, Bergwerke, erschlossen Erdgas und Erdöl, und leisteten mehrere Milliarden Euro Hilfen für die afghanische Regierung (dazu muss man den damaligen Geldwert im Vergleich zu heute mit berücksichtigen). Das ist auch der Grund warum das BIP stagnierte.

Den ohne die massive sowjetische Hilfe wäre das BIP aufgrund der Heftigkeit des Krieges drastisch abgefallen. Und heute, bzw. in den letzten 20 Jahren war das kein richtiger Krieg dort. Das war größtenteils gerade mal Terrorismus.
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@Quintus
Zitat:Die Zielsetzung wäre nicht primär, dass sich die Bevölkerung gegen die Taliban erhebt, sondern dass diese keinen funktionierenden Staat erhalten und das Land zu einem unregierbaren bloßen geographischen Gebiet wird, mit völlig zersplitterten belanglosen Machtstrukturen. [...]

Keine Brücke, keine Straße, kein Strom, kein Treibstoff etc und daraus folgend kein Taxi, kein Betrieb, kein Handwerk und auch niemand der die Vermögenswerte der genannten potentiellen Flüchtlinge kaufen könnte oder wollte. Also keine Möglichkeit sein Kapital liquide zu machen, während es zugleich rasant zunehmend unbrauchbar wird.
Das wäre aber eine Kriegsführung, die an den 30-jährigen Krieg bzw. "verbrannte Erde" (und nichts anderes wäre es ja, wenn man gezielt alle Infrastruktur bzw. die Versorgungsgrundlagen eines Landes zerschlägt) erinnert. Und du weißt ja auch selbst, dass dies - wenn man selbst die angreifende Macht ist - völkerrechtswidrig wäre.
Zitat:Der Krieg hatte zur Zeit der Sowjets eine ganz andere Dimension als das Klein-Klein welchem wir gegenüber standen. In Afghanistan war es in den letzten zwei Dekaden durchschnittlich wesentlich sicherer als in Nordmexiko oder Teilen Südafrikas oder in Carracas.
In manchen Gebieten sicherlich, aber im Süden nicht unbedingt.
Zitat:Und die Grundlagen (insbesondere die grundlegende Infrastruktur) beruhen immer noch auf dem was die Sowjets dort hinterließen. Teile Kabuls sehen heute noch aus wie die typischen Kommi Retortenstädte in Russland und Zentralasien:
Ja, aber die Sowjets haben einen großen Teil dieser Bauten schon vor 1979 errichtet, als sie die Kommunisten in Afghanistan bzw. die Demokratische Volkspartei Afghanistans seit ca. 1973 unterstützt hatten. Genau genommen hatten sie schon seit den 1960ern Daoud Khan und seine Sozialisten hofiert und subventioniert (natürlich auch mit Waffen). Ein Großteil der Bauten stand also schon, als die Rote Armee 1979 die Grenze überschritt. Während des eigentlichen Afghanistan-Krieges haben sie quasi gar nichts mehr aufgebaut, dazu hatten sie auch keine Möglichkeit und wohl auch kein Interesse. Im Gegenteil, der Krieg der Sowjets war sogar in weiten Teilen eine Zerstörungsorgie bzgl. der Infrastruktur - gebracht hat es aber nichts...

Schneemann.
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Die Eleganz an den heutigen technischen Möglichkeiten ist, dass man eben nicht wie früher Verbrannte Erde flächendeckend erzeugen muss, sondern dass einige wenige chirurgische Eingriffe schon genügen dass sich die Erde im weiteren selbst verbrennt. Und ob etwas völkerrechtswidrig ist, ist vor allem eine Frage der Darstellung. Da man nur vergleichsweise geringe Eingriffe benötigt kann man die eigentlich damit beabsichtigte Wirkung sogar recht einfach verschleiern und die sich daraus ergebenden Folgen sind ja nicht das eigene Verschulden etc

Man benötigt eben keine flächendeckenden Bombardierungen mehr welche völkerrechtswidrig wären (Artikel 51 des Zusatzprotokolls I des Genfer Abkommens), sondern es genügen einige wenige gezielte Eingriffe und der Rest erledigt sich von selbst.

Im übrigen verunmöglicht heute die Interpretation des humanitären Völkerrechts wie sie in dieser Bundesrepublik vorgenommen wird genau genommen absolut jede Kriegshandlung. Jede Tötung von Zivilisten die nicht verhältnismässig zum konkreten militärischen Vorteil ist, gilt als Kriegsverbrechen. Damit haben auch deutsche Soldaten in Afghanistan nichts anderes als Kriegsverbrechen begangen. Eine derartige Legalisierung und Ritualisierung der Kriegsführung hin zu einer Art Blumenkrieg aber verunmöglicht jeden ernsthaften Krieg weil es in diesem zwingend immer dazu kommen muss, dass man Zivilisten ermordet.

Genau genommen ist nach aktuellem humanitären Völkerrecht ernsthafter Krieg nicht mehr führbar und das ist ja auch durchaus die Intention dabei. Ob aber etwas dann tatsächlich als völkerrechtswidrig/kriegsverbrechen geahndet wird, ist eine ganz andere Geschichte.

In den letzten Jahren sind entgegen dem genannten Artikel regelmässig Kriegsverbrechen (im Sinne der heutigen Definition) von westlichen Truppen begangen worden, ohne dass dies auch nur ansatzweise interessiert hätte. Die Frage sollte also nicht sein, ob etwas völkerrechtwidrig ist, sondern wie in jedem anderen Rechtsbereich auch wie man durch eine rechtspositivistische Interpretation für sich selbst Vorteile erringen kann und wie man das Recht durch geschickte Rechtsverdreher so verdrehen und entstellen kann, dass es irrelevant ist und genau das geschieht ja auch real seit Jahren. Bereits den Kosovo Krieg kann man wenn man es will als Völkerrechtswidrig betrachten und entsprechend waren die Angriffe in diesem Konflikt nichts anderes als Kriegsverbrechen.

Die NATO führte einen astreinen Angriffskrieg gegen Serbien, ohne UN Mandat, ohne dass ein NATO Staat angegriffen worden wäre, mit der irrwitzen Konstruktion eines humanitären Kriegseinsatzes. Im Kosovokrieg griff die NATO ganz klar rein zivile Ziele an, die Infrastruktur, sie führte exakt so einen solchen strategischen Bombenkrieg wie ich ihn hier beschrieben habe. Und dennoch bescheinigten alle hinterher, dass dies völkerrechtskonform gewesen sei, dass das Völkerrecht hier nicht gebrochen worden wäre etc

Man griff sogar gezielt chemische Fabriken an um die dort gelagerten Giftstoffe freizusetzen damit diese der Bevölkerung schaden, was man als chemische Kriegsführung klassifizieren könnte. Ebenso stellte man allen größeren serbischen Städten den Strom ab, durch Bombenangriffe. Wo war hier das Völkerrecht?!

Amnesty International forderte damals wegen dieser Ereignisse eine Anklage aller verantwortlichen NATO Offiziere und dass diese wegen Kriegsverbrechen verfolgt werden. Nicht einer wurde jemals deswegen auch nur angeklagt, man wies das einfach ab mit der Begründung es sei gar kein Krieg gewesen, und darüber hinaus wäre alles völkerrechtskonform gewesen. ca. 300 Schulen und Krankenhäuser wurden durch NATO Bomben zerstört, aber alles war völkerrechtskonform, weil vermutlich serbische Luftabwehrstellungen in diesen Schulen waren etc blablabla

Alles eine Frage der Begründung, des Wollens und ob man es behauptet.
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Das ist mal ein unerwarteter Fund:

https://www.youtube.com/watch?v=qkN5uZ_6snc

Die Taliban haben im Panjshir Tal anscheinend ein Lager mit Scud-B Raketen entdeckt. Wer weiß wie lange der Schrott da schon vor sich hingammelt, dass Land ist doch immer wieder für Überraschungen gut.

Ein Artikel zu den Verbindungen der Taliban zur Al Quaida:

https://www.longwarjournal.org/archives/...ostage.php

Und zu einer Bewertung der strategischen Rolle und taktischen Verwendung von US Sondereinheiten dort:

https://warontherocks.com/2021/09/the-su...ghanistan/

https://warontherocks.com/2021/09/forwar...carefully/

Podcast allgemein zur Kriegsführung dort und Fragen von COIN:

https://mwi.usma.edu/lessons-from-the-ha...ghanistan/
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Zur Drogen-Volkswirtschaft in Afghanistan:

https://smallwarsjournal.com/index.php/j...new-regime

welche von den Taliban durchaus auch gezielt als eine langfristige strategische Waffe gegen den Westen verstanden wird. Aber auch hier tritt die schizoide Zersplitterung des Gegenüber in Afghanistan einmal mehr klar hervor, zum Beispiel:

Zitat:Its western branch in Herat, now largely moribund, was deeply implicated in the drug trade. Its eastern branch in Nangarhar, surprisingly, sought to suppress opium poppy cultivation there, despite the highly negative economic impact on local populations.
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Die Evakuierung schleppt sich weiter dahin, es soll bereits 6 Tote unter den für eine Ausreise gelisteten geben, weitere Todesurteile wurden „zugestellt“.
https://www.t-online.de/nachrichten/deut...chen-.html

In NL und UK sind die Aussenminister aufgrund der chaotischen Evakuierung und starker Kritik zurückgetreten.
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Realistisch betrachtet ist man wohl schlichtweg von den Taliban verarscht worden, die ein ziviles Fahrzeug aus Pandschir sehr wahrscheinlich als IS Vehikel ausgegeben haben.
https://www.spiegel.de/ausland/afghanist...10d60d8129
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Wie ich es schon hier im Strang vor x-Tagen geschrieben hatte: eine Black Flag Operation der Taliban.
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Zur afghanischen Korruption:

https://warisboring.com/taliban-claims-t...-vps-home/

Derweilen bitten die Taliban ausgerechnet uns um Wirtschaftshilfe:

https://www.tagesschau.de/ausland/asien/...g-101.html

Der wahre Grund für den Sieg der Taliban:

Zitat:Aber ich habe jetzt schon seit drei Monaten überhaupt kein Gehalt mehr gesehen.

https://www.sueddeutsche.de/panorama/afg...-1.5415461

Zitat:Das Personal, das sich um ihn kümmert, hat seit zwei Monaten keinen Lohn mehr bekommen.

https://www.tagesschau.de/ausland/asien/...n-101.html

wie auch der Grund warum sie sich nicht halten könnten wenn wir ihnen jetzt einen kleinen (Bomben)Schubs in die richtige Richtung geben würden:

https://www.tagesschau.de/ausland/afghan...e-101.html

Und die mehr als eigenartige PsyOps Abteilung der Taliban versucht weiter mit eigenartigen Filmchen die Bewegung als harmlos darzustellen: Die zukünftige Marine der Taliban:

https://imgl.krone.at/scaled/2510480/v655297/full.jpg
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Zwei Beiträge zur US Sichtweise des ganzen:

https://warontherocks.com/2021/09/what-l...est-place/

https://warontherocks.com/2021/09/workin...ghanistan/
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