(Luft) Future Combat Air System (FCAS) und Next Generation Fighter (NGF)
Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmer, nicht die des Unternehmens, oder Deutschlands, oder von sonst wem. Insofern ja, man hört ständig davon, dass er sich von der eigenen Firma nicht gut vertreten fühlt, weil das der normale Kampf und die originäre Aufgabe des Betriebsrats ist. Allerdings finden diese Auseinandersetzungen im Normalfall mit deutlich weniger öffentlicher Aufmerksamkeit statt, man muss nach den entsprechenden Nachrichten eher suchen. Dass ein Betriebsrat auch politisch aktiv wird, ist dahingehend auch nicht ungewöhnlich um bei Airbus an der Tagesordnung, gleiches gilt in dem Zusammenhang auch für die Gewerkschaft.

Man kann beiden natürlich nicht verübeln, dass sie sich für ihre Klientel einsetzen und die beste Lösung für die eigenen Mitarbeiter fordern, aber nein, das spricht eben keine Bände, und nur daraus abzuleiten, dass es eine schlechte Lösung für Deutschland wäre ist nicht haltbar.
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Beim angesprochenen Betriebsrat geht es um den Betriebsrat vom militärischen Teil von Airbus Deutschland. Es ist doch nachvollziehbar, dass man einen eigenen Demonstrator haben sollte. Wenn nur in Frankreich einer betrieben wird und der noch basierend auf der Rafale, sitzt man deutscherseits am Katzentisch. Positionieren kann sich für ein Zukunftsprogramm, momentan reden wir ja von einem Demonstrator, so nur Dassault.
Es ist doch völlig klar, wenn FR irgendwann national gehen sollte, was nicht unwahrscheinlich ist, steht Deutschland und die deutsche Industrie dann vor einem Scherbenhaufen. Frankreich nicht, im Gegenteil. Was soll daran bitte vorteilhaft sein ? Das deutsche Steuergeld ist dann weg. Ein großer Schritt hin zu Blechbiegen und Zuliefererstatus, wie schon bei den Zivilen, zunehmend auch den Hubschraubern.
Auch braucht es offenbar den deutschen Betriebsrat um die in Deutschland vorhandenen Kompetenzen anzusprechen- wo ist die Fa. Airbus ? Was sagt einem das ?

Beispiel Neuron: 2 entscheidende Themen: Unbemanntes Fliegen, d.h. v.a. die Flugsteuerung und Stealth. Dassault hatte beides. Die anderen Beteiligten, u.a. die Schweden hatten das, was es immer gibt. Wo sind die Schweden jetzt ? Dassault/FR hatte sehr geschickt das Geld für das uninteressante Zeugs aus dem Ausland geholt.

Klingt alles nach Neuron. Dann kann man auch gleich bei den Amis kaufen.
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Nochmal, der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmer des eigenen Konzerns, nicht die Interessen der Bundesrepublik Deutschland. Letztere ist auch nicht seine Aufgabe. Es scheint so zu sein, dass trotz unterschiedlicher Motive beide das gleiche wollen und es damit egal wäre, dem ist aber nicht so. Die jeweilige Argumentation ist ein Mittel zum Zweck, nicht mehr, und das ist der entscheidende Punkt. Dieses Hochstilisieren des Betriebsrats als Retter der deutschen Interessen ist falsch und im Zweifel sogar gefährlich. Wie wenig den Betriebsräten, auch exakt jenem von Airbus Defence and Space, die deutschen Interessen und insbesondere die deutsche Wehrfähigkeit am Herzen liegen hat die Vergangenheit recht eindrücklich gezeigt (bspw. Tornado-Nachfolge). Dementsprechend ergibt es keinen Sinn, aus dem Standpunkt des Betriebsrats irgendwelche Inhalte ableiten zu wollen.
Natürlich kann die Einigung zwischen Airbus und Dassault nachteilig für die deutschen Interessen sein, vielleicht ist sie es tatsächlich, zum jetzigen Zeitpunkt ist das aber reine Spekulation und Kaffeesatzleserei. Jeder interpretiert da die Indizien als Bestätigung der persönlichen Ansicht. Solch ein Spielchen bringt nichts.

Und was den Demonstrator angeht, rein technisch betrachtet ist ein Zweiter nützlich, teuer, aber nicht notwendig. Notwendig wird er nur aus politischen Gründen und das hier oft erwähnte Misstrauen. Ganz ohne letzteres ist nachvollziehbar, warum Deutschland einen eigenen Demonstrator haben möchte und Frankreich gern darauf verzichten würde, aufgrund des politischen Geplänkels und den vielen misstrauischen Hintergedanken verstärken sich diese Ansichten lediglich. Soll heißen, es gibt auch politisch Alternativen zum zweiten Demonstrator - man muss nur wollen.
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Zitat:Beispiel Neuron
Damit du weisst über was Du redest:
Dassault Projekt Neurone (englisch)
Schema Kooperation
Dassault (englisch)
SAAB press release
SAAB press release (englisch)

Zitat:Das deutsche Steuergeld ist dann weg
Ausnahmsweise ein Antwort, ich kann diesen Satz nicht mehr hören (lesen), Mal sehen wie viel Geld für Airbus Defense Deutschland weg ist, und von wem, wenn die multinationalen Projekte FCAS und EuroMALE, und das DE Tiger MK3 nicht gemacht werden.
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@voyageur

Ich kenne die Website, und ich weiß von was ich rede. Wenn Du das in offensichtlich in Zweifel ziehst, dann wäre es nur höflich gewesen, wenn Du es überprüft hättest:

Die Arbeitsverteilung ist auf der Website richtig dargestellt und entspricht dem, was ich gesagt habe. Flugsteuerung und Stealth und damit die wesentlichen Arbeitspakete waren bei Dassault.

Saab hat Arbeitspakete gemacht, die sie nicht groß weitergebracht haben. Sie haben wohl gedacht, sie würden trotzdem von den Ergebnissen, insbesondere bzgl. Stealth, profitieren. Dem war offensichtlich nicht so, sonst wären sie bei FCAS mit dabei. Die Briten sind auch weg nach 2 Jahren.
Der einzige noch verbleibende, relevante, potentielle Partner, sind die Deutschen. Mal sehen, wie das ausgeht. Die Spanier sind sowohl finanziell als auch bzgl. Kampfflugzeug- Know How irrelevant.

Wenn Du das mit dem deutschen Steuergeld nicht mehr hören kannst, ist das Deine Sache. Fakt ist aber, die deutsche Industrie braucht den Demonstrator dringend, wenn man sieht wie lange EF her ist und sicherlich wird kein 2. Programm parallel finanziert werden.

Ein Jubelarie ist das von Saab nicht gerade auf ihrer Website ...
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Wie bereits gesagt, dass sind alles willkürliche Interpretationen irgendwelcher vermeintlichen Indizien, aber doch keine Basis für eine vernünftige Argumentation. Allein die Aussage, dass irgendjemand bei einem solchen Projekt irgendetwas "erhofft" ergibt für mich schon keinen Sinn - bevor bei sowas auch nur ein Cent fließt wird ziemlich genau festgelegt, wer was wann macht, worauf wer wann wie Zugriff erhält und was unter Verschluss der jeweiligen Programmpartner bleibt.
Zudem bedeutet eine Aufteilung der Verantwortlichkeiten nicht eine entsprechend strikte Arbeitsteilung, was man bei Neuron beispielsweise daran sehen kann, dass Schweden beispielsweise die Windkanalversuche für die Programmierung der Flugsteuerung geliefert hat und über die Zellenproduktion in die Materialauswahl für die Stealthfähigkeiten involviert war. Neben der Konstruktion und Erprobung eines solchen UCAV hatte Schweden zudem daran Interesse an einer genauen Vermessung der eigenen Counter-Stealth-Technologien, auch das wurde vertraglich zugesichert und durchgeführt. Solange es nicht explizite Aussagen hinsichtlich der Ergebnisse dieses Projektes gibt, die irgendeine Form der Unzufriedenheit ausdrücken, wäre ich daher etwas vorsichtiger mit Rückschlüssen.
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Zusammenfassend läßt sich, aus welcher Sichtweise auch immer, jedenfalls schon jetzt eine klare Schlussfolgerung ziehen: Vertrauen ist auf beiden Seiten nicht vorhanden !

Dazu das typische Gezänk um Arbeitsanteile, das zu erwartende Puzzlespiel mit, aus drei Ländern zugelieferten, Bauteilen und.u..

Mein Eindruck ist jetzt schon, der Drops ist gerutscht.
Ich verstehe die französische Seite, befürworte den " Arsch in der Hose" den wir endlich zeigen, weiß allerdings dass beides nicht hilfreich ist.
Gibt es denn keine Möglichkeit das Ding unter Dach Airbus als echtes gemeinsames Projekt zu machen? Dassault durch Airbus schlucken z.B., nur als Idee. Am besten die Italiener gleich mit.
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(10.04.2021, 20:38)Falli75 schrieb: Gibt es denn keine Möglichkeit das Ding unter Dach Airbus als echtes gemeinsames Projekt zu machen? Dassault durch Airbus schlucken z.B., nur als Idee. Am besten die Italiener gleich mit.

Das ist völlig utopisch, schon allein die französische Regierung würde einer Übernahme von Dassault durch Airbus nie zustimmen. Sinnvoller wäre es vermutlich, die deutschen Teile der Airbus Defence and Space (was ein großen Teil dieses Geschäftsbereichs ausmacht) aus Airbus heraus zu lösen und zu einem eigenen Unternehmen zu machen, mit Sperrminorität durch eine staatliche Beteiligung (Modell Hensoldt). Im Idealfall würde man anschließend ein Joint Venture beider Unternehmen gründen, welcher Art auch immer (vom Tochterunternehmen bis hin zum Zusammenschluss ist da ja vieles möglich). Die zivilen Teile von Dassault könnte man da ja außen vor lassen. Dies würde saubere Strukturen und staatliche Kontrollmöglichkeiten bei gleichzeitiger engerer Verbindung bedeuten. Eine solche Idee habe ich zuvor bereits skizziert, allerdings würde auch sowas am Vertrauen scheitern. Und ob daraus dann eine fruchtbare Zusammenarbeit entsteht, wäre halt auch nicht garantiert.

Meines Erachtens müssen zwei Dinge passieren, um langfristig (kurzfristig ist sowas eh nicht möglich) eine Vertrauensbasis aufzubauen: zum einen braucht es klare Aussprachen, zum anderen eine Absicherung der wesentlichen Punkte durch nur einvernehmlich aufkündbare Staatsverträge. Letzteres ist aber der problematisch, denn es begrenzt die eigene Souveränität. Ohne einen solchen Schritt, und den Verzicht auf Hintertürchen, wird man aber keine langfristige Sicherung der aufrichtigen Interessen beider Seiten erzielen können.
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Airbus hatte mal ca 30 % des Dassault Kapitals, ein amerikanischer Fonds hat Airbus zum (teilweisen) Verkauf,gezwungen, jetzt sind es noch knappe 10 %.
Aber es ist richtig die Zeit ist dazu nicht reif.
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@ helios

Ich wäre grundsätzlich immer für mehr als einen Demonstrator, schon aus Redundanzgründen, Effizienzgründen, etc. Bei einer wirklichen Kooperation ist das auch völlig normal, wenn mehrere über die Partner verteilt sind.
Man kann sogar unterschiedliche diskutieren, wenn nicht alle Technologien vielleicht auch im Zusammenhang mit unterschiedlichen operationellen Rollen auf einer einzigen Art darstellbar sind.
Das Misstrauen entsteht, wenn Absolutansprüche formuliert werden, wie es leider gerade geschieht. Das Thema Flugsteuerung ist halt entscheidend, wenn man später in der Lage sein will, den Demonstrator unabhängig weiterzuentwickeln und zu betreiben. Wenn man Vertrauen schaffen will, muss man das zusammen machen.
Genau das will Dassault eben nicht.
Damit man mich nicht falsch versteht. Diese Kooperation könnte eine große Chance sein. Sie sollte aber auf Augenhöhe stattfinden. Sonst wird es auf Dauer nicht klappen.

Noch zu Betriebsrat: Du schreibst, dass er bei der Tornadonachfolge gegen die deutschen Industrieinteressen agiert hat. Kannst Du das kurz erklären? Meines Wissens hat er für eine komplette Lösung via EF argumentiert.
Dann können wir das Thema Betriebsrat auch beenden.
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(11.04.2021, 12:28)Fox1 schrieb: Ich wäre grundsätzlich immer für mehr als einen Demonstrator, schon aus Redundanzgründen, Effizienzgründen, etc.

Ich auch, das ändert aber nichts daran, dass er technisch nicht notwendig ist. Wie ich hier bereits erwähnt habe, hat man aus politischen Gründen beim Eurofighter darauf verzichtet, obwohl er vereinbart war und die Industrie (nicht nur, aber explizit gerade auch MBB von deutscher Seite) diesen unbedingt wollte. Im Nachhinein kann man durchaus darüber diskutieren, ob die Variante X-31 letztlich nicht doch die bessere Investition für die Gelder war, auch wenn das für die aktuelle Betrachtung unerheblich ist.

Bezüglich Betriebsrat, die Forderung für eine Komplettlösung EF wurde mit falschen Zahlen (habe ich hier im Strang zum Tornado-Nachfolger bereits erwähnt) bezüglich Arbeitsplätzen und Fähigkeitsverlusten untermauert und hätte einen Bruch der internationalen Zusagen hinsichtlich der Bereitstellung von EloKa-Fähigkeiten sowie eine mehrjährige Fähigkeitslücke zur Folge gehabt.
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Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer wird nächste Woche mit ihrer französischen Amtskollegin Florence Parly Gespräche über das europäische Kampfflugzeugprojekt, dessen Entwicklung hinterherhinkt, und die Spannungen zwischen Russland und den USA führen. Die Ukraine, sagte ein Sprecher in Berlin am Donnerstag, 15. April 2021. Weitere Themen, die am Dienstag in Paris diskutiert werden sollen, sind Militäreinsätze in der Sahelzone und die Lage im indopazifischen Raum, fügte ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums hinzu.

Quelle
Zeitung Ouest France (französisch)
Allerdings habe ich nichts unter den deutschen Pressemiteilungen gefunden.
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