Exakt so ist es. Das beklage ich ja schon seit über 10 Jahren so hier im Forum (wenns überhaupt langt), dass die vernetzte Kriegsführung sich bei uns in einer falschen Richtung entwickelt - und insbesondere die Idee falsch ist, fortwährend ständig jeden einzelnen Soldaten "auf dem Schirm" zu haben.
Das ganze hat aber über den elektronischen Fußabdruck hinaus noch ein weiteres Problem: solche Systeme werden immer missbraucht für Mikromanagement. Sie laufen damit völlig der Auftragstaktik als Idee zuwieder, sie führen immer dazu, dass die höheren Führungsebenen viel zu weit nach unten mitführen wollen.
Überspitzt: Statt dem strategischen Unteroffizier haben wir dann den taktischen General.
Nun kann man erklären, dem sei ja gar nicht so, dass sei eine Sache der Ausbildung, man werde das nicht missbrauchen, es geht um Freund/Feind Identifizierung usw. usf. aber die Realität ist eine andere. Von oben wird dann viel zu weit nach unten zu viel Steuerung betrieben - Mikromanagment. Mit allen Nachteilen welche das mit sich bringt.
Der Versuch alles zu kontrollieren führt dazu, dass alles langsamer wird und dass die Stäbe immer größer werden und sich immer noch mehr aufblähen. Mein primärer Grund, warum beispielsweise US Stäbe so extrem schlecht sind oder auch warum russische Stäbe darin sehr viel schlechter sind als ukrainische liegt genau an diesem Übermaß an Führung. Führung als Selbstzweck.
Und größere Stäbe werden gerade eben durch diese Technik notwendig, weil man sonst eben nicht "alles auf dem Gefechtsfeld sehen" kann. Also benötigt der Stab mehr Technik, aber auch mehr Personal. Nun führt dies dazu (Jarvins Paradox), dass die Stäbe insgesamt langsamer werden in allem, statt schneller.
Die vernetzte Kriegsführung führt zu übergroßen Stäben, die wiederum alles verlangsamen. Während eigentlich alles schneller werden müsste.
Buchempfehlung in diesem Kontext:
Something Rotten: Land Command in the 21st Century von Jim Storr
Die eigentliche Idee von Digitalisierung und Vernetzung war, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Die Ukraine zeigt teilweise, wie das geht. In den NATO Armeen, und auch bei der Bundeswehr führt das ganze aber zum Gegenteil und man wird langsamer. Das ist kontraintuitiv, stellt aber ein größeres militärisches Problem dar als vieles andere. Es ist ein größeres militärisches Problem als mangelnde oder veraltete Ausrüstung. Stichwort Ausrüstung:
Zitat:Dazu kommt die Anzahl an Geräten. Was ich im zivilen alles in einem Smartphone habe , also GPS , Laptop/tablet , Kamera und Funkverbindung sind alles einzelne Geräte beim Militär .
Das kann man auf faktisch alles übertragen, vom Chest-Rig über Anbau-Teile ans Sturmgewehr, über die Elektronik und Panzerfahrzeuge bis hin zu den Fernmeldern usw. usf. - Es fehlt:
Elegante Schlichtheit.
Alle Ausrüstung, alle Systeme, alle Technik sollten Elegant sein, Schlicht, und
von Überfunktionalität befreit. Hochmoderne Technik sollte so schlicht und so wenig überladen wie möglich sein. Sie muss so konzipiert sein, dass man damit so viel wie möglich tun kann, mit möglichst wenig Funktionen.
Robuster, einfacher, mit weniger Funktionen und dennoch das technologisch beste. Stattdessen überlädt man heute alles - und insbesondere die Bundeswehr tut sich meiner Meinung nach oft mit barocker Überfunktionalität hervor.
Meiner Meinung nach ist das ein Ausfluss von Unsicherheit. Und daraus resultierendem Kontrollwahn, um damit scheinbar Sicherheit herzustellen. Es resultiert also aus der Sozialkultur, man sieht das ja auch sonst in allen Lebensbereichen, von Antragsformularen über die Art wie die Digitalisierung hierzulande verläuft bis hin zu Autos. Überladen mit Überflüssigkeiten.
Weg mit den Überflüssigkeiten. Das müsste die alles überragende Doktrin sein.