Spezialeinheiten / Sondereinheiten / Eliteverbände
#1
Moinsen,


wollt diesen Thread mal dazu nutzen zu fragen mit welcher Truppe in Europa die Green Berets vergleichbar sind, sind das einfach nur Aufklärer mit Hang auszubilden oder wie kann man die verstehen?


Gleiche Frage zu den Rangern, haben wir Pendants dazu in Europa? Die EGB Kräfte der Fallschirmjäger wären ein vergleichbarer Trupp oder?



Mit freundlichen Grüßen

Lianus
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#2
Die "Green Berets" sind schlicht und einfach die Spezial-Einheiten (im klassischen Sinn) der US Army. Im Prinzip unterscheiden sie sich von entsprechenden Sondereinheiten in Europa nur dahin gehend, dass es sehr viel mehr davon gibt, dass sie ein immens viel größeres Budget haben, mehr Möglichkeiten in Bezug auf eigenen Lufttransport / eigene Luftunterstützung und dass sie traditionell einen gewissen Schwerpunkt beim Training einheimischer Streitkräfte haben. Das leisten zwar europäische Sondereinheiten ganz genau so, aber wie gesagt ist es ein gewisser traditioneller Schwerpunkt.

Deshalb hat das 1st Special Forces Command (Airborne) (USASFC) hier etwas bessere Fähigkeiten als andere Sondereinheiten, beispielsweise mehr Training in Sachen interkulturelle Kompetenz, Sprachfähigkeiten, mehr Fähigkeiten in Sachen psychologische Kriegsführung und ironischerweise eine bessere Befähigung darin wie man Guerilla-Kriege initiert und führt.

Das 75 Ranger Regiment wiederum ist ein Art Hybrid-Einheit. Es kann wie eine Sondereinheit agieren und entsprechende Aufträge übernehmen wobei hier der Schwerpunkt dann auf Aufklärung, Überfällen, Jagdkampf usw liegt, aber auch ganz normal als leichte Infanterie konventionell kämpfen. Eine gewisse traditionelle Spezialisierung ist die Einnahme von Flughäfen.

Die Ranger sind daher sehr vergleichbar mit den heutigen deutschen Fallschirmjäger-Regimentern. Das ist nicht beschränkt auf die EGB Kräfte. Im direkten Vergleich ist ein deutsches Fallschirmjäger-Regiment im konventionellen Bereich aber leistungsfähiger, dass liegt einfach an der Ausrüstung. Die Ranger haben weniger schwere Waffen und weniger Feuerkraft insgesamt. Im Nicht-Konventionellen Bereich bzw. im Einsatz als Sondereinheit wären beide Verbände in Wahrheit vom Können her gleich gut. Die deutschen Fallschirmjäger hinken da in keiner Weise den Rangern hinterher. Ich vermute jedoch, dass die Ranger aufgrund größerer praktischer Kampferfahrung in diesem Bereich überlegen sind. Das liegt aber einfach daran, dass sie viel mehr eingesetzt werden und auch für ernsthaftere Aufgaben oft verwendet werden. Das ist allgemein so ein Problem: Wir könnten durchaus, dürfen aber nicht und erhalten keine entsprechenden Aufträge. Entsprechend fehlt die praktische Erfahrung mit solchen Einsätzen. Das hat rein politische Gründe.

Ein relevanter Unterschied ist noch, dass Angehörige anderer Verbände bei den Rangern eine entsprechende Ausbildung machen können und dann ebenfalls Ranger sind. Der Verband dient daher auch als Multiplikator für entsprechende Fähigkeiten leichter Elite-Infanterie und versucht diese innerhalb anderer Einheiten zu verbreiten. Das fehlt in Deutschland in dieser Form, man könnte aber beispielsweise den Einzelkämpferlehrgang als etwas ähnliches ansehen und dieser könnte durchaus noch in diese Richtung ausgebaut werden. Die praktischen realen Unterschiede sind in Wahrheit gar nicht so groß. Um es zusammen zu fassen: in der Theorie / Ausbildung sind wir im Prinzip genau so gut - oder sogar besser, in der Praxis fehlt es.

In Europa gibt es wiederum eine ganze Reihe von vergleichbaren Einheiten, welche dann auch jede Menge praktische Kriegserfahrung haben. Eine solche Zweiteilung: Spezial-Einheit und sie unterstützende Hybrid-Einheit ist innerhalb der NATO sehr üblich geworden. Selbst die Fremdenlegion beispielsweise hat das 2 REP in Richtung einer solchen Hybrid-Einheit welche auch Sondereinsätze übernehmen kann weiter entwickelt.

Der wesentliche Unterschied zur US Struktur ist, dass in Europa üblicherweise die Spezial-Einheiten numerisch deutlich kleiner sind als die sie unterstützende Luftlande/Elite-Infanterie. Während es bei den Green Berets und den Rangern umgekehrt ist. Die Green Berets umfassen hier und heute etwas über 10.000 Mann während das Ranger Regiment nur ca 3600 Mann stark ist. Es gibt also sehr viel mehr Green Berets als Ranger.

Zum Vergleich umfasst das KSK alles in allem ca 1400 Mann (und davon sind nicht mal die Hälfte Kommando-Soldaten) und die beiden Fallschirmjäger-Regimenter der Bundeswehr kommen auf über 8000 Mann mit deutlich größerer Feuerkraft insgesamt als das Ranger-Regiment.

Das zieht sich so durch ganz Europa: die Spezial-Einheiten sind numerisch viel schwächer, entsprechende Fallschirmjäger-Einheiten welche den Rangern ähneln deutlich stärker. Und in den USA ist es umgekehrt und das lässt die ganzen Sondereinheiten der Navy, des USMC und der Luftwaffe welche zusammen mit den Green Berets unter einem Kommando stehen noch ganz außer Acht.

Zuletzt sollte man noch anmerken, dass die Sondereinheiten in den USA de facto eine eigene Teilstreitkraft sind. Auch wenn sie offiziell noch der Army usw unterstehen, bilden sie im Verbund des US SOCOM in Wahrheit eine eigene Teilstreitkraft unabhängig von den anderen Teilstreitkräften. Während in Deutschland beispielsweise KSK und Fallschirmjäger dem Heer unterstehen.
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#3
(23.09.2020, 09:14)Quintus Fabius schrieb: Die Ranger sind daher sehr vergleichbar mit den heutigen deutschen Fallschirmjäger-Regimentern. Das ist nicht beschränkt auf die EGB Kräfte. Im direkten Vergleich ist ein deutsches Fallschirmjäger-Regiment im konventionellen Bereich aber leistungsfähiger, dass liegt einfach an der Ausrüstung. Die Ranger haben weniger schwere Waffen und weniger Feuerkraft insgesamt. Im Nicht-Konventionellen Bereich bzw. im Einsatz als Sondereinheit wären beide Verbände in Wahrheit vom Können her gleich gut. Die deutschen Fallschirmjäger hinken da in keiner Weise den Rangern hinterher. Ich vermute jedoch, dass die Ranger aufgrund größerer praktischer Kampferfahrung in diesem Bereich überlegen sind. Das liegt aber einfach daran, dass sie viel mehr eingesetzt werden und auch für ernsthaftere Aufgaben oft verwendet werden. Das ist allgemein so ein Problem: Wir könnten durchaus, dürfen aber nicht und erhalten keine entsprechenden Aufträge. Entsprechend fehlt die praktische Erfahrung mit solchen Einsätzen. Das hat rein politische Gründe.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Ist es denn wirklich so das unsere Fallschirmjäger so intensiv ausgebildet und trainiert werden wie die Ranger?

Man liest immer von der eher miesen Ausbildung an der Waffe bzw. das die deutschen Soldaten nicht genug scharf schießen daher verwundert mich deine Einschätzung sehr, würde mich natürlich sehr freuen wenn dem so ist wie du sagst.
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#4
Ich bin immer der erste der lautstark über die Bundeswehr schimpft und vor sich hinflucht aber das hat vor allem auch etwas mit meinem rein persönlichen Verständnis von Kampfkraft und ernsthaftem Militär zu tun.
Auch wenn die Bundeswehr insgesamt in einem katastrophalen Zustand ist (um so katastrophaler wenn man sich das vor Augen hält was eigentlich sein sollte), gibt es durchaus in der Bundeswehr herausragend gute Soldaten welche das Niveau haben welches mir da eigentlich für alle vorschwebt.

Die Fallschirmjäger der EGB Kompanien (es gibt zudem ja noch einige andere EGB Verbände bspw. bei den Gebirgsjägern etc) würde ich sogar als "besser" einschätzen als die Ranger der US Armee. Während die normalen Fallschirmjäger-Kompanien wie gesagt im konventionellen Bereich leistungsfähiger wären, was aber wie geschrieben eine reine Ausrüstungsfrage ist. Dem Ranger-Regiment fehlt da einfach Feuerkraft im Vergleich.

Das selbst die EGB Kräfte nicht so schießen wie man es meiner Meinung nach sollte ändert nichts daran, dass sie herausragend gut sind und keinen Vergleich scheuen müssen. Die US Army ertrinkt halt in Geld und wenn man sich die Mittel ansieht dann ist die Leistung im Verhältnis dazu auch nicht so prall. Da gibt es ganz andere Einheiten, da verblassen sowohl wir die Amis vollständig dagegen in Bezug auf die (theoretische) Leistungsfähigkeit.

Das ist aber auch so ein wesentlicher Punkt: man glaubt ja allgemein, dass immens viel üben und Ausbildung ein definitiver Vorteil wären, dass trifft aber in einem ernsthaften länger andauernden Krieg so gar nicht zu. Konventionelle (Linien) Einheiten mit viel schlechterer Ausbildung können wenn der Kampf länger andauert im Schnitt die gleiche Leistung erbringen. Das hat viele Gründe und würde hier auch zu weit vom Thema wegführen - aber man kann sagen, dass Sondereinheiten überschätzt werden, dass normale leichte Infanterie deren Aufgaben tatsächlich größtenteils auch erledigen könnte und dass das höhere Niveau nur in der Eröffnung ein Vorteil ist, aber mit weiterem Kriegsverlauf schwindet und sich das ganze nivelliert. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man beispielsweise im Zweiten Weltkrieg begonnen die Ausbildung zu verkürzen und zu vereinfachen.

Reine Schießausbildung ist eben nicht alles. Da spielt so viel mehr herein und Sondereinheiten sind nicht so gut weil sie besser schießen, oder fitter sind, sondern wegen ihrer Moral, wegen ihrer inneren militärischen Kultur, ihrem Selbstverständnis, wegen ihrer Einstellung, also aufgrund psychologischer Faktoren und

vor allem anderen aufgrund ideeller Werte.

Wenn man diese gleichen Ideellen Werte in normalen Einheiten implementieren würde wären diese ebenfalls sehr viel leistungsfähiger. Das ist eine Frage der militärischen Kultur innerhalb der Streitkräfte. Man traut normalen Soldaten nichts mehr zu und überhöht Sondereinheiten weshalb letztgenannte immer mehr für Aufgaben einsetzt für welche sie im Endeffekt völlige Verschwendung sind. Jede Menge Aufgaben welche Sondereinheiten so leisten könnten problemlos und wesentlich effizienter von normaler leichter Infanterie wahrgenommen werden.

Die Überbetonung von Sondereinheiten und ihre Vergeudung im Einsatz ist meiner Meinung nach ein Symptom der sozialkulturellen Grundströmung der Gesellschaft insgesamt.
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#5
(23.09.2020, 12:41)Quintus Fabius schrieb: Ich bin immer der erste der lautstark über die Bundeswehr schimpft und vor sich hinflucht aber das hat vor allem auch etwas mit meinem rein persönlichen Verständnis von Kampfkraft und ernsthaftem Militär zu tun.
Auch wenn die Bundeswehr insgesamt in einem katastrophalen Zustand ist (um so katastrophaler wenn man sich das vor Augen hält was eigentlich sein sollte), gibt es durchaus in der Bundeswehr herausragend gute Soldaten welche das Niveau haben welches mir da eigentlich für alle vorschwebt.

Die Fallschirmjäger der EGB Kompanien (es gibt zudem ja noch einige andere EGB Verbände bspw. bei den Gebirgsjägern etc) würde ich sogar als "besser" einschätzen als die Ranger der US Armee. Während die normalen Fallschirmjäger-Kompanien wie gesagt im konventionellen Bereich leistungsfähiger wären, was aber wie geschrieben eine reine Ausrüstungsfrage ist. Dem Ranger-Regiment fehlt da einfach Feuerkraft im Vergleich.

Das selbst die EGB Kräfte nicht so schießen wie man es meiner Meinung nach sollte ändert nichts daran, dass sie herausragend gut sind und keinen Vergleich scheuen müssen. Die US Army ertrinkt halt in Geld und wenn man sich die Mittel ansieht dann ist die Leistung im Verhältnis dazu auch nicht so prall. Da gibt es ganz andere Einheiten, da verblassen sowohl wir die Amis vollständig dagegen in Bezug auf die (theoretische) Leistungsfähigkeit.

Das ist aber auch so ein wesentlicher Punkt: man glaubt ja allgemein, dass immens viel üben und Ausbildung ein definitiver Vorteil wären, dass trifft aber in einem ernsthaften länger andauernden Krieg so gar nicht zu. Konventionelle (Linien) Einheiten mit viel schlechterer Ausbildung können wenn der Kampf länger andauert im Schnitt die gleiche Leistung erbringen. Das hat viele Gründe und würde hier auch zu weit vom Thema wegführen - aber man kann sagen, dass Sondereinheiten überschätzt werden, dass normale leichte Infanterie deren Aufgaben tatsächlich größtenteils auch erledigen könnte und dass das höhere Niveau nur in der Eröffnung ein Vorteil ist, aber mit weiterem Kriegsverlauf schwindet und sich das ganze nivelliert. Aus dieser Erkenntnis heraus hat man beispielsweise im Zweiten Weltkrieg begonnen die Ausbildung zu verkürzen und zu vereinfachen.

Reine Schießausbildung ist eben nicht alles. Da spielt so viel mehr herein und Sondereinheiten sind nicht so gut weil sie besser schießen, oder fitter sind, sondern wegen ihrer Moral, wegen ihrer inneren militärischen Kultur, ihrem Selbstverständnis, wegen ihrer Einstellung, also aufgrund psychologischer Faktoren und

vor allem anderen aufgrund ideeller Werte.

Wenn man diese gleichen Ideellen Werte in normalen Einheiten implementieren würde wären diese ebenfalls sehr viel leistungsfähiger. Das ist eine Frage der militärischen Kultur innerhalb der Streitkräfte. Man traut normalen Soldaten nichts mehr zu und überhöht Sondereinheiten weshalb letztgenannte immer mehr für Aufgaben einsetzt für welche sie im Endeffekt völlige Verschwendung sind. Jede Menge Aufgaben welche Sondereinheiten so leisten könnten problemlos und wesentlich effizienter von normaler leichter Infanterie wahrgenommen werden.

Die Überbetonung von Sondereinheiten und ihre Vergeudung im Einsatz ist meiner Meinung nach ein Symptom der sozialkulturellen Grundströmung der Gesellschaft insgesamt.

Bis der genannte Effekt zum Tragen kommt müsste sich ein Krieg aber über viele Monate oder eher Jahre hinziehen und es müsste während dieser Zeit auch zu ausreichend Kampfeinsätzen kommen. Das alles zusammen halte ich in der heutigen Zeit für unrealistisch. Auch kann man Fitneß, Schießkunst usw. nicht mal eben in wenigen Wochen oder ein paar Monaten antrainieren, wenn man als Grundmaterial nur einen Haufen schlaffer Säcke hat (absichtlich etwas überspitzt).
Und eine Verschwendung dieser Einheiten sehe ich nicht, denn das wäre nur der Fall wenn es signifikante Verluste geben würde.
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#6
(23.09.2020, 23:09)lime schrieb: Bis der genannte Effekt zum Tragen kommt müsste sich ein Krieg aber über viele Monate oder eher Jahre hinziehen und es müsste während dieser Zeit auch zu ausreichend Kampfeinsätzen kommen. Das alles zusammen halte ich in der heutigen Zeit für unrealistisch. Auch kann man Fitneß, Schießkunst usw. nicht mal eben in wenigen Wochen oder ein paar Monaten antrainieren, wenn man als Grundmaterial nur einen Haufen schlaffer Säcke hat (absichtlich etwas überspitzt).
Und eine Verschwendung dieser Einheiten sehe ich nicht, denn das wäre nur der Fall wenn es signifikante Verluste geben würde.



Naja beim KSK gab es wohl ziemlich viel Unruhe als sie in Afghanistan als Späher eingesetzt wurden. Sie hingen über einen langen Zeitraum mehr oder weniger "untätig" auf schneebedeckten Bergen und hielten Ausschau. So habe ich es jedenfalls in Erinnerung und damals sagten sie selber dass sie unterfordert sind und eigentlich für andere Aufgaben herhalten sollten.


@Quintus Fabius:

Welche Einheiten in Europa hältst du denn noch für effektiver / besser als bspw. die oben genannten amerikanischen Einheiten?

Fremdenlegionäre, belgische Paras, Fallschirmjäger allgemein in Europa? Frage so gezielt nach Einheiten weil ich gern mal ein wenig mit Zahlen spiele wenn ich etwas Zeit habe.

Dass wir EGB Kräfte bei den Gebirgsjägern haben wusste ich noch garnicht, äußerst interessant!
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#7
@lime
Zitat:Bis der genannte Effekt zum Tragen kommt müsste sich ein Krieg aber über viele Monate oder eher Jahre hinziehen und es müsste während dieser Zeit auch zu ausreichend Kampfeinsätzen kommen. Das alles zusammen halte ich in der heutigen Zeit für unrealistisch.

Afghanistan
Bosnien
Irak
Israel
Libanon
Syrien
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#8
Zitat:Moinsen,


wollt diesen Thread mal dazu nutzen zu fragen mit welcher Truppe in Europa die Green Berets vergleichbar sind, sind das einfach nur Aufklärer mit Hang auszubilden oder wie kann man die verstehen?


Gleiche Frage zu den Rangern, haben wir Pendants dazu in Europa? Die EGB Kräfte der Fallschirmjäger wären ein vergleichbarer Trupp oder?
Da die Situation bzgl. Deutschland ja von Quintus schon sehr umfangreich erörtert wurde, wäre meine Idee dazu, um es auf Europa (bzw. nicht die EU) umzulegen, vielleicht noch der britische SAS. Allerdings wäre dieser mit weniger als 1.000 Mann Bestand natürlich entsprechend klein. Ebenso denke ich, dass die französischen Fernspäher vom 13. Fallschirm-Fernspähregiment der „Forces Spéciales“ (ca. 600-700 Mann) eine ziemlich gute Truppe sind, aber ebenso recht klein.

Schneemann.
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#9
lime:

Zitat:Bis der genannte Effekt zum Tragen kommt müsste sich ein Krieg aber über viele Monate oder eher Jahre hinziehen und es müsste während dieser Zeit auch zu ausreichend Kampfeinsätzen kommen.

Es reichen wenige Monate. Und ob es zu ausreichend Kämpfen kommt liegt nicht unbedingt an der Intensität des Krieges sondern primär daran wie man diesen angeht. Wenn man übervorsichtig mit der absoluten primären Zielsetzung jedwede Verluste zu vermeiden nur so tut als ob man dort Krieg führt, dann natürlich nicht.

Eine ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit und ausreichende Schießkunst sind darüber hinaus tatsächlich in wenigen Wochen trainierbar. Das ist auch so ein Punkt: die extreme Ineffektivität des Trainings beim Militär an sich. Was da Soldaten in normalen "Linieneinheiten" innerhalb von Monaten beigebracht wird, könnte man in Wahrheit in wenigen Wochen erlernen - und auch anwenden, wenn man den die entsprechenden ideellen Werte innerhalb der Truppe hätte - diese also vor allem anderen tatsächlich kämpfen wollte.

Viel wichtiger als jede antrainierte Sportlichkeit ist die Grund-Konstitution, die Resistenz gegen Krankheiten und Umweltbedingungen und vor allem anderen die mentale Seite. Die hohen körperlichen Anforderungen und das herausfordernde körperliche Training sollen vor allem anderen gerade diesen letztgenannten Punkt sicher stellen. Es geht dabei gar nicht um den Körper, sondern um die Psyche. Deshalb diese extremen Anforderungen: um Menschenmaterial zu finden welches eben diese Grund-Konstitution und die dazu passende psychische Belastbarkeit hat.

Das ist gerade eben der Bereich auf den ich primär hinaus wollte, dass Sondereinheiten vor allem nicht deshalb besser sind als normale leichte Infanterie weil sie so viel besser schießen könnten oder so viel fitter wären, sondern weil sie eine andere Mentalität, eine andere Einstellung zum Kampf, kurz und einfach: eine andere militärische Kultur haben. Und diese resultiert vor allem aus der Mentalität der Soldaten welche man für solche Einheiten rekrutiert.

Es wäre daher die eigentliche Frage, wie man eine solche Mentalität, eine solche Einstellung auch im Rest der Kampftruppen herstellen könnte.

Zitat:Und eine Verschwendung dieser Einheiten sehe ich nicht, denn das wäre nur der Fall wenn es signifikante Verluste geben würde.

Praktisch: Es macht beispielsweise einfach keinen Sinn solche hochspezialisierten Einheiten für die Bewachung von Kriegsgefangenen einzusetzen, sie mit Formaldienst, fiesepingelingen Vorschriften und Political Correctnes (welch deutsches Wort!) zu belästigen und sie ständig an eine möglichst kurze Leine zu nehmen etc. Ganz allgemein wird das Militär von Vorschriften erstickt. Das resultiert nicht zuletzt daraus, was für Menschen in Friedenszeiten hohe Ränge im Militär erlangen. Die unterscheiden sich psychologisch teilweise stark von denen welche im Krieg hochkommen. Nicht zuletzt aus diesem Faktor heraus gehen Armeen im Frieden zugrunde.

Signifikante Verluste hingegen sind nicht so relevant. Sie stärken sogar oft noch die ideellen Werte solcher Einheiten und da gerade eben deren Ausbildung und Schießfähigkeiten gar nicht so relevant sind wie es erscheint senken selbst sehr hohe Verluste die Qualität solcher Einheiten nicht zwingend.

Ein Musterbeispiel dafür wären die SOG Aufklärungseinheiten im Vietnamkrieg, insbesondere des CCN. Die Verluste dieser Einheiten waren nach jedem historischen Maßstab bizarr. Die Qualität wie die Leistung dieser Einheiten nahm aber während des Kriegsverlaufes sogar noch zu. Das ganze nahm irreale Ausmaße an was die tatsächlich real geleisteten Dinge angeht, obwohl die Verlustraten regelmässig über 100 % hinaus gingen.

Es war vor allem die organisch gewachsene und eigenständige militärische Kultur - völlig abseits der sonstigen US Militärkultur - die ideellen Werte dieser Einheiten also, welche deren Einsätze überhaupt erst möglich machten.
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#10
Lianus:

Zitat:Welche Einheiten in Europa hältst du denn noch für effektiver / besser als bspw. die oben genannten amerikanischen Einheiten?

Genau genommen ist es sinnfrei solche Einheiten mit Attributen wie besser / effektiver / kampfstärker zu versehen und gegeneinander zu vergleichen. Das scheitert schon daran, dass Menschen an sich gewisse biologische Grenzen haben und solche Einheiten heute allesamt im Prinzip diese erreichen, also von der Qualität her sich sehr ähnlich sind.

Wenn man trotzdem diesen Vergleich ziehen möchte, so sind es oft Einheiten die man nicht so auf dem Schirm hat. Beispielsweise sind die polnischen-, die schweizer- oder die finnischen Sondereinheiten herausragend gut.

Allgemein gibt es fast überall eine Zweiteilung von eigentlicher Sondereinheit und sie unterstützenden zahlenmässig stärkeren Hybrid-Verbänden (welche also sowohl als konventionelle leichte Infanterie kämpfen könnten, aber auch Sonderaufgaben leisten könnten und welche teilweise explizit dazu gedacht sind die eigentlichen Sondereinheiten mit zusätzlicher Feuerkraft und Mannzahl zu unterstützen sollte dies notwendig werden).

Nehmen wir mal beispielsweise Engelland:

Da haben wir SAS, SRR und die SBS als eigentliche Sondereinheiten.

Und entsprechend die Royal Marines (zwar keine Ranger, aber von der Intention näher an diesen als beispielsweise am USMC) - welche zudem die Commando Royal Marines beinhalten, die zugleich auch als Schnittstelle zu den Sondereinheiten dienen, da sie Teil der sogenannten Special Forces Support Group (1 PARA plus Commando Royal Marines) sind.

Diese SFSG entspricht im Endeffekt von der Intention her den US Rangern.

Dazu kann man dann noch Teile der neuen Specialised Infantry Group und der 16 Air Assault Brigade nehmen, welche ebenfalls leichte Elite-Infanterie des britischen Heers bündeln und sehr weitgehend wie die US-Ranger einsetzbar wären.


Oder nehmen wir Frankreich:

Da haben wir die COS (Commandement des opérations spéciales) welche im Prinzip analog zu US SOCOM teilstreitkräfteübergreifend die ganzen Sondereinheiten Frankreichs bündelt.

Dann hat jedes franzöische Fallschirmjäger-Regiment eine eigene Fallschirm-Spezialkompanie (GCP), welche auf Anforderung des COS diesem unterstellt wird, aber nicht fest zu diesem gehört (Unterstützungseinheiten analog zu den Commando Royal Marines). Und manche dieser Fallschirmjäger-Regimenter sind selbst recht hochspezialisiert:

Nehmen wir mal beispielsweise das 2 REP (Fremdenlegion), dass ist eine Einheit die im Prinzip von der Intention wie den Fähigkeiten her in die Richtung der US Ranger geht, aber noch besser ausgebildet und innerhalb der Kompanien deutlich spezialisierter ist.
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