MZES
#1
Nach längerer Pause meinerseits möchte ich das Thema MZES (Mehrzweckeinsatzschiff) mal wieder ins Bewußtsein rufen. Damit ist die Nachfolge der Kl.404 ("Elbe") gemeint, die sehr erfolgreich als Tender zur Unterstützung der U-Boote, Minensucher und Schnellboote gearbeitet haben bzw. noch arbeiten.
Dazu haben diese Tender jeweils eine "SUG" (Systemunterstützungsgruppe) an Bord, welche die zugeordneten Einheiten mit Führungs-, Instandsetzungs- und Reparaturkapazitäten versorgen. Die Kl.404 hat noch nicht das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, aber eine Nachfolge müßte meiner Meinung nach jetzt angestoßen werden, um einen "schmerzfreien" Übergang in 8-10 Jahren zu gewährleisten.

Dabei muß natürlich das geänderte Einsatzspektrum beachtet werden:
Die Kl.404 war für Einsätze in der Ostsee gedacht und sollte vermutlich durch ihre Optik auch als Küstenfrachter durchgehen, um "die Bösen" zu irritieren. Dieser Aspekt wäre in Zukunft wohl nicht mehr relevant.
Für das MZES wären weltweite Einsätze das Szenario, und auch technisch haben sich viele Parameter geändert - Schnellboote sind "Out", ferngesteuerte oder komplett autonome System sind "In", Einsätze können fern der Heimat stattfinden und viel länger dauern als der Besatzung lieb wäre.

Welche Anforderungen müßten die MZES erfüllen?
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#2
Die Diskussion wurde in Grundzügen ja bereits im allgemeinen Thema zur deutschen Marine geführt, ein eigener Strang ist sicherlich gerechtfertigt. Erwähnt hatte ich bereits einen Grundsatzartikel (so möchte ich es mal nennen), der einen aktuellen Stand zu den Gedanken aus Marinekreisen abgibt. Der stellte vor allem fest, dass

- der Grundbedarf am klassischen Aufgabenspektrum eines Tenders noch immer gegeben ist
- sich ein Zusatzbedarf im Bereich Führungsfähigkeit aufgrund der entsprechenden Einsätze ergeben hat
- die Möglichkeiten zur Nutzung in der Verbandsführung, aber auch als Einzelfahrer, eine umfangreichere Abwehrbewaffnung sinnvoll erscheinen lassen

Die Schnellboote mögen zwar weggefallen sein, dafür haben wir aber nun Korvetten (und werden auf die eine oder andere Art und Weise weitere erhalten), die für den Auslandseinsatz vorgesehen sind. Zudem gibt es bereits konkretere Überlegungen zu neuen Kampfbooten speziell für Randmeeroperationen, und letztlich verbleiben natürlich auch noch die U-Boote, deren Zahl ja abermals aufgestockt werden soll. Von daher ist es nachvollziehbar, dass auch in Zukunft Einheiten benötigt werden, die klassische Aufgaben der Tender übernehmen können, erweitert um die Fähigkeiten, die sich jetzt bereits bei den Großen Einsatzgruppenversorgern herausgebildet haben.

Interessant wird es bei den Fähigkeiten, die im Einsatz im Grunde jetzt schon benötigt würden. Das betrifft sowohl die Führungsfähigkeiten (besonders die dafür notwendigen Kommunikationsmittel und entsprechende Bordarbeitsplätze), vor allem aber die Bewaffnung. Denn während für erstere auch grundsätzlich Bedarf besteht, betrifft letzteres ja nur wenige Einsatzformen und -räume. Hier stellt sich die Frage, wie da der Kompromiss zwischen Kosten und Nutzen aussehen wird.

Für mich gibt es zwei Möglichkeiten:
1) Entweder werden die entsprechenden Systeme fest an Bord installiert (Sensoren, Effektoren), aber nur für den entsprechenden Einsatz aufmunitioniert und bemannt
2) Oder die Systeme werden als Einsatzmodule ausgelegt, die je nach Bedarf an Bord genommen werden

Ersteres dürfte die deutlich sinnvollere Variante sein, schon allein da so auch eine Rollenerweiterung "unterwegs" möglich ist. Letzteres könnte kostengünstiger sein. In beiden Fällen müsste aber auch geklärt werden, um welche Systeme es konkret geht. Denn Waffenstationen für die Nahverteidigung und MANPADS sind damit weder gemeint (die muss es so oder so dauerhaft an Bord geben), sondern schon Systeme mit höherer Reichweite.

Aufgrund dessen gehe ich davon aus, dass die Einheiten in der Größe deutlich zulegen werden, allerdings ebenso deutlich unterhalb der bisherigen EGVs bleiben werden. Eine willkürliche Schätzung wäre irgendwas zwischen 8.000 und 10.000 t Verdrängung, was etwa den Maßen 140/20/5 entspräche. Gerade der geringe Tiefgang könnte wichtig sein.
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#3
Auch ich gehe von einer höheren Tonnage der MZES aus, aber aus anderen Gründen:
So sind die Einsatzorte vermutlich ein ganzes Stück weiter weg als die Ostsee, für welche die Kl.404 konzipiert wurde. Dadurch wird es vielleicht sinnvoll, Kapazitäten für zwei SUG auf einem MZES vorzusehen, um beispielsweise sowohl Minenstreitkräfte als auch Korvetten abzustützen. Die Möglichkeit zum Austausch der SUG-Module hatte ich dabei vorausgesetzt.
Außerdem werden durch die technische Entwicklung immer mehr autonome oder ferngesteuerte Kleinsysteme möglich, die aber von irgendwo gesteuert und versorgt werden müssen. So entwickelt Atlas derzeit ARCIMS, einen unbemannten Träger für Minenabwehrsensoren und -effektoren. Auch DCNS mit "Espadon" und Singapore Technologies mit "Venus" arbeiten an ähnlichen Konzepten. Für einen effizienten Einsatz müßte das Mutterschiff mehrere dieser Träger transportieren, versorgen und steuern können, was ebenfalls eine gewisse Kapazität erfordert.
Für diese Fernsteueroperationen sind auf dem MZES ausgefeilte Sensoren und Kontrollsysteme nötig, die man wg. Interferenzproblematik wohl nicht ohne weiteres per "plug and play" mal eben einbauen kann. Das macht die Schiffe zwar teurer, aber da kommt man wohl nicht drumrum.

Vielleicht wird auch eine neue SUG kommen (neben U-Boot, Minen und Korvetten):
Zur Kontrolle von Küstengewässern, Häfen und Flüssen setzen die US-Streitkräfte Varianten des schwedischen CB90 ein, und zur Abstützung von solchen Booten und deren Besatzungen könnte ich mir ein MZES gut vorstellen.


Und was Bewaffnung angeht, ist m.E. weiterhin das dänische StanFlex-Konzept sehr beachtenswert.
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#4
Die Einsatzorte werden sicherlich auch weiter entfernt sein, trotzdem wird die Ostsee eine wichtige Rolle spielen, vor allem eine wichtigere als in den letzten 25 Jahren. Zumal sich Deutschland ja auch zur NATO-Führungsnation für den Ostseeraum entwickelt und gleichzeitig eine starke Verantwortung in der Nordsee bis hinauf zum Nordmeer im Küstenvorfeld übernehmen wird. Ein Größenzuwachs wird sich in Anbetracht der Anforderungen nicht vermeiden lassen, aber ich denke eher, dass dieser in Kauf genommen werden wird, als dass man speziell damit plant.

Was die erweiterten Fähigkeiten angeht, so halte ich es nicht für klug, zu viele Funktionen in einer Schiffsklasse zu vereinen. Vor allem nicht solche, für die derartige Schiffe nicht unmittelbar benötigt werden. Als Mutterfahrzeuge etwa für autonome Einheiten beispielsweise reichen auch deutlich kleinere Einheiten vollkommen aus, die nicht nur spezialisierter eingesetzt werden können, sondern sich auch leichter ohne andere Einbußen an neue Gegebenheiten anpassen lassen.

Das würde natürlich dazu führen, dass diese neuen Boote (die unter die Konzeption der Kampfboote fällt) auch wiederum entsprechende Tender bräuchten.
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