Kontinentalbündnis Pro und Contra
#1
Die Idee eines eurasischen Kontinentalbündnisses mit den Kernstaaten China-Rußland-Deutschland-Frankreich wird für viele Deutsche immer interessanter und diskussionswürdiger. Das Kontinentalbündnis soll die NATO in Europa ablösen und durch Auflösung der (künstlichen) Gegensätze zwischen Rußland und Europa auf lange Sicht Frieden und Stabilität sichern. Das Bündnis wäre rein sicherheitspolitischer und militärischer Natur. Natürlich würde sich nach Formierung des Kontinentalbündnis sicher auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit intensivieren, was für alle Beteiligten förderlich sein dürfte, da jedes beteiligte Land auf verschiedensten Gebieten führend ist.
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#2
Das Thema wurde von mir hierher verschoben, da es sicherlich interessant ist, über jenes zu spekulieren, aber weil es eben genau auch dies im Schwerpunkt ist: Ein Spekulationsthema. :wink:

Schneemann.
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#3
Wenn man sich ansieht, wie es mit mehr Kooperation und Solidarität in der EU momentan ansieht, kann ich den Gedanken gut verstehen.
Dennoch gefällt mir die Idee einer EU wesentlich besser als das China-Russland-Frankreich-Deutschland Konstrukt, da wir Westeuropäer wohl kaum von China oder Russland als ebenbürtige Partner angesehen werden würden. Das sprengt eine langfristige Zusammenarbeit.
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#4
Die Idee eines solchen Eurasischen Bündnisses wieder die Atlantiker ist ja schon etliche Jahre alt und stammt (Überrraschung) aus Russland, genauer gesagt von der Eurasischen Partei und damit dem Dunstkreis Alexander Dugins.

https://en.wikipedia.org/wiki/Eurasia_Party

https://en.wikipedia.org/wiki/Eurasianism

Diese Idee ist grundsätzlich abzulehnen, weil Europa ein eigener Großraum im Sinne von Schmitt ist und meiner Überzeugung nach klar voneinander trennbare Großräume eben dies - getrennt voneinander gehalten werden sollten.

Ein solches Bündnis wäre aufgrund der inneren Differenzen wohl auch funktionsunfähig und selbst wenn es auf rein sicherheitspolitische Aufgaben konzipiert wäre - so würde es primär nur Russland nützen - wäre aber für Europa / Deutschland kein Nutzen - im Gegenteil !
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#5
Quintus Fabius schrieb:Die Idee eines solchen Eurasischen Bündnisses wieder die Atlantiker ist ja schon etliche Jahre alt und stammt (Überrraschung) aus Russland, genauer gesagt von der Eurasischen Partei und damit dem Dunstkreis Alexander Dugins.

https://en.wikipedia.org/wiki/Eurasia_Party

https://en.wikipedia.org/wiki/Eurasianism

Diese Idee ist grundsätzlich abzulehnen, weil Europa ein eigener Großraum im Sinne von Schmitt ist und meiner Überzeugung nach klar voneinander trennbare Großräume eben dies - getrennt voneinander gehalten werden sollten.

Ein solches Bündnis wäre aufgrund der inneren Differenzen wohl auch funktionsunfähig und selbst wenn es auf rein sicherheitspolitische Aufgaben konzipiert wäre - so würde es primär nur Russland nützen - wäre aber für Europa / Deutschland kein Nutzen - im Gegenteil !

Bisher ist Europa militärisch nicht mehr als ein Anhängsel der USA und sicher kein eigener Großraum. Im Übrigen würde das Bündnis nicht nur Rußland nutzen, sondern gerade Europa und auch Deutschland, weil damit für die Zukunft die Gefahr eines Krieges USA/Europa/Deutschland gegen Rußland gebannt wäre. So ein Krieg würde nämlich höchstens der USA nutzen und wäre für Europa und wahrscheinlich auch Rußland der endgültige Untergang. Dieses Bündnis hätte also nur Vorteile, wohingegen das NATO-Bündnis nur Nachteile hat, weil wir nicht mehr wären für die USA, als ein Bauernopfer gegen Rußland.
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#6
Ich denke, das bei einem Kontinentalbündnis gerade der kontinentale Charakter von Nachteil wäre.
Die Transitrouten würden über Land verlaufen, und hier durch weite und oftmals wenig erschlossene Räume. Es wäre also schwierig bis fast unmöglich, von Deutschland aus China militärische Hilfe zu leisten und umgekehrt. Auch die militärische Macht von Russland konzentriert sich weitgehend auf Randgebiete dieses Raumes.
Noch schlimmer wäre ein deutsch-chinesisches Bündnis ohne Russland. Man wäre voneinander noch deutlicher isoliert.
Bei einem Bündnis mit den USA mag der Atlantik als Hindernis erscheinen, aber man kann über ihn billig große Mengen von Nachschub transportieren, und die USA haben zumindest die Kapazitäten um diesen auch zu schützen.
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#7
Bis zu einem gewissen Grade mag es stimmen, dass die Europäer von den USA abhängig sind oder von einigen politischen Kreisen in Europa als "US-Anhängsel" definiert werden. Aber man solle sich zugleich auch fragen, ob denn die genannte Alternative besser (oder: anders geartet) wäre. Könnte man annehmen, dass die Deutschen oder auch Franzosen von der riesigen Gebietsmacht Russland oder dem Riesenvolk China anders bzw. besser und "kollegialer" behandelt werden würden? Nein, weder in Moskau noch in Peking würde man auf Einwände (oder gar Belehrungen) aus Berlin oder Paris hören. Im Gegenteil: Eher würden die beiden europäischen Staaten noch weiter zur Belanglosigkeit degradiert werden.

Sicher, in den USA neigen manche Politkreise dazu, die Europäer als zerstritten und handlungsunfähig hinzustellen - teils auch nicht ohne Grund -, aber man ist dennoch in einer kulturellen, politphilosophischen, ideellen sowie weitgehend auch religiösen und teils ethnischen Sphäre miteinander verbunden. Die USA sind ein "Kind" europäischer Auswanderer (auch wenn die weiße Schicht in den USA aktuell zahlenmäßig abnimmt) und sie sind zugleich die demokratische Vor- und Weltmacht des Westens bzw. der westlichen Hemisphäre, und dies wirkt und wird auch in Zukunft bindend und bestimmend sein - in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg. Egal nun, wer in Washington, Paris oder Berlin regiert.

Diese Bindungen, so wie sie zwischen Europa und den USA bestehen (und damit meine ich beileibe nicht nur die NATO), nehmen indessen aktuell in Bezug auf Russland stark ab, welches sich als orthodoxer, konservativer, intoleranter und teils antidemokratischer Gegenpol definiert, um beharrlich seine nationale Eigenständigkeit und seinen pseudoüberheblichen unilateralen Militarismus zu propagieren. Zum fernen China, das sich völlig anderen Traditionen, Nationalismen und politischen Mechanismen verpflichtet sieht, sind diese Bindungen noch viel weniger vorhanden. Insofern dürfte eine gemeinsame und belastbare Basis schlicht kaum möglich sein.

Wenn wir uns also in Europa (und speziell auch in Deutschland) über die USA echauffieren, z. B. wenn es um Guantanamo, TTIP oder die NSA-Spitzeleien geht, so sollten wir uns vielleicht vergegenwärtigen, dass wir von Russland und China uns noch ganz andere Sachen gefallen lassen müssten. Glaubt jemand, dass China seine Lagersysteme (die Guantanamo bei weitem in den Schatten stellen) abschaffen würde, wenn in Berlin ein Menschenrechtsbeauftragter sich beschwert? Irgendwelche Einwände, über die mit Washington wenigstens gesittet diskutiert wird und werden kann - egal ob sich dann letztlich Änderungen ergeben oder nicht (allzu sehr kann sich eine Weltmacht mit all ihren globalen Verpflichtungen auch nicht auf die mitteleuropäische, teils etwas weltfremd wirkende "Tugendhaftigkeit" einlassen) - würden in Peking oder Moskau vermutlich nicht mal ein abweisendes Schulterzucken bewirken.

Kurzum: Wir würden über kurz oder lang endgültig zu einer quan­ti­té né­g­li­gea­b­le werden. Zudem wären wir eine, die sich auf ihre autokratischen "Bündnispartner" sogar nicht mal verlassen könnte, da diese ganz andere strategische Zielsetzungen und geopolitische Ausrichtungen haben. Und man könnte auch andersherum fragen: Was tun, wenn China deutsche Soldaten für "Probleme" in Xinjiang fordert, weil dort die Uiguren unruhig sind? Oder wenn Russland deutsche Soldaten für Dagestan und die "Sicherung" der Krim erbittet? Tja, was dann? Außer unserer unglaubwürdig "friedensbewegten" Linkspartei, die den Russen eh fast alles verzeiht (besser: fast alles ignoriert, was Moskau anstellt), könnte sich wohl kaum jemand hierfür erwärmen.

Schneemann.
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