Russland vs. Türkei
#1
Obgleich die Problematik des aktuellen russisch-türkischen Disputs auch in den Kontext des NATO- oder des Syrien-Strangs verortet werden könnte, habe ich mich dennoch zu entschlossen, hierüber einen eigenen Strang aufzumachen, auch weil manche Komponenten des Streits eben doch nur auf die beiden Länder zugeschnitten werden sollten und die Angelegenheit einer in sich geschlossenen Analyse wert ist.

Die Ursachen des Streits sind vordergründig, zumindest im Groben, einerseits die recht durchschaubare russische Unterstützung Assads, die als Kampf gegen den IS verkleidet wird, und andererseits die undurchsichtige Rolle der Türkei, die Assad am liebsten loswerden möchte und zugleich einigen salafistischen Gruppen im syrischen Bürgerkrieg, die wiederum Assad bekämpfen, auf türkischem Gebiet bzw. in Schutzzonen im syrisch-türkischen Grenzgebiet Rückzugsräume einräumt/e.

Die Intensivierung der russischen Luftkampagne gegen Ziele in Syrien hat in den letzten Wochen immer wieder auch zu Verletzungen des türkischen Luftraumes durch russische Flugzeuge geführt. Obgleich hier nur schwer eine Absicht oder Provokation unterstellt werden kann, handelte es sich nicht nur um Einzelfälle, teils räumte Moskau auch selbst gewisse Fehler ein.

Hierzu eine Meldung von Oktober:
Zitat:Turkey 'cannot endure' Russian violation of airspace, president says

Recep Tayyip Erdoğan condemns Moscow as Nato says incursions into Turkish airspace do not appear to be accidental. [...] Separately, the armed forces said a Mig fighter plane had harassed a Turkish squadron of F-16s patrolling the border with Syria, locking its radar on the Turkish warplanes. [...] The Russian ministry of defence said a SU-30 fighter plane briefly entered Turkish airspace by accident as a result of weather conditions and said its Syria Command had taken the necessary measures to prevent such an incident from reoccurring.
http://www.theguardian.com/world/2015/o ... ions-syria

Dies hat u. a. dazu geführt, dass am vergangenen Dienstag (24. November) eine russische Sukhoi 24 (ein taktischer Bomber) von einer türkischen F-16 abgeschossen wurde - es ist der erste Abschuss eines russischen Flugzeuges durch ein NATO-Land seit einem halben Jahrhundert...
Zitat:Abgeschossenes Kampfflugzeug

Putin droht mit „ernsten Konsequenzen“

„Helfershelfer von Terroristen“: Russlands Präsident hat die Türkei nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs heftig kritisiert. Die Nato hat ein Sondertreffen anberaumt. [...] Türkische Jets hatten nach Angaben der Regierung in Ankara nahe der Grenze zu Syrien ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die türkischen Streitkräfte teilten mit, ein Flugzeug unbekannter Herkunft habe den türkischen Luftraum verletzt und zehn Warnungen innerhalb von fünf Minuten ignoriert. Zwei türkische F-16-Kampfflugzeuge hätten das fremde Flugzeug den Einsatzregeln entsprechend am Morgen in der Grenzregion Hatay abgeschossen.
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 28945.html

Streit gibt es noch darüber, wo der Abschuss erfolgt sein soll. Verschiedene Quellen nennen sowohl den türkischen als auch den syrischen Luftraum (vorzugsweise entsprechend der Version, die der jeweiligen Seite lieber ist). Indessen könnten beide Behauptungen m. Mn. n. zutreffen (spekulativ meinerseits). Und zwar aus dem Grund, dass die syrisch-türkische Grenze in der Region Hatay sehr bergig und unübersichtlich bzw. "ausgefranst" ist, d. h. die Sukhoi 24 könnte sich kurzzeitig über türkischem Gebiet befunden haben und wurde darauf beschossen, bis sie die Rakete allerdings dann traf, war sie aber schon wieder über syrischem Terrain. (Und das Wrack landete ja auch in Syrien.) Bei einer Geschwindigkeit von 720 km/h oder mehr (und sie flog sehr wahrscheinlich sogar schneller) bspw. legt die Maschine in 5 Sekunden rund einen Kilometer zurück; wenn zwischen dem Abfeuern der Rakete (und es war eine Sidewinder) und dem eigentlichen Raketentreffer z. B. 20 Sekunden vergehen, so wären dies also schon vier Kilometer.

Als Folge dieses Abschusses hat Putin zunächst mit der Stationierung bzw. der Ankündigung der Stationierung von S-400-Flugabwehrraketen in Syrien reagiert (Meldung vom 25. November)...
Zitat:Russische S-400-Flugabwehr: Hightech-Raketen verschärfen Situation in Syrien

Nach dem Abschuss seines Jagdbombers will Russland hochmoderne Flugabwehrraketen des Typs S-400 nach Syrien verlegen. Sie wären für fast alle westlichen Kampfflugzeuge eine Bedrohung - und auch für Israels Luftwaffe. [...]
http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 64527.html

Aktuell scheint sich die türkische Regierung derzeit eher um Entspannung zu bemühen, zumindest hat man aus der früheren Wortwahl einiges an verbaler Schärfe herausgenommen und sogar Erdogan, der sich in der Vergangenheit keiner Entgleisung zu schade war, hat zudem sein Bedauern über den Abschuss geäußert:
Zitat:Ärger zwischen Türkei und Russland

Erdogan bedauert Flugzeug-Abschuss

Der türkische Präsident Erdogan hat sein Bedauern über den Abschuss eines russischen Kampfjets zum Ausdruck gebracht. Er hoffe, so etwas werde nicht wieder passieren. Zugleich riet die Regierung ihren Bürgern, wenn möglich nicht mehr nach Russland zu reisen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat "Trauer" über den Abschuss eines russischen Militärflugzeugs vor wenigen Tagen geäußert. "Wir wünschten, es wäre nicht passiert, aber es ist passiert. Ich hoffe, so etwas wird nicht noch einmal geschehen", sagte er. [...] Seit dem Zwischenfall sind die Beziehungen zwischen den beiden Ländern angespannt. Russlands Präsident Wladimir Putin fordert eine Entschuldigung für den Abschuss. Diese blieb bislang jedoch aus.
https://www.tagesschau.de/ausland/tuerk ... d-105.html

In Moskau sind die türkischen Versuche, wenigstens etwas Wind aus der Affäre zu nehmen, allerdings bislang nicht gehört worden, auch weil sich Putin diese Demütigung, und eine solche dürfte es für ihn bzw. seinen nationalen Kurs auch gewesen sein, schlicht nicht gefallen lassen will (es wäre auch ein Gesichtsverlust, nachdem er sich bislang als der "starke Mann" gegeben hat). Dass er dabei die ganze Sache u. U. noch mehr anrührt...
Zitat:Streit mit der Türkei

Putin verhängt weitreichende Sanktionen

Das Verhältnis zwischen Moskau und Ankara spitzt sich weiter zu: Kremlchef Putin verfügt Sanktionen gegen die Türkei. Diese betreffen große Teile der gegenseitigen Wirtschaftsbeziehungen. Auch russische Urlauber werden sie zu spüren bekommen. [...] Mit einem Ukas verbietet oder begrenzt der russische Präsident vorübergehend die Einfuhr bestimmter türkischer Waren, wie der Kreml mitteilte. Putin wies seine Regierung an, eine entsprechende Liste zu erstellen.

Zudem müssen türkische Unternehmen bestimmte, von der Regierung festgelegte Aktivitäten in der Russischen Föderation einstellen. Russische Unternehmen dürfen vom 1. Januar 2016 an vorübergehend keine türkischen Bürger mehr einstellen.

Der Erlass des Präsidenten sieht auch verschärfte Kontrollen des Verkehrs zwischen beiden Länder vor. Türkische Lastwagen sowie Schiffe sollen an den Grenzen und in den Häfen stärker überprüft werden. Russland begründet dies mit Sicherheitsbedenken. Besonders stark dürfte die Tourismusbranche leiden. Russische Reiseveranstalter können künftig keinen Urlaub in der Türkei mehr anbieten. [...]

Putin fordert von Erdogan eine Entschuldigung für den Abschuss als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Gesprächen. Erdogan äußerte inzwischen sein Bedauern über den Vorfall, entschuldigte sich jedoch nicht.
http://www.n-tv.de/politik/Putin-verhae ... 55366.html

...und der ganze Stapel an Sanktionen, auch zusammen mit den Ukraine-Sanktionen, auch vor allem die Russen selbst in ihrer Lebensqualität trifft, scheint ihn nicht zu interessieren. Aber vllt. ist dies auch Absicht, dieses nationale Einigeln scheint letztlich bzw. bislang auch ganz gut zu funktionieren. Nur sehe ich hier große geopolitische Risiken...

Schneemann.
Zitieren
#2
Gibt auch noch den Strang hier:
viewtopic.php?f=40&t=6193
Nach dem aktiven Schutz der Turkmenen hin zum aktiveren Schutz der Krimtataren? Ein Grund mehr für die Russen, gegen die Türkei Stärke zu markieren.
Allerdings plustert sich Russland ein bisschen zu sehr auf mit diesem ganzen Theaterdonner. Die Verkündung weitreichender Massnahmen gegen die Türkei wird auch zu einem gewissen Teil der medialen Heimatfront geschuldet sein. Die Türken werden ihren Support für die ihnen genehmen Gruppen in Syrien deswegen kaum einstellen, sondern eher noch ausweiten.
Zitieren
#3
Zitat:In Moskau sind die türkischen Versuche, wenigstens etwas Wind aus der Affäre zu nehmen, allerdings bislang nicht gehört worden, auch weil sich Putin diese Demütigung, und eine solche dürfte es für ihn bzw. seinen nationalen Kurs auch gewesen sein, schlicht nicht gefallen lassen will (es wäre auch ein Gesichtsverlust, nachdem er sich bislang als der "starke Mann" gegeben hat). Dass er dabei die ganze Sache u. U. noch mehr anrührt...
...und der ganze Stapel an Sanktionen, auch zusammen mit den Ukraine-Sanktionen, auch vor allem die Russen selbst in ihrer Lebensqualität trifft, scheint ihn nicht zu interessieren. Aber vllt. ist dies auch Absicht, dieses nationale Einigeln scheint letztlich bzw. bislang auch ganz gut zu funktionieren. Nur sehe ich hier große geopolitische Risiken...
Zumindest wäre es ungeschickt von den Russen, jetzt sofort einzulenken.
Von daher ist es verfrüht, die vermeintliche Gelegenheit (Erdogans halbherziges Eingeständnis) zu nutzen um den Russen Schuld an einer Eskalation zuzuweisen.
Die Türkei hat geschossen und Russland ist erstmal sauer. Der Rest wird sich weisen.
Von einem anderen Land (außer evtl China) würde auch niemand ein sofortiges "Schwamm drüber, kann ja mal vorkommen" erwarten :wink:
Zitieren
#4
Wie realistisch ist eigentlich eine Sperrung des Bosporus für die russische Schifffahrt? Ist das ein internationales Gewässer?
Zitieren
#5
Vertrag von Montreux:


Zitat:[...]

Die Meerengen gelten als internationaler Schifffahrtsweg, gemäß Artikel 2 genießen Handelsschiffe, unbesehen ihrer Ladung oder Flagge, während Friedenszeiten die freie Durchfahrt. Die türkischen Behörden können nur sanitäre oder Sicherheitskontrollen durchführen und Gebühren erheben, aber nicht die Passage verbieten. In Kriegszeiten dürfen alle Handelsschiffe der Staaten passieren, die nicht mit der Türkei im Krieg stehen, dürfen aber einem Feind der Türkei keine Hilfe leisten.

Für Kriegsschiffe gelten besondere Regeln. In Friedenszeiten muss der Türkei die Durchfahrt eines Kriegsschiffes auf diplomatischem Wege vorher mitgeteilt werden, in der Regel acht Tage zuvor. Kriegsschiffe von Staaten, die nicht zu den Anrainern des Schwarzen Meeres gehören, dürfen sich nicht länger als 21 Tage im Schwarzen Meer aufhalten. Die Tonnage von Kriegsschiffen der Nichtanrainer-Staaten, welche gleichzeitig durch die Meerengen fahren, dürfen 15.000 Tonnen nicht überschreiten (Artikel 11 und 14). Weiterhin dürfen Überwasser-Kriegsschiffe mit mehr als 10.000 ts Verdrängung und U-Boote von Staaten, die nicht zu den Anrainern des Schwarzen Meeres gehören, sowie Flugzeugträger generell die Meerenge nicht passieren. Befindet sich die Türkei in einem Krieg, so stellt das Abkommen die Durchfahrt von Kriegsschiffen völlig in das Ermessen der türkischen Regierung.

[...]


https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Montreux
Zitieren
#6
Vielen Dank! Da hat man sich eine nette Hintertür eingebaut, in dem man einem Feind der Türkei keine Hilfe leisten darf. Die Türken könnten die Passage also für die Russen schliessen. Das würde die logisitische Unterstützung des Assad-Regimes durch Russland (sowie die Versorgung der eigenen Truppen in Syrien) erheblich verteuern.
Zitieren
#7
Scheinbar bekommen russische Schiffe trotzdem keine Passage Aktuell.
Zitieren
#8
Zur aktuellen Lage: Russland hat den Ton gegenüber der Türkei deutlich verschärft bzw. Erdogan unterstellt, er würde Terroristen unterstützen.
Zitat:Russland

Putin verschärft Tonfall gegenüber Erdogan

Die Beziehungen sind nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei ohnehin gespannt. Nun gießt Präsident Putin noch Öl ins Feuer. Er wirft der Türkei vor, den Ölschmuggel der Terrormiliz IS zu decken. [...]

Mit dem Abschuss eines russischen Bombers habe Ankara den Ölhandel des IS sichern wollen, sagte Putin nach einer Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP am Rande der Klimakonferenz im Pariser Vorort Le Bourget. "Wir haben jeden Grund anzunehmen, dass die Entscheidung zum Abschuss unseres Flugzeug von dem Willen bestimmt war, die Öl-Lieferrouten zum türkischen Territorium zu sichern", wird Putin zitiert.
http://www.dw.com/de/putin-versch%C3%A4 ... a-18885982

Obgleich man sicher die Intention der Türkei kritisch hinterfragen muss, was ihre Rolle im grenznahen Verkehr oder auch die logistische Unterstützung mancher Gruppe im syrischen Bürgerkrieg betrifft, so sollte man die Moskauer Lesart auch kritisch beäugen. Seit dem Ukraine-Konflikt weiß man ja, dass alle, die gegen die Moskauer Darstellungen sind, als Faschisten tituliert werden. Und in Syrien werden alle, die gegen Assad sind, zu Terroristen oder zu deren Förderern. Erdogan zumindest hat sich gegen die Putinschen Vorhaltungen verwahrt...
Zitat:Ölgeschäfte

Erdogan weist Putin-Vorwürfe zurück [...]

Erdogan sagte am Rande der internationalen Klima-Konferenz in Paris, die Türkei beziehe Öl und Gas lediglich aus legalen Quellen wie beispielsweise aus Russland. Den russischen Staatschef Putin forderte er auf, Beweise für seine Behauptung vorzulegen. Sollte es solche Beweise geben, so Erdogan, werde er von seinem Amt zurücktreten.

http://www.deutschlandfunk.de/oelgescha ... _id=553094

Allerdings gibt es zugleich auch Zeichen, wonach man in Moskau, trotz aller schriller Rhetorik, den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen will:
Zitat:Lawrow schließt Treffen mit türkischem Außenminister nicht aus

Nikosia (Reuters) - Der russische Außenminister Sergej Lawrow schließt ein Treffen mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu in dieser Woche in Belgrad nicht aus.

Er würde eine Begegnung nicht ausschlagen, sagte Lawrow am Mittwoch bei einem Besuch in Zypern. In der serbischen Hauptstadt findet am Donnerstag und Freitag ein Treffen des Ministerrates der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa statt. Russland und die Türkei sind OSZE-Mitglieder. [...]
http://de.reuters.com/article/topNews/i ... 3620151202

Die NATO hat indessen angekündigt, den türkischen Luftraum besser schützen zu wollen...
Zitat:NATO allies act to strengthen Turkey's air defenses

NATO allies plan to send patrol aircraft and missiles to strengthen Ankara's air defenses on its border with Syria, officials said on Tuesday, following Turkey's shooting-down of a Russian bomber.

As NATO countries seek to reassure Ankara over the fallout of Russia's incursions into its air space, a decision by Germany and the United States to remove their Patriot missile batteries from Turkey left other allies to fill the gap. [...] Spain is now the only NATO nation with Patriots in Turkey. [...]

Diplomats said measures are likely to include more ships from NATO members in the eastern Mediterranean, more NATO planes based in the Turkish base at Incirlik and more missile defense batteries in addition to that of Spain. [...] NATO Secretary-General Jens Stoltenberg said he expected a decision on a package "within weeks" but sought to portray the reinforcements as separate from Russia's air incursions and called for Russia and Turkey to seek a solution to the tensions.
http://www.reuters.com/article/2015/12/ ... T2QyTBY.97

@triangolum

Gewöhne dir bitte endlich mal an, Behauptungen auch durch Links zu belegen. Da das nun mit Sicherheit die 25. "Bitte" diesbezüglich ist, kommt man sich langsam blöde vor, wenn man es ständig erneut sagen muss. Das ist nun nicht als Bitte, sondern als moderativer Hinweis zu verstehen.

Schneemann.
Zitieren
#9
Zur aktuellen Entwicklung im türkisch-russischen Disput: Beide Seite führen nachwievor einen verbalen Kampf gegeneinander, wobei vor Übertreibungen und Beleidigungen wie in Zeiten des Kalten Krieges nicht zurückgeschreckt wird. Nun haben die Außenminister Russlands und der Türkei zwar miteinander gesprochen, großartige Ergebnisse hat es aber nicht gegeben...
Zitat:Streit zwischen Russland und Türkei

Außenminister zeigen sich kalte Schulter

Zum ersten Mal seit dem Abschuss des russischen Kampfjets durch die türkische Armee sprechen die Außenminister der beiden Länder miteinander.

Die eingeforderte Entschuldigung bekommt Russland bei dem Gespräch nicht, vielmehr verhärten sich die Fronten. [...] "Wir haben nichts Neues von Cavusoglu gehört", sagte Lawrow nach dem Gespräch am Rande einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Belgrad. Es war das erste Treffen ranghoher Vertreter beider Länder seit dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei am 24. November. [...]

Lawrow betonte, dass sein Land zwischen dem türkischen Volk und der türkischen Regierung unterscheide. Teilnehmern der Pressekonferenz in Belgrad zufolge nannte er die Regierung in Ankara Terroristen.
http://www.n-tv.de/politik/Aussenminist ... 96511.html

Präsident Putin legt sogar noch einmal argumentativ nach und bezichtigt die Türkei eines Kriegsverbrechens. Diese derbe Rhetorik mag sicherlich bei nationalistischen Kreisen gut ankommen, ist aber einem Ausgleich sicherlich wiederum abträglich.
Zitat:Rede an die Nation

Putin droht der Türkei

In seiner Rede an die Nation hat Russlands Präsident Putin vor einer Terrorgefahr aus Syrien gewarnt. Gleichzeitig richtete er deutliche Worte an die Adresse der türkischen Regierung. Diese werde den Abschuss eines russischen Jets noch "bereuen". [...]

Die Regierung unterstütze den Terrorismus, indem sie mit dem "Islamischen Staat" Geschäfte mache. Das türkische Volk sei fleißig, aber das "Regime" in Ankara sei "verräterisch". Den Abschuss eines russischen Kampfjets bezeichnete Putin als "heimtückisches Kriegsverbrechen". Die türkische Führung werde diesen Schritt noch "mehr als einmal bereuen". Wer glaube, dass sich die Maßnahmen gegen die Türkei auf Handelssanktionen beschränkten, irre.

Zeitgleich zu Putins Rede kündigte der russische Energieminister Alexander Novak an, Arbeiten am russisch-türkische Pipeline-Projekt Turkstream würden vorerst auf Eis gelegt.
http://www.tagesschau.de/ausland/putin-rede-111.html

Der türkische Staatschef Erdogan nimmt, wie üblich, auch kein Blatt vor den Mund. Zudem kontert die türkische Seite die russischen Behauptungen, wonach die Türkei mit dem IS zusammenarbeite im Ölgeschäft, damit, dass sie behauptet, dass ein russischer Staatsbürger eine der Hauptfiguren im Ölhandel des IS sei. (Beide Seiten können ihre Anschuldigungen bislang aber nicht wirklich schlüssig belegen.)
Zitat:Streit eskaliert weiter

Erdogan nennt Putins Vorwürfe "nicht sehr moralisch"

Zumindest verbal eskaliert der Streit zwischen der Türkei und Russland immer mehr. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft seinem Amtskollegen Wladimir Putin vor, dessen Vorwürfe seien "nicht sehr moralisch". [...]

Die Türkei habe Belege dafür, dass der größte Ölhändler mit dem IS ein russisch-syrischer Staatsbürger sei. Erdogan wiederholte seine Ankündigung, er werde zurücktreten, sollte Russland belegen können, dass die Türkei Öl mit dem IS handele.
http://www.t-online.de/nachrichten/ausl ... isch-.html

Abgesehen davon: Noch eine Einschätzung zum Stein des Anstoßes...
Zitat:Why did it take Turkey just 17 seconds to shoot down Russian jet?

Even if Turkey is right that a Russian fighter jet strayed into its airspace, the plane was within Ankara’s borders for just 17 seconds before being attacked – and was making no hostile moves against the Turks. [...] Airspace incursions, granted usually in less politically tense contexts, happen all the time, and generally you’d expect warning shots to be fired and then attempts to force the intruder to leave or to land. [...]

Moscow may have been foolish to let its planes stray so close to the border – doubly so if its rules of engagement allowed pilots to dip into Turkish airspace when it was operationally useful (as is likely). But Turkey’s response went way beyond the usual practice. In 2012, the Syrians shot down a Turkish jet which had entered its airspace, and Erdoğan’s furious response at the time was that “a short-term border violation can never be a pretext for an attack”. [...]
http://www.theguardian.com/world/2015/n ... k-galeotti

Schneemann.
Zitieren
#10
Zitat:Zwischenfall mit türkischem Boot: Russischer Zerstörer feuert Warnschüsse im Ägäischen Meer

Zwischenfall im Ägäischen Meer: Als sich ein türkisches Boot nähert, gibt ein russisches Marineschiff Warnschüsse ab. Nach Angaben von Moskau sei so eine Kollision verhindert worden. [...]

Nach Angaben des Ministeriums habe die "Smetlivy" keinen Funkkontakt zu dem türkischen Schiff herstellen können, auch auf Signale und Leuchtsignale sei nicht reagiert worden. Als das Boot etwa 600 Meter entfernt gewesen sei, habe die "Smetlivy" die Warnschüsse abgegeben. Das türkische Boot sei dann beigedreht.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/a ... 67573.html

Ich schätze mal, mit einer Kollision hat dies weniger zu tun bzw. dies ist eher eine Ausrede. Eher könnte ich mir vorstellen, dass die Russen Angst vor einem Anschlag hatten. Der Vorfall mit der Cole dürfte ja auch in russischen Marinekreisen bekannt sein. Allerdings kommt der Zwischenfall natürlich derweilen zur Unzeit...

Allerdings gibt es auch russische Maßnahmen, die man nun wirklich als provokante Handlungen seitens von Moskau auslegen kann bzw. die nicht mit irgendwelchen Anti-Terror-Aktivitäten zu erklären sind, zumindest könnten die unten genannten Helikopter von Armenien aus den syrischen Luftraum nicht erreichen, ohne dass sie türkisches oder iranisches Terrain queren müssten (Meldung von vor sechs Tagen):
Zitat:Türkei

Russland stationiert Kampfhubschrauber nahe der türkischen Grenze

Sieben russische Kampf- und Armeehubschrauber stehen in Armenien bereit. Es sollen weitere dazukommen.

Inmitten des Streits mit der Türkei hat Russland mehrere Kampf- und Transporthubschrauber in der Südkaukasusrepublik Armenien unweit der türkischen Grenze stationiert. Sieben Maschinen der Typen Mi-24P und Mi-8MT seien von der russischen Stadt Krasnodar zum russischen Stützpunkt Erebuni verlegt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Bis zum Jahresende sollen weitere Armeehubschrauber auf der Basis nahe der armenischen Hauptstadt Eriwan stationiert werden. [...]

http://www.sueddeutsche.de/politik/tuer ... -1.2773578

Schneemann.
Zitieren
#11
Schneemann schrieb:....
Ich schätze mal, mit einer Kollision hat dies weniger zu tun bzw. dies ist eher eine Ausrede. Eher könnte ich mir vorstellen, dass die Russen Angst vor einem Anschlag hatten. Der Vorfall mit der Cole dürfte ja auch in russischen Marinekreisen bekannt sein. Allerdings kommt der Zwischenfall natürlich derweilen zur Unzeit....

Ja, ein amerikanischer Zerstörer im persischen Golf hätte angesichts eines iranischen Boots sicher genauso gehandelt.

Allerdings sind die Russen in der peinlichen Lage, dass jetzt jeder erstmal hieran denken muss;
https://de.wikipedia.org/wiki/Doggerbank-Zwischenfall
:wink:
Zitieren
#12
Wobei die Doggerbank anscheinend nun auch im Schwarzen Meer sich befindet... :roll:
Zitat:Schwarzes Meer: Russische Korvette zwingt offenbar türkisches Schiff zum Abdrehen

Es ist der zweite Vorfall binnen 24 Stunden: Erneut sind sich türkische und russische Schiffe in die Quere gekommen - dieses Mal im Schwarzen Meer. [...] Eine russische Korvette und ein Boot der Küstenwache hätten ein unter türkischer Flagge fahrendes Schiff zum Abdrehen gezwungen, teilte das auf der Krim beheimatete Energieunternehmen Chernomorneftegaz am Montag mit.

Das türkische Schiff habe den Weg von Schiffen des Unternehmens gekreuzt, die Bohrplattformen im Schlepptau gehabt hätten. Die Anlagen seien sicher an ihren Bestimmungsort gebracht worden, so der Konzern.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 67679.html

Man sollte nur darauf achten, dass sich solche Manöver nicht zum Alltag entwickeln, sonst gibt es irgendwann mal richtig eine Kollision mit evtl. Personenschäden...

Schneemann.
Zitieren
#13
Haben die Türken eigentlich Torpedoboote ? :wink:
Zitieren
#14
Iran’s First Vice President Es’haq Jahangiri says the recent escalation of tensions between Moscow and Ankara over Turkey's downing of a Russian jet is worrisome, expressing Tehran’s readiness to help settle the dispute.

“We are concerned about the tension created in relations between Turkey and Russia and do not regard this tension as beneficial to the region at all and are ready to help ease the tension,” Jahangiri said in a meeting with Turkish President Recep Tayyip Erdogan on the sidelines of a meeting in Turkmenistan's capital of Ashgabat on Saturday.
http://presstv.com/Detail/2015/12/12/44 ... n-Ashgabat
Zitieren
#15
Zitat:Russland fordert von Türkei Entschädigung für Flugzeug-Abschuss

In Syrien hat das türkische Militär einen russischen Kampfjet abgeschossen, weil er den Luftraum verletzt haben soll. Einer der Piloten kam dabei ums Leben, der andere wurde verletzt aufgefunden. [...]

Russland fordert von der Türkei eine Entschädigung für den Abschuss eines Kampfflugzeuges im türkisch-syrischen Grenzgebiet. Das berichtet "Reuters" unter Berufung auf die Nachrichtenagentur "Ria". Demzufolge fordere der stellvertretende Außenminister Alexei Meschkow außerdem eine Garantie von der Türkei, dass ein solcher Zwischenfall nicht noch einmal passiert.

Die Türkei wies die Forderung nach einer Entschädigungszahlung umgehend zurück. Zugleich warf ein Sprecher des Außenministeriums in Ankara Russland vor, eine militärische Bedrohung durch die Türkei an die Wand zu malen, die es nicht gebe. [...]
http://www.focus.de/politik/ausland/nac ... 53496.html

Schneemann.
Zitieren


Gehe zu: