ISIS und Co.
#31
zurück zur Ausgangsfrage:
Unter dem Titel
Zitat:Was will Isis? Und wer steckt dahinter?
bringt die FAZ eine Reihe von Stellungnahmen:
Zitat:...
Die Organisation verfügt inzwischen über anderthalb Milliarden Dollar - erbeutet bei der Plünderung von Banken in Mossul und durch den Verkauf von Erdöl in den von ihr besetzten Gebieten in Nord- und Ostsyrien. Bei Isis handelt es sich also um ein grenzübergreifend operierendes Unternehmen, das mit Hilfe von Mittelsmännern in Ministerien in Bagdad und im syrischen Sicherheitsapparat wahnsinnige Profite macht. Durch ihre Geschäfte ist es Isis gelungen, ihre Abhängigkeit von Geldgebern in Saudi-Arabien, Qatar, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten sukzessive zu verringern.
...

Markus Bickel ist Arabien-Korrespondent der F.A.Z. und im Moment im Irak unterwegs.
etwas später schreibt Bickel aber auch:
Zitat:...
Hinzu kommt, dass die beiden rivalisierenden Hegemonialmächte, das wahabitisch-sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran, die gegnerischen Seiten unterstützen - was ein schnelles Stoppen des Krieges umso aussichtsloser erscheinen lässt.
...
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#32
Schneemann schrieb:...
Bitte? Natürlich hat er ein Problem mit diesen. Egal ob es nun "nur" hysterische Eiferer oder wirkliche Meuchelmörder sind, weil diese westliche Einrichtungen oder Angehörige westlicher Staaten genauso attackieren wie Ziele in ihren islamischen Heimatländern oder andere Muslime...
Schneemann.

Nicht weil, sondern wenn
Auch in Jugoslawien waren Dschihadisten im Einsatz, mit freundlicher Unterstützung des Westens.

Wird in Moskau eine Oper überfallen oder in Dagestan ein Kindergarten, verorten unsere Lohnschreiber bei der russischen Unterdrückung die Ursache.
Wenn dagegen die Türkei die Spinner in beiden Richtungen über die syrische Grenze lässt, was solls, geht ja gegen Assad. Und überhaupt, was können wir dafür, wenn unser NATO-Partner seltsame Sachen macht.

Aber wenn in London oder Manhattan (oder Afghanistan, wenn der Westen das Land grad wieder besetzt hat) was passiert, sind es Terroristen, die sozusagen aus dem All eingeschwebt sind und vollkommen losgelöst vom politischen Gesamtkontext agieren.

Die Spinner sind einfach nur Objekte internationaler Politik, und werden uns wahlweise als das eine oder das andere verkauft, je nach akuter Interessenlage und Betroffenheit.
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#33
Ich denke mal Schneemann hat recht.
Zu einem mit den Kaukasus Völkern.
Zum anderen damit das der Westen ein Problem mit den Gurgelschlitzern hat.
Das zeigt sich eindeutig in dem Endergebnis das diese zwar unterstützt werden. Aber keiner hier im Westen einen Krieg anzettelt.
Sie tragen ihre Konflikte vor Ort aus.
Es ist egal ob es Extremisten in Arabien oder Afrika sind. Solange sie damit beschäftigt sind sich gegenseitig umzulegen, lassen sie uns weitestgehend in Frieden.
Diese Politik ist in der Zeit der Globalisierung wichtiger denn je.
Ich finde es sehr dumm wenn man seine eigenen Nachbarn aus Fanatismus abschlachtet.
Und sich dabei auch noch indirekt von Fremden lenken lässt.
Seien es die Saudi oder der Westen.
Was wir heute sehen ist der Zerfall der Islamischen Welt in einen Bürgerkrieg.
Die Zeiten der vereinigten Jihad unter Osama BinLaden ist endgültig vorbei.
Solange man zuverlässig die Stärkste Gruppe ausschaltet, kloppt sich der Rest um die Macht.
Willkommen in Arabien 2014......

Es ist jetzt aktuell halt die Frage wer ISIS stoppt?
Die Geldgeber sind identifiziert. Aber an die wird keiner drangehen. Zumal ISIS sich selber finanziert inzwischen.
Übrigens hart oder?
Da macht die ISIS Millionen Deals und keiner macht was dagegen?
Jo und wenn der Iran die ISIS aus dem Irak schmeißt,
matschieren die Iraner dann bis Syrien durch?
Oder halten den Irak nach der Befreiung Smi-like besetzt?
Hat ISIS noch andere Gebiete im Visier?
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#34
@Mitleser
Zitat:Auch in Jugoslawien waren Dschihadisten im Einsatz, mit freundlicher Unterstützung des Westens.
Ist das eine Theorie von dir? Bzw. wer sagt dies?
Zitat:Wird in Moskau eine Oper überfallen oder in Dagestan ein Kindergarten, verorten unsere Lohnschreiber bei der russischen Unterdrückung die Ursache.
Ähm, nein. Hast du meinen ersten Absatz auf der Seite zuvor denn überhaupt gelesen? Weder bei Dubrowka noch bei Beslan hat man einen Terrorakt, den man eindeutig als einen solchen in der hiesigen Presse bezeichnete, zuerst verklärend dargestellt als "Effekt der russischen Unterdrückung". Die "Lohnschreiber" nannten diese Ereignisse beim Namen: Terrorakte! Lediglich beim Dubrowka-Theater wurde zudem die Frage aufgeworfen, wer denn mehr Menschen getötet hat: Die Terroristen (die als solche bezeichnet wurden) oder die FSB-Kommandos mit ihrem (mutmaßlichen) Carfentanyl-Gasangriff? Und bei rund 100 oder mehr Erstickten kann man danach auch fragen...
Zitat:Wenn dagegen die Türkei die Spinner in beiden Richtungen über die syrische Grenze lässt, was solls, geht ja gegen Assad. Und überhaupt, was können wir dafür, wenn unser NATO-Partner seltsame Sachen macht.
Ist dies nun eine Frage oder eine Feststellung von dir? Genau genommen können "wir" nichts dafür, auch die Einwirkmöglichkeiten auf die türkische Innenpolitik, etwa die der deutschen Regierung, und auf den zunehmend autoritärer und kritikresistenter sich verhaltenden Herrn Erdogan sind eher beschränkt. Zudem darf man auch nicht ganz unterschlagen, dass die Türkei zwar eine zweifelhafte Rolle beim Grenztransfer der Islamisten bzw. bei deren Verwundetenversorgung spielt, aber indessen mehr als 1 Million syrische Flüchtlinge aufgenommen hat, Deutschland hingegen zaudert und ziert sich mal wieder bei der Aufnahme von gerade mal 10.000 zusätzlichen Flüchtlingen (was dann insgesamt 20.000 hier im Lande wären) aus Syrien. Man kann also der Türkei, fairerweise mal angesprochen, auch nicht nur Vorhaltungen machen...
Zitat:Aber wenn in London oder Manhattan (oder Afghanistan, wenn der Westen das Land grad wieder besetzt hat) was passiert, sind es Terroristen, die sozusagen aus dem All eingeschwebt sind und vollkommen losgelöst vom politischen Gesamtkontext agieren.
Das ist doch nun wirklich schlicht Unfug (entschuldige die Wortwahl allenthalben). Weder bei 9/11 noch etwa bei den London- oder Madrid-Attentaten ging man von "aus dem All eingeschwebten" (im übertragenen Sinne) Unbekannten aus, sondern man hat recht schnell herausbekommen, woher die Täter kamen und welche Verbindungen sie zu al Qaida und Co. hatten. Und man hat das auch klar beim Namen genannt bzw. Kontexte hergestellt (bspw. CIA & ISI in Pakistan, Mudschaheddin-Rüstung, Taliban-Problem, die Rolle der Saudis, Unocal-Deal & Pipelines in Zentralasien, Bin Laden-Clan etc.) - und man hat dies alles auch aus der hiesigen Presselandschaft, selbst teilweise aus zweitklassigeren Blättern, entnehmen können und auch mit der Kritik an der westlichen bzw. besonders auch an der amerikanischen Politik wurde nicht gespart! Von Sach- und Fachliteratur rede ich mal noch gar nicht...

Schneemann.
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#35
Schneemann schrieb:@Mitleser
Zitat:Auch in Jugoslawien waren Dschihadisten im Einsatz, mit freundlicher Unterstützung des Westens.
Ist das eine Theorie von dir? Bzw. wer sagt dies?
Zitat:Wird in Moskau eine Oper überfallen oder in Dagestan ein Kindergarten, verorten unsere Lohnschreiber bei der russischen Unterdrückung die Ursache.
Ähm, nein. Hast du meinen ersten Absatz auf der Seite zuvor denn überhaupt gelesen? Weder bei Dubrowka noch bei Beslan hat man einen Terrorakt, den man eindeutig als einen solchen in der hiesigen Presse bezeichnete, zuerst verklärend dargestellt als "Effekt der russischen Unterdrückung". ....

Das ist nicht richtig.
Es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, auf die vermeintliche Ursache (die russische Tschetschenienpolitik) hinzuweisen. Anders dagegen z.B. bei den Bombenanschlägen in London. Nur wenn die USA Ziel waren wurde Ursachenforschung betrieben, aber auch das eher von den üblichen Verdächtigen (Amihassern).
Übrigens hast du selber noch vorher darauf hingewiesen, dass die Russen mit ihrer Politik die Bevölkerung den Dschihadisten in die Arme getrieben habe ...
Zitat:Erstens: Die Tschetschenen und andere Kaukasusvölker wurden von den Russen blutig unterworfen und später von den Sowjets nicht minder blutig unterdrückt, massakriert und deportiert. Sie hatten also ihre "Vorbehalte" gegenüber Moskau, die sich nach dem Zerfall der UdSSR in Unabhängigkeitsbestrebungen Bahn brachen (das war also der Befreiungskampf, den man auch als solchen bezeichnen kann), wobei hierzu noch ein Erstarken islamischer Bestrebungen bzw. Identität sich gesellte. Zweitens: Die Russen marschierten daraufhin ein und versuchten ihren "weichen" Unterleib mit Gewalt in alter Sowjetmanier zusammenzuhalten, wobei sie rücksichtslos einiges in Trümmer legten (inklusive Grosny). Dies führte wiederum dazu, dass islamistische Kampfgruppen um Psychopathen wie u. a. Bassajew starken Zulauf erhielten

Was haben eigentlich die anderen Opfer islamistischen Terrors falsch gemacht ?
Z..B. die Pakistanis, Syrer, Libanesen, Israelis, Algerier, Afghanen, Chinesen, Spanier, ... etc

Interessanterweise wird auch bei den Chinesen immer sehr genau geguckt, wie die ihre Terrorakte selbst verschuldet haben könnten:
"Uiguren fühlen sich unterdrückt":
http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... China.html


Zur Rolle Saudi-Arabiens und dschihadistischer Söldner im Jugoslawienkrieg muss ich erstmal gucken was das Netz heute hergibt. Lang ists her.
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#36
@Mitleser
Hat Tschetschenien was mit ISIS am Hut?
Back to topic please.....
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#37
An dieser Stelle ein kurzer Einwand meinerseits: hapy liegt durchaus richtig mit seinem Gedankengang, wonach hier ein Abdriften des Topics stattfindet - auch wenn man bspw., um diplomatisch doch noch die Kurve zu kriegen, fragen könnte, inwieweit z. B. kaukasische Islamisten bei der ISIS involviert sind? Dies wäre wenigstens ein Topic-immanenterer Diskussionsansatz als etwa Beslan oder Unterschiede zwischen Attentaten in London, in Russland oder in China.

Indessen will ich dich, Mitleser, nun auch nicht so mit deinen Argumenten stehenlassen, was dann doch etwas unhöflich erscheinen würde. Ich würde infolgedessen vorschlagen, den Diskurs zwar fortzuführen, aber woanders, z. B. in den Strängen...

a) Kaukasus-Bruchzone: viewtopic.php?f=42&t=1816;
b) Islamistischer Terror: viewtopic.php?f=20&t=195&start=1230.

Ich werde dir dort, vermutlich in ersterem, alsbald antworten. Kann aber auch erst morgen sein.

Schneemann.
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#38
Grad auf N24 Nachrichten gesehen.
Die ISIS hat Gebiete in Jordaniens Grenzgebiet erobert. Das überrascht mich doch sehr.
Zum einen habe ich gedacht die Jordanische Armee wäre Millitärisch der ISIS überlegen. Zum anderen macht die Jordanische Armee jetzt erst mobil.
Die ISIS verübt in den Jordanischen Grenzland, unbestätigte, Massaker.
Für eine Organisation die Quasi aus dem nichts eine Armee aufgebaut etablieren sie sich Millitärisch sehr gut.
Ich meine es wird Zeit dieser "Armee" Einhalt zu gebieten. Wenn Sie erst die Ölvorkommen erreichen werden wir echte Probleme bekommen.
Verfügt ISIS eigentlich über schwere Waffen?
Die können doch schlecht die ganzen Gebiete nur mit AK und RPG erobert haben. .....
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#39
Zitat:Die ISIS hat Gebiete in Jordaniens Grenzgebiet erobert.
Nein. Die ISIS (oder: der ISIS?) hat Gebiete im Irak an Jordaniens Grenze erobert (inkl. ein Grenzübergang). Das ist ein Unterschied. Soweit zur Zeit die Berichterstattung im Netz, auch auf der N24-Seite.

Zitat:Zum einen habe ich gedacht die Jordanische Armee wäre Millitärisch der ISIS überlegen. Zum anderen macht die Jordanische Armee jetzt erst mobil.
Die Jordanier haben überhaupt noch nicht gegen die ISIS gekämpft, also ist es relativ schwierig zu beurteilen, wer wem überlegen ist.. Dass sie gegen diesen Haufen erst jetzt teilmobilmachen, sollte nicht weiter verwundern. Die Organisation hat Jordanien bislang nicht bedroht.
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#40
Ok. Da hab ich dann was falsch verstanden Wink
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#41
Technisch gesehen ist die Einnahme des irakisch-jordanischen Grenzübergangs schon eine Grenzüberschreitung. Allerdings gehts dabei vorerst wohl einfach mal um die Kontrolle der Strasse auf irakischer Seite. Die ISIS verschafft sich u.a. Geld durch das Erheben von Zöllen (so schon zwischen Syrien und Irak geschehen). Dass sich ISIS noch einen zusätzlichen Feind schafft, indem es jordanisches Grenzgebiet besetzt (wozu auch), wäre zum Zeitpunkt extrem dumm.
Im Zusammenhang mit der Besetzung des Grenzübergangs würde es mich noch interessieren, ob es da zu Gefechten mit jordanischen Grenzern gekommen ist. Darüber wurde bisher nichts berichtet.
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#42
Zum Thema ISIS, Irak und Syrien war gestern eine Sendung im ARD (Günther Jauch) zu sehen mit Meinungsvertretern.

Stellenweise ganz interessant. Beim schauen viel mir das Thema hier ein, deswegen lass ich den Link mal da. Schaden kann es ja nicht Smile

http://daserste.ndr.de/guentherjauch/Bl ... ch442.html
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#43
Onto schrieb:. Schaden kann es ja nicht Smile
Steile These bei so manchem Gast Smile
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#44
Nightwatch schrieb:
Onto schrieb:. Schaden kann es ja nicht Smile
Steile These bei so manchem Gast Smile

Ja, finde es immer sehr schade, wenn Politiker IMMER für ihre "Sache" werben müssen und irgendwie versuchen auf Stimmenfang zu gehen, anstatt einfach der Diskussion Sinnvolles beizufügen und sachlich zu bleiben.
Das hat mich zumindest sehr gestört.

Guido Steinberg habe ich auch privat auf Vorträgen schon gehört. Trifft nicht immer ganz meine Meinung aber immer interessant ihm zuzuhören.

Nu aber back to Topic. Sonst kommt hapy mitm Knüppel und es gibt Ärger Smile
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#45
@hunter1
Zitat:Die Jordanier haben überhaupt noch nicht gegen die ISIS gekämpft, also ist es relativ schwierig zu beurteilen, wer wem überlegen ist..
Die jordanischen Streitkräfte gelten als mit die besten in der arabischen Welt.
Zwar waren sie seit 1973 an keinem militärischen Konflikt mehr beteiligt, haben sich davor jedoch gegen die israelischen und syrischen Streitkräfte und die PLO bewährt.
Der jordanische Generalstab hat sich als vergleichsweise kompetent erwiesen, und auch die Luftwaffe scheint recht fähig zu sein. Interessant für den Kampf gegen eine Gruppe wie ISIS sind die exzellenten Fähigkeiten der jordanischen Truppen hinsichtlich Treffsicherheit mit Kleinwaffen und Feuerdisziplin. Andererseits haben die jordanischen Streitkräfte auch die typischen Defizite anderer arabischer Streitkräfte z.B. hinsichtlich Aufklärung, Mangel an Initiative und Wartung.
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