Streichkonzert Bundeswehr
#16
ede144:

Zitat:Du stellst also deine 3 Brigaden auf eine Straße schön hintereinander damit sie die 3 russischen Korps aufhalten?

Noch mal abgesehen davon, dass die Russen so viele Truppen gar nicht ad hoc gegen uns entwickeln könnten (die würden nicht mehr als 6 Brigaden uns gegenüber stellen können) und du hier noch die ganzen anderen Einheiten (Jäger etc) außer Acht lässt, insbesondere auch die unserer osteuropäischen Verbündeten:

wäre es bei kleinen hochmobilen Brigaden problemlos möglich, ein komplettes russisches Korps zu zerschlagen indem man die 3 Brigaden auf dieses konzentriert! Dann das nächste, dann das nächste. Vorausetzung dafür ist lediglich die Luftherrschaft (die sollte man im eigenen Raum bei vordringendem Feind noch ausreichend gewährleisen können), eine gewisse Informationsüberlegenheit - aber vor allem:

kleine, hochbewegliche mechanisierte Kampfgruppen mit hoher Kampfkraft - also mit Artillerie und Flugabwehr innerhalb der Kampfgruppe und mit echten Panzeraufklärern

3 kompakte vollständige Kampfgruppen (3 echte Panzergrenadierbrigaden) wären daher viel mehr militärische Leistung als dass was wir jetzt haben.

Was nützen 9 Panzergrenadierbataillone, wenn komplette Panzergrenadierbrigaden mit 4 bis 5 Bataillonen Kampftruppen trotzdem gerade mal 40mm Granatwerfer als einzige "Steil"feuerwaffe haben!

Lieber weniger Panzergrenadiere und die Panzer des 4 PzBat im Depot als Reserve, und dafür vollständige und State of the Art ausgerüstete Einheiten, mit echten Panzeraufklärern, 120mm Mörsern, Raketenartillerie, FlaK/FlaRaK usw

Deutlich kleinere Verbände können deutlich größere Verbände schlagen, wenn sie gut geführt werden, hochmobil sind und jeweils für einen Schwerpunkt konzentriert werden können.

Zitat:3 Brigaden sind lächerlich wenig um eine Landesgrenze zu verteidigen.

Streich mal für einen modernen Krieg die Begriffe Landesgrenze und Verteidigen aus deinem Denken. Du verteidigst nicht linear, weil das heute überhaupt nicht mehr möglich ist. Du verteidigst wenn überhaupt in der Tiefe im Schlagen aus der Nachhand, hochmobil durch Schwerpunktsetzung und vor allen anderen im Angriff. Und ansonsten sollte der Krieg in Polen stattfinden (polnische und deutsche Armee zusammen könnten die Russen sogar dauerhaft in Polen binden), in der Slowakei und Rumänien (gutes Terrain für Jäger).

Sollten die Russen bis auf deutschen Boden trotzdem durchbrechen, dann:

Zitat:Du kannst in Mitteleuropa nicht Rommel führt die Engländer vor spielen, dazu ist das Gelände nicht geeignet.

Aufgrund der guten Infrastruktur ginge das durchaus. Noch mal abgesehen davon haben wir dann ohnehin keine andere Wahl als so zu kämpfen, weil wir einen Wettkampf in Bezug auf Quantität dann nur verlieren können.

Aber lange Rede kurzer Sinn:

es gibt heute keine HKL mehr - es läuft vielmehr so wie von parabellum beschrieben. Man lässt gezielt Räume mit geringer oder keiner Truppenkonzentration zu. Und wenn der Gegner diese exploriert, dann nutzt man dies um seine Flanken zu nehmen bzw. in seinen Rücken vorzustoßen.
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#17
QF

du gehst davon aus, das du beweglicher als der Gegner bist. Du siehst einen Krieg wie die letzten Irakkriege, mit Lufthoheit und besserer Aufklärung als der Gegner.
Ich sehe einen großen Krieg gegen Rußland eher wie den zweiten Weltkrieg, da ging der Wehrmacht mehr und mehr die Beweglichkeit verloren. Gut das hat vor allem an Hitler gelegen, aber es gab eine materielle Überlegenheit der Russen, gegen die die Wehrmacht immer weniger ankam.
Und sag jetzt nicht heute wäre das mit besserer Aufklärung, höhere Beweglichkeit usw anders. Die grundsätzlichen strategischen und taktischen Regeln haben sich nicht geändert.

Und Rommel konnte mit seinen unterlegenen Kräften gegen die Engländer lokale Überlegenheiten herstellen, weil er seine Flanken durch das Gelände das unpassierbar war schützen konnte.

Das geht in Mitteleuropa nur sehr begrenzt.
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#18
ede:

Eine zumindest temporäre bzw räumliche Luftüberlegenheit (nicht Hoheit), und eine überlegene Aufklärung sind heute so absolut wesentlich für den Kriegsausgang, dass du ohne diese schlicht und einfach verlieren wirst.

Kriege heute und der Zweite Weltkrieg unterscheiden sich nun drastisch, die Grundlagen sind andere. Darüber hinaus gibt es keine strategischen Regeln bzw umgekehrt: wer auch immer versucht eine Strategie anhand von Regeln zu erstellen, der verliert meist automatisch. Es gibt in der Strategie keine Axiome.

Aber mal speziell mal zu deiner Behauptung, die deutschen Streitkräfte hätten mehr und mehr die Beweglichkeit verloren: dem kann ich nicht ansatzweise zustimmen. In der beweglichen Verteidigung wie auch im Rückzug haben deutsche Truppen bis zuletzt eine deutlich höhere Beweglichkeit als die Russen gehabt.

Und mal weg von Rommel: Schwerpunktbildung ist immer das A und O und kann immer dann erfolgen, wenn man selbst beweglicher ist. Das hat mit der Frage offener Flanken recht wenig zu tun, aber auch etliches mit der Größe und Beweglichkeit der Verbände und auch diese beiden Faktoren hängen wiederum miteinander zusammen.

Kleinere beweglichere Einheiten können größere unbeweglichere Einheiten schlagen, indem sie diese ausmanövrieren. Und die Beweglichkeit ist heute eine extrem andere als im WK2, der Grad der Mechanisierung und Motorisierung den wir heute haben, den hat man sich damals nicht mal erträumt.

Die Wehrmacht im WK2 war in Russland primär zur Fuß und mit Pferden unterwegs, aber riesige russische Verbände wurden nicht von dieser Mehrheit der Wehrmachtssoldaten sondern von sehr kleinen Mech/Mot Kampfgruppen vernichtend geschlagen, weil diese viel beweglicher waren als ihre Gegner. Und offene Flanken entstehen bei einem solchen Vordringen zwingend, spielen aber in der heutigen Kriegsführung in der überall zwischen den Großverbänden leere Gebiete klaffen keine solche Rolle mehr wie im WK2. Heute ist überall um einen Großverband rum Gebiet mit geringer bzw keiner Truppenpräsenz, also Leerraum. Es gibt daher keine HKL mehr, keine offenen Flanken (jeder Großverband steht komplett alleine ohne direkten Kontakt zum benachbarten Großverband) und die Beweglichkeit, Bewegungsgeschwindigkeit usw haben sich drastisch erhöht: einfach gesagt, auch die taktischen "Regeln" sind heute ganz andere.
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#19
Nein QF, es gibt Regeln in der Kriegskunst sonst würde es ja keine Kriegskunst geben und die ganzen Kriegsschulen würden ihren Studenten nicht die vergangenen Kriege erklären um ihnen begreiflich zu machen nach welchen Mechanismen Militäroperationen funktionieren.

Was du von offenen Flanken und offenen Räume zwischen Großverbänden erzählst hat es ja alles schon gegeben, lies dir mal was über den siebenjährigen Krieg durch.
Und auch heute gibt es noch Frontlinien, oder was glaubst du warum Schwarzkopf so lange gebraucht hat um seine Truppen für den Irakkrieg aufmarschieren zu lassen.

Du hast natürlich recht das die Wehrmacht im zweiten Weltkrieg taktisch wesentlich beweglicher war als die Rote Armee oder die französische Armee, aber nachdem Brauchitsch abgelöst wurde, hat Hitler immer mehr in die Kämpfe direkt eingegriffen. Zum Schluß durften nichtmal mehr Bataillone ohne Genehmigung ihre Stellung ändern. Der Gegenangriff deutscher Panzer am D-Day erfolgte zu spät, weil niemand sich traute Hitler zu wecken.

Nichts desto trotz hast du mit den 3 Brigaden einfach nicht genug Quantität um in einem Krieg mit Russland einen durchschlagenden Erfolg zu erringen. Selbst wenn man optimistisch ist und die Relationen bei denen die Wehrmacht Erfolge errungen hat anwendet, dann hat man gegen ein russisches Korps massive Probleme. Und ich glaube die Russen könnten mehr als ein Korps aufmarschieren lassen. Ok das zweite wird nicht mehr erstklassig sein, aber deine 3 Brigaden werden, nachdem sie das russische Korps zerschlagen haben, auch nicht mehr den Kampfwert haben den du ihnen jetzt beimisst.
Mein Weg wäre ein anderer. Die Bundeswehr wird mit deinen 3 Brigaden und allen Spezialtruppen, also Falschirmjäger, Gebirgsjäger, Pioniere, Heeresluftabwehr, auf den Stand gebracht, das sie wieder aus dem Stand voll kampffähig ist. Und zusätzlich gibt es die Mobilmachungsfähigkeiten um wieder den Bestand der Verbände kurzfristig zu verdoppeln.
Dazu muß Deutschland wieder deutlich mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben. Langfristig müssen wir wieder in Richtung 3% vom BIP
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#20
Wobei man auch sagen muss, dass vor allem ab 1945 die deutschen Panzertruppen und motorisierte Infanterie dahingeschmolzen sind, sowohl an der West- als auch an der Ostfront.

Unmotorisierte Infanterie ist heutzutage nicht mehr überlebensfähig (auf dem mitteleuropäischen Schlachtfeld gegen mechanisierte Kräfte wohlgemerkt), da zu unbeweglich. Moderne Aufklärungs-Wirkungsverbünde (computergestützt, vernetzt, Radar, Drohnen, ..., Rohr- und Raketenartillerie, Luftnahunterstützung) sind schlichtweg zu schnell geworden.

Wobei ich hier nicht unbedingt Irak 2003 als Beispiel hernehmen würde, da die US-Amerikaner eine Überlegenheit an Feuerkraft hatten wie es sie in einem peer-vs-(near)-peer-Konflikt nicht gibt und man in der arabischen Wüste auch ganz andere Entfernungen hat.

Und der Luftkrieg gegen Serbien 1999 hat auch die Grenzen vom Einsatz von Hubschraubern, Kampfflugzeugen und Drohnen aufgezeigt.

Aber ein Infanteriebataillon in Feldstellungen kann ja auch durch einen Spähwagen aufgeklärt werden. Wärmebildgeräte, Micro-UAVs, weitreichende Funkggeräte sind heutzutage viel verbreiteter.

Hinzu kommt noch, dass es einen unheimlichen finanziellen und personellen Kraftakt braucht um ausreichende vollmechanisierte Kräfte bereitzustellen und auch eine entsprechend hohe Personalstärke (Feldersatz) zu halten. Der logistische, unterstützende Rattenschwanz ist einfach gewaltig. Angefangen bei Pipelines, Medevac-Hubschraubern bis hin zu Brückenpionieren. Da bleibt wenig für überlebensfähige Infanterie zum Lückenfüllen übrig.

Bei den Finnen schaut es z.B. so aus, dass die Infanterie vollmotorisiert ist und in vielen Bataillons- bis Kompaniestarken Kampfgruppen zur Verzögerung und weitaus seltener Verteidigung von Schlüsselgelände zum Einsatz kommt. Die Panzerbrigaden und tw. die Jägerbrigaden (heutzutage ist es nur noch eine Panzerbrigade) führen dann die Gegenangriffe gegen die geschwächten Feindverbände aus.

@ede
Ich meine QF spricht von 3 Brigaden als deutsches Kontingent. Es kämen noch Kontingente aus Westeuropa und natürlich die Streitkräfte der osteuropäischen NATO-Staaten hinzu.

Bzgl. der Finanzen: Der Verteidigungshaushalt ist gerade auf dem höchsten Stand seit zwanzig Jahren. Das Problem ist nicht das Geld, sondern wie es verwendet wird. Auch werde ich nicht müde zu erwähnen, dass diese magischen 2 Prozent, die von den NATO-Mitgliedern vereinbarten wurden, ein rein politischer Wert ist. Er sagt nichts, absolut garnichts über den tatsächlichen Finanzbedarf aus! Der kann höher oder niedriger sein.
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#21
ede:

Zitat:es gibt Regeln in der Kriegskunst sonst würde es ja keine Kriegskunst geben

Auf der strategischen Ebene gibt es keine Regeln und der Versuch dort anhand von Regeln zu agieren hat schon sehr viele Niederlagen verschuldet. Die Wahnidee in der Strategie Regeln anzuwenden ist aber nicht untypisch für die heutigen jungen Checklisten-Offiziere. Das führt zur Strukturkonservatismus, Strukturextrapolierung und Analogiebildung - alles drei Todsünden und Grundübel in der Kriegskunst.

Aber da ich dich ja nicht überzeugen kann, vielleicht kann es ja Moltke:

"Die Strategie ist ein System der Aushilfen. Sie ist mehr als Wissenschaft, ist die Übertragung des Wissens auf das praktische Leben, die Fortbildung des ursprünglich leitenden Gedankens entsprechend den stets sich ändernden Verhältnissen, ist die Kunst des Handelns unter dem Druck der schwierigsten Bedingungen.

Für die Strategie können daher allgemeine Lehrsätze, aus ihnen abgeleitete Regeln und auf diese aufgebaute Systeme unmöglich einen praktischen Wert haben!"

Und auf der taktischen Ebene ändern sich die Regeln mit den Änderungen in der Technologie. Eine Überbetonung der Regeln aber führt auch hier regelmäßig ins Desaster, weil sie zwingend Strukturextrapolierung zur Folge hat welche eine falsche Antizipation der Zukunft wahrscheinlich macht, und damit die Niederlage.

Zitat:Was du von offenen Flanken und offenen Räume zwischen Großverbänden erzählst hat es ja alles schon gegeben, lies dir mal was über den siebenjährigen Krieg durch.

Ich habe mich wirklich lange und intensiv mit der Kriegsführung in früheren Zeiten beschäftigt, tatsächlich war die Militärhistorie sogar mein Einstieg in das Militärische an sich. Gerade deshalb warne ich hier vor diesen falschen Analogien, vor Gedankenspielen wie: Panzer sind Kavallerie, mein Vorstoß mechanisierter Kräfte ist eine schiefe Schlachtordnung wie bei Leuthen usw usf damit erzeugst du Bilder welche dir den Blick auf das Bild der Realität verstellen können, und du betreibst damit automatisch Strukturextrapolierung. Gerade deshalb bin ich ein entschiedener Futurist.

Zitat:Zum Schluß durften nichtmal mehr Bataillone ohne Genehmigung ihre Stellung ändern.

Woran sich viele nicht gehalten haben. Selbst Einheiten der Waffen SS haben regelmäßig (und ohne Folgen) Führerbefehle dieser Art missachtet, und manchmal damit sogar Siege erzielen können (siehe bspw Charkow).

Zitat:Nichts desto trotz hast du mit den 3 Brigaden einfach nicht genug Quantität um in einem Krieg mit Russland einen durchschlagenden Erfolg zu erringen.

Einen Krieg gegen Russland können wir nicht allein führen und werden ihn nicht alleine führen. Würden wir gegen Russland alleine stehen, dann würde ich dir sofort zustimmen. Aber dem ist nicht so, wir agieren innerhalb eines Bündnisses und die Frage ist daher, was unser maximaler Beitrag zu diesem Bündnis innerhalb des bestehenden Wehretat sein könnte.

Was ist den die Realität die du anscheinend nicht siehst?!

Hier und heute haben wir nicht mal 3 einsatzfähige Brigaden - wir haben vielleicht maximal 2. Meine 3 Brigaden wäre daher sogar 1 mehr als wir jetzt haben, also eine Erhöhung der Quantität.

Zitat:Dazu muß Deutschland wieder deutlich mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben. Langfristig müssen wir wieder in Richtung 3% vom BIP

Das ist eine Forderung die ich natürlich uneingeschränkt gut finde, aber der Grund für diesen Strang, der Grund für die ganze Diskussion hier ist ja gerade eben: dass wir nicht 3% vom BIP kriegen werden. Wir haben außerdem das Geld nicht (nicht mal die Neuverschuldung konnte auf 0 gefahren werden).

Die Frage ist nicht, wie man die Bundeswehr gestalten könnte, wenn man mehr Geld hat - wir haben nicht mehr Geld. Die entscheidende Frage in den nächsten Jahren wird sein, wie man die BW in der Kampfkraft maximieren könnte, mit dem gleichen Geld oder weniger Geld.

Es ist viel zu einfach, viel zu bequem einfach mehr Geld zu fordern. Mehr Geld, und schon sind alle Probleme gelöst?! Das ist zu einfach, greift zu kurz: die Bundeswehr müsste zuerst mal Schwerpunkte definieren und setzen, und im weiteren erst mal lernen ihre begrenzten Mittel effizienter einzusetzen. Sonst wirst du auch bei sehr viel mehr Geld nur wenig mehr an Leistung habe.

Zitat:Und zusätzlich gibt es die Mobilmachungsfähigkeiten um wieder den Bestand der Verbände kurzfristig zu verdoppeln.

Und wo sollen die herkommen ohne Wehrpflicht? Wo wir für die Bundeswehr wie sie jetzt ist schon nicht genug geeignete Rekruten haben?!

Zitat:Mein Weg wäre ein anderer. Die Bundeswehr wird mit deinen 3 Brigaden und allen Spezialtruppen, also Falschirmjäger, Gebirgsjäger, Pioniere, Heeresluftabwehr, auf den Stand gebracht, das sie wieder aus dem Stand voll kampffähig ist.

Was eben zwingend zur Frage der Finanzierung führt. Anbei: es gibt keine Heeresluftabwehr mehr und Pioniere sind keine Spezialtruppe was auch immer das sein soll.

Aber bleiben wir mal bei einem einzigen Punkt (um die Diskussion nicht zu sehr ins Allgemeine gleiten zu lassen): warum sollte es deiner Meinung nach Fallschirmjäger geben (ich spreche jetzt von Luftlandung, nicht von Luftsturm)? Wozu die Fähigkeit einer Luftlandung?

Oder sollten wir nicht gezielt auf Luftlandung und Luftmechanisierung verzichten, um dadurch Mittel frei zu bekommen, um damit andere Einheiten (Panzer, Artillerie, Luftabwehr) zu stärken?!

Da du so ein großer Freund von Regeln in der Kriegskunst ist: ist nicht eine der fundamentalsten Regeln die Setzung eines Schwerpunkt?!
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#22
Allgemein:

Zitat:Bei den Finnen schaut es z.B. so aus, dass die Infanterie vollmotorisiert ist und in vielen Bataillons- bis Kompaniestarken Kampfgruppen zur Verzögerung und weitaus seltener Verteidigung von Schlüsselgelände zum Einsatz kommt.

Wobei diese Infanterieverbände oft eine erstaunlich hohe Feuerkraft haben - deutlich mehr als jeder vergleichbare deutsche Infanterieverband. Insbesondere verfügt finnische Infanterie über einen erstaunlich hohen Anteil von Mörsern, von 81mm Kommando Mörsern die abgesessen (!) innerhalb der Kompanie mitgeführt werden bis hin zum 120mm AMOS Mörsersystem, dessen Wirkung schon der richtiger Artillerie gleich kommt und dass auch im direkten Schuß wie ein Sturmgeschütz eingesetzt werden kann (auch wenn dieses aufgrund geringer Stückzahlen auch zusammen mit den Panzern agiert - je nach Lage).

http://www.youtube.com/watch?v=_RR4itAn44M
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#23
Grundsätzlich halte ich persönlich Leute, die wie bei der Entenjagd abgeknallt werden bevor sie in den Kampf kommen können, für keine unbedingt zu haltende Einsatzform. Gleichzeitig seheich aber auch den Nutzen der Fallschimjäger. Es wird in Zukunft sehr viel wahrscheinlicher sein, das wir eine Kompanie oder ein Bataillon Fallis nach Nigeria, Namibia, Burkina Faso oder Kambodscha schicken (willkürliche Auswahl), als das wir auch nur einen Zug Leopardpanzer an die russische Grenze stellen müssen. Wollen oder müssen wir unsere Staatsbürger im Ausland schützen, dann brauchen wir luftbewegliche Kräfte und entsprechende Flugzeuge mit hoher Reichweite. Im Großkrieg könnte man hingegen die Fallschimjäger auch wie normale Jäger einsetzen. Fazit: Ich würde eher ein Regiment Jäger streichen als ein Regiment Fallschimjäger. Man könnte natürlich auch ein Jägerregiment Luftbeweglich machen, aber wenn man schon die teuren Flugzeuge hat, dann sollte man auch Leute haben, die sie richtig nutzen.Und eine Fallschirmausbildung brauchen wir eh noch für KSK und Kampfschwimmer.
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#24
Die Fallschirmjägertruppe hat noch einen gewissen Nimbus, so ziemlich das einzige an dem Verein was von der Öffentlichkeit noch als kampffähig wahrgenommen wird, auch wenns irrational ist.
Ich sehe nicht warum man darauf unbedingt verzichten müsste. Bei Lichte betrachtet - was fällt durch die Sprungausbildung wirklich an Mehrkosten an? Die Transportmaschinen der Luftwaffe sind auch so da und müssen geflogen werden, ob da jetzt wer bei rausspringt oder nicht ist auch wurscht.
Wenn es militärisch sinnvoll und nicht von irrationalen Sparzwängen gelenkt sein soll - man müsste die komplette Jägertruppe Luftlandefähig machen und den Grad der Luftmechanisierung stark erhöhen.
Einfache Infanterie ist in der heutigen Zeit einfach verschenkt und hochmobile, kampffähige Verbände werden immer gebraucht.
Was ich ähnlich sehe wie Quintus, Gebirgsjäger kann man sich abgesehen von einer sehr spezialisierten Hochgebirgsabteilung schenken.
Was mE sinnvoll wäre (aber vollkommen unrealistisch und reine Träumerei):
Umwandlung der Gebirgsjägerbrigade 23 in eine Luftlandebrigade 23. Luftlandebrigade 26 und 31 bleiben erhalten, zusätzlich wird eine weitere Luftlandebrigade (25) aus den Überresten der Jägertruppe (Deutsch Französische Brigade, Jägerbataillon 1) gebildet.
Die Brigaden gliedern sich ähnlich den momentanen Luftlandeverbänden, 2 Fallschirmjägerbataillone, 1 Luftlandeaufklärungskompanie, 1 Luftlandepionierkompanie und 1 Unterstützungsbataillon.
Um die Gefechtsfähgikeit der Brigaden zu erhöhen würde ich jeweils eine zusätzliche Luftlandeartilleriekompanie eingliedern.

Die vier Luftlandebrigaden bilden zusammen mit der niederländischen 11. Luchtmobielen Brigade den Kern eines Luftlandekorps (im Prinzip eine übergroße Division Schnelle Kräfte, vllt. Kommando luftbewegliche/leichte Kräfte, KLK). Zusätzlich kann man über die Integrierung eines polnischen Luftmobilen Brigadeäquvivalents nachdenken.
Dem Korps sind 2 mittlere (NH90) und 1 schweres (CH 53, Hubschraubergeschwader 64 wird aufgelöst) Transporthubschrauberregiment zugeordet. Zielbefhähigung ist die Luftverlegbarkeit einer kompletten Luftlandebrigade im Luftsturmangriff. Ich halte es für logistisch nicht sonderlich sinnvoll die Transportfähigkeit auf die Brigaden direkt runterzubrechen.
Die Sprungbefähigung würde ich maximal für einzelne Bataillone erhalten, Kernkompetenz ist die schnelle Luftmobilität. Insofern wären die 'Fallschirmjäger' Titulierung der Infanteriebataillone der Luftlandebrigaden nicht viel mehr als ein Titel. Ähnlich wie es die Amerikaner mit ihren 'Airborne' Einheiten auch praktizieren.

Weiterhin sind dem Korps zwei Kampfhubschrauberregimenter zugeordert (d.h. Kampfhubschrauberregiment 26 müsste reaktiviert und zusätzliche Tiger beschafft werden).
Ansonsten Korpstruppen, 1 Luftlandefernmeldebataillon zur Elektronischen Kampfführung, 1 Luftlandeflugabwehrraketenbataillon (Ozelot der Luftwaffe) sowie 1 Sanitätseinheit mit Luftlandebefähigung.
Das Korps ist im Frieden nicht dazu gedacht geschlossen zu operieren sondern stellt mit einzelnen Brigaden die infanteristische Komponente für Auslandseinsätze. Zusätzlich sind sie als Krisenreaktionskräfte in die entsprechenden Natostrukturen eingbunden. Für den Verteidigungsfall hat das Korps auch im Rahmen umfassender Mobilmachung keine entscheidende Aufwuchskomponente. Man könnte enventuell über ein drittes (Falschirm)jägerbataillon in den Luftlandebrigaden nachdenken, aber das ist nicht sehr sinnvoll. Mobilisierungen sollten sich zur Landesverteidigung auf die Panzertruppen beschränken.
Grundsätzlich ist das Korps als die einzig verbleibende Infanterietruppe des Heeres sehr infanteristisch gerpägt. Schweres Gerät findet sich hier nicht, das ist Teil der Panzertruppen. Das Hauptkettenfahrzeug wäre der Wiesel in verschiedenen Varianten. Hier wäre einiges an Neuanschaffungen nötig.
Zusätzlich bleibt der Boxer als schwertes Fahrzeug der Truppe erhalten, ich würde hier streng einzelne Brigaden komplett Luftlandefähig halten und anderen einen größeren Grad der Mechanisierung zugestehen. Zusätzlich im Berstand bleiben Eagle IV, Dingo 2 und Fennek, der ganze restliche Furhpark muss soweit irgend möglich eingedampft werden.

Neben dem Korps würde ich die Wiederaktivierung des Kommando Führung Operationen von Spezialkräften als Teilstreitkräfte übereigreifender Dachverband aller speziellen Kräfte der Bundeswehr wünschen. Sprich daraus eine Ähnliche Veranstaltung wie das USSOCOM machen.
Darunter würden dann eben das KSK, das Kommando Spezialkräfte Marine (Kampfschwimmer/Minentauer, das Seebataillon wird auf Sicherungskräfte reduziert), Fernspäher und Hochgebirgszüge usw. fallen. Hier müsste man dann einiges an Umbildung und Neugliederung erfolgen um Doppelstrukturen zu vermeiden.
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#25
Nightwatch schrieb:
Zitat:Was ich ähnlich sehe wie Quintus, Gebirgsjäger kann man sich abgesehen von einer sehr spezialisierten Hochgebirgsabteilung schenken.
Jein. Ich sehe es ein klein wenig anders - in manchem Terrain und unter manchen Umständen kann eine Gebirgstruppe durchaus von Nutzen sein -, allerdings muss ich auch einräumen (und ich war bei den Gebirgsjägern bzw. in Mittenwald und Füssen), dass man manchen Ausbildungscharakter nach und nach schlicht vernachlässigt hat, dies war schon zu meiner Zeit vor über 13 Jahren so. Der Umgang mit Skiern wurde nur (noch) sehr, sehr leidlich geübt - die meisten im Zug konnten gerade so halbwegs auf den Skiern stehen (von denjenigen, welche privat fuhren, einmal abgesehen) -, eine Kletterausbildung (mit Sicherungs-, Abseil- und Eisübungen) wurde quasi immer vor sich hergeschoben und schließlich ganz fallengelassen, was dazu führte, dass die meisten Soldaten zum Zeitpunkt des Ausscheidens aus der Truppe vermutlich an jeder kleineren Wand gescheitert wären. Kurz: Ich weiß nicht, wie der Stand heute ist, aber man müsste vielmehr in die Ausbildung investieren und die Truppe verkleinern, den verkleinerten Haufen indessen wirklich gut und spezialisiert ausbilden und wesentlich besser ausstatten, dann hätte eine solchen Truppe sicher ihren Nutzen.

Dazu kam damals ja auch, dass die Ausrüstung durch die Bank völlig veraltet war (Kanten der Skier waren kaum noch vorhanden, Bindungen waren gefährlich marode [und öffneten sich bei Stürzen teils nicht], Stöcke krumm etc.); dies ging soweit, dass ich meinen Vorgesetzten fragte, ob ich denn bitte doch meine eigenen privaten Skier und Stöcke mitbringen könnte; dies wurde mir zwar auch sofort erlaubt [sic!], was aber auch wieder danach für manchen blöden Spruch sorgte, weil meine Skier gelbfarben mit violetten Streifen waren, was in Kombination mit den Tarnklamotten natürlich bescheuert aussah. Immerhin: Gut fahren konnte ich damit... :wink:

Schneemann.
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#26
Schneemann:

Zitat:Ich sehe es ein klein wenig anders....aber man müsste vielmehr in die Ausbildung investieren und die Truppe verkleinern, den verkleinerten Haufen indessen wirklich gut und spezialisiert ausbilden
und wesentlich besser ausstatten, dann hätte eine solchen Truppe sicher ihren Nutzen

Im Endeffekt entspricht das ziemlich genau meinem und Nightwatch Vorschlag, spezialisierte Hochgebirgskompanien zu schaffen, die dann den Sondereinheiten zugeteilt werden. Diese dienen dann regulären Jägern als Pfadfinder, Wegbereiter und ergänzende Einheit in schwierigem Terrain.

Vergleichbar vom Konzept den Hochgebirgsbataillonen der Wehrmacht die reguläre Jäger-Divisionen Gebirgskampftauglich machen sollten.

Nelson:

Zitat:Es wird in Zukunft sehr viel wahrscheinlicher sein, das wir eine Kompanie oder ein Bataillon Fallis nach Nigeria, Namibia, Burkina Faso oder Kambodscha schicken (willkürliche Auswahl), als das wir auch nur einen Zug Leopardpanzer an die russische Grenze stellen müssen.

Zweifelsohne, aber warum müssen dass Fallis sein? Ein Bataillon Jäger mit Terrex AV81 oder Super Iveco (als Nachfolger für den Fuchs), mit leichten Maschinenkanonen auf den Waffenstationen und mit 120mm Mörsern wäre hier jeder Falli Einheit mit Wieseln extrem überlegen, was die Feuerkraft, den Schutz wie auch die Ausdauer / Durchhaltefähigkeit angeht.

Zitat:Wollen oder müssen wir unsere Staatsbürger im Ausland schützen, dann brauchen wir luftbewegliche Kräfte und entsprechende Flugzeuge mit hoher Reichweite.

Jäger sind ebenfalls luftbeweglich. Die erste solche Aktion damals noch in Albanien wurde gar durch Panzergrenadiere durchgeführt. Abgesehen davon würden die Sondereinheiten ja weiter bestehen bleiben.

Zitat:Man könnte natürlich auch ein Jägerregiment Luftbeweglich machen, aber wenn man schon die teuren Flugzeuge hat, dann sollte man auch Leute haben, die sie richtig nutzen

Man hatte ja jetzt das Jäger-Regiment 1 als Luftsturmeinheit, welches nun aber schon wieder aufgelöst werden soll während die entsprechenden Fähigkeiten wieder nur von den Fallis wahrgenommen werden.

Luftsturm sollte eigentlich jede Jäger-Einheit beherrschen (die Realität sieht natürlich anders aus).

Zitat:Und eine Fallschirmausbildung brauchen wir eh noch für KSK und Kampfschwimmer.

Die Sondereinheiten würde diese Fähigkeit ja behalten. Der entscheidende Punkt wäre, dass man keine größeren Einheiten mehr dafür vorhält und dass man die spezialisierte Ausrüstung für diese Einheiten einspart (Wiesel etc) Man spart zudem jede Menge Ausbildungspersonal, Ausbildungszeit, Standorte, Geld und Mühe wenn man auf konventionelle Fallschirmjäger bewusst verzichtet.
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#27
Nightwatch:

Zitat:Bei Lichte betrachtet - was fällt durch die Sprungausbildung wirklich an Mehrkosten an? Die Transportmaschinen der Luftwaffe sind auch so da und müssen geflogen werden, ob da jetzt wer bei rausspringt oder nicht ist auch wurscht.

Du brauchst spezialisierte Einrichtungen, gesonderte Ausbilder, mehr Zeit die man in andere Fähigkeiten (Orts- und Häuserkampf etc) stecken könnte und eine spezielle Ausrüstung vom Helm, über die Fallschirme und die daran hängende Logistik (Packer etc) bis hin zu den Luftbeweglichen Fahrzeugen (Wiesel etc) und andere spezialisierte Ausrüstung.

Zitat:man müsste die komplette Jägertruppe Luftlandefähig machen und den Grad der Luftmechanisierung stark erhöhen.

Luftlandefähig oder Luftsturmfähig? Den was du im weiteren ausführst, erscheint eher als reinrassige Air Assault bzw Air Cavalry. Und was bedeutet Luftmechanisierung für dich? Allgemein ist Luftmechanisierung ein sehr teures Spielzeug mit sehr geringem Wert im realen Kampf.

Man könnte durchaus andenken, die gesamte Jägertruppe Luftsturmfähig zu machen und dafür eine Art Luftmotorisierung zu schaffen, mit einer Art moderner Tacticals wie beispielsweise dem LRV-400:

viewtopic.php?f=7&t=6173

Solche Fahrzeuge hätten alle Vorteile eines Wiesels was geringe Größe, Nutzung des Geländes und Luftbeweglichkeit angeht, wären aber aufgrund des Radantriebs immens viel schneller, hätten eine gigantisch größere Reichweite und wären aufgrund ihrer höheren Beweglichkeit und im Fall des LRV-400 sogar deutlich größeren Geländegängigkeit sogar überlebensfähiger.

Zitat:Einfache Infanterie ist in der heutigen Zeit einfach verschenkt und hochmobile, kampffähige Verbände werden immer gebraucht.......

Jäger sollten durchaus hochmobil und kampffähig sein. Eine Jäger-Kampfgruppe mit geschützten Transportpanzern mit hohem Minenschutz, mit Maschinenkanonen und AMOS wäre aber nun jeder Luftlandetruppe mit Wiesel und 120mmMörser auf Wiesel weit überlegen was die Beweglichkeit und Kampfkraft am Boden angeht. Insbesondere nach der Landung der Fahrzeuge hätten diese eine immens viel größere Reichweite und Beweglichkeit. Und für erste Vorstöße und Flugplatzsicherung könnte man die gleichen Jäger von Hubschrauber aus einsetzen bzw die oben bereis angeführten "Technicals" nutzen. So könnte man sogar deutlich weiter entfernt vom Ziel absetzen und dieses trotzdem schneller erreichen als mit Wiesel.

Jäger sollten sowohl als mittlere Kräfte (Transportpanzer) die schweren Kräfte ergänzen als auch jederzeit als leichte Kräfte (Technicals) agieren können, also beide Fähigkeiten wahrnehmen können. Demgegenüber könnten die von dir skizzierten Luftlandekräfte nur als leichte Kräfte agieren.

Zitat:Um die Gefechtsfähgikeit der Brigaden zu erhöhen würde ich jeweils eine zusätzliche Luftlandeartilleriekompanie eingliedern.

Meiner Meinung nach sollten bereits Jäger-Kampfgruppen MARS beinhalten. Raketenartillerie ist eigentlich die perfekte Artillerie innerhalb einer Kampfgruppe weil die Einheiten leichter sind als Panzerhaubitzen und sehr flexibel und die Feuerkraft in Bezug auf das Gewicht immens ist.

Was würdest du dir für eine Luflandeartillerie vorstellen ?!

Zitat:Die vier Luftlandebrigaden bilden zusammen mit der niederländischen 11. Luchtmobielen Brigade den Kern eines Luftlandekorps (im Prinzip eine übergroße Division Schnelle Kräfte,

Damit entziehst du allen anderen Einheiten sämtliche leichte Infanterie und meiner Ansicht nach ist eine Kombination von schweren Kräften und leichter Infanterie innerhalb einer Kampfgruppe bzw innerhalb einer Brigade deutlich besser bzw der Konzentration aller leichten Infanterie in einem Großverband überlegen.

Und gerade deshalb macht eine Luftlandefähigkeit für alle leichte Infanterie keinen Sinn, weil diese innerhalb einer Kampfgruppe/Brigade nicht sinnvoll umgesetzt werden kann. Und Luftsturm könnten die entsprechenden Jägerverbände für sich alleine jeweils trotzdem durchführen.

Zitat:Zielbefhähigung ist die Luftverlegbarkeit einer kompletten Luftlandebrigade im Luftsturmangriff.

Und in welchem Szenario, mit welcher militärischen Zielsetzung willst du eine komplette Brigade leichter Infanterie im Luftsturm einsetzen?

Noch mal abgesehen davon: auch bei einer Gliederung wie ich sie vorsehe mit gemischten Brigaden könntest du jederzeit die Jäger einer Brigade heraus lösen und zusammen mit den Sondereinheiten für einen solchen Luftsturm einsetzen. Dann hättest du im Vergleich gar nicht mal so viel weniger Kräfte.

Zitat:Die Sprungbefähigung würde ich maximal für einzelne Bataillone erhalten,

Aber wozu überhaupt, wenn die SE die Sprungbefähigung haben? Denkbar wären allenfalls Jägerspezialkompanien vergleichbar den jetzigen Fallschirmspezialkompanien die eine Sprungausbildung zusammen mit den SE erhalten würden und die als Verbindung und Übergang von den Jägern zu den SE dienen würden.

Zitat:Kernkompetenz ist die schnelle Luftmobilität. Insofern wären die 'Fallschirmjäger' Titulierung der Infanteriebataillone der Luftlandebrigaden nicht viel mehr als ein Titel.

Abgesehen von der Titulierung reicht das bei dir aber durchaus weiter (Wiesel etc) und warum eine Brigade als Luftlandeeinheit bezeichnen, obwohl diese Brigade keine Luftlandeeinheit ist?!

Zitat:Ähnlich wie es die Amerikaner mit ihren 'Airborne' Einheiten auch praktizieren.

Die 82nd Airborne ist luftlandefähig. Du meinst vermutlich die 101 Air Assault, welche aus reinen Traditionsgründen im Divisionsnamen noch den Begriff Airborne führt. Die hat aber keinerlei Luftlandefähigkeiten mehr. Während bei dir ja solche teilweise durchaus noch vorhanden wären.

Darüber hinaus sollten Jäger auch die Fähigkeiten mittlerer Kräfte wahrnehmen können, also in Kombination mit schweren Kräften einsetzbar sein um so diese gegen feindliche Infanterie decken zu können (als Ergänzung der Panzergrenadiere). Dies würde bei dir wegfallen aufgrund von Struktur und Ausrüstung.

Zitat:Das Korps ist im Frieden nicht dazu gedacht geschlossen zu operieren sondern stellt mit einzelnen Brigaden die infanteristische Komponente für Auslandseinsätze.

Wozu dann dieser Großverband? Da man die infanteristische Komponente für Auslandseinsätze auch aus den gemischten Brigaden entnehmen kann.

Zitat:Für den Verteidigungsfall hat das Korps auch im Rahmen umfassender Mobilmachung keine entscheidende Aufwuchskomponente. Man könnte enventuell über ein drittes (Falschirm)jägerbataillon in den Luftlandebrigaden nachdenken, aber das ist nicht sehr sinnvoll

Ich bin ebenfalls ein Freund einer 2-er Gliederung, da die dritte Einheit oft nur als Reserve nicht zum Einsatz kommt und man so mehr Aufgaben zugleich angehen kann (als Nachteil hat man dann natürlich keine Reserve auf dieser Ebene, was aber meiner Ansicht nach ohnehin nicht notwendig ist)

Zitat:Mobilisierungen sollten sich zur Landesverteidigung auf die Panzertruppen beschränken.

Meiner Meinung nach sind gemischte Brigaden (Panzer plus leichte Infanterie in einem Verband) reinen Panzerbrigaden überlegen, da die Panzergrenadiere als infanteristische Komponente der Mechanisierten Einheiten quantiativ zu gering sind um ihre Aufgabe wahrnehmen zu können.

Zitat:Grundsätzlich ist das Korps als die einzig verbleibende Infanterietruppe des Heeres sehr infanteristisch gerpägt

Panzergrenadiere sind meinem Verständnis nach auch Infanterie.

Zitat:Das Hauptkettenfahrzeug wäre der Wiesel in verschiedenen Varianten. Hier wäre einiges an Neuanschaffungen nötig.

Ich meine auch, dass dann gerade eben jede Menge Neuanschaffungen nötig wären. Und diese kosten Geld dass man in andere Systeme stecken sollte. Ich bin ja gerade eben der Ansicht, dass der Wiesel komplett gestrichen werden sollte - weil er von seinen Fähigkeiten her zu speziell ist und sein Kosten-Nutzen Verhältnis schlechter als das anderer Einheiten ist die man zudem ohnehin braucht.

Für die Kosten einer Ausstattung aller deiner Brigaden mit Wiesel könnte man sogar schon anfangen einen Nachfolger für den Fuchs zu beschaffen.

Zitat:Zusätzlich bleibt der Boxer als schwertes Fahrzeug der Truppe erhalten, ich würde hier streng einzelne Brigaden komplett Luftlandefähig halten und anderen einen größeren Grad der Mechanisierung zugestehen.

Der Boxer ist meiner Meinung nach zu schwer und sollte an die Panzergrenadiertruppe abgegeben werden, wo er die PUMA ergänzen würde. Zudem würden die Panzergrenadiere auf diese Weise neue Fähigkeiten erhalten. Eine Kampfwertsteigerung des Boxer mit einem Lance RC Turm würde diesen in einen hervorragenden Radschützenpanzer verwandeln und darüber hinaus wäre der Boxer der perfekte Träger für das AMOS System.
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#28
Also wird schon wieder "lustig" über Details gestritten, weil m.E. die Hauptfrage nicht geklärt ist: Welche Mission soll die Bundeswehr in Zukunft erfüllen?
Muß sie sich für einen totalen Krieg vor der eigenen Haustür vorbereiten, soll sie Söldnerarmeen ausbilden und von hinten lenken, oder was dazwischen?
Vor (und zu) Napoleons Zeiten war ein Krieg manchmal ein bewaffneter Raubüberfall im großen Stil, und anscheinend wird sowas heutzutage wieder aktuell. Muß die Bundeswehr sich selber darauf vorbereiten, afrikanische Warlords zu verscheuchen, oder soll sie sich auf die Fremdenlegion verlassen?
Welcher Perimeter soll abgedeckt werden? - Landesgrenze, 500km oder 2.000 Umkreis? Nord- oder Südufer des Mittelmeers? Afrika bis zur Sahara oder dem Kap? Nahost bis zum Jordan, Mittelost bis zur Straße von Hormuz? etc.
Sollen langfristige Stablisierungsmissionen à la Kosovo durchgeführt werden, brauchen wir eigene Stützpunkte in Übersee oder reichen einfach ein paar Satelliten und einige Dutzend Kampfdrohnen?

Wenn klar ist, welche Szenarien für Deutschland relevant sind und welche von der Bundeswehr "bearbeitet" werden müssen, DANN kann man sich über Strukturen und Ausrüstung unterhalten - für eine Evakuierungsoperation brauchen die Einsatzkräfte anderes Werkzeug als für einen jahrelangen Dauereinsatz. Aber das ist nur meine Meinung.
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#29
Natürlich kann man auch Jäger samt Fahrzeuge in eine Transportmaschine packen und diese dann irgendwo landen. Es spräche aber auch nichts dagegen, Fallschirmjägern die gleichen Fahrzeuge zu geben, wenn diese benötigt werden und ins Ziel gebracht werden können. Weil die Jäger aber keine Fallschirme haben, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nie dazu kommen, ihre schwereren Fahrzeuge auch einzusetzen - weil sie im Zweifel "Boots on the Ground" niemals erzielen würden. Selbst wenn Jäger per Fallschirm abgesetzt werden sollten (was sie in meinen Augen ebenso zu Fallschirmjägern machen würde wie die britischen "Durchgangsdeckkreuzer" Flugzeugträger waren) - dein schweres Material braucht einen Flughafen oder eine sehr gut planierte Feldpiste. Und so eine Landebahn blockiere ich dir mit einem halben dutzend Pick-Ups und fünfzig Kilo ausgestreuter Zimmermannsnägel.
Wenn man Gebirgsjäger nicht vernünftig ausrüstet und ausbildet, kann man es natürlich auch gleich lassen. Aber mit dem Argument kann man jede Waffengattung für überflüssig erklären.

@ PKr - Stimmt, nur leider hat man keine Kristallkugel, um vorher zu wissen, was man mal machen muss. Daher bin ich ja so hinter guten Geheimdiensten her.

Ich wäre bei unserer Berufsarmee und dem derzeitigen Personalproblem übrigens durchaus dafür, einige der Heereseinheiten der Bundeswehr aufzulösen und durch Söldnereinheiten zu ersetzen - die Briten haben mit ihren Gurkhas noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, die Fremdenlegion ist der Stolz Frankreichs, Spanien grast Lateinamerika ab und scheinbar sprechen viele Bundeswehrsoldaten bei uns eh schon besser russisch als deutsch. Gebt den jungen Afrikanern und (Ost-) Asiaten die Aussicht auf 800 Euro/Monat und nach 25 Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft und ihr werdet die Ränge füllen, selbst wenn ihr von 100 nur 5 nehmt.
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#30
Quintus Fabius schrieb:ede:

Zitat:es gibt Regeln in der Kriegskunst sonst würde es ja keine Kriegskunst geben

Auf der strategischen Ebene gibt es keine Regeln und der Versuch dort anhand von Regeln zu agieren hat schon sehr viele Niederlagen verschuldet. Die Wahnidee in der Strategie Regeln anzuwenden ist aber nicht untypisch für die heutigen jungen Checklisten-Offiziere. Das führt zur Strukturkonservatismus, Strukturextrapolierung und Analogiebildung - alles drei Todsünden und Grundübel in der Kriegskunst.

Aber da ich dich ja nicht überzeugen kann, vielleicht kann es ja Moltke:

"Die Strategie ist ein System der Aushilfen. Sie ist mehr als Wissenschaft, ist die Übertragung des Wissens auf das praktische Leben, die Fortbildung des ursprünglich leitenden Gedankens entsprechend den stets sich ändernden Verhältnissen, ist die Kunst des Handelns unter dem Druck der schwierigsten Bedingungen.

Für die Strategie können daher allgemeine Lehrsätze, aus ihnen abgeleitete Regeln und auf diese aufgebaute Systeme unmöglich einen praktischen Wert haben!"

Und auf der taktischen Ebene ändern sich die Regeln mit den Änderungen in der Technologie. Eine Überbetonung der Regeln aber führt auch hier regelmäßig ins Desaster, weil sie zwingend Strukturextrapolierung zur Folge hat welche eine falsche Antizipation der Zukunft wahrscheinlich macht, und damit die Niederlage.

Zitat:Was du von offenen Flanken und offenen Räume zwischen Großverbänden erzählst hat es ja alles schon gegeben, lies dir mal was über den siebenjährigen Krieg durch.

Ich habe mich wirklich lange und intensiv mit der Kriegsführung in früheren Zeiten beschäftigt, tatsächlich war die Militärhistorie sogar mein Einstieg in das Militärische an sich. Gerade deshalb warne ich hier vor diesen falschen Analogien, vor Gedankenspielen wie: Panzer sind Kavallerie, mein Vorstoß mechanisierter Kräfte ist eine schiefe Schlachtordnung wie bei Leuthen usw usf damit erzeugst du Bilder welche dir den Blick auf das Bild der Realität verstellen können, und du betreibst damit automatisch Strukturextrapolierung. Gerade deshalb bin ich ein entschiedener Futurist.

Zitat:Zum Schluß durften nichtmal mehr Bataillone ohne Genehmigung ihre Stellung ändern.

Woran sich viele nicht gehalten haben. Selbst Einheiten der Waffen SS haben regelmäßig (und ohne Folgen) Führerbefehle dieser Art missachtet, und manchmal damit sogar Siege erzielen können (siehe bspw Charkow).

Zitat:Nichts desto trotz hast du mit den 3 Brigaden einfach nicht genug Quantität um in einem Krieg mit Russland einen durchschlagenden Erfolg zu erringen.

Einen Krieg gegen Russland können wir nicht allein führen und werden ihn nicht alleine führen. Würden wir gegen Russland alleine stehen, dann würde ich dir sofort zustimmen. Aber dem ist nicht so, wir agieren innerhalb eines Bündnisses und die Frage ist daher, was unser maximaler Beitrag zu diesem Bündnis innerhalb des bestehenden Wehretat sein könnte.

Was ist den die Realität die du anscheinend nicht siehst?!

Hier und heute haben wir nicht mal 3 einsatzfähige Brigaden - wir haben vielleicht maximal 2. Meine 3 Brigaden wäre daher sogar 1 mehr als wir jetzt haben, also eine Erhöhung der Quantität.

Zitat:Dazu muß Deutschland wieder deutlich mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben. Langfristig müssen wir wieder in Richtung 3% vom BIP

Das ist eine Forderung die ich natürlich uneingeschränkt gut finde, aber der Grund für diesen Strang, der Grund für die ganze Diskussion hier ist ja gerade eben: dass wir nicht 3% vom BIP kriegen werden. Wir haben außerdem das Geld nicht (nicht mal die Neuverschuldung konnte auf 0 gefahren werden).

Die Frage ist nicht, wie man die Bundeswehr gestalten könnte, wenn man mehr Geld hat - wir haben nicht mehr Geld. Die entscheidende Frage in den nächsten Jahren wird sein, wie man die BW in der Kampfkraft maximieren könnte, mit dem gleichen Geld oder weniger Geld.

Es ist viel zu einfach, viel zu bequem einfach mehr Geld zu fordern. Mehr Geld, und schon sind alle Probleme gelöst?! Das ist zu einfach, greift zu kurz: die Bundeswehr müsste zuerst mal Schwerpunkte definieren und setzen, und im weiteren erst mal lernen ihre begrenzten Mittel effizienter einzusetzen. Sonst wirst du auch bei sehr viel mehr Geld nur wenig mehr an Leistung habe.

Zitat:Und zusätzlich gibt es die Mobilmachungsfähigkeiten um wieder den Bestand der Verbände kurzfristig zu verdoppeln.

Und wo sollen die herkommen ohne Wehrpflicht? Wo wir für die Bundeswehr wie sie jetzt ist schon nicht genug geeignete Rekruten haben?!

Zitat:Mein Weg wäre ein anderer. Die Bundeswehr wird mit deinen 3 Brigaden und allen Spezialtruppen, also Falschirmjäger, Gebirgsjäger, Pioniere, Heeresluftabwehr, auf den Stand gebracht, das sie wieder aus dem Stand voll kampffähig ist.

Was eben zwingend zur Frage der Finanzierung führt. Anbei: es gibt keine Heeresluftabwehr mehr und Pioniere sind keine Spezialtruppe was auch immer das sein soll.

Aber bleiben wir mal bei einem einzigen Punkt (um die Diskussion nicht zu sehr ins Allgemeine gleiten zu lassen): warum sollte es deiner Meinung nach Fallschirmjäger geben (ich spreche jetzt von Luftlandung, nicht von Luftsturm)? Wozu die Fähigkeit einer Luftlandung?

Oder sollten wir nicht gezielt auf Luftlandung und Luftmechanisierung verzichten, um dadurch Mittel frei zu bekommen, um damit andere Einheiten (Panzer, Artillerie, Luftabwehr) zu stärken?!

Da du so ein großer Freund von Regeln in der Kriegskunst ist: ist nicht eine der fundamentalsten Regeln die Setzung eines Schwerpunkt?!
verflixt wo ist meine Antwort von Gestern Abend geblieben?
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