Helmut Kohl & Industrie vs. Schlagkraft der Bundeswehr
#1
Zitat:Der Tiger war ein rein außenpolitisches Programm ohne jeden Sachzwang. Als Helmut Kohl 1982 Kanzler wurde, ließ er seinen Verteidigungsminister Manfred Wörner umgehend wissen, dass er anlässlich des ersten deutsch-französischen Gipfels ein erstes bilaterales Rüstungsprojekt beschließen lassen wolle.

Die Auswahl, so das Kanzleramt weiter, überlasse er dem Verteidigungsminister. Der beabsichtigte demonstrative Effekt enge allerdings die Optionen auf drei ein: Kampfflugzeug, Kampfpanzer oder Kampfhubschrauber. Wörner war sauer, die Sachkundigen auf der Bonner Hardthöhe entsetzt. Schließlich gab es hinsichtlich der genannten drei Waffensysteme längst konkrete Vorüberlegungen, die allerdings in keinem Fall eine deutsch-französische Kooperation zum Gegenstand hatten.


Zitat:Den aktuellen Stand des Tigers zu beschreiben fällt schwer, da das Programm seit den Achtzigerjahren immer wieder verändert wurde. So wurden aus den ursprünglichen 212 "Panzerabwehrhubschraubern" inzwischen nur noch 57 "Unterstützungshubschrauber". Die geplante Entwicklungsdauer wurde faktisch um ein Jahrzehnt überschritten.

Die Beschaffungskosten pro System haben sich mehr als verdoppelt; ein Tiger kostet etwa so viel, wie zwei Apache in den Achtzigerjahren gekostet hätten. Die Leistung des Tigers ist umstritten; niemand außer der großspurigen Firmenleitung des Herstellers käme auf die Idee, im Ernstfall den Tiger einem Apache vorzuziehen – einem System also, das vor 40 Jahren entwickelt wurde und seit 30 Jahren im Einsatz ist.


Zitat:Auch der viel diskutierte Eurofighter war ein politisches Projekt – im Gegensatz zum Tiger allerdings ein rein industriepolitisches. Die eigentlich Interessierten aufseiten der Bedarfsträger – Generalinspekteur und Luftwaffe – wollten dieses Flugzeug nicht. Beide favorisierten in unterschiedlicher Ausprägung ein deutsch-amerikanisches Kooperationsprojekt auf der Basis eines bereits entwickelten Modells der F-18-Familie.

Zitat:Es klang vor diesem Hintergrund wie ferner Hohn, als ein führender Vertreter der deutschen Luftfahrtindustrie im kleinen Kreis feststellte: "Was die Luftwaffe braucht, bestimmen wir."

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... error.html


Was sagt ihr dazu? Mir fehlen die Worte.
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#2
Den Artikel hatte ich schon irgendwo gepostet.
War es in Deutschen Landen jemals anders? Ich meine nicht. Wir haben mit diesem Vorgehen schon Weltkriege verloren. Warum sollte sich da dann jemals was dran ändern?
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#3
Das kann doch in den Tiger-Strang.
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#4
Nightwatch schrieb:Den Artikel hatte ich schon irgendwo gepostet.
War es in Deutschen Landen jemals anders? Ich meine nicht. Wir haben mit diesem Vorgehen schon Weltkriege verloren. Warum sollte sich da dann jemals was dran ändern?

Du sprichst z.B. das Stg 44 im 2. Weltkrieg an oder (dessen Einführung Hitler verweigert hat)?

Wie kann der Bundestag, unsere Politik und unser Staat sich denn so manipulieren lassen? Es geht doch um Landesverteidigung und nicht um Landschaftsbau ...
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#5
GermanMilitaryPower schrieb:
Nightwatch schrieb:Den Artikel hatte ich schon irgendwo gepostet.
War es in Deutschen Landen jemals anders? Ich meine nicht. Wir haben mit diesem Vorgehen schon Weltkriege verloren. Warum sollte sich da dann jemals was dran ändern?

Du sprichst z.B. das Stg 44 im 2. Weltkrieg an oder (dessen Einführung Hitler verweigert hat)?

Wie kann der Bundestag, unsere Politik und unser Staat sich denn so manipulieren lassen? Es geht doch um Landesverteidigung und nicht um Landschaftsbau ...
Such dir was aus Wink
Es geht eben nicht um Landesverteidigung. Geht es nie, zumindest nicht primär. Bei Rüstungsvorhaben geht es um Rüstungspolitik. Die Interessen der Wirtschaft liegen immer über denen der Truppe. Der Einzelplan 14 ist vielmehr offene Subvention der Rüstungsindustrie als Verteidigungshaushalt.
Is halt so
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#6
Wieso machen dann die Leute, die etwas dagegen unternehmen können, nichts? Geschmiert?
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#7
Warum sollten diese Leute etwas unternehmen? In ihren Augen läuft doch alles richtig. Wir sind von Freunden umzingelt und leisten mit unserer Nichtrüstung einen wichtigen Beitrag zur internationalen Entspannungspolitik. Deutschland 2014 steht es gut zu Gesicht sich in solchen Dingen vornehmlich deeskalierend hervorzutun. Und so weiter halt.
Es ist nunmal so das weiten Teilen der herrschenden und verwaltenden Kaste das Wohlergehen des Staates schei*egal ist. Das trifft nicht nur auf die Bundeswehr zu, tritt da halt aber besonders deutlich zu Tage.
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#8
GermanMilitaryPower:

Da geht es auch oft um Partei-Industrie übergreifende Netzwerke, da viele Ex-Politiker entsprechend hochrangig in den Unternehmen sitzen und aktive Politiker in selbige Positionen wollen und beide einander lange und gut kennen. Direkte Bestechung ist da gar nicht notwendig, es genügt hier oft schon die bloße Hoffnung auf eine spätere Karriere in der sogenannten Privatwirtschaft.

Dazu kommt noch die Vorstellung, den jeweiligen heimatlichen Wahlkreis, das eigene Bundesland etc unter allen Umständen zu stärken, Arbeitsplätze zu schaffen/zu erhalten usw und auf diese Weise Stimmen bei der Wahl zu bekommen - also Macht bzw. entsprechenden Politikern geht es (wenn überhaupt) nur um Arbeitsplätze und versteckte Industriesubventionen und nicht um Landesverteidigung.

In einem Punkt möchte ich allerdings Nightwatch wiedersprechen:

Die Rüstungs-Unternehmen habe heute einen noch nie dagewesenen immensen Einfluss auf die Beschaffungsbehörden - bei einer Gerichtsverhandlung wurde festgestellt, dass HK beispielsweise sogar Personalentscheidungen der BW direkt beeinflussen kann- dass also ein Privatunternehmen bestimmt wohin ein Offizier versetzt wird etc und von Unternehmen wie der Rüstungssparte von EADS noch ganz zu schweigen. Zwar gab es solche Verflechtungen auch schon früher (Musterbeispiel Krupp), aber heute ist der Einfluss entsprechender Konzerne noch um ein vielfaches höher, meiner Meinung nach aufgrund des überbordenden Individualismus und mangelnden Nationalismus. Ein Krupp früher fühlte sich dem Profit verpflichtet, aber auch der Nation. Er war trotz des korporativen Wirtschaftssystems ein paternalistischer Unternehmer der weiter reichende Ziele hatte als nur das Shareholder Value. Heute hingegen zählt das alles gar nichts mehr, sondern nur noch die grenzenlose Gier.
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#9
Das hat nichts mit fehlenden Nationalismus zu tun.

In allen anderen Sparten der Wirtschaft ist das Führungspersonal genau so korrupt. Und wenn heute ein großer Konzern eine teilweise korrupte Führung hat, liegt das sicherlich nicht am fehlenden Nationalismus.

Solche Menschen wollen einfach Geld scheffeln und denen ist sogar zum Teil der eigene Konzern völlig egal, solange sie gut Geld verdienen können. Selbiges gilt für Macht.

Und diese Strukturen findet man in Bayern genau so vor wie in Hamburg.

Das Problem ist ein gesellschaftliches und ist nicht auf fehlenden Patriotismus zurückzuführen, sondern darauf, dass ein sehr großer Teil des Lebens hier zu Lande durch den Wohlstand bestimmt wird und die meisten Menschen hier sich auch dadurch definieren und profilieren.
Ich erspar mir weitere Ausführungen, will nicht seitenlang ins Off-Topic rutschen. Ist auch nichts neues.

Jetzt kannst du (Quintus) natürlich damit kontern, dass, wenn aber jeder nun nationalistisch veranlagt wäre, würden alle dem Wohle Deutschlands zuarbeiten und wir hätten diese Probleme nicht.

Selbst aus dieser Sicht, müssen sich Nationalismus und Gier in diesem Fall nicht im Wehe stehen. Es gibt auch Menschen, die zum Wohle des Nationalismus zu korrupten Mitteln greifen. Das Problem ist, dass Korruption generell ein gängiges Mittel ist um seine Ziele zu verwirklichen.
Ob das Ziel nun nationalistisch, kapitalischtisch usw. ist, spielt gar keine Rolle.

Bei der Rüstungsindustrie sehe ich nahezu schwarz, diese festgefahrenden Strukturen aufzubrechen. Selbst wenn es zu einem medialen Aufschrei über Wochen oder Monate kommen würde, wird es extrem schwer etwas daran zu ändern, da man praktisch alles an Personal was nur etwas Verantwortung in dieser Hinsicht trägt austauschen müsste. Die Realisierbarkeit solch eines Vorhabens muss ich wohl nicht ausführen. Es würden ein paar Köpfe rollen und danach gehts weiter wie bisher.

Solang keine wirkliche akute Bedrohung für unser Kernland besteht, wird man diese Umstände so tolerieren. Nein, die Krimkrise stellt keine akute Bedrohung für unser Kernland dar.

Wenn häretere Zeiten kommen, wird man sicher auch sicherheitspolitisch umlenken. Man muss. Solange das nicht passiert, wird wohl Geld und Macht die Metaebene vieler Menschen hier zu Lande sein.

Zitat:Es ist nunmal so das weiten Teilen der herrschenden und verwaltenden Kaste das Wohlergehen des Staates schei*egal ist. Das trifft nicht nur auf die Bundeswehr zu, tritt da halt aber besonders deutlich zu Tage.

Das wäre ein Thema für sich wert.
Das ist eine komplexe Angelegenheit. Das fängt schon bei dem künstlichen Aufbauschen in den Medien von "Korruption" an (siehe Fall Wulf). Gibt noch viele andere Fälle.
Die Leute haben einfach die Schnauze von den Politikern voll und fühlen sich nach Strich und Faden ver******. Was ich zum Großteil auch gut nachvollziehen kann. Aber nicht teile.
Man kann sehr gut beobachten, wie sich manche Leute einfach noch dumm und dämlicher über den Schaden für die EU und die USA hinsichtlich der Krimkrise freuen. Weil sie eben beobachten, dass genau diese ungeliebten Machtstrukturen Schaden erleben. Ob es jetzt sehr schlau ist, lass ich mal dahingestellt. Aber das ist doch ein Indiz für ein Absurdes Verhältnis zw. Bürger und Politik.

Fakt ist, man müsste gesellschaftlich viel mehr ändern und auch versuchen den Leuten wieder Vertrauen für Politik zu vermitteln und auch Interesse. Vielen Leuten ist es ja egal was in Berlin/Brüssel so den lieben langen Tag beschlossen wird, solange sie nicht selbst direkt davon betroffen sind.
Wenn das Volk dahinter steht, kann man auch in der Rüstungsindustrie viele Dinge nicht einfach durchwinken. Das gilt auch für den Rest der Wirtschaft.


Unsere Gesellschaft lässt es sich im Moment sehr gut gehen und vernachlässigt es sich weiterzuentwickeln bzw. für den Erhalt der Gesellschaft zu arbeiten und ich befürchte, dass eines Tages eine Generation diesen Mist ausbügeln müssen wird. Und das wird sicherlich kein Spaziergang...
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#10
Es würde bereits eine ausreichend große Minderheit genügen, da die Mehrheit ohnehin nur passive Masse ist. Und auch heute ist es nur eine Minderheit, die korrupt die Nation für ihr eigenes Wohlleben verrät. Mit solchen Verrätern müsste man rigoros aufräumen, und dazu bräuchte man weder das Volk noch die Mehrheit, sondern nur eine ausreichend entschlossene Avantgarde. Das Steuerruder wird nicht von den Ruderern unten im Schiffsraum bedient, es wird vom Steuermann herum gerissen. Es käme also darauf an, den Steuermann auszutauschen.

Ich fürchte allerdings, dass die Sheeple hierzulande (und hier verwende ich explizit mal einen Anglizismus) sich nicht in ausreichender Anzahl werden aufraffen können, bis es zu spät ist. Um mal Wilhelm Kaiser abzuwandeln: Heute kennen wir keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Grüne.

Und während unsere Nation untergeht, werden die wenigen verbliebenen "Deutschen" über Gender-Mainstreaming, Migration Inklusion, Private Equity with Leveraged Buy Out und Veggie Days diskutieren bis man sie gemäß ihrer Sklavennatur versklaven wird.
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#11
Bevor jetzt die allgemeine Depression um sich greift, möchte ich mal meine Sichtweise darlegen und auf die damalige politische Situation hinweisen:
Helmut Kohl war zu Beginn seiner Regierungszeit außenpolitisch vermutlich nicht gut vernetzt und vergleichsweise unerfahren.
Eine der wichtigsten Figuren im konservativen Lager Deutschlands war zu jener Zeit Franz Josef Strauß; und jener war seit seiner Zeit als Verteidigungsminister und durch den Aufsichtratsvorsitz bei Airbus international bestens verdrahtet.

Meine These ist, daß ein Projekt für Airbus der Preis war, den Kohl für die Unterstützung durch FJS zahlen mußte (oder wollte). Außerdem konnte Kohl damit bei Francois Mitterrand punkten, der ihn anfangs nur für Reagans Hilfssheriff hielt.
Der Verkehrsflugzeugbau lief bei Airbus hervorragend, aber bei den Hubschraubern gab es Handlungsbedarf. MBB und Aerospatiale waren Teil des Konsortiums und hatten nicht genug Ressourcen, um neben der Entwicklung der Verkehrsflugzeuge bei den Hubschraubern am Ball zu bleiben.
In den USA war dagegen der Boom ausgebrochen, weil Reagan die Sowjets zu Tode rüsten wollte. Den amerikanischen Rüstungsfirmen wurde die Kohle geradezu in den **sch geschoben, so daß sie vielleicht mit diesen Mitteln die europäische Luftfahrtindustrie an die Wand drücken würden.
Auch in diesem Segment war es ein wichtiges Signal, wenn durch ein großes Projekt klargemacht wurde, daß Deutschland voll hinter Airbus stand.
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#12
Ich sehe da eigentlich wenig neues.
Schon in der Frühphase der Bundeswehr gab es ähnliche Skandale, man denke an den Schützenpanzer HS 30 oder die Beschaffung der Honest John, obwohl man einen effektiveren britischen Boden-Boden-FK namens Blue Water hätte beschaffen können.
Auch neigte man seitens der Bundesregierung immer wieder dazu, der Bundeswehr Prestigeprojekte aufdrängen zu wollen, wie etwa Tragflügelboote für die Marine.
Der Kampfhubschrauber Tiger hatte dagegen schon damals seine Berechtigung, schon weil der Bo 105 aka PAH 1 von vielseitigeren Modellen wie dem Mi-24 klar deklassiert wird.
Wegen solchem Lobbyismus und Prestigedenken sollte man allerdings nicht in Weltuntergangsstimmung a la Quintus Fabius verfallen, woanders gibt es diese oder andere Probleme auch, und zwar gerade wenn es um den "Glitzerfaktor" geht: Da beschaffen dann Staaten für ihre Streitkräfte Systeme, die diese eigentlich nicht brauchen oder mit denen man noch nicht mal richtig umgehen kann.
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#13
Ich kann das raunen hier auch nicht so ganz nachvollziehen. Der Tiger hat von Anfang an Sinn gemacht. Die stetige Aussage das 1982 ein AH-64 verfügbar war ist der mega Schwachsinn. 1984 ging er erst in Serie und war somit auch noch nicht verfügbar und hatte auch noch seine Kinderkrankheiten. Wenn man sich weiterhin die Entwicklung des AH-64 ansieht stellt man eines fest. Der Erstflug war bereits 1975. Also wurde auch er mit knapp 10 Jahren Verzögerung eingeführt. 1989 hatte der AH-64 seinen ersten scharfen Einsatz im Panamakonflikt. War also bis Dato auch noch nicht kampferprobt wie die hiesige Presse einem immer darstellen möchte.
Kommen wir nun einmal zu den Kosten. Der AH-64 hatte damals einen Stückpreis von 17 Mio.US-$. Wohl gemerkt.......anfänglich und ohne Waffensysteme und Wartungsvertrag mit Ersatzteilen. Dazu kommen Liegenschaftskosten usw. Er wäre unter Berücksichtigung der Inflation usw. eben nicht billiger gekommen. Schneller ja, aber nicht billieger. Was bitte kostet die aktuellste Version dieses Prunkstückes (AH-64 E) unter Berücksichtigung aller Kosten? Also Herstellung, Ausrüstung, Bewaffnung, Wartungsvertrag, Ersatzteile, Pilotenausbildung, Liegenschaftskosten usw. .Dazu wieder das Problem das es durch die USA keinen Technologietransfer gegeben hätte usw. Dann noch das die Kohladministrative eine gemeinsame EU-Rüstungspolitik im Fokus hatte und eine starke Annäherung an Frankreich suchte was ihm auch gelang. Ich kann also nach nüchterner Betrachtung nur sehr viel überspitzten Unfug erkennen.
Als wäre das ein rein deutsches Problem was da steht. Jedes Land dieser Welt mit eigener Rüstungsindustrie betreibt diese Politik.
Und nun noch einmal kurz zum Tiger. Was haben sich die Grünen und SPD über die vermeintlich falsche Bewaffnung aufgeregt. An der derzeitigen Politik Russlands erkennt man gerade eines. Sie ist richtig! Der Ukrainekonflikt zeigt ganz deutlich das es eben nicht so ganz friedlich in Europa zugeht wie einem immer klargemacht werden soll.

@Nightwatch:

Was hat deine These mit der Niederlage von Weltkriegen zu tun? Das habe ich noch nicht ganz nachvollziehen können :?: Denn die einzigen Fehler welcher der damaligen Rüstungsindustrie vorzuwerfen waren, war die Tatsache das der Kriegsverbrecher Göring keinen Langstreckenbomber in Auftrag gegeben hat, zu wenige Uboote gebaut wurden, man die Bismarck samt Schwesterschiff gebaut hat und zu wenige Panzerschiffe wie die Graf Spee gebaut hatte und ein Grossteil aller militärischen Vorhaben von Anfang an dem Untergang geweiht war, weil schlicht weg Irre an der Macht waren und der Kriegsverbrecher Adolf Hitler welcher keine Ahnung von Strategie hatte Deutschland in den Untergang zwang (durch provoziertem Mehrfrontenkrieg). Die Rüstungsindustrie zu spät nach unter Tage (sprich Bunker) verlegt wurde und selbst das unsere Rüstungsindustrie bis Kriegsende nicht in die Knie zwang.
Man kann eigentlich die unverschämte Behauptung aufstellen, dass wenn alles so gut funktioniert hätte wie die deutsche Rüstungsindustrie der Krieg hätte gewonnen werden müssen. Das nur mal am Rande und sehr provokativ in den Raum geworfen. Denn selbst unter massivem flächendeckender Bombardierung gelang es nicht die Rüstungsindustrie in die Knie zu zwängen.
Das unser Beschaffungswesen von Grund auf innerhalb ganz Europas reformiert werden muss ist auch kein Geheimnis. Die Verteidigungsministerin führt nur das weiter, was unter zu Guttenberg durch die Weise-Kommission angestossen wurde. Für mich ist der Bericht schlecht recherchiert und zum Teil werden hier gewisse Fakten aus dem geschichtlichen Zusammenhang gerissen.
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#14
PKr schrieb:Der Verkehrsflugzeugbau lief bei Airbus hervorragend, aber bei den Hubschraubern gab es Handlungsbedarf.
Airbus ist wohl die grösste Marktverfälschung in der westlichen "Marktwirtschaft" überhaupt. In der Entstehung, der ganzen Finanzierung, den Risikogarantien bei nicht gelingen. Eine schlimme Marktverfälschung nach der anderen.

Zitat:In den USA war dagegen der Boom ausgebrochen, weil Reagan die Sowjets zu Tode rüsten wollte. Den amerikanischen Rüstungsfirmen wurde die Kohle geradezu in den **sch geschoben, so daß sie vielleicht mit diesen Mitteln die europäische Luftfahrtindustrie an die Wand drücken würden.
Die Steuerquote in den USA ist doch nicht höher als in Deutschland, ihr vergebt auch Aufträge an die private Wirtschaft in gleichem Masse. Das was stört, ist wenn man einem einzigen alles gratis in **sch schiebt, so wie es bei Airbus der Fall ist. Airbus war doch nur so konkurrenzfähig, weil die Regierungen das ganze Entwicklungsgeld immer in die neuen Flugzeugprojekte (so hübsche Umschreibungen wie Anschubfinanzierung :mrgreen: ) reingepumpt haben. Während Boeing, McDonnell Douglas (pleite), Lockheed (Zivilflugzeugsparte auch pleite) das Geld privat finanzieren mussten. Klar kann man aus den Militäraufträgen profitieren, aber doch nicht in dem Mass wie Airbus, die konkurrenzlos an jeden Militärauftrag kommen. In den USA besteht Wettbewerb, da ist es keinesfalls sicher, dass Boeing Drohnen bauen kann. Oder sie den Transporthubschrauber liefern können (NH90/Black Hawk). In Deutschland ist es aber völlig klar, wer all die Dinger bauen darf. Selbst dann wenn wie beim A400M keinen blassen Schimmer von hat und der Mitbieter (in einem einmaligen Pseudowettbewerb) den deutlich tieferen Preis geboten und den Prototypen schon auf der Startbahn hatte.

Als dann die massiven Dreamliner-Subventionen einsetzten und genau das Gleiche die anderen auch betrieben (Finanzierung), begann die grosse Jammerei von Airbus/EADS. Sie die ständig von all den Politikern und europäischen Ländern mit jedem erdenklichen Vorteil ausgestattet wurden. Und in Sachen Rüstungsindustrie vor jeglicher Konkurrenz geschützt wurden. Airbus ist doch keine Erfolgsgeschichte, so könnte man jedes halbwegs vernünftige Unternehmen zum Erfolg subventionieren.

Airbus ist das Hauptproblem von dieser ganzen Geschichte.
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#15
Der Tiger hatte noch nie eine Berechtigung, gerade bei dem bestehenden Sofortbedarf während des Kalten Krieges wäre der Kauf von Apaches zwingend nötig gewesen.
Es war grob fahrlässig erneut eine Entwicklung anstoßen, nachdem das US Konkurrenzprodukt quasi zeitgleich mit Beginn des Tiger Projekts in Serie ging. Es ist dabei auch sinnfrei zu argumentieren es würde dem Apache an Kampferprobung mangeln während man selber schon ein Jahrzehnt zu spät überhaupt erst mit der Entwicklung beginnt.
Selbstverständlich wäre uns das auch wesentlich günstiger gekommen – wie hätten uns die zich Milliarden Euro an Entwicklungskosten gespart, wenn wir bei den Amerikanern von der Stange gekauft hätten.
Für die 15 bis 20 Milliarden die Europa der Spaß bislang gekostet hat hätten wir eine Flotte von 600 Apaches nach heutigen Preisen kaufen können. Nach dem Preisen von damals noch viel viel mehr und auch mit umfangreicher Logistik (für die wir uns heute beim Tiger genauso dumm und dämlich zahlen, die Rüstungskonzerne wollen nach dem Bau von 200 Maschinen ja auch von was leben) wäre es zu einem Bruchteil der Kosten gegangen.
Technologietransfers wären übrigens sicher kein größeres Problem gewesen, Großbritannien hat den Vogel in den Neunzigern in Lizenz komplett selber gebaut. Das hätten wir auch machen sollen nach dem man das Tiger Projekt Ende der Achtziger wegen zu hoher Kosten eigentlich schon gestoppt hatte.
Das ganze Projekt war und ist sicherheitspolitisches Harakiri. Ein Paradebeispiel dafür, dass die Subvention der eigenen Rüstungsindustrie wichtiger ist als die Truppe im Feld.
Das ist angesichts der Bedrohungslage in den Achtzigern eine erschreckende Feststellung, aber auch nicht überraschend, denn es lief im Deutschen Staat eben zu keiner Zeit groß anders.
Und nein, die vorgesehene Bewaffnung war und ist unsinnig. Russland hin oder her. Ein Panzerabwehrhubschrauber benötigt neben ATGMs immer eine Maschinenkanone um gegen ungepanzerte Fahrzeuge und Infanterie ökonomisch wirken zu können.
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Die Kungeleien zwischen Rüstungsindustrie und Politik waren im Dritten Reich nicht groß anders als heute. Ein wunderschönes Beispiel ist die unendliche Typenvielfalt in ebensovielen Ausführungen vor allem im Fahrzeugbau und die absolute Unfähigkeit von Regime und Industrie sich auf eine konsequente Massenproduktion zu einigen. Da war es viel entscheidender, dass alle Rüstungsbauer irgendwie ihr Stück vom Kuchen mit abbekamen.
Und das lief so bis zum bitteren Ende. Das während der Aufrüstung durch einen gewissen Experimentierbedarf einiges zusätzlich gemacht wird kann man ja verstehen. Dass man es aber selbst dann nicht hinbekommt als im Krieg die Sache schon gehörig am schieflaufen war ist echt einzigartig. Da waren selbst die Amerikaner wesentlich weniger Industriehörig als die Nationalsozialisten.
Nur ein wunderschönes Beispiel, die wichtigste Rüstungsstrategische Frage des deutschen Fahrzeugsbaus im zweiten Weltkrieg; die Ablösung des Pzkw IV mit einem neuen, echten schweren Panzer.
Was kam da?
Pzkw V Panther 1942, Jagdpanzer V, Jagdpanther 1944, 1944, Pzkw VI Tiger 1941, Pzkw VI Ausf. B Tiger II 1943, Jagdpanzer VI Jagdtiger 1944, Panzerjäger Tiger 1943.
Dazu lief die Produktion von Pzkw IV in dreidunddrölf Ausführungen weiter, ebenso die des Jagdpanzer IV, Panzerjäger Nashorn, Marder III, Jagdpanzer 38…
Die ganzen netten Prototypen von Maus bis Panther II gar noch nicht mitgerechnet.
Es war einfach ein einziger Wahnsinn. Quasi jeder Rüstungsbauer hatte irgendwo in einem Panzerfahrzeug seine Finger mit drin. Was man hätte machen müssen (und was die zu späte E-Serie in Ansätzen auch mal sein sollte) wäre das radikale Zusammenstreichen auf ein oder zwei Muster gewesen. Aber das ging ja nicht, musste ja jeder Konzern sein Panzern entwickeln.
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