(Land) Leichte Infanterie
(11.05.2022, 18:49)Quintus Fabius schrieb: 1. Deshalb keine 120mm, sondern ein "kleineres" Kaliber. 2. Deshalb haben die Mörserzüge auch "Fahrzeuge" in Form von (amphibischen) All-Terrain-Vehicle, mit welchen man auch erheblich Munition mitnehmen kann. Um es mal in einem Bild zu illustrieren: stell dir eine Artt Biker-Gang mit Mörsern vor. 3. Munitionsnachschub muss natürlich irgendwann auch "von weiter oben" her kommen, dass ist klar, aber dass muss er für den Mörserzug der schweren Kompanie eines Jäger-Bataillons ganz genau so.
Ja, die "Biker-Gang" hatte ich da schon im Blick.

Zur Skalierung: Der "traditionell" zugewiesene organische Transportumfang für Mörser in einer Schweren Kompanie dürfte grob bei rund 180 Schuss pro Rohr liegen. Das dürfte sich zwar auf ATV-Anhänger verteilen lassen (5 pro Rohr für Munition?), ist aber durchaus eine nicht zu unterschätzende Menge.

Ggf. wäre es hier ebenso wie für den ABC-San-Zug (siehe unten) sinnvoll, neben den ATVs eine Reihe mittelschwere UGV zum reinen Lasttransport zu verwenden, die bspw. auch den ATV per elektronischer Deichsel folgen könnten.

(11.05.2022, 18:49)Quintus Fabius schrieb: Die Hauptaufgabe wäre hier ohnehin vor allem als Multiplikator für die ABC Abwehr zu dienen, die Wasseraufbereitung um genügend trinkbare Flüssigkeiten vor Ort zur Verfügung zu stellen
Ich trenne das mal ab von der Verwundetenversorgung, da hier über eine operative Zusammenarbeit oder mögliche (eher fragliche) Kolozierung hinaus wenig Schnittpunkte bestehen.

In der ABC-Abwehr gibt es zwar ATV-Quads (vereinzelt), diese werden allerdings nur für leichte Spürtrupps in der ABC-Aufklärung verwendet. Für eine ABC-Aufklärung in der Kampftruppe ist das durchaus adäquat (es fehlt schließlich der TEP-Trupp), wir reden hier aber von maximal zwei bis drei 2-Mann-Trupps für das komplette Regiment.

In der Hauptfunktion ABC-Dekontamination - und der Nebenfunktion Wasserversorgung, die heutzutage an die Spezialpioniere abgewandert ist - geht es primär um Nutzlasttransport. Einen VEP(Pers) nach Konzept HEP70, wie er hier vom Kontext angemessen und auch verteilbar wäre, würde ich grob im Bereich 12 Tonnen Geräte plus 2 Tonnen Verbrauchsgüter und 6 Tonnen mitgeführtes Wasser verorten - und das ist schon ziemlich niedrig angesetzt. Und das in Teillasten, die großteils einen ATV-Anhänger auch durchaus für sich auffüllen und nicht verteilbar sind.

Die Wasserversorgung käme hinzu, ist aber für den Zweck Infanterieversorgung im Feld (ohne Lager) lasten- und personalmäßig wenig relevant. Das sind 30-40 mitgeführte Ultrafiltrationsanlagen in Koffergröße für den unmittelbaren Bedarf, alles darüber hinaus (Feldlager- und Außenpostenversorgung) hat in einem Jägerregiment eigentlich nichts zu suchen, sondern wird extern gestellt.

(11.05.2022, 18:49)Quintus Fabius schrieb: Den Verwundetentransport selbst zu diesem Sammelpunkt muss die Truppe selbst bewerkstelligen.
"Truppe birgt selbst" ist durchaus auch heute noch Grundsatz der Verwundetenversorgung. Eine San-Gruppe zur Unterstützung auf Bataillons-/Regimentsebene ist mit der Einrichtung eines vorgeschobenen Verbandsplatzes (derzeitige Benennung: Rettungsstation / Role 1) durchaus vollauf beschäftigt.

Beim Verwundetentransport auf dieser Ebene geht es um den Transport von den Verwundetennestern (Kameradenversorgung) zum vorgeschobenen Verbandsplatz (Triage und Erstversorgung). Da die Jägerzüge selbst über keine Fahrzeuge verfügen müßte hier weiter ein Push-Konzept angesetzt werden, d.h. z.B. die ATV der Sanitätseinheit nach Einrichtung des Verbandsplatzes verwendet werden. Wobei hierfür ggf. zusätzlich Personal abzustellen ist. Im Zweifel läßt sich hier je nach Lage der ABC-Anteil des Zuges verwenden.

Wenn ich Verwundete "liegen lasse" und gesteuert bspw. gesammelt später an den Verbandsplatz bringe, hat das zwei Effekte. Zum einen auf die Mannstärke auf strategischer Ebene, da mir so Soldaten wegsterben werden, zum anderen auf die Moral der kämpfenden Truppe, die im Gefecht unmittelbar hinter sich die nicht versorgten Verwundeten liegen hat. Umso mehr in einem taktisch beweglichen Gefecht, in dem ggf. auch das Verwundetennest mit den dort liegenden Kameraden "aufgegeben" werden muss.

In der reellen Bundeswehr wird hierbei übrigens genau deswegen ein BAT oder SanKfz verwendet, damit aus der Kampftruppe im Gefecht für den Verwundetentransport dieser Ebene keine Fahrzeuge oder Personal abgezogen werden müssen.

(11.05.2022, 18:49)Quintus Fabius schrieb: Ich vermute, dass du auf gurtgefütterte MG hinaus willst - aber bevor ich dazu etwas detaillierter aushole, würde ich gerne wissen ob diese Annahme von mir stimmt. Wenn du dies bitte noch kurz etwas detaillieren könntest, wäre ich dir sehr verbunden.
Ja, ich beziehe mich hier auf gurtgefütterte MGs.
Zitieren
kato:

Zitat:Zur Skalierung: Der "traditionell" zugewiesene organische Transportumfang für Mörser in einer Schweren Kompanie dürfte grob bei rund 180 Schuss pro Rohr liegen. Das dürfte sich zwar auf ATV-Anhänger verteilen lassen (5 pro Rohr für Munition?), ist aber durchaus eine nicht zu unterschätzende Menge.

Das ist schon 1997 ein Streitpunkt zwischen mir und Mörserschützen der Bundeswehr gewesen. Meiner grundsätzlichen Auffassung nach haben heutige Einheiten zu wenig Rohre und im Verhältnis dazu zu viel Schuss pro Rohr. Für die immense Menge Munition welche man da mitführt, hat man zu wenige Mörser dabei. Mörser fallen auch recht leicht Konterfeuer zum Opfer, müssen im modernen Krieg ständig weiter bewegt werden, können heute in einem konventionellen Krieg schlicht und einfach nicht mehr so lange an Ort und Stelle verbleiben, als dass man diesen Munitionsvorrat überhaupt richtig nutzen könnte. Man wird in den allermeisten Fällen nur ein paar wenige Schuss abgeben können und dann muss man Fersengeld geben.

Damit man eine ausreichende Feuerdichte / Kadenz erzielen kann, auch um die Örtlichkeit woher das Mörserfeuer kommt rasant (also ad hoc) verlagern zu können und um mit einem einzigen Feuerschlag wesentlich mehr Wirkung auf einmal (also schon mit dem ersten Schuss pro Mörser) ins Ziel bringen zu können ist es wesentlich, mehr Mörser zu haben, als mehr Munition zu haben.

Die große Menge von Munition hat auch den Hintergrund, dass Mörser früher deutlich weniger präzise waren und man sich daher einschießen musste, ferner auch, dass man länger von einer Stelle aus systematisch die feindlichen Stellungen (!) eingedeckt hat. Es wird in Zukunft solche Stellungen nicht mehr geben, erst recht kein statisches Eindecken derselben über einen „längeren Zeitraum“ und auch das Einschießen fällt weg (Zielmarkierung, Endphasengelenkte Munition, Einsatz von Loitering Munition durch die Mörser etc). Die deutlich größere Reichweite und vor allem die immens viel größere mögliche Präzision heute führen dazu, dass man für die exakt gleiche Wirkung wesentlich weniger Schuss benötigt.

Die traditionelle Auffassung, mit den Mörsern von einer Position aus länger auf den Gegner einzuwirken ist daher im modernen Krieg überholt und grundfalsch.

Dann muss man noch bedenken, dass die genannten Munitionsmengen sich vor allem auf Panzermörser beziehen, also auf Mörser welche mit einem M113 und einem Begleitfahrzeug für die Munition hochbeweglich sind, während ich hier von einem abgesessenen Einsatz der Mörser spreche. Man kann solche Munitionsmengen abgesessen so nicht mitführen und auch nicht per All-Terrain-Vehicle mitführen und es macht auch keinen Sinn.

Noch darüber hinaus spielt das Kaliber eine wesentliche Rolle. Eine 120mm Munition wiegt 13 bis 14 kg pro Schuss (oder mehr), eine 98mm wiegt 8 bis 9 kg pro Schuss.

Zukünftig soll ein Bataillon im Endeffekt über 2 Mörserzüge verfügen, welche jeweils über 4 Mörser verfügen. Das macht 8 Mörser pro Bataillon. Bei 180 Schuss pro Mörser (weil Panzermörser, weil M113 etc) kommt man so bei 1440 Schuss auf nicht weniger als mindestens (!) 20 Tonnen Gewicht für diese Munition.

Nehmen wir stattdessen die von mir genannten 18 Mörser. Und setzen wir 60 Schuss pro Mörser an, dann kommen wir bei den dann verfügbaren 1080 Schuss auf ein Gewicht von mindestens 8 Tonnen für die Munition. Wir hätten dann also hier eine Gewichtsdifferenz von um die 12 Tonnen - obwohl die Anzahl der verfügbaren Schüsse praktisch real gesehen gleich ist und ich deutlich mehr Mörserrohre zur Verfügung habe !

Das heißt real praktisch habe ich eine wesentlich größere Feuerkraft mit den Mörsern und die Munitionsmenge ist so groß, dass es real praktisch keinen Unterschied macht zu dem was man aktuell mitführt und ich spare trotzdem 12 Tonnen Gewicht (oder mehr). Die Frage ist aber, wieviel Schuss pro Mörser man überhaupt wirklich real benötigt. Und wie man die entsprechenden Einheiten dann von woanders her wieder versorgt.

Zitat:Ggf. wäre es hier ebenso wie für den ABC-San-Zug (siehe unten) sinnvoll, neben den ATVs eine Reihe mittelschwere UGV zum reinen Lasttransport zu verwenden, die bspw. auch den ATV per elektronischer Deichsel folgen könnten.

Das ist übrigens exakt das Konzept worauf ich hinaus will, ich hatte mich auch schon mehrfach so geäußert. Solche UGV könnte man zudem sowohl als Anhänger passiv ziehen (spart deren Treibstoff) als dann auch vor Ort selbstfahrend einsetzen. Dazu hatte ich mich in mehreren Strängen immer wieder mal entsprechend geäußert. Zudem sollten die Transporter möglichst vielfältig nutzbar konzipiert sein, und zwar weil sich die Mörsermunition und auch andere Verbrauchsmittel rasant verbrauchen, und dem folgend die Transporter für anderes eingesetzt werden können, beispielsweise für die Autarke Verwundetenbergung (!) oder für andere Transportaufgaben.

Zitat:In der Hauptfunktion ABC-Dekontamination - und der Nebenfunktion Wasserversorgung, die heutzutage an die Spezialpioniere abgewandert ist

Dazu noch einen Gedankengang: bei einem ernsthaften Krieg wird die Versorgung mit sauberem Trinkwasser rasant ein Problem. Die Wasseraufbereitungskapazitäten müssen daher auf allen Ebenen vorhanden sein, vom einzelnen Soldaten bis hin zu Einheiten auf Bataillonsebene. Den die real verfügbaren trinkbaren Flüssigkeiten könnten sehr schnell ausgehen, beispielsweise weil die Stromversorgung für längere Zeiträume im Operationsraum ausgeschaltet wurde. Entsprechend braucht jeder Soldat eine eigene Filtermöglichkeit und benötigt man dezidierte Wasseraufbereitungs-Einheiten unten und vorne.
Es gibt in Mittel- und Osteuropa genug Oberflächenwasser (dazu unten noch etwas) aber: es werden sich in einem ernsthaften Krieg sehr schnell Krankheiten ausbreiten.

Das reicht dann von Dyphterie über Amöbenruhr hin zu Cholera und Typhus etc. Die ABC Abwehrfähigkeiten dienen hier vor allem auch der Gesunderhaltung der Soldaten gegenüber solchen Krankheiten. Selbst der Krieg in der Ukraine entspricht nicht dem, was man hier bei einem wirklich ernsthaften Krieg erwarten kann, darüber hinaus wären die Umstände bei uns andere (Bevölkerungsdichte, verfügbare Brunnen usw), dazu gehörend: Sekundär kommen diese Fähigkeiten auch der Zivilbevölkerung zugute.

Darüber hinaus kann der Feind solche Krankheiten auch leicht selbst als biologische Waffe einsetzen und verbreiten. Die Gesunderhaltung der Soldaten ist auch sonst bei sehr harten Bedingungen ausgesucht schwierig, insbesondere Ausfälle durch Krankheiten werden umso mehr ein Problem darstellen je länger der Krieg andauert.

Zitat:Die Wasserversorgung käme hinzu, ist aber für den Zweck Infanterieversorgung im Feld (ohne Lager) lasten- und personalmäßig wenig relevant.

In einem ernsthaften Krieg wird das eben anders sein ! Oder vielleicht sollte ich es so ausdrücken: es könnte anders sein und daher muss man diese Lücke abdecken. Entsprechend muss diese Fähigkeit nach unten und nach vorne, denn sie wird in einem ernsthaften Krieg eben nicht extern für alle Soldaten gestellt werden können. Und auch die trinkbaren Flüssigkeiten welche man requirieren könnte werden schnell ausgehen.

Zitat: - geht es primär um Nutzlasttransport. Einen VEP(Pers) nach Konzept HEP70, wie er hier vom Kontext angemessen und auch verteilbar wäre, würde ich grob im Bereich 12 Tonnen Geräte plus 2 Tonnen Verbrauchsgüter und 6 Tonnen mitgeführtes Wasser verorten - und das ist schon ziemlich niedrig angesetzt. Und das in Teillasten, die großteils einen ATV-Anhänger auch durchaus für sich auffüllen und nicht verteilbar sind.

Fangen wir mit den 6 Tonnen mitgeführtem (!) Wasser an. In Mittel- und Osteuropa gibt es genug verwendbares Oberflächenwasser, solches ist also nicht mitzuführen, es kann vor Ort genutzt werden. Schon hat man 6 Tonnen weniger Gewicht. Bezüglich der Geräte müsste man halt sehr detailliert durchsehen und durcharbeiten, wie man dort das Gewicht runter bringt. Aber selbst so: nehmen wir mal an, man käme mit 12 Tonnen aus. Es gibt reihenweise 6x6 ATV welche bis zu 800 kg schleppen können. Das wären dann gerade mal 15 solcher Fahrzeuge und die gesamte Last wäre aufgeladen. Ansonsten kann ich hier erneut auf die äußerst nützlichen UGV verweisen, welche eine ähnliche Transportleistung erbringen könnten und dem folgend auch noch zur Verwundetenversorgung verwendet werden können.

Zitat:Wenn ich Verwundete "liegen lasse" und gesteuert bspw. gesammelt später an den Verbandsplatz bringe, hat das zwei Effekte. Zum einen auf die Mannstärke auf strategischer Ebene, da mir so Soldaten wegsterben werden, zum anderen auf die Moral der kämpfenden Truppe, die im Gefecht unmittelbar hinter sich die nicht versorgten Verwundeten liegen hat. Umso mehr in einem taktisch beweglichen Gefecht, in dem ggf. auch das Verwundetennest mit den dort liegenden Kameraden "aufgegeben" werden muss.

Das ist nun ein ganz wesentlicher und wichtiger Aspekt ! In einem ernsthaften Krieg ist es gar nicht anders möglich. Es wird exakt zu der hier beschriebenen Situation kommen. Die Art und Weise wie die Bundeswehr sich aktuell die Verwundetenversorgung vorstellt wird nicht funktionieren. Verwundete werden zurück gelassen werden, und es werden wesentlich mehr Soldaten sterben weil sie nicht ausreichend versorgt werden können.

Das heißt man muss schon vorher dies nicht nur klar kommunizieren, sondern auch die die moralischen und materiellen Aspekte des ganzen mit berücksichtigen. Beispielsweise ist meine Struktur auch deshalb so wie sie ist, weil ich bereits von sehr hohen Verlusten bei der Infanterie ausgehe und die Einheiten so oder so rasant ausbluten werden.

Das ist selbst in der Ukraine hier und heute der Fall, wo die Absitzstärke vieler russischer mechanisierter Einheiten inzwischen auf 2 Mann pro Fahrzeug abgesunken ist (ernsthaft). Verwundete kann man im Weiteren auch einfach in ziviler Obhut zurück lassen, und auch das geschieht in der Ukraine massenweise. Da werden mehr Verwundete beider Seiten durch Zivilisten in zivile Krankenhäuser gebracht (teilweise zusammen!) als durch die San-Einheiten direkt selbst versorgt werden können.

Es ist eine völlige Illusion zu glauben, dass aktuelle System der Bundeswehr diesbezüglich könnte und würde in einem ernsthaften Krieg funktionieren; eine gefährliche Illusion weil man damit bei den Soldaten falsche Vorstellungen und Ansprüche weckt und gerade dadurch ihre Kampfmoral beeinträchtigt wenn diese dann nicht eingehalten werden können. Die Moral der kämpfenden Truppe wird also gerade eben dadurch leiden, dass sie mit völlig falschen Vorstellungen in den Kampf geschickt wird, die dann nicht aufgehen werden.

Zu den gurtgefütterten MG als Schwerpunktwaffen äußere ich mich im weiteren in einem eigenen Eintrag.
Zitieren
(13.05.2022, 10:06)Quintus Fabius schrieb: Entsprechend braucht jeder Soldat eine eigene Filtermöglichkeit und benötigt man dezidierte Wasseraufbereitungs-Einheiten unten und vorne.
Wasseraufbereitungsanlagen auf individueller Ebene sind wenig sinnvoll. Die Mindestgröße liegt im Bereich der Versorgung eines Zuges Soldaten. Drunter gibt man den Leuten Chlortabletten und ähnliches mit.

Als Beispiel für die Versorgung steht hier drin das aktuelle niederländische abgestufte Konzept: https://soldat-und-technik.de/2021/05/au...lonsebene/

Ggf. sinnvoller könnte es in diesem Fall sein, für den mobilen Einsatz bspw. bei der Pioniergruppe jeder Kompanie entsprechend drei der beschriebenen Koffer-Aggregate für den verteilten Einsatz mitzugeben und im ABC-San-Zug dazu lediglich bspw. eine Anhängeranlage mitzuführen.

(13.05.2022, 10:06)Quintus Fabius schrieb: Fangen wir mit den 6 Tonnen mitgeführtem (!) Wasser an. In Mittel- und Osteuropa gibt es genug verwendbares Oberflächenwasser, solches ist also nicht mitzuführen, es kann vor Ort genutzt werden.
Die 6 Tonnen Wasser sind grob für die erste Stunde Betrieb eines VEP, während der nach Möglichkeit parallel bereits die Versorgung aus anderen Wasserquellen etabliert wird - sobald nach Vervollständigung des Aufbaus Fahrzeuge und Personal zum Teil wieder verfügbar sind um die grundsätzlich zuvor zu erkundenden Wasserentnahmestellen anzuzapfen für die restlichen rund 10-15 Tonnen die man für den Vollbetrieb an einem Standort braucht.

Mit diesem Aufwand dekontaminiert man übrigens dann rund 160 Personen binnen drei Stunden bevor die Stellung gewechselt wird, also im Umfang etwa eine Kompanie des Regiments.

Mögliche Betriebsorte für den VEP - also zugängliches (!) und nutzbares (!) Oberflächenwasser - was gerade bei irgendwelchen Sümpfen in Osteuropa in beiden Punkten nicht der Fall ist - oder alternativ möglich nutzbare Infrastruktur ist - Vorschriftenlage seit den frühen 80ern - laufend durch eigene, organische ABC-Erkundungskräfte im Operationsgebiet der unterstützten Truppe und deren rückwärtigem Raum in Vorbereitung auf ein Verzögerungsgefecht zu erkunden.
Zitieren
Chlortabletten (Silberionen / Chlorpulver / Micropur etc etc ) führen bei sehr vielen zu erheblichen Magen-Darm Problemen wenn man sie über einige Zeit verwendet. Und bei manchen sogar nach recht kurzer Zeit selbst bei Verwendung von zusätzlichen Anti-Chlor Zusätzen.

Da Soldaten ohnehin ein Gefäß für das Wasser benötigen, bietet sich hier eine Filterflasche an. Beispielsweise ein Grayl Geopress Filter. Extrem einfach zu verwenden, macht de facto jedes Oberflächenwasser in Mittel- und Osteuropa sofort trinkbar, technisch extremst einfach, sehr leicht, kann von jederman mitgeführt werden. Mit so einer Filterflasche habe ich erst letzten Sommer in größtmöglicher Hitze eine Tour von 70 km innerhalb von knapp unter 13 Stunden gerissen, ohne irgendwelche trinkbaren Flüssigkeiten mitzuführen.

Das soll jetzt übrigens keine Werbung für diesen spezifischen Filter sein, sondern nur ein illustrierendes Beispiel für die von mir hier angedachte Technologie bzw. das Konzept an sich und für den ganz grundlegenden Gedanken, jedwede Logistik so weit wie möglich nach unten zu pressen und dafür jeden denkbaren Weg zu gehen und alles dafür in Frage zu stellen. Insbesondere kann man immens viel an Ausrüstung in Wahrheit durch Können ersetzen, ist militärisch beschaffte Ausrüstung meist völlig unnötig schwer und könnte man immens Gewicht einsparen bei allem würde man auf intelligentere Systeme und Zusammenstellungen setzen.

Das fängt bei der zu schweren und teilweise sinnfrei zusammen gestellten Kleidung an, geht über Rucksack, Schlafsack und Trinkwasser bis hin zu den überschweren SK4 Westen und Helmen, überall sinnloses Gewicht, dass man dringend anders verwenden müsste und in einem ernsthaften modernen Krieg anders verwenden muss.

Zitat:zugängliches (!) und nutzbares (!) Oberflächenwasser - was gerade bei irgendwelchen Sümpfen in Osteuropa in beiden Punkten nicht der Fall ist

Gerade Sumpfwasser enthält oft besonders viele Gerbstoffe und einen ph-wert der für Dekontamination nützlich sein dürfte und ist daher gar nicht so schlecht wie man meinen möchte, gerade eben für den hier von dir angesprochenen Zweck.

Aus dem von dir vernetzten Artikel:

Zitat:Mit diesem Beschaffungsprojekt wollen die niederländischen Streitkräfte die Logistik rund um die Wasserversorgung im Einsatz entlasten – man geht von einem Gesamtwasserbedarf von bis zu 200 Liter pro Person pro Tag aus

200 Liter pro Person und pro Tag. Zum Duschen, Klospülen und was für absurden Luxus westliche tm Streitkräfte heute bei ihren Neo-Kolonialscharmützeln in Wüstenländern sich noch alles einbilden.......

Nein. Die Logistik muss - so weit wie technisch möglich - nach unten und nach vorne. Und das ist machbar, sobald man mal anfängt tradierten Pfade zu verlassen.

Zitat:Ggf. sinnvoller könnte es in diesem Fall sein, für den mobilen Einsatz bspw. bei der Pioniergruppe jeder Kompanie entsprechend drei der beschriebenen Koffer-Aggregate für den verteilten Einsatz mitzugeben und im ABC-San-Zug dazu lediglich bspw. eine Anhängeranlage mitzuführen.

Oder was auch immer. Man müsste halt jetzt exakte Systeme benennen, was diese wiegen, welches Volumen sie haben, was für eine Leistung, ob man diese überhaupt so benötigt oder ob man sie anderweitig substituieren kann, und schließlich noch die Frage klären wie diese Systeme funktionieren und was dazu an Voraussetzungen notwendig ist (Treibstoff, Batterien, Agregate, Chemikalien, Mannarbeitskraft etc etc)

Zu den gurtgefütterten Maschinengewehren, den sogenannten Schwerpunktwaffen:

Zitat:......komplette Jägerzüge ohne organische Waffen zur Flankensicherung oder Schwerpunktbildung, was in der Form eine Abkehr von konventioneller Doktrin der letzten rund 85 Jahre darstellt.

.......ich beziehe mich hier auf gurtgefütterte MGs.

Zunächst mal muss man im modernen Krieg den Begriff der Flanke hinterfragen. Die Idee gurtgefütterte MG meistens an die Flanke zu stellen stammt aus einer Zeit durchgehender Fronten, vorrückender Schützenlinien (deshalb flankierend), völlig anderer Kräfteverhältnisse und völlig anderer Vorausetzungen und Umstände für den infanteristischen Kampf.

Heute und in Zukunft wird Infanterie in einem ernsthaften modernen Krieg: 1. mehr über die Rundumsicherung nachdenken müssen als über Flanken, 2. wesentlich beweglicher und schneller sein müssen - und damit auch zugleich wesentlich ausdauernder, weil sie 3. fortwährend ihre Stellung wird wechseln müssen, insbesondere wenn sie ein Feuergefecht geführt hat, dann heißt es zum richtigen Zeitpunkt abbrechen und absetzen und 4. werden sich entscheidende Objektpunkte schneller verlagern als jemals zuvor, weshalb der Schwerpunkt der eben noch richtig war, schon in kürzester Zeit falsch sein kann, weil sich komplett die Objektpunkte und die Objektlinien geändert haben.

Wenn ich nun einen Gros der Feuerkraft in einer organischen Schwerpunktwaffe habe (=gurtgefüttertes MG), dann kann es sehr leicht passieren dass: 1. das MG plötzlich falsch positioniert ist, und daher in eine andere Position manövriert werden muss, was hochproblematisch ist weil es während dieser Umpositionierung mit seiner Feuerkraft eben nicht dort ist wo diese gebraucht wird oder 2. vernichtet wird, womit ein Gros der Feuerkraft auf einen Schlag wegfällt und damit auch der Schwerpunkt der Feuerkraft wegfällt, mit der Vernichtung nur einer, dieser entscheidenden Waffe.

Da die Flanke ebenso plötzlich ad hoc völlig woanders sein kann, eignet sich daher das Konzept mit dem gurtgefütterten MG die Flanke zu sichern und zugleich einen Schwerpunkt zu bilden nicht mehr für die Anforderungen des modernen Krieges bzw. des Vorgehens der Infanterie in diesem wie ich es für mich hier visualisiere. Noch darüber hinaus spielen Kugelwaffen der Infanterie eine immer geringere Rolle - wenn man mal von Scharfschützen und einigen anderen Sonderfällen absieht.

Gerade deshalb - also vollkommen intentional - gibt es in den vollkommen symmetrisch aufgebauten Jägerzügen eine Einheitsbewaffnung, so dass innerhalb eines kompletten Zuges alle ein und diesselbe Kugelwaffe führen. Ein de facto Magazin-Gefüttertes leichtes Maschinengewehr - oder wie ich es bevorzuge: ein echtes Sturmgewehr.

Feuerkraft und Feuerdichte liegen damit dann deutlich über den heute ironischerweise als Sturmgewehren bezeichneten Maschinenkarabinern, die Waffen sind etwas schwerer, was aber sowohl Rückstoß heraus nimmt als auch Überhitzung mindert und jeder Soldat kann mit jedem Soldat des gesamten Zuges Munition und Magazine austauschen. Es gibt dem folgend auch nur noch ein Kugelkaliber. Dies hat erhebliche logistische und taktische Vorteile.

Der Gegner kann gerade eben keine Schwerpunktwaffe ausmachen, welche er ausschalten oder der er ausweichen kann. Wir können unseren Schwerpunkt nach belieben verlagern, weil alles überall gleich ist, und zwar ohne Waffen und Soldaten irgendwie von A nach B bewegen zu müssen. Die Feuerkraft gegen Drohnen ist wesentlich höher als beim heutigen Konzept eines MG zuzüglich einiger Maschinenkarabiner und damit die Fähigkeit kleine Drohnen überhaupt erfolgreich zu bekämpfen (wesentlich), die stabileren und schwereren Kugelwaffen eignen sich zum Einsatz von Gewehrgranaten (bei manchen Maschinenkarabinern fragwürdig), es sind Wechselläufe möglich (beim Surefire MGX könnte man mit einem Handgriff einen neuen Lauf einsetzen), und schlußendlich steigt der Nahkampfwert der Einheit deutlich an im Vergleich zu einer mit heute üblicherweise zwei gurtgefütterten MG ausgestatteten Einheit.

Die Ausbildung vereinheitlicht und vereinfacht sich, freiwerdende Ausbildungszeit kann in andere Inhalte investiert werden, das Können mit der Einheitswaffe wird querschnittlich größer sein bei gleichem Ausbildungsaufwand und damit die Trefferwahrscheinlichkeit querschnittlich höher ausfallen.

Noch darüber hinaus sind psychologische Effekte zu bedenken: insbesondere werden die Vorteile von Weapon-Push und Weapon-Pull genutzt, die Nachteile dieser Einflüsse aber vermindert oder umgangen.

Kurz und einfach:

Es ist endlich an der Zeit mit diesem 85 Jahre alten Konzept zu brechen, insbesondere weil es veraltet ist, weil es einer Zeit entstammt in der ganz andere Umstände dieses Konzept damals überlegen machten, und weil es heute andere Umstände sind und es besseres und besser auf diese abgestimmtes gibt.
Zitieren


Gehe zu: