AfD
#46
Die AfD gewinnt immer mehr an Stimmen, und allmählich zeichnen sich auch zweistellige Wahlergebnisse für sie ab, etwa bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt:
http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... weite.html
Zitat:AfD auf Rekordkurs – Platz hinter CDU in Reichweite

Zwei Monate vor der Wahl in Sachsen-Anhalt erreicht die AfD in einer Umfrage 15 Prozent – so gut war sie bei noch keinem Urnengang. Die Partei rückt damit der Linken und der SPD erstaunlich nahe
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#47
Selbst in den westlichen Bundesländern wird die AfD nun zweistellig.

http://www.wahlrecht.de

Dies dürfte aber erst der Anfang sein. Ich kenne ziemlich viele CDU-Wähler und auch CDU-Mitglieder und viele, die sich noch nicht für die AfD entschieden haben, sind unentschlossen aber mit dem Herzen eigentlich schon bei der AfD, da sie sich von der aktuellen CDU-Politik verraten fühlen. Ich denke der große Run auf die AfD wird erst nach den Wahlen im März beginnen, wenn sie sich zweistellig bei den Landtagswahlen etabliert hat.
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#48
Hier übrigens der Herr mit dem sich im Rheinland nicht an einen Tisch setzen wollte.
Mich wundert das ja nicht. Wäre wohl gehörig schief gegangen.

Zitat: AfD-Politiker und das geplatzte TV-Duell: Der Mann, mit dem niemand reden will

Uwe Junge ist ein Phantom, selbst das Internet gibt nur wenig über ihn preis. Junge ist demnach 58 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Der Berufsoffizier ist Dezernatsleiter im Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr in Mayen
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 73478.html
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#49
srg schrieb:die AfD als regulierende neue Kraft

Wirtschaftlich ist die AFD eine klassische rechts-reaktionäre Partei. Sprich: Entlastung für Eliten.
Sprich: Eine Fortsetzung der neoliberalen Politik mit einem konservativen "Anstrich" der Familienförderung.

http://www.huffingtonpost.de/2016/02/04 ... 59650.html

„Das AfD-Programm ist ein FDP-Ersatzprogramm“, sagt der Professor, der knapp zwei Jahrzehnte Direktor der einflussreichen Akademie für Politische Bildung in Tutzing war. [...] Während sich also die Villenbesitzer der Republik bei einem Wahlsieg der Rechten die Hände reiben könnten, würde der kleine Mann indirekt die Zeche für diesen nach Ansicht von Kritikern schlicht neoliberalen Plan bezahlen: Denn der Staat würde Verluste im zweistelligen Milliardenbereich machen."

http://www.fr-online.de/politik/grundsa ... 47566.html

"Erbschaftssteuer abschaffen, das Steuersystem vereinfachen und notfalls Sozialausgaben kürzen: Die Parteiführung der AfD will ein Programm durchsetzen, das vor allem Wohlhabenden nutzt."
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#50
marcoB schrieb:
srg schrieb:die AfD als regulierende neue Kraft

Wirtschaftlich ist die AFD eine klassische rechts-reaktionäre Partei. Sprich: Entlastung für Eliten.
Sprich: Eine Fortsetzung der neoliberalen Politik mit einem konservativen "Anstrich" der Familienförderung.

http://www.huffingtonpost.de/2016/02/04 ... 59650.html

„Das AfD-Programm ist ein FDP-Ersatzprogramm“, sagt der Professor, der knapp zwei Jahrzehnte Direktor der einflussreichen Akademie für Politische Bildung in Tutzing war. [...] Während sich also die Villenbesitzer der Republik bei einem Wahlsieg der Rechten die Hände reiben könnten, würde der kleine Mann indirekt die Zeche für diesen nach Ansicht von Kritikern schlicht neoliberalen Plan bezahlen: Denn der Staat würde Verluste im zweistelligen Milliardenbereich machen."

http://www.fr-online.de/politik/grundsa ... 47566.html

"Erbschaftssteuer abschaffen, das Steuersystem vereinfachen und notfalls Sozialausgaben kürzen: Die Parteiführung der AfD will ein Programm durchsetzen, das vor allem Wohlhabenden nutzt."

Ich sehe das anders. Entlastung der Steuerzahler (nicht nur der Reichen), restriktive Ausländerpolitik (spart viel Geld der Steuerzahler), Familienförderung, Senkung der Sozialabgaben usw. all dies schafft neue Arbeitsplätze und senkt die Anzahl die auf den Sozialstaat angewiesen sind, was im Endeffekt jeden Arbeiter, Angestellten usw. entlastet und die Lage der unteren 40% signifikant verbessert.
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#51
srg schrieb:Ich sehe das anders. Entlastung der Steuerzahler (nicht nur der Reichen)

Das einzige was hier effektiv gesenkt werden würde sind die Spitzensteuersätze. Der normaler Bürger hat aber davon nichts. Im Gegenteil: Die Minderausgaben in Millardenhöhe müssen gegenfinanziert werden.

Kleines Beispiel? Jemand der 2000€ Brutto hat zahlt gerade einmal 300€ Lohnsteuer im Monat.
Jemand mit 1600€ Brutto (Kaufmanns-Gehalt) zahlt unter 200€.

Wir reden hier also um Dimensionen einer Steuerlast von 10-15%. Daran würde nichts gesenkt. Gesenkt würde es bei denen, die jetzt schon die Panama-Connection nutzen wo sie nur können.

srg schrieb:senkt die Anzahl die auf den Sozialstaat angewiesen sind, was im Endeffekt jeden Arbeiter, Angestellten usw. entlastet und die Lage der unteren 40% signifikant verbessert.

Im Gegenteil - es führt zu massivem Lohndruck aufgrund von Panik und einem Absinken des Lohnniveaus. Die Ausgaben für den Sozialstaat wurden ja schon massiv gesenkt - das ist ja die Agenda-Politik gewesen. Streichung von Arbeitslosenhilfe, Kürzung des Bezuges von ALG1, Senkung der (damaligen) Sozialhilfe, Streichung von Zuschüssen wie Geld für Sachleistungen (Waschmaschinen) usw. Das kannst du auch nicht weiter absenken ohne Zustände wie in einigen Städten, wo man dir für 5$ ein Messer in den Rücken sticht oder ohne eine Diktatur zu installieren.
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#52
viewtopic.php?f=1&t=4808&start=105

Zitat:„Das AfD-Programm ist ein FDP-Ersatzprogramm“, sagt der Professor, der knapp zwei Jahrzehnte Direktor der einflussreichen Akademie für Politische Bildung in Tutzing war. [...] Während sich also die Villenbesitzer der Republik bei einem Wahlsieg der Rechten die Hände reiben könnten, würde der kleine Mann indirekt die Zeche für diesen nach Ansicht von Kritikern schlicht neoliberalen Plan bezahlen: Denn der Staat würde Verluste im zweistelligen Milliardenbereich machen."

Ein primäres Problem dieser Politik ist es auch, dass damit die einzige noch verbliebene Metaidee der Gesellschaft in diesem Land final zerstört wird. Und damit die Kohäsion der Gesellschaft noch weiter als es jetzt schon der Fall ist. Damit wird dieser Staat dann endgültig dysfunktional und ist damit zum Scheitern zwingend verurteilt - völlig gleichgültig ob dies finanziell stemmbar ist oder nicht. Selbst wenn die AfD Positionen wirtschaftlich / finanziell machbar wären, würde dies trotzdem das Ende des Systems BRD zur Folge haben und dem folgend das Ende der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung nach sich ziehen. Die AfD wäre damit ebenso erledigt und würde das erste Opfer ihres eigenen Erfolges werden oder sich entsprechend dem "neuen Regime" anbiedern müssen - und/oder Teil desselben werden.

Auch wenn viele Positionen der AfD (Wehrpflicht, Familie, Einwanderung usw) meiner Meinung nach sinnvoll sind, ihre wirtschaftspolitischen Vorstellungen und Ziele sind einfach nur katastrophal (schlecht). Das ist noch ein Erbe der Professoren-Partei um Lucke herum, deren liberalistische Vorstellungen das AfD Programm noch immer prägen.

Meiner Meinung nach wird die AfD auch dadurch zunehmend intern gespalten und kann diese Spaltung auch nur überwinden, wenn sie diese wirtschaftlichen Positionen überwindet, denn: diese stehen oft in einem Kontrast zu dem was die Partei sonst für Ziele hat, welche weitgehend anti-liberal sind. Beides passt auf Dauer genau genommen nicht zusammen.
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#53
Quintus Fabius schrieb:Beides passt auf Dauer genau genommen nicht zusammen.

Da irrst du dich - für einen reaktionären Geist passt beides sehr gut zusammen. Du musst nur weiter zurück gehen - zum Beispiel in die Zeit des Kaiserreichs. Ich kann da immer nur wieder Heinrich Manns "Der Untertan" empfehlen.

Und genau diesen Geist haben wir beim AFD-Programm, wenn du alles ein wenig weiter denkst:
Ein devotes, fleißiges und ein bischen infantiles Volk auf der einen Seite - was durch Beschwörungen, Nationalismus und Patriotismus (in einer perviertierten Form zur Volksverblödung) abgelenkt - einer sich mästenden Oberschicht dient - und dabei auch noch masochistische Freude verspürt.

Ich habe übrigens kürzlich mit jemand der etwas höher in der AFD angesiedelt ist recht leidenschaftlich diskutiert und irgendwann platze es dann - auf meine Frage, ob das Volk unter einer AFD-Herrschaft denn glücklicher und zufriedener als heute wäre - aus ihm heraus: "Glück, Glück. Im Leben geht es nicht um Glück oder Zufriedenheit. Nie. Pflicht und Aufopferung, das ist alles. Dafür lebe ich." (Wer psychologisch etwas versiert ist, weiß natürlich, das dahinter dennoch Lust steckt: Eben jene masochistische Lust an der Unterwerfung. Und eben aus jenem Grund ist die Unterwerfung bei Reaktionären auch Selbstzweck und muss nicht zwangsläufig einer Verbesserung von realen Lebensverhältnissen in materieller oder geistiger Hinsicht dienen. Worüber sich eben viele wundern, weil sie die Hintergründe nicht kennen).

Vergessen werden sollte nie, dass in der Regel an der Spitze Psychopathen sitzen, die die Dinge nur aus Machtgründen vertreten und in patriotischen Idealistien wie Quintus nichts weiter als nützliche ****** sehen. Ich kann an der Stelle nochmal empfehlen: https://www.netflix.com/title/70200744

Quintus Fabius schrieb:Auch wenn viele Positionen der AfD (Wehrpflicht, Familie, Einwanderung usw) meiner Meinung nach sinnvoll sind

Das einzig sinnvolle sind die Positionen zur Einwanderung. Familienpolitik durch Verklärung und Geld funktioniert nirgends so wirklich. Und eins dürfte doch klar sein: Bei einer "Wir machen auf Jahr-1900-Politik" werden sämtliche Akademiker abwandern. Ich als erster. Ja, dann steigt im Schnitt die Geburtenrate vielleicht wirklich: Weil nur noch die Unterschicht verbleibt.

https://deutsch.rt.com/gesellschaft/379 ... ne-kinder/

Zitat:Auch im Iran machen sich die Moderne und soziale Probleme in den Familienverhältnissen bemerkbar. Die jüngere Generation der Frauen möchte keine oder zumindest weniger Kinder bekommen. Derzeit liegt die Geburtenrate unter der Deutschlands. Gerade die iranische Mittelklasse verweigert sich dem Kinderkriegen.

Und selbst der Nationalsozialismus scheiterte:

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationals ... senhygiene
Zitat:Alle Bemühungen, die Entwicklung zur Zwei-Kinder-Familie aufzuhalten, scheiterten. In den 1920 geschlossenen Ehen kamen durchschnittlich 2,3 Kinder zur Welt, in den 1930 und 1940 geschlossenen jedoch nur noch 2,2 beziehungsweise 1,8 Kinder. Die durchschnittliche Haushalts- und Familiengröße schrumpfte auch im Dritten Reich weiter. Ehepaare ließen sich offensichtlich weder durch Abtreibungsverbot noch Kindergeld oder Ehestandsdarlehen davon abhalten, die Zahl ihres Nachwuchses klein zu halten.
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#54
@marcoB
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Zitat:"Glück, Glück. Im Leben geht es nicht um Glück oder Zufriedenheit. Nie. Pflicht und Aufopferung, das ist alles. Dafür lebe ich." (Wer psychologisch etwas versiert ist, weiß natürlich, das dahinter dennoch Lust steckt: Eben jene masochistische Lust an der Unterwerfung.
Nicht nur, ich denke es könnte auch die Sicherheit sein. Der Staat als das heilsbringende Element welches dich nie verlassen kann. Die Ökonomie (Arbeitslosigkeit), die Frau (dank eigenem Job auch viel unabhängiger) taugen eben nichts mehr für die Sicherheit. Die Nation als Anker im Leben. Die Nation kannst du nie verlieren, fast alles andere aber schon.

Zitat:Vergessen werden sollte nie, dass in der Regel an der Spitze Psychopathen sitzen, die die Dinge nur aus Machtgründen vertreten und in patriotischen Idealistien wie Quintus nichts weiter als nützliche ****** sehen.
Die Studien sind zu ersterem angeblich evident. Heisst ohne Demokratie (Abwahl von den Psychopathen) kann es "save" nicht funktionieren. Wieso jetzt Quintus derart patriotisch ist, erklärt sich mir nicht wirklich. Vermutlich weil er immer unter dem Staat gedient hat. Aber dass das auf 100% der Leute nicht sehr gut funktioniert, hat der Kommunismus "eindrucksvoll" bewiesen. Dass man sich das Heil vom Staat verspricht leuchtet mir persönlich nicht wirklich ein.

Sobald ich etwas garantiert bekomm, leg ich mich auf die faule Haut (Sold / Arbeit), oder konsumiere ohne Ende (Gesundheitswesen) .. leider hab ich da auch keine Lösung und find eigentlich schon dass die Gesundheit jedem frei zugänglich sein sollte. Allerdings ist der Selbstbedienungsladen gerade bei den Leistungserbringern (Ärzte / Pharmafirmen und auch Konsumenten) zum Teil unerträglich. Es müsste halt auch da selber zahlen heissen oder Konkurrenz ... aber es ist schwierig umzusetzen.
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#55
marcoB schrieb:
Quintus Fabius schrieb:Beides passt auf Dauer genau genommen nicht zusammen.

Da irrst du dich - für einen reaktionären Geist passt beides sehr gut zusammen. Du musst nur weiter zurück gehen - zum Beispiel in die Zeit des Kaiserreichs. Ich kann da immer nur wieder Heinrich Manns "Der Untertan" empfehlen.

Und genau diesen Geist haben wir beim AFD-Programm, wenn du alles ein wenig weiter denkst:
Ein devotes, fleißiges und ein bischen infantiles Volk auf der einen Seite - was durch Beschwörungen, Nationalismus und Patriotismus (in einer perviertierten Form zur Volksverblödung) abgelenkt - einer sich mästenden Oberschicht dient - und dabei auch noch masochistische Freude verspürt....

Ist es nicht eher so, dass wir genau das gerade erlebt haben ? Das Auftreten Merkels bei ihrer Neujahrs (oder war es Weihnachten?)-Ansprache, dieser unangenehme Habitus der gütigen Regentin, die Beflissenheit mit der ihr gefolgt wird egal was sie gerade veranstaltet, das Mundtotmachen und Verleumden von Kritik, die Auffassung dass die Moral (die herrschende Moral ist die Moral der Herrschenden, sagt man so schön) über Gesetz, parlamentarischem Prozedere und der Wahrheitsliebe zu stehen habe. Gruselig.
Ich kann mich nicht erinnern, dass sich der deutsche Untertanengeist in den letzten Jahrzehnten schon mal so stark gezeigt hat wie in den letzten Monaten.
Aufrichtigkeit und offener Diskurs sind das, was den Leuten fehlt. Eine nationalistische Strömung sehe ich eigentlich kaum. Die AFD wird die Lücke mangels gutem Personal wohl auch nicht füllen, die weiß zwar selber noch nicht wo die Reise hin geht, aber Anlass zum Optimismus bietet die AFD auch nicht.
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#56
Mitleser schrieb:Gruselig

In der Tat. Aber nun, Fakt ist: Rechte und linke "Systeme" müssen sich nicht viel nehmen. Ein Stalin stand einem Hitler in Sachen Grausamkeit und Unfreiheit in nichts nach.

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2011_2 ... 82011.html

Zitat:«Stalin mordete effizienter als Hitler»
In das sowjetische Mordprogramm waren nur wenige eingeweiht. Exekutiert wurde im Akkord, sagt Historiker Timothy Snyder.

Und selbst im Kirchengewand ändert sich nichts:

https://de.wikipedia.org/wiki/Klerikalf ... n_Kroatien
Zitat:„Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten. Das ist unser Programm.“
– Franziskanischer Feldpriester Pater Simić am 21. Mai 1941 in Knin

Ergo:
Die Ideologien sind meist nichts weiter als Rationalisierungen, Rechtfertigungen und/ oder Machtmittel.
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#57
marcoB schrieb:...
Nun, rechte und linke Diktaturen müssen sich nicht viel nehmen. Ein Stalin stand einem Hitler in Sachen Grausamkeit und Unfreiheit in nichts nach.
Ich hab den Solschenizyn gelesen. An den musste ich denken als Merkel auf dem Parteitag ihre Ovationen entgegen nahm. Ob da auch welche dabei saßen die notierten, wer als erster aufhört zu klatschen ? Big Grin
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#58
Der Widerstreit zwischen den Verlockungen der Freiheit und den Verlockungen des Kollektivs sind übrigens nicht vom Himmel gefallen. Sie sind in der Natur des Menschen angelegt. Sehr schön auf den Punkt gebracht hat das Erich Fromm:

https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fro ... s_Menschen
Zitat:Tiere leben in einer vollkommenen Harmonie mit der Natur. Sie leben unter Bedingungen, die sie als gegeben hinnehmen und die sie somit bewältigen können. Im Gegensatz zum Tier hat sich im Menschen durch die ihm gegebene Vernunft die Fähigkeit entwickelt, seine Umwelt zu transzendieren und auf diese Weise über die Oberfläche der ihn umgebenden Gegebenheiten hinaus zu gelangen. Er hat sich über die Natur erhoben und kann sie in gewissen Maßen erschaffen und beherrschen.
Diese höchste Gabe des Menschen ist zugleich sein Fluch. Ganz pragmatisch lässt er sich als Anomalie der Natur beschreiben, denn im Menschen ist sich „das Leben […] seiner selbst bewußt“ geworden. So weiß er nicht nur von der Zufälligkeit seines Daseins, sondern auch von der Begrenztheit seines Lebens. Obwohl er noch immer ein Teil der Natur ist, ist er auch aus ihr verstoßen, und die Harmonie mit der Natur ist für immer verloren. Durch diese Erkenntnis entsteht im Menschen ein großes Gefühl der Hilflosigkeit und Machtlosigkeit. Er muss eigenständig leben und Entscheidungen treffen, und jeder Schritt in eine andere Richtung ist angsterregend, weil er damit bereits bekannte und somit sichere Zustände verlässt. Das größte Problem des Menschen ist seine reine Existenz. (Vergleiche dazu auch das Für-sich-Sein von Jean-Paul Sartre.)
Das menschliche Leben ist von einer unüberwindbaren Polarität zwischen Regression und Progression beherrscht: Auf der einen Seite steht die Sehnsucht des Menschen nach der verlorenen Harmonie mit der Natur, die in seiner einst besessenen tierischen Existenz gegeben war. Auf der anderen Seite strebt er nach dem „Erreichen einer menschlichen Existenz“, die seinen vernunftbedingten Fähigkeiten entspricht und ihm die Lösung des Problems seiner Existenz verspricht. Dieser Zustand bringt ihn auf eine ständige Suche nach Harmonie und macht ein statisches Dasein unmöglich. Sind die tierischen Bedürfnisse (Hunger, Schlaf, Sexus usw.) befriedigt, treten die spezifisch menschlichen Bedürfnisse in den Vordergrund: „Alle Leidenschaften und Strebungen des Menschen sind Versuche, eine Antwort auf seine Existenz zu finden, oder man könnte auch sagen, sie sind Versuche, der Geisteskrankheit zu entgehen.“

Nur ein einem Punkt irrt Fromm:
Es gibt tatsächlich auch heute noch Menschen, die diese "Verschmelzung mit der Natur" praktisch noch leben: https://www.youtube.com/watch?v=MZgtDHDHWcs

Zitat:Vor 30 Jahren kam der amerikanische Missionar Dan Everett ins brasilianische Amazonasgebiet, um den Pirahá-Indianern das Wort Gottes beizubringen und es kam alles anders: Dan Everett wurde selbst missioniert. Dan Everett musste erst mühsam die Sprache der Indianer lernen um ihnen Gottes Botschaft überhaupt vermitteln zu können. Dabei stieß er jedoch nicht nur auf eine der rätselhaftesten Sprachen der Welt, sondern vor allem auf eine Gesellschaft, die ausschließlich in der Gegenwart lebt: Die Pirahás kommen ohne Zahlen aus, bilden keine Nebensätze, kennen keine Formen für Vergangenheit und Zukunft. Sie leben, so erkannte er an ihrer Sprache, ganz im Hier und Jetzt und schöpfen daraus eine Zufriedenheit, die einzigartig scheint. Jesus Christus? Haben sie nie gesehen gibt es also nicht! Für Dan Everett eine Erkenntnis, die so erstaunlich war, dass er selbst den Glauben an seinen Gott verlor.
(Er ist heute Atheist)

Es gibt also wie man sieht auch einen "Kommunismus ohne Mauer und Todesschwadrone". Die Menschen haben zwar quasi nichts und das wenige teilen sie, aber dafür wird ihnen auch nichts abverlangt und sie leben in "Harmonie mit dem Dasein". Den Mauer- und Gulag-Kommunismus braucht es immer genau DANN, wenn man den "Wahnsinn" und die Verlockungen des industrialisierten Lebens haben will - ohne aber den Preis in Kauf nehmen zu wollen und eine Kompensation für den Einzelnen anbieten zu können (mittels Besitzanhäufung, Konsum etc.). Was aber dem Wesen nach nicht funktionieren kann, denn NICHTS IM LEBEN IST UMSONST: Und so kam nach der russischen Revolution schnell Ernüchterung, denn ein Paradiesisches Gefühl wollte sich auch bei den Revoluzzern einfach nicht einstellen: https://archive.org/details/BiniAdamczakPRD ("Die postrevolutionäre Depression (PRD). Über Utopie und Untergang")
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#59
marcoB:

Zitat:Da irrst du dich - für einen reaktionären Geist passt beides sehr gut zusammen. Du musst nur weiter zurück gehen - zum Beispiel in die Zeit des Kaiserreichs. Ich kann da immer nur wieder Heinrich Manns "Der Untertan" empfehlen.

Deine Vorstellungen und Vorurteile über das Zweite Reich in allen Ehren, aber du willst doch nicht ernsthaft ausgrechnet die Machwerke von Mann als geschichtliche Realität annehmen? Tatsächlich unterschied sich das Kaiserreich in vielen Aspekten drastisch von dem was heute viele darüber annehmen. Jedoch möchte ich diese Ausführungen jetzt nicht dahin gehend verstanden wissen, dass das Kaiserreich unser Vorbild sein sollte. Ich bin von Grund auf Futurist und habe daher grundsätzlich keinen Hang zu Vergangenem.

Die beiden genannten Aspekte: liberalistische Plutokratie und konservative Werte passen grundsätzlich nicht zusammen und haben dies auch im Kaiserreich nicht getan (obwohl es dort auch Vesuche gab beide parallel zu betreiben)

Noch weniger passen Plutokratie und wahrer Nationalismus zusammen und daher muss und ist jeder wahre Nationalist ein Feind jedweder Plutokratie, gleich welche Formen sie annehmen mag. Deshalb ist es eines der primären Ziele des Nationalismus, die Verteilungsfrage zu verneinen und die Plutokratie zu überwinden.

Zitat:Und genau diesen Geist haben wir beim AFD-Programm, wenn du alles ein wenig weiter denkst:
Ein devotes, fleißiges und ein bischen infantiles Volk auf der einen Seite - was durch Beschwörungen, Nationalismus und Patriotismus (in einer perviertierten Form zur Volksverblödung) abgelenkt - einer sich mästenden Oberschicht dient - und dabei auch noch masochistische Freude verspürt.

Dem kann ich durchaus zustimmen und exakt deshalb lehne ich das AfD Programm und deren politische Ziele ab. Hier wird der Nationalismus lediglich missbraucht um damit die Parasiten weiter zu füttern. Exakt diese Parasiten aus dem Körper zu entfernen sollte aber das primäre Ziel sein.

Zitat:"Glück, Glück. Im Leben geht es nicht um Glück oder Zufriedenheit. Nie. Pflicht und Aufopferung, das ist alles. Dafür lebe ich."

Im Leben geht es weder um Glück noch um Pflicht noch um Aufopferung. Es geht allein darum, alles zu tun was der Nation nützt. Absolut alles.

Zitat:Vergessen werden sollte nie, dass in der Regel an der Spitze Psychopathen sitzen, die die Dinge nur aus Machtgründen vertreten und in patriotischen Idealistien wie Quintus nichts weiter als nützliche ****** sehen.

Das ist völlig egal, solange es der Nation nützt.

Zitat:Wer psychologisch etwas versiert ist, weiß natürlich, das dahinter dennoch Lust steckt: Eben jene masochistische Lust an der Unterwerfung.

Mal wieder ein Beleg mehr dafür, wie lächerlich diese ganzen Küchenpsychologen sind. Und wie beschränkt ihre Thesen sind, angesichts der immensen Komplexität menschlichen Seins. Und wie bezeichnend, dass hier wieder (dem Zeitgeist entsprechend) geschlechtliche Zuordnungen verwendet werden um damit Ideale in den Schmutz zu ziehen welche sich primär aus dem natürlichen Streben des Menschen nach Gruppenzusammenhalt und Gruppenzusammengehörigkeit ergeben - welche in der Frühzeit der Menschheit für das Überleben des Einzelnen so absolut wesentlich waren - und es auch heute noch in einem größeren Maßstab sind.

Zitat:Und eben aus jenem Grund ist die Unterwerfung bei Reaktionären auch Selbstzweck

Es geht nicht um Unterwerfung, sondern um Befreiung ! Befreiung vom sinnlosen materialistischen Hedonismus ! Der die seelische und geistige Leere derjenigen füllen soll, die keine höheren Gefühle mehr als ihre primitiven vertierten Triebe kennen, die in allzu langem Stumpfsinn versumpft sind und mit ständiger erhöhter Reizsetzung nur noch ihrem Streben nach Lustgewinn nachgehen und nichts anderes mehr Denken und schlimmer noch: nichts anderes mehr Fühlen können als Lustgewinn und Unlustvermeidung.

Zitat:muss nicht zwangsläufig einer Verbesserung von realen Lebensverhältnissen in materieller oder geistiger Hinsicht dienen

Beides sollte man entkoppelt voneinander betrachten: die Verbesserung der geistigen Lebensumstände sollte das primäre Ziel der Menschheit sein. Die Verbesserung der realen Lebensverhältnisse ist demgegenüber völlig irrelevant.

Die heutigen Hedonisten sollten sich lieber an den Spruch Epikurs an dessen Eingang in seine Schule erinnern: hier gibt es Brot und Wasser im Überfluss. Sie wähnen sich nämlich Epikuräer zu sein, und sind in Wahrheit nichts weiter als Sybariten!

Und daher zum Untergang, und schlußendlich auch zur physischen Vernichtung verdammt. Und verdammen damit andere, eigentlich tüchtigere mit ihnen zu scheitern. Wenn ich heute "Deutsche" sehe, da sehe ich zu oft nichts weiter als Opfer, nichts als Schwäche und Erbärmlichkeit. Aber auch eine untergehende Sonne kann noch einmal aufstrahlen und soll und wird nicht einfach kläglich im Nebel untergehen.
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#60
Mitleser:

Zitat:Aufrichtigkeit und offener Diskurs sind das, was den Leuten fehlt. Eine nationalistische Strömung sehe ich eigentlich kaum. Die AFD wird die Lücke mangels gutem Personal wohl auch nicht füllen, die weiß zwar selber noch nicht wo die Reise hin geht, aber Anlass zum Optimismus bietet die AFD auch nicht.

Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen!

phantom:

Zitat: ich denke es könnte auch die Sicherheit sein. Der Staat als das heilsbringende Element welches dich nie verlassen kann. Die Ökonomie (Arbeitslosigkeit), die Frau (dank eigenem Job auch viel unabhängiger) taugen eben nichts mehr für die Sicherheit. Die Nation als Anker im Leben. Die Nation kannst du nie verlieren, fast alles andere aber schon.

Das auch, aber dazu kommt noch der Umstand, dass man für eine funktionierende Gesellschaft eine funktionierende Metaidee braucht. Man braucht einen Mythos im Sinne von Sorel der die Gesellschaft zusammen hält. Und die Nation ist einer der erfolgreichsten und funktionalsten politischen Mythen und daher aufgrund des Absterbens von Religion und Sozialstaat eigentlich der letzte verbliebene Gedanke der hier eine Gesellschaft weiter aufrecht erhalten könnte. Schon immer kann ein Einzelner oder eine Gruppe von lauter Einzelnen nicht überleben. Sie kann es selbst heute auf Dauer physisch nicht. Sie bedarf einer geteilten gemeinsamen Idee. Darüber hinaus will jeder Mensch Teil irgendeiner Gruppe sein und dieser genetisch tief verankerte Wunsch nach Gruppenzugehörigkeit und Gruppenzusammenhalt dient primär einem selbst - dem eigenen Überleben. Diese Instinkte kann noch so viel Zivilisation nicht abtöten. Daraus ergibt sich zwingend der Wunsch nach Gruppenstärke, also dass die eigene Gruppe siegreich ist und stärker als andere. Den dies war über Hunderttausende von Jahren der primäre Garant für das eigene Überleben. Diesen natürlichen Instinkten zu folgen statt sie zu bekämpfen ist wie das Schwimmen mit der Strömung statt gegen sie und daher besonders erfolgversprechend.

Und es ist selbst dann Heilbringend, wenn man um die Wirkweise der Mechanismen weiß und sie durchschaut. Das ist das wahre Zwiedenken, wenn man glühend glaubt obwohl man weiß. Daraus erwächst die größtmögliche Stärke und Freiheit.

Die Grundlage des radikalen Nationalismus ist eine Krise des nationalen Selbstbewusstseins. Diese Krise aber hat Ursachen welche primär sich als außerordentliche Bedrohungen für die Existenz der Nation darstellen. Das heißt: Der Grund für radikalen Nationalismus ist immer eine existenzielle Bedrohung der Nation auf welche dieser lediglich eine Antwort ist. Radikaler Nationalismus ist also eine Reaktion auf Umstände, die für die Nation extrem negativ sind und damit ein Symptom. Das heißt: es gibt eine existenzielle Bedrohung der deutschen Nation hier und heute und deshalb gilt es gegen diese mit absolut allen Mitteln anzugehen !

Zitat:Dass man sich das Heil vom Staat verspricht leuchtet mir persönlich nicht wirklich ein.

Ich unterscheide ad extremum zwischen Staat und Nation - von daher kommt kein Heil vom Staat, sondern allein von der Nation welche eine vom Staat völlig getrennte Entität ist.

Zitat:Sobald ich etwas garantiert bekomm, leg ich mich auf die faule Haut (Sold / Arbeit), oder konsumiere ohne Ende (Gesundheitswesen) ..

Ich tue beides nicht. Wie erklärst du das ?!

Die Wahrheit ist, dass sich die Menschen deshalb auf die faule Haut legen und nur noch konsumieren weil sie alle Ideelen Werte verloren haben und zynische sybaritische schwächliche Nihilisten geworden sind. Weil sie materielle Werte über ideelle Werte stellen, deshalb legen sie sich auf die faule Haut. Und warum tun sie dies? Weil es der sozialkulturellen Grundströmung entspricht, also aufgrund der vorherrschenden Kultur. Also muss man vor allem anderen diese Kultur ändern.
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