(Land) Schützenwaffen des 21. Jh
Nelson:

Das von dir beschriebene Szenario 1 und 3 könnte am leichtesten und effektivsten mit Streumunition erledigt werden, welche aus Mörsern mit einem größeren Kaliber verschossen wird. Wenn Infanterie auf Kompanie- und darunter Munition so einsetzt wäre der Verbrauch zu hoch und daraus resultierend die sperrbare Fläche zu klein oder die Belastung der Einheit mit dem Wirkmittel zu groß.

So etwas ließe sich daher viel leichter mit einem Mörser erledigen - um im Bereich von Schützenwaffen (Obergrenze) zu bleiben und der Definition von Artillerie ab einem Kaliber von 100mm in Europa und der damit einhergehenden Begrenzung von Artilleriesystemen wären hier 98mm Mörser das Mittel der Wahl.

98mm Mörser sind vor allem auch in Osteuropa weit verbreitet und es gibt bereits hier und heute Streumunition für diese Systeme. Diese Mörser und ihre Munition dahin gehend weiter zu entwicklen dass sie die von dir angedachten Effekte liefern können wäre meiner Einschätzung nach einfacher, effektiver und kostengünstiger.

Und es wäre meiner Meinung nach eine hervorragende Weiterentwicklung von Streumunition aus Mörsern in diesem Kaliberbereich. Ein kompaktes Infanterie-Bataillon könnte problemlos eine vollständige Mörserkompanie mit solchen Mörsern als Teil seiner Struktur aufweisen welche dann damit auf Ebene des Bataillon und darunter eine erhebliche Feuerkraft sehr zielgerichtet, sehr skaliert und effektiver einsetzen könnte.

Es gibt Untersuchungen der US Armee zur Frage wie effektiv verschiedene Arten von Mörserfeuer sind und darin wird Mörserfeuer gegen Truppen welche davon überrascht werden (also stehen) als mindestens 5 mal effektiver eingestuft als Mörserfeuer welches Truppen trifft die sich bereits flach hingeworfen und Deckung gesucht haben.

Im Endeffekt würde dein Gedanke also die Effektivität von Mörserfeuer deutlich erhöhen, damit Munition in Bezug auf die Wirkung sparen und die Sache hätte auch noch psychologisch erhebliche Effekte.

Für das angedachte Szenario 2 Sprengfallen zurück lassen sind solche (Hand)granaten aber problemlos auch konventionell ohne elektronische Spielereien verwendbar und vermutlich sogar effektiver. Von daher würde ich dein Konzept dahin gehend aufteilen, dass die angedachten Fähigkeiten in Streumunition aus Mörsern ausgelagert werden welche als Fähigkeit des Bataillons von dieser Ebene aus geliefert wird.

Bleibt noch das praktische Problem dass Streumunition geächtet wird obwohl sie im Krieg ihre immense Tauglichkeit schon oft bewiesen hat und in vielen Fällen überlegen ist.
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Nelson:

Anbei: das von Elbit entwickelte MPRS System und die dazugehörige Munition des Typs PDD könnten sehr leicht in die von dir angedachte Richtung entwickelt werden:

https://elbitsystems.com/media/MPRS_2_Web.pdf

Point Detonation Delayed

Dieses System hatte ich schon 2013 als Primär-Bewaffnung bzw. primäres Wirkmittel für Infanterie vorgeschlagen,

https://www.forum-sicherheitspolitik.org/showthread.php?tid=5164&page=1

Zitat:Ein Trupp hat 3 Sturmgewehre (IAR Konzept) mit Flechette Munition, 1 Granatzielsystem (40mm Unterlaufgranatwerfer) und 1 Unterstützungswaffe (Raketenwerfer, Kommando-Mörser, Granatwerfer etc), beispielsweise:

3 Sturmgewehre (Flechette)
1 MPRS-System (40mm Unterlaufgranatwerfer)
1 Wirkmittel 90 (oder anderer Raketenwerfer)
Pike, 40mm Granaten, Handflammpatronen
Schalldämpfer

Die Technologie steht im Prinzip seit 8 Jahren serienreif zur Verfügung, wurde aber bisher meiner Kenntnis nach in größerem Umfang nur bei der israelischen Armee eingeführt.
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Zu dem schon im US Strang erwähnten Suche der US Army nach einem neuen Granatgewehr:

Zitat:Die USA suchen eine komplett neue Generation von Granat-Waffen, welche explizit auch Munition für den Nahbereich, gegen Drohnen und mit Airburst gegen Ziele in Deckung und noch vieles mehr einsetzbar sein soll.

https://beta.sam.gov/opp/94c888ff87544fdf9df499cd357f1104/view?index=opp&psc=10&page=2

Zitat:The PGS is envisioned to be a man portable integrated weapon system that enables precision engagements to destroy personnel targets in defilade and in the open with increased lethality and precision compared to the legacy M203/M320 grenade launchers. The PGS provides overmatch to comparable threat grenade launchers in near peer formations in future operating environments (jungle, urban, woodland, subterranean, desert, day/night). The PGS is envisioned to consist of a weapon, a fire control, and a suite of ammunition which enables the user to engage targets in defilade/cover, hovering UAS targets, conduct door breaching, engage close combat targets, and light armored targets.

https://www.thefirearmblog.com/blog/2020...-launcher/

Zitat:All in all the PGS program is seeking a highly capable modern weapon system with a range of requirements which will require technology that surpasses that developed for the XM25 CDTE system. The emerging threat of battlefield drone use has also added an extra layer of requirements.

Granatgewehre zur Drohnenabwehr einzusetzen ist vielleicht der interessanteste Aspekt an diesem ehrgeizigen Unterfangen.
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Das schon seit einiger Zeit im Umlauf befindliche Barret MRAD wird jetzt als Sieger des ASR (Advanced Sniper Rifle) Programm als MK22 von den Sondereinheiten der USA als neues Scharfschützengewehr beschafft. Nichts spektakuläres, aber die Waffe ist auch auf den Modularitäts-Zug aufgesprungen und ist daher sehr leicht auf verschiedene Hochleistungskaliber umrüstbar. Und es wird explizit nicht in Kaliber .50 beschafft, sondern in .338 Norma Magnum, womit die neuen SMG der Sondereinheiten und das SSG grundlegend das gleiche Kaliber haben. Macht natürlich praktisch keinen Sinn, da entsprechende Munition für das SSG ganz anders sein muss als die welche man mit Gurt durch ein SMG durchhaut. Aber amüsant dahin gehend, dass ich vor etwas mehr als 15 Jahren in einem Militärforum genau diesen Vorschlag machte, sowohl SMG wie SSG in diesem Kaliber-Bereich auszulegen (nicht aus logistischen Gründen oder dergleichen, sondern wegen der spezifischen Leistungsdaten eines solchen Kaliber, Rückstoß, effektive Reichweite, Zielballistik, Gewicht der Patronen usw usf) und dafür nur ausgelacht wurde.

https://www.youtube.com/watch?v=NI7iB_532hE

https://www.armyrecognition.com/defense_...ifles.html

Zitat:Barrett has announced it has received the first MK22 precision sniper rifle delivery order from USSOCOM (U.S. Special Operations Command). The submission of its initial production MRAD MK22 (Multi-Role Adaptive Design Mark 22) rifles have met all requirements for the U.S. Department of Defense contract for ASR (Advanced Sniper Rifle) in support of USSOCOM.

Verbleibt wie bei all diesen Anti-Material-Gewehren / SSG hoher Reichweite die Frage, ob ein Granat-Gewehr hier nicht die zukunftsweisendere und bessere Lösung wäre, da man so auch deutlich mehr Scharfschützen ausbilden und einsetzen könnte, da die Frage der Schießfähigkeit dann hinter andere Aspekte des Scharfschützenwesens zurück treten könnte. So könnten auch deutlich schlechtere Schützen als vollwertige Scharfschützen agieren, da es dann ja nicht mehr darauf ankäme das Ziel exakt zu treffen und man sogar mehrere Ziele auf einmal ausschalten kann.

Eventuell ein Fall bloßer Struktur-Extrapolierung: man hatte immer Scharfschützen mit großkalibrigen Repetiergewehren, also muss es diese auch in Zukunft geben. Eine Waffe wie das XM109 ist meiner Meinung nach jedoch eher die Zukunft in diesem Bereich. Wobei Zukunft schon leicht ironisch ist wenn man überlegt, dass diese Waffe im Prinzip seit 2006 einsatzbereit ist.

https://www.globalsecurity.org/military/...9-ampr.htm

https://www.thefirearmblog.com/blog/2018...m109-ampr/
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Zitat:So könnten auch deutlich schlechtere Schützen als vollwertige Scharfschützen agieren, da es dann ja nicht mehr darauf ankäme das Ziel exakt zu treffen und man sogar mehrere Ziele auf einmal ausschalten kann.

4 weitere wesentliche Vorteile:

¹ Zusätzliche Fähigkeiten wie Wirkung hinter Deckung oder durch eine Spreng hochgezogen von oberhalb wirkend.

² Zusätzliche Funktionen wie Spreng, Nebel, Brand und Gefechtsfeldbeleuchtung.

³ Die Plattform könnte auch um mindestens 2kg leichter sein als ein SSG. In jenen Fällen, in denen ein Gewichtsersparnis keine Rolle spielt, kann dies durch eine höhere Anzahl an Munition lukriert werden.

⁴ Sowohl Plattform als auch Munition ist definitiv weniger empfindlich gegenüber Stoß und Temperaturschwankungen.
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Kanada, welches ja traditionell herausragende Scharfschützen hat, beschafft ein neues Scharfschützengewehr, dass C20:

https://ottawacitizen.com/news/national/...iper-teams

https://www.coltcanada.com/c20.html
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