Todesstrafe (weltweit) - Ächtung und Befürwortung
#1
In diesem Thread soll es um das Thema Todesstrafe allgemein und weltweit gehen. D. h. es können und sollen hier diskutiert werden Hinrichtungen aller Art und egal in welchem Land. Chinesische Todesurteile (das Land, in dem mutmaßlich die meisten Hinrichtungen stattfinden, auch wenn es keine genauen Zahlen gibt) sind hier genauso anzusiedeln wie etwa zweifelhafte Steinigungen oder Hinrichtungsarten in islamischen Ländern (Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan) oder auch umstrittene Todesurteile in amerikanischen Bundesstaaten.

Einer der Gründe für diesen Thread war u. a. die Diskussion über den Fall Ashtiani in Iran, wobei ja der Iran-Thread stark als Diskussionsplattform genutzt wurde. Das ist sicher nicht falsch, weil es ja eine länderspezifische Eigenheit darstellt/e, obgleich allerdings fiel mit auf, dass wir im Forum eigentlich keinen eigenen, globalen Thread zum Thema Todesstrafe haben, obwohl das Thema doch sehr wichtig, aufwühlend und auch interessant ist. Und das es beileibe nicht nur Hinrichtungen in China oder Iran gibt, würde es sich doch auch anbieten, einen allgemeinen Thread zu dem Thema aus- und aufzubauen. Insofern soll/en hier in diesem Thread angesprochen werden....

a) das Für und Wider bezüglich der Todesstrafe (also persönliche Meinungen),
b) Hinrichtungen in allen Ländern weltweit, egal ob in den USA oder in Iran,
c) die Art der Todesstrafe (ist eine Giftspritze „humaner“?),
d) welche Weichen das Rechtssystem für die Zukunft in den betroffenen Ländern stellen soll.

Auf eine rege Beteiligung hoffend...

Schneemann.
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#2
Kann man meinetewegen machen, das Thema taucht eh hin und wieder in verschiedenen Zusammenhängen auf.

Allerdings verschiebe ich es ins Unterforum "Allgemeines", da es sich eher um eine Grundsatzdebatte handelt.
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#3
einverstanden - und dann sollte man den Thread von
viewtopic.php?t=1346&start=15
auch endgültig zu machen und dort nur noch auf die Diskussion hier verweisen, meine ich.

Zur Todesstrafe gehen mir einige Gedanken durch den Kopf.

Zunächst einmal - Schneemann hat zunächst gezielt
Zitat:Chinesische Todesurteile (das Land, in dem mutmaßlich die meisten Hinrichtungen stattfinden, auch wenn es keine genauen Zahlen gibt) ... wie etwa zweifelhafte Steinigungen oder Hinrichtungsarten in islamischen Ländern (Iran, Saudi-Arabien, Afghanistan)
und nochmal betont
Zitat:den Fall Ashtiani in Iran
angesprochen, also Fälle, die bei uns auf heftige emotionale Ablehnung stoßen und stellt damit einen unbewussten Gegensatz zu diesen Gesellschaften her (zu den umstrittenen Todesurteilen in US-Gefängnissen komme ich noch).

Ich denke, ich sollte meine Gedanken systematisieren:

erst mal:
es liegt nahe, einen gesellschaftlichen oder historischen Ansatz bei der Auseinandersetzung mit dem Thema "Todesstrafe" zu wählen:

Anfangen möchte ich damit, dass die Todesstrafe - ja sogar die heute so barbarisch geächtete Steinigung - offenbar weder dem Judentum noch den frühen Christen unbekannt war - üblich sogar für nach (heutigem, westlichen) Verständnis so "lässsige Vergehen" wie "Ehebruch" (Untreue), die (seit dem 1. September 1969) nicht einmal mehr in unserem Strafgesetzbuch auftauchen!
Die Stelle
Zitat:"Wer ohne Sünde ist, der …"
in Joh 8,1-11 spricht Bände.
Und jetzt kommt gleich noch eine kritische Textwürdigung:
Zitat:Diese eindrucksvolle Erzählung gehört mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht zum ursprünglichen Text des Johannes-Evangeliums. Sie findet sich weder in den ältesten Papyri des 2. und 3. Jahrhunderts noch in den großen Bibelhandschriften des 4. Jahrhunderts, dem Vaticanus und Sinaiticus.
Origenes, der große Bibelausleger des frühen 3. Jahrhunderts, scheint sie genauso wenig zu kennen wie die anderen Kirchenväter seiner Zeit. Sie taucht zum ersten Malaußerbiblisch in der sog. „Didaskalia“, einer syrischen Kirchenordnung des 3. Jahrhunderts auf, und sie wandert dann allmählich in die verschiedensten griechischen und lateinischen Bibelhandschriften; meistens wird sie an dieser Stelle im Johannes-Evangelium eingefügt, manchmal aber auch an einer anderen Stelle im Johannes- oder im Lukas-Evangelium; so z. B. nach Joh 7,36 und nach Lk 21,25, aber auch gleichsam als „Anhang“ am Schluss dieser beiden Evangelien: nach Joh 21,25 bzw. nach Lk 24,53.
...
Quelle

Was also erst seit dem 3. oder 4. Jahrhundert Bestandteil der christlichen Tradition ist, wird von christlichen Kommentatoren (ebd.) als christliche Lösung im "Streit zwischen Recht und Barmherzigkeit" verstanden.

Das aber schließt ein, dass sogar heute als grausam verstandene Todesstrafen wie die Steinigung nach zumindest seinerzeitigem Rechtsverständnis zulässig waren. Wenn das schon in der (frühen) christlichen Gesellschaft so war, dann sollte eigentlich klar sein, dass andere Gesellschaften und Kulturen ein anderes Verständnis vom "Leben und Sterben" haben.

Tatsächlich ist ja das Verbot der Todesstrafe eine Sache, die sich erst in jüngster Zeit auf europäischem Boden durchgesetzt hat.

Bis zum Mittelalter war die Todesstrafe auch eine absolut anerkannte Rechtsstrafe. Nahezu in der Umgebung fast jeder mittelalterlichen Stadt gibt es den "Galgenberg". Die Blutgerichtsbarkeit, auch als ius gladii („Recht des Schwertes"), Blutbann, Hochgerichtsbarkeit (Hohe Gerichtsbarkeit) oder Halsgerichtsbarkeit bekannt, war im deutschsprachigen Europa bis ins 18. Jahrhundert üblich. Einen Scharfrichter gab es nicht nur in "größeren" Städten wie dem mittelalterlichen Augsburg sondern praktisch in jedem ummauerten Nest, in den Kleinstädten wie in Schongau.
Noch in der französischen Revolution ist die Todesstrafe mit der Erfindung der Guillotine (~ 1790) lediglich "effizienter" geworden - und wie ich in o.g. verlinktem Strang wiedergegeben habe, haben sich noch vor einigen Jahrzehnten ganz normale Bürger ohne irgendwelche Skrupel als "Scharfrichter" beworben.

Hier in Europa ist also erst in allerjüngster Zeit eine Entwicklung vollzogen worden, die in den USA noch nicht mehrheitsfähig ist.

Damit entfällt auch der (durchaus reizvolle) Ansatz der Diskussion, den Verzicht auf die Todesstrafe als Folge christlicher Ethik ("Wer ohne Sünde ist ...") darzustellen, und andere Gesellschaften damit als "unchristlich" abzutun.

Nö, gerade die historische Entwicklung zeigt:
Anerkennung und Vollzug der Todesstrafe war und ist auch in (angeblich?) christlichen Gesellschaften durchaus üblich.

Die Ächtung der Todesstrafe, de sich aus der EU-Grundrechtscharta (Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft ABl-C 364/8 vom 18.12.2000) ergibt und von jedem Mitgliedskandidaten akzeptiert werden muss, ist Bestandteil einer spezifisch europäischen Entwicklung.

Sie hat ihre Ursache in der hohen Wertschätzung des Individuums, des einzelnen Menschen und seiner Rechte. Und eines der unabdingbaren Grundrechte der Menschen (nicht nur der Bürger) ist auch nach dem Grundgesetz das "Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit".

Dieses - auch Verbrechern unabdingbar zustehende - Recht ist Bestandteil eines europäischen Wertekanons, der sich jetzt wieder aus verschiedenen Quellen speist.
Der eingangs erwähnte Gedanke der Bibel .... mag eine Ursache sein,
die abschreckenden und erschütternden Gräuel des letzten Jahrhunderts (Shoa, NS-Euthanasie von „unwertem Leben“ - was in manchen Behinderteneinrichtungen immer noch aufgearbeitet wird) sind sicher auch ursächlich,
genauso wie die schlichte Erkenntnis, dass schon viel zu viele Unschuldige "von Staats wegen" ermordet wurden, und dieses Unrecht an den Unschuldigen nicht mehr zu stornieren, nicht mehr wieder gut zu machen ist.

Dieser Ansatz scheint sich weltweit durchzusetzen.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0 ... 03,00.html
Zitat:16.11.2007

Menschenrechte
Uno-Ausschuss fordert Stopp der Todesstrafe

Hitzige Debatte mit klarem Ausgang: Der Uno-Menschenrechtsausschuss hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Aussetzung der Todesstrafe ausgesprochen. Menschenrechtler hatten zuvor Kronzeugen für ihre Sache sprechen lassen: Unschuldige, die beinahe hingerichtet worden wären.
...
- er ist nämlich nicht nur aus dem deutschen Grundgesetz :wink: sondern auch aus der Menschenrechtskonvention abzuleiten:
Zitat:Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.
Quelle für den deutschen Text

Aus diesen Stichworten ist meine Einstellung, denke ich, eindeutig ablesbar:
1. ich lehne Todesstrafe in jeder Form ab
2. ich halte Gesellschaften, die den europäischen Wertekodex nicht teilen,
deshalb nicht für schlecht oder gar minderwertig, sondern für ... überzeugbar

noch ein Link zu diesem speziellen Thema:
http://www.todesstrafe.de/forum/viewtop ... =22&t=1280
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#4
http://www.tt.com/csp/cms/sites/tt/%C3% ... hin-ab.csp
Zitat:International
Fr, 12.11.2010 | 08:49 Uhr
USA lehnen Aufhebung der Todesstrafe weiterhin ab

Vor dem UNO-Menschenrechtsrat haben die Vereinigten Staaten die Forderung, die Todesstrafe abzuschaffen, zurückgewiesen.
...
da wird wenigstens über die Abschaffung diskutiert - bei den Chinesen wird eine erfolgreiche Revision in 10 % aller Fälle schon als Fortschritt gesehen, und eine Abschaffung ist nicht zu denken ...
http://german.china.org.cn/fokus/2010-1 ... 435314.htm
Zitat:27. 11. 2010
Rechtswesen
Zehn Prozent der Todesurteile werden wieder aufgehoben

Schlagwörter: Todesurteile, China, Todesstrafe


Der Oberste Volksgerichtshof hat seit 2007 im Durchschnitt zehn Prozent aller Todesurteile im ganzen Land wieder aufgehoben. In jenem Jahr erhielt das Gericht wieder das Recht, die Urteile von niedrigeren Gerichtshöfen zu revidieren.
...
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#5
Zitat:Gift-Cocktail wird Mangelware: USA setzen Hinrichtungen aus

In den USA geht ein Bestandteil des Hinrichtungs-Cocktails aus, weil der Hersteller es nicht mehr produzieren will. Ersatz bietet derzeit nur ein Tiernarkosemittel, dessen Anwendung heftig umstritten ist. Zahlreiche Exekutionstermine sind ungewiss. Bundesgesundheitsminister Rösler rät der deutschen Pharmaindustrie, die Finger davon zu lassen. [...]

Der einzige in den USA zugelassene Hersteller erklärte, den Stoff nicht weiter produzieren zu wollen. Ersatz bietet derzeit nur ein Tiernarkosemittel, dessen Anwendung heftig umstritten ist.

Eigentlich wollte der Hersteller Hospira das Narkosemittel Natrium-Thiopental in Italien weiterproduzieren, nachdem die US- Produktion im August 2009 wegen eines Engpasses bei einem chemischen Bestandteil gestoppt wurde. Doch das EU-Land habe die Ausfuhr des Medikaments in die USA verboten, weil es dort zu Hinrichtungen verwendet werde. Hospira habe deswegen entschieden, den Stoff ganz vom Markt zu nehmen. In den USA hat der Hersteller nach eigenen Angaben keine Produktionsstätte mehr für den Wirkstoff.
http://www.n-tv.de/politik/USA-setzen-H ... 28186.html

Schneemann.
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#6
Fällt eine halt Methode weg. Stuhl, Strick und Kugel reicht vollkommen aus.
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#7
Man könnte dem Todeskandidaten auch 10 Dollar auf die Stirn kleben und einmal quer durch einen Vorstadt-Slum schicken. Das sollte ebenfalls tödlich enden. Die Amerikaner dürften aber auch noch tonnenweise B- und C-Waffen eingelagert haben. Insofern bleibt diese Option weiterhin offen.
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#8
Ich bin absolut für die Todesstrafe, vorausgesetzt man kann eindeutig beweisen das eine bestimmte Tat von dem Beschuldigten begangen worden ist. Indizien sollten also nie ausreichend sein für diese Strafe.

Wenn aber jemand eindeutig beweisbar einen Mord begangen hat, dann sollte er getötet werden. Und zwar völlig gleich ob er psychisch "gesund" ist oder nicht. Ich finde die Unterscheidung zwischen schuldhaft und nicht schuldhaft in Bezug auf die geistige Zurechnungsfähigkeit ohnehin völlig sinnfrei.

Wozu einen Päderasten am Leben lassen, der ein kleines Kind vergewaltigt und ermordet hat?! Wozu einen Giftmörder oder Terroristen am Leben lassen?!

Die Hinrichtung sollte im weiteren durch Erschießen in den Kopf erfolgen. So ist man diese Verbrecher dauerhaft los, der Rechtsfrieden ist so weit wie möglich wieder hergestellt und der Staat spart eine Menge Kosten.
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#9
Naja, das bedeutet in der Praxis aber, dass du nie die Todesstrafe befürworten kannst, weil die Schuld selten auch nur annähernd so gut bewiesen werden kann, dass die Todesstrafe zu rechtfertigen wäre
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#10
Es gäbe trotzdem genügend Fälle wo man sie anwenden könnte. Zwar aufgrund der notwendigen Hürden nur wenige pro Jahr, aber immerhin.
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#11
Ich bin gegen die Todesstrafe. Auch bin ich der Ansicht, dass der Staat einen Straftäter, der sich in seinem Gewahrsam befindet, nicht umbringen darf, nur weil dieser evtl. wen umgebracht hat. Wenn der Verbrecher im Feuergefecht mit der Polizei erschossen wird oder wenn es sich um einen Terroristen handelt, den man liquidiert, so ist das eine Sache. Aber wenn die Person bereits in Gewahrsam des Staates ist, so hat der Staat das Recht auf Leben zu achten.

Schneemann.
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#12
Zitat:Wenn der Verbrecher im Feuergefecht mit der Polizei erschossen wird oder wenn es sich um einen Terroristen handelt, den man liquidiert, so ist das eine Sache. Aber wenn die Person bereits in Gewahrsam des Staates ist, so hat der Staat das Recht auf Leben zu achten.

Zunächst einmal ist die Polizei Teil vom Staat, Militär Teil vom Staat und die Gerichte sind Teil vom Staat.

Du räumst ein, dass das ungezielte und gezielte Töten von Verbrechern/Terroristen in Ordnung sei, solange kein Gericht im Spiel Deine/ihre Todeskandidaten hatten also nicht mal einen Anwalt und wenn man sie gerne töten will, wird man ihnen auch keinen geben, wird man sie nicht in diese Situation einer Verhandlung bringen. Die Art des für eine Todesstrafe nötigen Vergehens, ist in diesem Raum undefiniert. Wer, wann, warum, wen in wessen Auftrag umgebracht hat, wird nicht mehr kontrollierbar. Die Staatsgewalt kann sogar abstreiten, überhaupt damit in Verbindung zu stehen.

In Israel macht man es im Grunde so, wie Du schreibst. Das Rechtsverständnis einer solchen Kultur eines solchen Landes ist aber -auf Holz klopf- nicht auf Europa anwendbar und ich halte es auch für ethisch verfehlt und unehrlich. Im Prinzip fälscht Du damit die Statistik und schaffst für Kräfte innerhalb des Staates rechtsfreie Räume, die diese nicht brauchen, nicht haben sollten.

Der Aspekt für die eigene Rechtfertigung/Reinwaschung für das "gerechte Töten" ist natürlich andererseits interessant. Würde man etwa die unzähligen Liquidierungen Israels auf Urteile eines Gerichts zurückführen können, also zu vollstreckten Todesstrafen werden lassen, würde man wohl nicht viel Gutes über das Rechtssystem denken. In Wahrheit ist die Menschenrechtssituation gerade dadurch aber noch schlimmer, weil die Getöteten keinen Anwalt, keinen Prozess erhalten. Ob sie minderjährig, als ausführende Täter selbst nur von anderer Stelle genötigte Opfer oder gar zufällige Beteiligte waren, interessiert Dich nicht, interessiert in solchen Systemen nicht.
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#13
Zitat:Du räumst ein, dass das ungezielte und gezielte Töten von Verbrechern/Terroristen in Ordnung sei, solange kein Gericht im Spiel Deine/ihre Todeskandidaten hatten also nicht mal einen Anwalt und wenn man sie gerne töten will, wird man ihnen auch keinen geben, wird man sie nicht in diese Situation einer Verhandlung bringen.
Nein. Manche Verbrecher oder Terroristen kann man gar nicht vor Gericht bringen, weil sie sich diesen entziehen, bzw. sie dem Rechtssystem gar nicht habhaft werden. Du kannst ja gerne mal einen Anwalt mit einem Haftbefehl in die pakistanischen Stammesgebiete schicken. Das bringt nichts, aber auch gar nichts, außer das der Anwalt umgebracht werden könnte. Und da hilft eben nur ein Luftschlag, der dann aber eher eine schlichte Militäroperation gegen den Feind ist.

Zitat:In Israel macht man es im Grunde so, wie Du schreibst. Das Rechtsverständnis einer solchen Kultur eines solchen Landes ist aber -auf Holz klopf- nicht auf Europa anwendbar und ich halte es auch für ethisch verfehlt und unehrlich. Im Prinzip fälscht Du damit die Statistik und schaffst für Kräfte innerhalb des Staates rechtsfreie Räume, die diese nicht brauchen, nicht haben sollten.
Nein. Ähnlich verhält es sich doch auch in Israel und bei gezielten Tötungen. Es ist schlicht nicht möglich, eine normale Polizeiaktion zur Ergreifung eines Gesuchten durchzuführen. Schicke doch mal eine Polizeistreife mitten nach Gaza oder nach Syrien, um Scheich XYZ zu verhaften. Das ist völlig unmöglich. Im Übrigen gibt es in israelischen Gefängnissen auch Gefangene, denen Israel unter "normalen Umständen" gar nicht habhaft geworden wäre, nämlich Selbstmordattentäter, die ihre Tat überlebt haben, weil es Zündfehler gab oder sie durch Zufall überlebt haben. Diese wurden nicht "liquidiert", sondern medizinisch versorgt und gefangen genommen - und werden auch von Psychologen befragt und behandelt ob ihres Tatversuchs (ein wenig bekanntes Feld, das auch bei uns recht unbekannt ist)...
Zitat:Würde man etwa die unzähligen Liquidierungen Israels auf Urteile eines Gerichts zurückführen können, also zu vollstreckten Todesstrafen werden lassen, würde man wohl nicht viel Gutes über das Rechtssystem denken.
So viele "unzählige" gezielte Liquidierungen gibt es auch nicht. Genau genommen dürften weniger Menschen in den letzten zehn bis 15 Jahren durch Israel gezielt getötet worden sein, als z. B. in Saudi-Arabien oder Iran Jahr für Jahr so hingerichtet werden. Seit der Wiederaufnahme der gezielten Tötungen 1996 wurden rund 50 Personen getötet, die meisten davon Leute, die genügend Leid verursacht hatten. Wie viele wurden im Vgl. dazu enthauptet oder an Baggern aufgehängt?

Schneemann.
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#14
Shahab3 schrieb:Der Aspekt für die eigene Rechtfertigung/Reinwaschung für das "gerechte Töten" ist natürlich andererseits interessant. Würde man etwa die unzähligen Liquidierungen Israels auf Urteile eines Gerichts zurückführen können, also zu vollstreckten Todesstrafen werden lassen, würde man wohl nicht viel Gutes über das Rechtssystem denken.

In Wahrheit ist die Menschenrechtssituation gerade dadurch aber noch schlimmer, weil die Getöteten keinen Anwalt, keinen Prozess erhalten. Ob sie minderjährig, als ausführende Täter selbst nur von anderer Stelle genötigte Opfer oder gar zufällige Beteiligte waren, interessiert in solchen Systemen nicht.

Komisch ersetze im ersten Abschnitt Israel mit Iran und es passt zu:

Zitat:Beispielsweise im Iran:
"Gemäß § 83 des iranischen Strafgesetzbuches ist die Todesstrafe durch Steinigung bei Ehebruch vorgeschrieben. Dabei werden die Opfer der Hinrichtung bis zu den Knien im Erdboden eingegraben und komplett mit einem undurchsichtigen Tuch verhüllt. Die Steine durften nicht größer als die werfende Hand sein, um den Tod des oder der Verurteilten hinauszuzögern. Der Richter sorgt für den Mindestabstand zum Verurteilten und darf den ersten Stein werfen.[9]"
Quelle(n):
http://de.wikipedia.org/wiki/Steinigung und teilweise http://www.amnesty-todesstrafe.de/files ... nigung.pdf , aber der Rest in der PDF ist auch nicht uninteressant



Zum zweiten Absatz des zitierten müsste man nur entfernen:

Zitat:weil die Getöteten keinen Anwalt, keinen Prozess erhalten.
&
interessiert Dich nicht

und es trifft auch wieder zu.
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#15
Ich finde man sollte die Todesstrafe abschaffen weil man nie 100% sicher sein kann den richtigen verurteilt zu haben.


Gerade die USA die China wegen Menschenrechten kritisiren sollten erst mal im eigenen land für Mechenrechte sorgen.
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