Deutsche Infrastruktur
#76
Ggf. ist zu überlegen, ob bestimmte Infrastrukturmaßnahmen nicht in Form von Public-Private-Partnership-Projekten gelöst werden können. Gerade der Bereich von Fahrwegen und Brücken oder aber auch der Bereich der Energieerzeugung und -verteilung bietet sich hier doch geradezu an.

Und wenn man noch ein paar Klippen beachtet, bspw. dass die öffentliche Hand Eigentümer an dem Projekt wird oder bleibt (bspw. bei Sanierungen), die Betriebsführung aber dem privaten Betreiber obliegt, der sich dann über die Gebühren (bspw. Toll Collect/LKW-Maut auf BAB) oder Trassenentgelte bei Strom oder Gas refinanziert, dürfte so mancher Kritiker, wie bspw. der BRH, nicht mehr richtig liegen.
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#77
Zitat:Ggf. ist zu überlegen, ob bestimmte Infrastrukturmaßnahmen nicht in Form von Public-Private-Partnership-Projekten gelöst werden können
...

Da man das auch auf Deutsch formulieren kann, klingt das irgendwie nach "Bullshit Bingo".

Zitat:Und wenn man noch ein paar Klippen beachtet, bspw. dass die öffentliche Hand Eigentümer an dem Projekt wird oder bleibt (bspw. bei Sanierungen), die Betriebsführung aber dem privaten Betreiber obliegt, der sich dann über die Gebühren (bspw. Toll Collect/LKW-Maut auf BAB) oder Trassenentgelte bei Strom oder Gas refinanziert, dürfte so mancher Kritiker, wie bspw. der BRH, nicht mehr richtig liegen.

Das funktioniert aber nur dann bzw setzt damit voraus, dass sich Infrastrukturmaßnahmen mittels Maut auch dann profitabel betreiben lassen, wenn man sie nicht über einseitige staatliche Kostenübernahmen für den privaten Betreiber schönrechnet. Das Model glaube ich erst wenn es haarklein im Detail vorgerechnet wurde. Ich halte das für eher unrealistisch.
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#78
Zur "never ending story" um den neuen Berliner Flughafen BER: Der Bau bzw. die Baukontrolle ist ein Paradebeispiel für Unfähigkeit, und Herr Mehdorn - der bislang dort gar nichts bewegt hat - ist sich nicht zu schade, Reporter, die die Steuergeldverschwendung kritisieren, verbal anzugreifen und abzukanzeln (so im rbb vor einigen Tagen). Dafür braucht man allerdings jetzt nochmal 1,1 Mrd. Euro, um den Bau fertig zu bekommen (mutmaßlich!)...
Zitat:Berliner Pannenflughafen

Noch einmal 1,1 Milliarden für den BER

Um den Hauptstadtflughafen fertig zu bekommen, braucht Chef Mehdorn weitere 1,1 Milliarden Euro. Der Aufsichtsrat stimmt zu, auch wenn die entscheidende Frage unbeantwortet ist: Wann wird der BER endlich eröffnet? [...] Um den Flughafen fertig zu bauen, braucht die Flughafengesellschaft FBB zusätzlich rund 1,1 Milliarden Euro von den Anteilseignern, das sind der Bund und die Länder Berlin und Brandenburg. Der Aufsichtsrat unterstütze das Finanzkonzept, erklärte der Vorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), am Montag. [...]

Mit den zusätzlichen Mitteln würde der Flughafen in Schönefeld insgesamt rund 5,4 Milliarden Euro kosten. Bis heute ist unklar, wann er in Betrieb gehen kann. Seine Eröffnung war wegen technischer Probleme, vor allem mit der Brandschutzanlage, immer wieder verschoben worden. Inzwischen will Geschäftsführer Mehdorn so lange keinen neuen Eröffnungstermin nennen, bis er sich sicher sein kann, dass dieser von den Baufirmen gehalten wird.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/b ... -1.2024143

Schneemann.
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#79
Das große Streitobjekt im "Ländle" (S21) - das ich jeden Tag bei der Fahrt ins Büro sehen kann - geht in eine nächste Bauphase: Die umfangreichen Tiefausschachtungen haben begonnen. Zum Projekt selbst möchte ich mich nicht direkt äußern - der Komplex ist ja schon umstritten genug -, allerdings macht man sich bei den Grünen wohl gewisse Sorgen, ob es wegen des Baus Auswirkungen auf die kommenden Wahlen geben wird. Waren doch die Grünen - die 2011 in Stuttgart mit Kretschmann den ersten grünen MP Deutschlands stellen konnten - vehement gegen das Bauvorhaben, musste sie es aber dann doch nach der Volksabstimmung für den Tiefbahnhof selbst gezwungenermaßen mitumsetzen (eine denkbar unliebsame Aufgabe aus ihrer Sicht).
Zitat:Baubeginn bei Stuttgart 21: Kretschmanns Segen, Kretschmanns Fluch

Der Widerstand gegen Stuttgart 21 trug Winfried Kretschmann 2011 ins Amt - verhindern konnte er das Milliardenprojekt nicht: Jetzt beginnt der Bau des Tiefbahnhofs. Der grüne Regierungschef muss um seine Wiederwahl bangen. [...] Es wird ein gigantisches Loch: 900 Meter lang und 100 Meter breit, 20 Millionen Tonnen Erde will man insgesamt ausheben. Am Dienstag haben die Bagger in Stuttgart angefangen zu graben, die erste Grube entsteht mitten im idyllischen Schlossgarten, gegenüber vom alten Hauptbahnhof. [...] Aber wie will Kretschmann die Wiederwahl schaffen, ohne ein Mega-Mobilisierungsthema wie S21? Zumal es im Lande einen harten Kern von Gegnern des Projekts aus dem Grünen-Spektrum gibt, die die Partei auf keinen Fall mehr wählen werden, weil sie sich vom Ministerpräsidenten verraten fühlen. [...]

Kretschmann, der erste grüne Regierungschef eines Bundeslandes, hat S21 eine Menge zu verdanken. Natürlich spielte die Atomkatastrophe in Fukushima zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl im März 2011 ebenfalls eine Rolle, genau wie die Patzer des damaligen CDU- Amtsinhabers Stefan Mappus - aber ohne die Widerstandswelle gegen S21 mit den Grünen an der Spitze wäre Kretschmann heute nicht baden-württembergischer Ministerpräsident. [...]

Von Werten um die 30 Prozent, über die sich die Grünen dort lange Zeit freuen konnten, ist die Partei im Moment weit entfernt: Die letzte Umfrage vom Mai sieht sie bei 21 Prozent, gemeinsam mit dem bisherigen Juniorpartner SPD läge man gleichauf mit der CDU bei 41 Prozent. Sollte die FDP es dann doch wieder in den Landtag schaffen, reichte es locker für eine schwarz-gelbe Regierung. [...]
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 84498.html

Weiterhin ein Thema, welches seit "Atomausstieg" und den Fragen nach Stromtrassen auch die Gemüter erhitzt hatte: Überlandleitungen. Hatte Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) eine solche in Thüringen (Teil der sogenannten "Südost-Stromtrasse") Ende Juli d. J. nach starkem Protest ganz in Frage gestellt, scheint man nun zu versuchen, eine Interimslösung zwischen Erd- und Überlandkabel zu finden, um die aufgeladene Atmosphäre etwas zu beruhigen...
Zitat:Sigmar Gabriel: Die Strom-Trasse führt durch Thüringen

Der Bundeswirtschaftsminister ist beim Stromthema auf Gegenkurs zu Ministerpräsidentin Lieberknecht, was er bei einem Besuch in Jena klar machte. [...] Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) wird eine neue Hochspannungsleitung durch Thüringen führen. "Es fällt mir schwer, mir eine Trassenführung vorzustellen, die irgendwo im Bereich des Wirtschaftlichen liegt, die Thüringen nicht berücksichtigt", sagte Gabriel gestern am Rande am Rande eines Besuchs beim Jenaer Kompetenzzentrum für Energie und Umweltchemie unserer Zeitung. "Nach meinem Eindruck werden die Übertragungsnetzbetreiber keine Stromtrasse vorschlagen, die Thüringen nicht tangiert." [...]

Nach ersten Planungen des Netzbetreibers 50 Hertz soll die Trasse von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen in Bayern verlaufen. Dabei war eine Streckenführung entlang der A9 im Gespräch, was zu heftige Bürgerprotesten in Ostthüringen führte. [...] Gabriel kann sich vorstellen, dass beim Bau der Stromtrasse verstärkt Erdkabel eingesetzt werden. [...] Es werde aber keine Erdverkabelung für alle Strecken geben: "Das ist schlicht und ergreifend zu teuer."
http://www.thueringer-allgemeine.de/sta ... -909659440

Die Deutschen werden sich leider auch irgendwann fragen müssen, was sie denn wollen: Atomkraft mag der "deutsche Michel" ja nicht mehr sonderlich (und Endlager mag er schon gar nicht), Kohlekraft ist ihm wegen des Klimas suspekt, Speicherkraftwerke verschandeln für ihn die Landschaft bzw. Berghöhen, Windräder gehen ihm auf den Keks und töten in seinen Augen Vögel, Solarzellen gelten ihm als nicht mehr richtig effizient, Tiefenbohrungen verursachen ihm Grundwasser-Sorgen und Überlandleitungen stören sein Wohlbefinden. Nun, langsam wird es da eben irgendwann ein wenig eng. Am besten ist wohl, jeder bekommt ein Fahrrad mit Dynamo in den Keller gestellt, wobei man dann eben - wenn man z. B. das Champions League-Finale sehen will - kräftig strampeln muss (wäre auch besser für den Körper, als wenn man nur mit Bier vor dem TV herumhockt)... :wink:

Schneemann.
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#80
Hierfür wird es sicherlich Zeit, wobei man sicher immer streiten wird können über den Zeitpunkt oder darüber, dass es lange genug Versäumnisse oder Querelen gegeben hat. Indessen: In die richtige Richtung zielt das Vorhaben in jedem Fall...
Zitat:Deutsche Bahn schiebt Milliarden-Investitionsprogramm an

Berlin (Reuters) - Mit frischen Milliarden des Bundes im Rücken startet die Bahn das größte Investitionsprogramm in der deutschen Eisenbahngeschichte.

Allein im kommenden Jahr seien die Erneuerung und Instandhaltung von 3800 Kilometern Schienen geplant, teilte der Konzern am Montag in Berlin mit. Zudem sollen 2000 Weichen, 2,5 Millionen Eisenbahnschwellen und etwa vier Millionen Tonnen Schotter verbaut werden. Insgesamt sollen bis 2019 28 Milliarden Euro in die Sanierung maroder Strecken, Brücken und Signalanlagen fließen. Für die Bahnkunden bedeutet dies an bis zu 850 Baustellen teils erhebliche Verspätungen. [...]

Der Sanierungsbedarf im Streckennetz ist gewaltig, wie vor allem die Brücken zeigen. So sind von den rund 25.000 Bauwerken rund 9200 älter als 100 Jahre. 1100 bis 1200 davon gelten als sanierungsbedürftig. Drei der insgesamt 28 Milliarden Euro will die Bahn deshalb bis 2019 in den Erhalt von 875 Brücken stecken. Für Stellwerke sind vier Milliarden Euro vorgesehen, für Gleise zwölf Milliarden Euro, für Tunnel eine Milliarde Euro und für andere Bauwerke wie Bahnhöfe weitere acht Milliarden Euro.
http://de.reuters.com/article/companies ... RC20141208

Schneemann.
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