FDP
#16
Auch wenn mich mit der FDP sonst nichts verbindet, bin ich ebenfalls der Ansicht, dass die Frau Steinberg sich von diesem Institut fern halten sollte. Sie ist schließlich nicht ohne Grund ein rotes Tuch für die östlichen Nachbarn.
Zitieren
#17
Man müsste sich um den Vertriebenverband sorgen machen, wenn seine Vetreter in den östlichen Nachbarländern stets mit offenen Armen empfangen würden. Es passt natürlich super in die Rolle der neuen Vizemerkel darauf ein wenig rumzueiern. Was fürn Affentheater... :roll:
Zitieren
#18
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 03,00.html

Zitat:Unternehmer spendete der FDP 1,1 Millionen Euro

In nur einem Jahr hat die FDP über eine Million Euro von einer Firma erhalten, die zum Imperium der Familie Finck mit etlichen Hotels gehört. Die schwarz-gelbe Koalition hat Hoteliers mit großzügigen Steuerrabatten bedacht. Die FDP-Politikerin Hamm-Brücher wirft ihrer Partei "reine Klientelpolitik" vor.

Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 hat die Düsseldorfer Substantia AG der FDP nach SPIEGEL-Informationen 1,1 Millionen Euro überwiesen. Die Summe ist eine der höchsten Parteispenden in der Geschichte der Liberalen. Die Substantia AG gehört zum Imperium eines der reichsten Deutschen, August Baron von Finck.

Mir fällt dazu nur das Wort "geschmäckle" ein. Warum wählt man nicht gleich Firmen in den Bundestag , immer nur Parteien ist doch langweilig?
Zitieren
#19
Wieso? Unser Wirtschaftsminister heißt doch auch Vetterle...äh, nein...Brüderle...

Schneemann.
Zitieren
#20
da hat sich wieder mal einer einen Fauxpas geleistet:
http://www.tagesschau.de/inland/westerw ... iv106.html
Zitat:Debatte um Äußerungen zu Hartz-IV
Geißler nennt Westerwelle "Esel"

Die parteiübergreifende Empörung über die Aussagen von FDP-Chef Guido Westerwelle zur Hartz-IV-Debatte hält an.

Westerwelle hatte unter anderem moniert, die Diskussion über das Hartz-IV-Urteil des Bundesverfassungsgerichts trage "sozialistische Züge". Man müsse nicht nur auf jene achten, die auf den Sozialstaat angewiesen sind, sondern auch auf jene, die ihn bezahlen. Wer dem Volk "anstrengungslosen Wohlstand" verspreche, lade zu "spätrömischer Dekadenz ein".
...

Geißler: "Ein Esel im Außenamt"

Über Westerwelles Aussage von der "spätrömischen Dekadenz" in der Hartz-IV-Debatte sagte der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler der Tageszeitung "Die Welt": "Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat." Insofern stimme Westerwelles Vergleich, sagte Geißler weiter: Vor 100 Tagen sei "ein Esel Bundesaußenminister geworden".
Sachsens Ministerpräsident Tillich empört

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Die allermeisten Hartz IV-Empfänger sind ernsthaft und immer wieder bemüht, Arbeit zu finden. Ihre pauschale Beschimpfung ist einfach nicht zu rechtfertigen."
....
http://www.sueddeutsche.de/politik/859/503087/text/
Zitat:Guido Westerwelle Neben sich, außer sich, hinter sich

12.02.2010, 17:13
Ein Kommentar von Heribert Prantl

Ungeist und Unsinn: Guido Westerwelles Äußerungen sind keineswegs liberal, sondern töricht. Das ist nicht nur gefährlich für die FDP
...
Wie heißt das so schön: "Deine Sprache verrät Dich!" Mit den Stammtischparolen, die Westi da von sich gelassen hat, legt er seine Denkweise offen - und die der Personen, mit denen er verkehrt.
Westi ist also das Sprachrohr der Berufs-Reichen, die selbst keine Existenzsorgen haben, und damit nicht unbedingt Vertreter einer Volkspartei.
Zitieren
#21
Zitat:Westi ist also das Sprachrohr der Berufs-Reichen, die selbst keine Existenzsorgen haben, und damit nicht unbedingt Vertreter einer Volkspartei.
Meinst du? Ich musste ohne Bafög oder Eltern und mit ca. 700 Euro durch Nebenjobs mein Studium finanzieren (und mich selbst, inklusive Miete und Krankenkasse). Ich war also "arm" gemäß der jetzigen Definition von Armut (ab 781 Euro im Monat Einkommen), aber habe Westerwelle trotzdem gewählt und die FDP unterstützt. Ich war also kein "Berufs-Reicher".

Und ich sage es mal so: Wer hier im Lande gesund ist und nicht irgendwelche Gebrechen hat, dem muss man auch die Annahme einer Arbeit zumuten können. Ich kannte Leute, die kriegten ca. 330 Euro im Monat zur freien Verfügung und bekamen DAZU noch alles bezahlt, Krankenkasse, Miete, etc. Ich bin mir damals (vor zwei Jahren etwa) etwas blöde vorgekommen, weil ich nebenher zum Studium drei Mal die Woche abends bedienen gegangen bin und zudem noch als freier Mitarbeiter Artikel für Zeitungen geschrieben habe, um die Studiengebühren in Baden-Württemberg, meine Krankenkasse, meine Bude und meinen Alltag zu finanzieren. Und ich habe mir manchmal bitter gewünscht, ich hätte im Monat 330 Euro zum Ausgeben gehabt.

Und wenn ich die betreffenden Personen darauf angesprochen habe über den Hartz-IV-Status und die Arbeitslosigkeit, kamen Stories von wegen einem entzündeten Knöchel (obwohl er zu Fuss gekommen war) oder der kranken Mutter. Und da kommt dann irgendwann etwas der Unmut hoch.

Naja, egal. Mir geht es heute glücklicherweise besser, aber ich sage auch so: Ich bin doch etwas stolz darauf, dass ich nie etwas vom Staat in Anspruch nehmen musste, egal ob nun Hartz IV, Bafög, Wohngeld oder sonstwas. Es war sicherlich teils sehr eng und frustrierend während meiner Zeit als Student, aber ich habe mir meinen Unterhalt selbst verdient und es war möglich, wenngleich nicht ohne Einschränkungen. Jedenfalls hat - meiner Meinung nach - Westerwelle irgendwo doch schon recht...

Schneemann.
Zitieren
#22
Da du auch und gerade die Zeit deines Studiums thematisiert hast, würde ich dir ob der Schilderung deiner persönlichen Erfahrungen als Fundierung von Westerwelles ideologischen Thesen mal kurz und knapp vorhalten, dass du die recht spezifischen und durchaus auch exklusiven Bedingungen der Möglichkeit deiner Erfahrungen schlicht weg übersiehst und damit Dinge vergleichst, die nicht so einfach verglichen werden können.
Zwischen einem durchaus nicht gerade finanziell wohl situierten Leben als Studenten als temporäre Durchgangsstation zu ganz anderen beruflichen Kontexten und dem sozialen Abstieg von Familien, Alleinerziehenden mit ganz anderen Ausstattungen an Perspektiven und persönlichen Fähigkeiten bestehen gewaltige Unterschiede!

Zum einen hat man als Student eine völlig andere Zukunftsperspektive als der Otto-Normal-Hart-IV Bezieher. Das resultiert natürlich auch in völlig unterschiedlichen psychologischen Fassungen, aber vor allem sind doch bitte schön die Lebenskontexte völlig verschieden! Ganz davon abgesehen, dass es wohl kaum genügend Kellner-Jobs in Deutschland gibt, um alle Hart-IV-Bezieher irgendwie durchzubringen! Wenn man sich das also mal strukturell durchdenkt, dann erweist sich Westerwelle als das, was er ist: Ein ideologischer Lautsprecher!
Und ehrlich gesagt finde ich daher auch deinen Beitrag hier nicht sonderlich durchdacht Schneemann. Ein nicht unwesentlicher Teil der Hart-IV-Bezieher sind nicht einfach nur alleinstehende Studenten, die sich auf ihr späteres berufliches Fortkommen orientieren, es sind Familien, oft Alleinerziehende, die auch an Kinder, an deren Nöte und Bedürfnisse gebunden sind. Hier geht es nicht darum, nur für sich allein ein paar Jahre zu überbrücken, hier müssen Grundlagen und die Existenzsicherung von Kindern und Familien geschaffen werden! Auch sind einige/viele Hart-IV-Bezieher dahingehend beruflich gescheitert, dass ihre früheren Jobs wegrationalisiert wurden bzw. wirtschaftstrukturell sich in Luft aufgelöst haben. Dazu kommt zwar der ewig expandierende Bereich der Billig-Jobs, wo durch Profitgier und fehlende Regulierung früher existenzsichernde Jobs vaporisiert wurden und dafür eben nun die Vielzahl an Mini- und Billig-Jobs existieren, die allerdings auch nicht für alle Hartz-IV-Bezieher ausreichen würden! Wenn sie es doch zukünftig tun sollten, dann müssten weiterhin derzeit noch bestehende existenzsichernde Jobs abgebaut werden in größerem Umfang.

Daher bleibt alles in allem schlicht der Punkt, dass für die Millionen an Familien und Alleinerziehenden ein geregeltes Auskommen, das auch dem Schutz der Familien bzw. der Kinder in der Verfassung und dem darin enthaltenen Sozialstaatspostulat entsprechen würde, so nicht erreicht werden könnte durch den recht wilden Markt an Billig-Jobs. Ungesicherte Existenzen, das weitere Abrutschen und die weitere soziale Desintegration in den unteren Schichten wäre die Folge und natürlich auch die potentielle zusätzlich weitere Verwahrlosung der dort lebenden Kinder. Schließlich leben schon genug Kinder heute in Armut.

Abseits des wichtigen Punktes, dass Hartz IV Bezieher sozialstrukturell und in ihrer Lebenssituation "leicht" von Studenten abweichen, gibt es auch noch zig andere Punkte gegen das Fehlen von sozialen Absicherungen, gegen deren zu niedrige Höhe und allgemein gegen den volkswirtschaftlichen Unsinn, dass jeder alles annehmen sollte. Wieso beispielsweise ein halbwegs gut ausgebildeter Facharbeiter sofort einen völlig sinnlosen Job annehmen sollte, dabei sozial absteigt, persönlich dabei zerbricht und volkswirtschaftlich damit mit Bezug auf seine eigentliche Leistungsfähigkeit zur Nullnummer wird, statt gewisse Zeit durch staatliche Überbrückung in der Lage zu sein zu warten, bis er etwaig gleichwertige Arbeit annehmen kann und volkswirtschaftlich auch entsprechend wieder "voll" produktiv wird, ist mir schleierhaft. Auch Humankapital hat in seiner Bildung Kosten verursacht und zu einer klugen Kosten-Nutzen-Rechnung gehört auch, dass solche Kosten internalisiert werden und das Humankapital nicht verschwendet werden sollte!

Überdies gibt es tatsächlich Regionen Schneemann - um auf Hart IV zurückzukommen - wo auch zugespitzt formuliert Kellner-Jobs und Ähnliches nicht existent sind oder eben Mangelware sind, schlicht, weil bestimmte Regionen eben sehr strukturschwach sind.

Alles in allem sind für mich Westerwells Aussprüche nur Lesungen aus der realitätsfremden Fibel für Marktliberale, die mit den realen Problemen wenig zu tun haben!
Zitieren
#23
@ Schneemann

Wow... Artikel für zeitungen schreiben ist doch nen Luxus Job! Immerhin musstest du nicht bis 8 uhr morgens an ner Tanke arbeiten (Trotzdem dann noch in die FH) und nebenbei Lager Jobs machen... Da hast du echt Glück gehabt!
Wenn das nur alle hätten...
Zitieren
#24
@Thomas Wach

Mir ist schon klar, dass man meine damalige Position nicht immer mit der eines Hartz-IV-Beziehers vergleichen kann und sollte, auch was die Gründe angeht, weswegen eine Person in Hartz IV hineinkam. Ich wusste, dass ich irgendwann mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ein besseres Einkommen erwarten kann, was natürlich motivierend war. Und ich bin sicher niemand, der jetzt einer alleinerziehenden Mutter ohne Berufsausbildung und mit zwei kleinen Kindern die Stütze absprechen will (hier würde ich sogar für eine Erhöhung der Bezüge plädieren). Ähnlich ist es beim 57-jährigen ehemaligen Schweißer, den man kurz vor der Rente asozialerweise rausgeworfen hat, obwohl er 40 Jahre gearbeitet hat. So denke ich nicht.

Ich werde nur dann wütend, wenn ich sehe, wie alleinstehende Personen, sagen wir grob zwischen 25 und 40, die keine seelischen oder körperlichen Gebrechen haben, sich auf Hartz IV ausruhen. Und das meine ich wörtlich. Diese Leute sollte man wirklich etwas deutlicher motivieren, sei es durch Kürzung der Bezüge, sei es durch anderweitigen Druck. Es kann einfach nicht sein, dass so jemand (und ich kannte solche Leute) unser Sozialsystem ausnutzt, vor allem weil diese Leute auch sich umgekehrt asozial gegenüber denjenigen verhalten, die wirklich nichts machen können, die aber aufgrund der Lage dringend mehr Stütze bräuchten. Würde man solchen Leuten 50% des frei bezüglichen Geldes streichen und dafür Leuten in Altersarmut oder z. B. Alleinerziehenden mehr geben, so fände ich dies nur fair.

Das Problem ist, dass man sofort ein Neokapitalist ist und sich Beleidigungen aus dem linken Lager anhören kann.

Schneemann.
Zitieren
#25
Lieber Schneemann hast du schon mal daran gedacht das diese Studenten nach ihrem Studium auch Arbeitsplätze wegrationalisiert haben. Ich finde ide Äußerung von einem Herrn Westerwelle für Untragbar als Minister. Was die ach so armen Studenten angeht. Wer seinen Meistertitel machen will bekommt keine Zuschüsse. Den Meisterbrief muß man aus eigener Tasche bezahlen. Warum sollte das nicht auch bei Studenten gehen. Aber das kann man denen ja nicht zumuten. Nur gut das ich nicht FDP gewählt habe.

Gruß Maeks
Zitieren
#26
Irgendwann muss ich mal schaun, ob ich eine Statistik finde, wieviel "Sozialschmarozer" es denn wirklich in Prozent sind, damit ich sie in solchen Diskussionen immer wieder reinwerfen kann. Ich gehe mal davon aus, dass diese Zahl garnicht so hoch sein wird, wie manche hier immer wieder glauben machen wollen. Sicher gibt es Leute, die das System ausnutzen.

Ansonsten sollten auch die, welche eine Arbeit haben, die sie ausreichend mit Gehalt zur Gestaltung des Lebensunterhalts ausstattet über den Tellerrand schaun und anerkennen, dass es in Deutschland nicht mehr ausreichend Arbeitsplätze gibt. Die FDP selbst hat Zahlen angebracht, welche das belegen. Arbeitnehmer die weniger als den Hartz IV-Satz verdienen usw. Der Mangel an guten Arbeitsplätzen macht nicht nur dem Heer der Dauerarbeitslosen zu schaffen, es ist auch eine extreme Belastung für die Sozialsysteme. An dieser Stelle greife ich mal das Motto der FDP auf, Arbeit muss sich wieder lohnen. Das schließt auch Löhne und Arbeitsplätze ein, die eine angemessene Entlohnung zur Lebensgestaltung liefern.
Zitieren
#27
Zitat:Lieber Schneemann hast du schon mal daran gedacht das diese Studenten nach ihrem Studium auch Arbeitsplätze wegrationalisiert haben.
Ich habe keine Arbeitsplätze wegrationalisiert. Und mit Geschichte fiele dies sicherlich auch schwer.
Zitat:Ich finde ide Äußerung von einem Herrn Westerwelle für Untragbar als Minister.
Das ist Ansichtssache, wie gesagt, ich stimme ihm zu.
Zitat: Was die ach so armen Studenten angeht. Wer seinen Meistertitel machen will bekommt keine Zuschüsse. Den Meisterbrief muß man aus eigener Tasche bezahlen. Warum sollte das nicht auch bei Studenten gehen. Aber das kann man denen ja nicht zumuten.
Hä? Die meisten Studenten haben erfahrungsgemäß wenig Geld. Und hier in Baden-Württemberg zahlt man z. B. 500 Euro Studiengebühren + 118 Euro Verwaltungsgebühr pro Semester, dazu kommen noch Bahnticket, Bücher etc. Man ist locker bei 750 - 850 Euro pro Semester, ohne das man einen Strich gemacht hat. Möchte mal wissen, wer noch eine Ausbildung anfangen würde, wenn er im Halbjahr 750 - 850 Euro für seine Ausbildung bezahlen müsste OHNE einen Cent Gehalt zu kriegen.

Schneemann.
Zitieren
#28
Tja man könnte ihnen auch ein zinsloses Darlehen gewähren, wie es beim Meisterbrief auch möglich ist. Immerhin verdient ein Ingenieur etwas mehr als ein Meister.

Gruß Maeks
Zitieren
#29
@ Schneemann

Ich würde deine Erwiderung nicht unbedingt als "neokapitalistisch" auffassen. In den vereinzelten bzw. quantitativ in der Minderheit befindlichen Fällen der Instrumentalisierung des Sozialstaates zur Arbeits- und Leistungsverweigerung und Vermeidung darf und muss man kritisieren und einschreiten über entsprechende Regelungen. Schließlich
geht es ja nicht um eine soziale Hängematte in unserem Sozialstaat, sondern um ein Rettungsnetz, das im Falle des sozialen Absturzes abfängt und auffängt. Das ist letztlich sozialer Konsens, wage ich zu behaupten. Das Problem bzw. die Probleme dabei sind zweierlei:
Zum Einen ist das mit Hartz IV längst schon Status quo. Es war gerade ein zentrales Element von Hartz IV bei etwaigem Ablehnen einigermaßen zumutbarer Arbeit die Sätze zu kürzen oder bei nicht erfolgter Rückmeldung gar ganz zeitweise die Zuwendungen zu streichen. Diese harte Hand, wie sie unlängst auch schon Herr Roland Koch mit einer seiner bekannten populistischen Attacken gefordert hat, ist damit weitestgehend schon längst Realität. Und damit entfällt nunmal auch die Notwendigkeit solch großen, lauten und schrillen Töne zu spucken, wie der Herr Westerwelle, der sich in Wortwahl und Duktus für einen Außenminister vollkommen vergriffen hat und aus der Rolle fiel.
Und das führt denn auch zum zweiten Punkt/Problem: Die durch die polemische und pauschale Formulierungsweise verursachte verheerende und diskreditierend wirkende Außenwirkung. Behält man im Kopf und ist man auch mit der Realität fern der schön beheizten Amtsstuben vertraut, dass die harte Hand längst Realität ist, bedenkt man dann, was ich als auch Cluster betont haben, dass eben Jobs generell oft Mangelware sind und wenn sie vorhanden sind, dann eben oft nur völlig unterbezahlte Billigjobs mit Dumping-Löhnen, dann kommen einem solche Attacken sehr, sehr spanisch und sehr sehr unseriös vor. Und da wirkte eben auch dein Post wie etwas aus dem realen Leben gefallen. Es ist ja schön und gut, wenn man gute Prinzipien betonen will, wie den Leistungsgedanken und die Eigenverantwortlichkeit, aber das muss in der Formulierung eben auch Bezug zur harten Wirklichkeit haben. Und mit pauschalen Rundumschlägen, die die harte Wirklichkeit größtenteils ausblenden und nur von Polemik und Pauschalität/Generalisierung leben, kann man eben weder punktgenau und kritisch hinterfragen, noch sachlich argumentieren. Darum sind Westerwelles Aussagen absolut realitätsfremd und auch im Ton und in der Wortwahl eines Amtsträgers absolut unwürdig, zumal eines Außenministers.

Und dann als kritische Anmerkung zur FDP zusätzlich: Nicht nur die horrenden Sozialausgaben machen den Otto-Normal-Verbrauchen/Steuerzahler zum Doofen und Lastesel, sofern noch in Lohn und Brot zum Doofen. Es ist vor allem eine von der FDP federführend betriebene Klientelpolitik, die Steuermilliarden an Hoteliers, Steuerberater und andere begüterte Schichten verschenkt. Das die dann fehlen können und woanders abgezapft werden müssen, ist logisch, wird aber auch gern vergessen. Und es sind nicht nur potentielle Hartz-Sozialparasiten, die von der Gemeinschaft leben und sie schädigen. Dasselbe Phänomen findet sich auch am anderen Ende der Sozialpyramide: Begüterte Wohlstandsbürger, die nur von Zinsen und Finanzspekulation leben, die nie in ihrem Leben real produktiv gearbeitet haben und stattdessen mit ihren Abermillionen Finanzspekulationen befeuern, die wie gerade geschehen die ganze Gesellschaft ärmer machen können. Auch derem "Parasitentum" müsste man sich mal widmen, aber da würde man dann auch ganz schnell als böser Linker und Sozialist gebrandmarkt, oder Schneemann?! :wink:
Zitieren
#30
Thomas Wach schrieb:
Zitat:Schließlich geht es ja nicht um eine soziale Hängematte in unserem Sozialstaat, sondern um ein Rettungsnetz, das im Falle des sozialen Absturzes abfängt und auffängt.
Das sehe ich auch so. Dies sollte Sinn und Zweck des sozialen Netzes sein.
Zitat:Es war gerade ein zentrales Element von Hartz IV bei etwaigem Ablehnen einigermaßen zumutbarer Arbeit die Sätze zu kürzen oder bei nicht erfolgter Rückmeldung gar ganz zeitweise die Zuwendungen zu streichen. Diese harte Hand, wie sie unlängst auch schon Herr Roland Koch mit einer seiner bekannten populistischen Attacken gefordert hat, ist damit weitestgehend schon längst Realität.
Das kann ich so nicht bestätigen. Ich habe hier schon Bsp. selbst kennengelernt, die mehrmals Arbeitsangebote mit irgendwelchen "Kleinigkeiten" abgelehnt haben, obwohl sie gesund waren. Zwar war es nicht so, dass sie böse Häme gegenüber den Arbeitenden ausschütteten und sich in ihrer Lage grinsend wohlfühlten, nein, aber es war Bequemlichkeit erkennbar, und es waren keine Leute, die keine Abschlüsse oder sonstwie fehlende Bedingungen gehabt hätten. Und Koch ist ein politischer Rechtsaußen-Querschläger, der sich mit seinen früheren Aktionen von wegen "Geld" besser brutalst möglich zurückhalten sollte.
Zitat:...wie der Herr Westerwelle, der sich in Wortwahl und Duktus für einen Außenminister vollkommen vergriffen hat und aus der Rolle fiel.
Ist auch irgendwo richtig, es ist nicht sein Terrain für Wildereien und er sollte vielleicht besser Fremdsprachen üben als hier zu holzen. Aber im Kern hat er einen wahren Punkt angesprochen, dies beweist auch der Aufschrei der berufsempörten Wendehälse à la Geißler...
Zitat:Es ist ja schön und gut, wenn man gute Prinzipien betonen will, wie den Leistungsgedanken und die Eigenverantwortlichkeit, aber das muss in der Formulierung eben auch Bezug zur harten Wirklichkeit haben.
Das hat nichts mit guten Prinzipien zu tun. Es ist eine Überzeugung! Ich war als Student abhängig von meinen Nebenjobs und war auch mal zwei Monate ohne Job. Das war eine bittere Zeit, die ich nicht mehr erleben möchte, zugegeben. Ich musste mich die Zeit teils "durchleihen" bei einem guten (sehr guten!) Freund, dem ich danach alles auf Heller und Pfennig zurückgezahlt habe. Und teils habe ich eine Leergut-Kiste abgegeben, und die 3,30 Euro Pfand genutzt für den Einkauf; Vesper für mich und Hundefutter für meinen geliebten Terrier für ein, zwei Tage. Das waren richtige Scheißtage. Insofern hat die "harte Wirklichkeit" auch schon mal reingeschaut bei mir. Die Tage sind glücklicherweise vorbei, mir geht es heute ziemlich gut, glücklicherweise. Aber selbst rückblickend, ich hätte NIE irgendwelchen staatlichen Mist in Anspruch genommen. Erstens muss man eh fast alles zurückzahlen (Bafög etwa) und zweitens hätte ich mir selbst nicht mehr ins Gesicht schauen können.

Und ich bin sicher, dass mir meine Einstellung damals geholfen hat, dass es mir heute so geht, wie es mir geht.
Zitat:Darum sind Westerwelles Aussagen absolut realitätsfremd und auch im Ton und in der Wortwahl eines Amtsträgers absolut unwürdig, zumal eines Außenministers.
Zweiteres mag stimmen, ersteres sehe ich anders.
Zitat:Es ist vor allem eine von der FDP federführend betriebene Klientelpolitik, die Steuermilliarden an Hoteliers, Steuerberater und andere begüterte Schichten verschenkt.
Ach, Klientelpolitik macht jede Partei, und die Geschichte mit den Hotels findet man bei fast jeder anderen Partei, die damit die Übernachtungszahlen ankurbeln wollten. Die FDP hat es eben gemacht, ich sehe es durchaus auch problematisch, aber alle anderen, die jetzt sich beklagen, betreiben genauso "Finanzierungsprojekte", alleine was die Autoindustrie an SPD und CDU gezahlt hat (sorry, "gespendet") geht auf keine Kuhhaut. Oder die Kohlelobby an die SPD, die trotz Klimawandels den Schick der Kohlekraftwerke anscheinend ständig neu erfindet...
Zitat:Begüterte Wohlstandsbürger, die nur von Zinsen und Finanzspekulation leben, die nie in ihrem Leben real produktiv gearbeitet haben und stattdessen mit ihren Abermillionen Finanzspekulationen befeuern, die wie gerade geschehen die ganze Gesellschaft ärmer machen können. Auch derem "Parasitentum" müsste man sich mal widmen, aber da würde man dann auch ganz schnell als böser Linker und Sozialist gebrandmarkt, oder...
Jein, wenn jemand hier gut verdient oder Reichtum angesammelt hat, so sei ihm dies gegönnt, solange er seine Steuern normal bezahlt und damit zum Allgemeinwohl beiträgt. Alles andere ist sozialistisches Sozialneidgehabe und populistisches Phrasengedresche. Wenn jemand hier aber wie Herr Zumwinkel abkassiert und dann Steuerflucht begeht, sollte man ihn eigentlich strecken und vierteilen und seinen Kopf auf einer Lanzenspitze am Grenzübergang aufstellen. Genauso sollte man aber gewissen Leuten auch die Leviten lesen, wenn sie sich auf Unterstutzung ausruhen...

Schneemann.
Zitieren


Gehe zu: