SPD
#46
Die Nachrüstung im Rahmen des NATO-Doppelbeschlusses sorgte auch entscheidend mit für eine weitere Schwächung des sowjetischen Systems, auch durch die für dort für notwendig erachteten Rüstungsanstrengungen. Und diese Entwicklung sorgte letztlich (auch) dafür, dass der Eiserne Vorhang fiel. Da Schmidts Leistungen beim Zustandekommen des NATO-Doppelbeschlusses auf der Hand liegen, denke ich, kann man nicht von einer Fehleinschätzung reden. Auch wenn es natürlich noch andere – maßgebende – Faktoren gegeben haben mag.
Zitat:...meines Erachtens hätte gerade dir [...] mal ein paar Semester Sozialtheorie/Sozialphilosophie bzw. wenigstens mal ein Kurs/Einführung in Gesellschafts- und Sozialtheorie sehr gut getan.....
Das war mir ehrlich gesagt immer ein wenig zu trocken. Und zu sehr von gewissen Personenkreisen bestimmt. Das soll nicht bedeuten, dass ich diese Sparte bewusst ignoriert hätte. Ich hatte mehrere Kontakte, aber meistens zerfledderten sich dort Themen bei Diskussionen bis in kleinste Winkel und unwichtigste Gebiete und es gab letztlich kein Ergebnis. Das empfand ich irgendwann als öde, ja sinnentleert, nervig und den Energieaufwand nicht wert.

Schneemann.
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#47
Der NATO-Doppelbeschuss war eine Marginalie, ohne weitere größere politische und strategische Bedeutung, viel eher noch einmal eine Ausfahrt in Richtung auf Eskalation. Viel eher aber leitete sie in der sowjetischen Führung eine neue Runde der paranoiden Außenwahrnehmung ein, die trotz allem Verfall den Kalten Krieg durchaus bei etwaigen Anläßen schnell hätten eskalieren lassen. Man darf nie vergessen, dass die vom Westen wahrgenommene expansive Ausrichtung des Sowjetimperiums nie mit der Eigenwahrnehmung der Sowjetriege von der Eindämmung und Umzingelung durch den Westen übereinstimmte.

Diese Inkompatibilität hätte durchaus zu verheerenden Folgen führen können. Der NATO-Doppelbeschuß, zusammen mit der späteren scharfen Rhetorik der ersten Reagan-Amtszeit hatte bei der überalterten und ihrer Abgeschlagenheit gegenüber der USA durchaus bewussten Sowjetführungsriege in der ersten Hälfte der 1980er Jahren enorm viel Paranoia gegenüber dem Westen erzeugt. Ich erinnere mich, dass entsprechende Archivveröffentlichungen davon berichten, dass man sich sogar vor einem Angriff der NATO fürchtete in der ersten Häfte der 1980er Jahren.

Wäre also der Sowjetblock nicht innerlich zerfallen, hätte es nicht in den eigenen Reihen entsprechende Kursumwendungen gegeben (Glasnost, Perestroika), hätte sich nicht die SU in Afghanistan in ein imperial overstretch-Abenteuer gestürzt, so hätte der Geist des NATO-Doppelbeschusses einer vor Angst vor der eigenen Schwäche getriebenen überalterten und reaktionären Sowjetführunsgriege wohl erhebliche Angriffsfläche für ihre Paranoia geboten und durchaus auch eine weitere Verschlechterung der Beziehungen substanziell gebracht.

Ergo: Im Rahmen der Zersetzungsprozesse innerhalb des Sowjetblocks blieb dieser westliche Eindämmungsmechanismus im Rahmen der sich damals verändernden politischen Bedigungen in der SU ohne größere Bedeutung für den weiteren Zersetzungsprozess der SU.


Was die Theorie angeht: Ganz simpel: Man lernt zu differenzieren und bewertet nicht nur qua eigener lebensweltlich aufgeprägter Glaubenssätze. Man lernt sich zu distanzieren von eigenen Überzeugungen, man lernt diverse Perspektiven anzulegen und so Probleme multikausal zu erfassen, Komplexität und Kontingenz zu denken und der einfachen, eindimensionalen Antwort zu misstrauen. Meines Erachtens ein absolutes Muss für jeden halbwegs seriösen Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler.

Aber wir werden leicht OFF Topic. Zur Not gäbe es auch andere Threads für etwaige, sich daraus ergebende Diskussionen.
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#48
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 71,00.html

Zitat:Sarrazins türkenfeindliche Tiraden lösen Entsetzen aus

"Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate", sagte der Bundesbankvorstand und Ex-Finanzsenator in Berlin in einem Interview mit der Kulturzeitschrift "Lettre International": "Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung. Ich habe dazu keine Lust bei Bevölkerungsgruppen, die ihre Bringschuld zur Integration nicht akzeptieren."

Ok jetzt könnte man meinen ich habe mit im Strang geirrt und sollte das vielleicht bei dem der NPD posten, aber der Herr Sarrazin ist nun mal in der SPD.
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#49
Und was hat das jetzt mit der NPD zu tun?
Er hat doch recht.

Zitat:Thilo Sarrazin spricht Wahrheiten aus
von Thomas Schmid, Chefredakteur der WELT

Die Auseinandersetzung über Einwanderung und Integration verträgt auch rauere, realistischere Töne als den sozialarbeiterischen, der seit geraumer Zeit vorherrscht. Einwanderung ist kein Heilsgeschehen, sondern ein oft konfliktreicher Vorgang.
http://debatte.welt.de/kommentare/15861 ... heiten+aus
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#50
Sarrazin hat schon durch einige höchst fragwürdige Aussagen sehr negativ auf sich aufmerksam gemacht.
Seine Aussage, dass im Rahmen des Hartz IV Satzes gut 3 oder 4 Euro pro Tag reichen als Einkommen, um über den Tag zu kommen und sich ordentlich zu ernähren, hatte schon deutlich gemacht, dass a) dieser Mann in der SPD völlig deplatziert ist und b) er sich am äußersten Rand des politischen Meinungsspektrums unser Demokratie bewegt. Solche Aussagen erwartet man vielleicht von senilen alten weltfremden Großgrundbesitzer oder abgehogenen und drogensüchtigen Bankerjuppies, aber nicht von einem SPD-Minister!!

Und dass der Herr Sarrazin jetzt Aussagen tätigt, die dem rechten Gesocks aller Couleur (Rassisten inklusive) Jubelstürme abverlangen, spricht Bände. Dass unser Forums-Rechtaußen hier auch noch Beifall klatscht und implizit damit rassistischen Äußerungen das Wort redet, macht die Sache auch nicht besser....
Dass die Welt dem ganzen auch noch Beifall klatscht, nun ja, wen wunderts...

Das Thema Integration kann und muss man ohne solche populistischen und rassistischen Töne kritisch thematisieren können. Wenn Einzelpersonen und Publikationen dies nicht beachten und rechtspopulistischen Blödsinn nachplappern ohne entsprechende Bildung und Hintergrundwissen, dann verschärfen sie die Probleme nur, die sowieso bestehen. Und der Diskurs entartet zum ideologischen Phrasendreschen auf niedrigstem Niveau (siehe Sarrazin und Nightwatch).

PS: Warum solch ein Blödsinn wie von Sarazin a) Unsinn ist und b) rassistisch, erkläre ich hier jetzt nicht. Wer das nicht weiß, hätte mal schlicht in Sozialkunde besser aufpassen müssen und nicht so viel Papa am Stammtisch zuhören dürfen....
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#51
@Thomas: Von dir hätte ich mehr Verständnis erwartet. Ich bin ehrlich gesagt entsetzt wie du hier gegen kranke Mitmenschen hetzt! Der arme Herr Sarrazin kann schließlich nichts dafür, daß das Tourette-Syndrom bis heute nicht heilbar ist.

Schäm dich!
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#52
ThomasWach schrieb:Sarrazin hat schon durch einige höchst fragwürdige Aussagen sehr negativ auf sich aufmerksam gemacht.
Seine Aussage, dass im Rahmen des Hartz IV Satzes gut 3 oder 4 Euro pro Tag reichen als Einkommen, um über den Tag zu kommen und sich ordentlich zu ernähren, hatte schon deutlich gemacht, dass a) dieser Mann in der SPD völlig deplatziert ist und b) er sich am äußersten Rand des politischen Meinungsspektrums unser Demokratie bewegt. Solche Aussagen erwartet man vielleicht von senilen alten weltfremden Großgrundbesitzer oder abgehogenen und drogensüchtigen Bankerjuppies, aber nicht von einem SPD-Minister!!
Sarrazin hat den Hartz IV-Satz nicht beschlossen. Das haben andere SPD-Politker gemacht, die zur Frage, wie man davon leben kann, diskret schweigen. Das empfinde ich noch eimal ein gutes Stück zynischer und verkommener als die Äußerungen von Sarrazin.
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#53
Er hat sich immerhin die Mühe gemacht und einen Ernährungsplan für Hartz4-Empfänger aufgestellt, wie denn der Monat mit dem von ihm vorgeschlagenen Budget zu bewerkstelligen ist :wink:

Der Chefredakteur des Magazins, dass das Interview veröffentlicht hat, wehrt sich in einem SpOn-Video

http://www.spiegel.de/video/video-1024751.html

Seiner Darstellung nach, wollte Theodor Sarrazin auf die "gesellschaftliche Unbeweglichkeit" Großteile zweier Migrantengruppen aufmerksam machen, die Zahlen 70% bzw 90% müsste man nachprüfen.
In meinen Augen hat Sarrazin insofern Recht, als das diese Gesellschaft einen Anspruch hat zu funktionieren, und das dies schwieriger wird, wenn sich ein signifikanter Teil der Bevölkerung sich zurückzieht. Natürlich waren die Aussagen beleidigend für diejenigen der erwähnten Migrantengruppen, die nicht dem erwähnten Klischee entsprechen.
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#54
Zitat:Präsidium einigt sich offenbar auf neues Führungsduo

SPD sucht mit Gabriel und Nahles den Neuanfang

Die Neustrukturierung der SPD-Spitze macht offenbar Fortschritte. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios einigte sich das Präsidium auf ein neues Führungsteam. Demnach soll der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel neuer Parteichef, die Parteilinke Andrea Nahles neue Generalsekretärin werden. Die beiden folgen auf Franz Müntefering und Hubertus Heil, die nach dem Debakel bei der Bundestagswahl am 27. September aus ihren Ämtern scheiden werden.
Link: http://www.tagesschau.de/inland/spd708.html

Ausgerechnet Nahles... :roll:

Schneemann.
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#55
Schneemann schrieb:Ausgerechnet Nahles... :roll:

Die Frau war unvermeidlich. Nach Müntes Sturz ist sie die wohl mächtigste Person innerhalb der SPD.
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#56
ein äusserst harmonisches Duo - der Schröderianer Sigmar Gabriel und die Linke Nahles .... das wird spannend !
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#57
Erich schrieb:der Schröderianer Sigmar Gabriel

Gabriel ist nicht unbedingt neoliberal, er heult halt nur immer brav mit dem Leitwolf. Mal sehen was er nun, wo er der Leitwolf ist, macht.

Aber so richtig passt da momentan nix. Ein Diplomat als Fraktionsvorsitzender, ein General ohne Truppen als Parteivorsitzender und die Königin der Hinterzimmer als Einheizerin bei Polit-Talkshows. Aber was erwartet man von einer Partei wo die beiden grandiosesten Wahlverlierer der Parteigeschichte, sich noch am Wahlabend mal so eben die beiden wichtigsten Ämter unter den Nagel reißen wollen? Derartiger Mut gedeiht nur in einer Umgebung, wo die Strukturen so schwach sind, daß sich jeder nehmen kann was er will.
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#58
Alles "Vorbereitung" für Wowereit. Gabriel darf jetzt erstmal bissel rumwursteln und dann, je nach Lage, in zwei oder drei Jahren übernimmt Wowereit die SPD mit harter Hand. Und wer weiß, wer sich bis dahin einen Namen macht bei der SPD in den Bundesländern.
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#59
Ja natürlich, aber schau mal auf den Wahlkalender. Nächstes Jahr das wichtigste Bundesland und 2011 ein kleines Superwahljahr. Die SPD muss JETZT ihren Arsch hoch kriegen und nicht wenn Wowi meint der Chefsessel sei nun von Gabriel genug vorgewärmt worden.

Nach der Berliner Landtagswahl wäre ein Wechsel von Wowi natürlich die naheliegenste Vorgehensweise (aus heutiger Sicht), aber man kann wohl kaum zwei Jahre den Laden einfach vor sich hin dümpeln lassen. OK, Merkel macht das seit 2005 so, aber die SPD wechselt ihre Parteivorsitzende derzeit öfter als manche Menschen ihre Unterhose. Irgendwann sind die strukturellen Schäden so groß, daß es eben nicht mehr reicht, in der Halbzeit aufzulaufen und schnell noch ein spätes Tor zu machen.
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#60
Venturus schrieb:Nach der Berliner Landtagswahl wäre ein Wechsel von Wowi natürlich die naheliegenste Vorgehensweise (aus heutiger Sicht),...
Bei der nächsten Abgeordnetenhauswahl wird die SPD deutlich Stimmen an die Grünen und die FDP verlieren, vielleicht auch an die Linke. Eine Wahl mit Verlusten ist nicht der beste Zeitpunkt in die Bundespolitik zu wechseln. Es gibt in Berlin eine deutliche Wowereit-Müdigkeit.
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