Deutschlands außenpolitische Zukunft / Richtung / Kurs
Wir haben hier in letzter Zeit vor allem über Deutschlands außenpolitischen Kurs gegenüber Russland geschrieben.
Meine Frage: Wie sollte sich Deutschland eurer Meinung nach hinsichtlich China und Indien verhalten?
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Deutschlands Industrie lebt vom Export. China und Indien sind kommende Wirtschaftsmächte. Daher liegt es nahe, zu Staaten - mit denen es keine oder allenfalls minimale Interessenskonflikte gibt - gute Beziehungen zu pflegen.
Allerdings warne ich davor, sich von China abhängig zu machen. Da sieht man jetzt aktuell an der Autoindustrie, dass die Stimmung leicht kippen kann. Und rechtsstaatliche Sicherheit würde ich in China eher nicht erwarten.
Indien hat das Problem einer überbordenden Bürokratie. Andererseits bestehen da sehr gute Möglichkeiten, sowohl was Infrastruktur als auch Energieerzeugung betrifft. Gerade Deutschland ist mit seinem Vorsprung in dezentraler ökologischer Stromerzeugung hier gut aufgestellt.

Und wenn es gelingt, diese außenpolitischen Interessen mit der EU abzustimmen, sollte guten bis sehr guten Beziehungen nichts entgegen stehen.
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Warum nicht...
...aufgrund des aggressiven und expansionistischen außenpolitischen Kurses der "VR China" die Beziehungen zu ihr abbrechen, und uns wieder Taiwan aka der Republik China zuwenden?
Wir könnten uns ebenso auch als Antwort der indisch-vietnamesischen Achse anschließen.
Deutschland könnte sogar von sich allein aus China treffen. Eine Idee wäre, den chinesischen Premier und andere chinesische Politiker (und die südkoreanische Präsidentin) zu "unerwünschten Personen" zu erklären. Erinnert sich noch jemand, was der chinesische Premier mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin vorhatte?
Eine andere Maßnahme wäre, das Deutschland seine Ansprüche auf Kiautschou erneuert. Wir wissen ja, Kiautschou hat schon immer zu Deutschland gehört... :twisted:
Vor allem können wir China in seinem Status treffen. Für asiatische Gesellschaften mit ihren ausgeprägteren Hierarchien sicher schmerzhaft.

@Erich
Zitat:Deutschlands Industrie lebt vom Export. China und Indien sind kommende Wirtschaftsmächte.
Ich weiß nicht, wie es sich bei Indien verhält, aber China und andere ostasiatische Staaten sind auf die europäischen Märkte angewiesen.
Ich würde China auch nicht als kommende Wirtschaftsmacht ansehen, sondern eher als Riese auf tönernen Füßen. So hat China etwa eine große Immobilienblase.

Zitat: Daher liegt es nahe, zu Staaten - mit denen es keine oder allenfalls minimale Interessenskonflikte gibt - gute Beziehungen zu pflegen.
Zu Indien hat Deutschland gute Beziehungen. Bei China ist es dagegen so, das es eine ganze Reihe von mit Deutschland befreundeten Staaten - etwa die Philippinen - bedroht, sogar mit militärischer Gewalt. Man soll sich da von der "special relationship", die China sich mit Deutschland wünscht klar distanzieren, es ist das gleiche wie wenn ein Schläger einer Frau einen Heiratsantrag macht und gleichzeitig ihre Freunde bedroht!
Wir haben also sehr wohl Interessenkonflikte mit China.
Bei Indien ist es hingegen so, das es außenpolitisch kaum aggressiv auftritt, und auch keine mit Deutschland befreundeten Staaten bedroht.

Zitat:Und wenn es gelingt, diese außenpolitischen Interessen mit der EU abzustimmen
Warum sich nicht stattdessen als Pionier betätigen und voranschreiten, etwa hinsichtlich einer Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Taiwan?
Wir brauchen nicht auf andere zu warten.
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Ein solcher Sonderweg Deutschland würde erhebliche Spannungen in Ostasien erzeugen bzw solche fördern. Er würde die politische Situation zwischen der VR China und Taiwan destabilisieren weshalb Taiwan zur Zeit ja sogar die inoffiziellen Beziehungen mit der BRD selbst bevorzugt, um seine erheblichen Investitionen in der VR China zu schützen. Deshalb ist Taiwan selbst ein Befürworter seiner inoffiziellen Botschaft in Berlin.

Es könnte natürlich in deutschem Interesse sein, solche Spannungen in Asien zu schüren.

Zitat:Eine Idee wäre, den chinesischen Premier und andere chinesische Politiker (und die südkoreanische Präsidentin) zu "unerwünschten Personen" zu erklären

Wenn du ernsthaft dich gegen die VR China positionieren willst, führt an einem Bündnis mit Südkorea hier kein Weg vorbei. Es wäre in Bezug auf deine Zielsetzung extrem kontraproduktiv, ausgerechnet die chinafeindliche derzeitige südkoreanische Führung aufs Korn zu nehmen.

Zitat:Erinnert sich noch jemand, was der chinesische Premier mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin vorhatte?

Er wollte dort an japanische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg erinnern, oh weh oh ach. Das ist ja furchtbar, wollte dort gar nicht schlecht über Deutschland, sondern nur ein wenig schlechtes über Japan sprechen. Wirklich Grund genug für Deutschland, Milliardenbeträge in einem Wirtschaftskrieg zu opfern.....

Anbei: gibt es irgendwo in Japan ein Denkmal für die Millionen und Abermillionen von den Japanern ermordeten chinesischen Zivilisten ?!

Aber sehen wir das ganze mal nüchtern:

Japan ist ein niedergehendes Land, hat mit der Atomkatastrophe, einer überalternden Bevölkerung zunehmender Konkurrenz zu kämpfen, kurz und einfach: Japan ist auf dem absteigenden Ast. Es wäre daher für Deutschland recht sinnfrei, sich mit Japan zusammen gegen die VR China zu positionieren.

Ein enges Verhältnis mit Südkorea, Taiwan, Singapur und Indien wäre hingegen durchaus sinnvoll und könnte in mehr Richtungen verwendet werden (sowohl um Spannungen bei Bedarf zu schüren als auch um solche abzudämpfen sollte dies erforderlich sein).
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Deutschland wird eines Tgaes vorbedachte Sellung als Agrarstaat einnehmen.
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Tiger schrieb:....@Erich
Zitat:Deutschlands Industrie lebt vom Export. China und Indien sind kommende Wirtschaftsmächte.
Ich weiß nicht, wie es sich bei Indien verhält, aber China und andere ostasiatische Staaten sind auf die europäischen Märkte angewiesen.
...
mit zunehmender Entwicklung wächst der beiderseitige Wirtschaftsaustausch - das ist keine Einbahnstraße.
http://www.bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirt ... 16542.html
Zitat:...
Deutschland ist mit Abstand Chinas größter europäischer Handelspartner und China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in der Region Asien/Pazifik und inzwischen drittgrößter deutscher Handelspartner weltweit. Im Jahr 2013 belief sich das bilaterale Handelsvolumen auf insgesamt knapp 140 Mrd. Euro. Auf die deutschen Exporte nach China entfielen 67,0 Mrd. Euro und auf die deutschen Importe aus China 73,4 Mrd. Euro. Beide Länder haben sich zum Ziel gesetzt, das Handelsvolumen bis zum Jahr 2015 auf 200 Mrd. Euro zu steigern.
...
vgl. http://www.dgwz.de/themen/handel/china und http://www.auwi-bayern.de/Asien/China/E ... -China.jsp
So ist zwischen 2004 und 2008 der Export von 20,9 Mrd. auf 34,0 Mrd. € gestiegen, der Import im gleichen Zeitraum von 32,4 Mrd. auf 59,3 Mrd. € (Handel China - Deutschland).

Allerdings ist gerade ein Kriterium der "BRICs-Staaten", dass sie sich wirtschaftlich ergänzen. Die Volkswirtschaften der BRICs-Staaten könnten also unabhängig von der Entwicklung in den westlichen Ländern prosperieren.
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