Deutschlands außenpolitische Zukunft / Richtung / Kurs
#16
Zitat:Cyprinide postete
aber die Russen hab ich lieb :baeh: darüber hinaus habe ich schon mehrfach von den amerikanischen- aber noch nie von russischen Industriespionagen gelesen!
und ich hab die amis und die taiwanesen lieb Big Grin erst letztens gab es einen bericht über russische spionage innerhalb der bundeswehr, afaik hatte russland spione innerhalb der fernmeldeelektronischen aufklärung angeworben, die dann aber umgedreht wurden. es kam zu einer größeren operation von verfassungsschutz, mad und cia (laut quelle in "kalter krieg"-größe) und der russische kontaktmann wurde festgenommen, musste aber wegen seines diplomatenstatus laufen gelassen werden ... wenigstens ein autounfall hätte im zustoßen können ... >Sad
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#17
Zitat:Industriespionage sollte generell hart bestraft werden, schon alleine deswegen, weil dies einer der wenigen Bereiche ist, wo man, gemessen an gewissen diplomatischen Verhaltensregeln, ziemlich unbekümmert vorgehen kann.
Industriespionage gehört heute zu den Hauptaufgaben der Geheimdienste. Ich glaube kaum, dass sich wirklich nachweisen lässt, wer in Deutschland da am aktivsten ist, bzw den größten Schaden verursacht hat.

Die anderen (also auch F und USA) machen das also bei uns und wir bei denen. Daraus irgendwas für Politik und Diplomatie abzuleiten, ist nicht ratsam und führt auch schlicht zu nichts.
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#18
Zitat:Wenn in Asien Krieg geführt wird, dann wird uns das sehr wohl betreffen, ob uns das gefällt oder nicht.
Wirtschaftlich ja, aber müssen wir auch noch militärisch betroffen sein ?
Auch stellt sich die Frage : großer Schaden oder sehr großer Schaden.

Zitat:Deutschland exportiert zwar so fleissig wie sonst keiner auf der Welt, aber dies auch durch die Poltik getragen wird, entgeht dir anscheinend.
Unsere Abhängigkeit und Einseitigkeit die dadurch ensteht halte ich aber für schlecht.
Und es ist eine Milchmädchenrechnung, scheinbar deutsche Produkte überall auf der Welt zu verkaufen, davon fällt wenig für das Deutsche Volk ab.

Zitat:Ist das die Alternative, die du da vorschlägst - aus der internationalen Politik zurückziehen und das Leben eines isolationistischen Hinterwäldlers führen?
Schlußendlich trifft es das in bestimmten Anteilen. Du verkennst aber, daß ich sehr wohl unsere Interessen weiter waren will. Nur dies nicht so offen, viel versteckter, der Isolationist soll in Bezug auf uns nur vorgeschoben sein. Wir sollten weniger Offen auftreten und uns nirgends auf der Bildfläche sehen lassen. Das heißt aber nicht, daß wir nicht trotzdem im Theater oder hinter der Bühne sind.

Zitat:Russische Industriespionage
Nicht nur dieses. Nimm noch die Russische Mafia dazu, nimm noch die Computerkriminellen dazu. Da gibt es ganze Computer-Schattennetzwerke die sich sogar um die Kontrolle der Rechner untereinander bekämpfen die von Russland ausgehen und kontrolliert werden. Wie gesagt sollte man unter der Hand die hier im Land befindlichen Leute dieser Art einfach kommentarlos töten.

Zitat:aber die Russen "lieb" zu haben, ist nicht weniger abwegig.
SCHEINBAR lieb zu haben. Das ist ein Unterschied. Ich schrieb explizit Gegner von Morgen in Bezug auf die Russen.

Es ist unumgänglich daß wir unsere Abhängigkeit in Energiefragen von Russland sofort reduzieren müssen. Und es ist nicht möglich, nicht lieb zu den Russen zur Zeit zu sein, wir sind zu abhängig.

Zitat:Es wäre für die chinesische Wirtschaft ebenso verheerend wie für die US Wirtschaft, wenn der Handel zum Erliegen käme.
Eben deshalb ja. Zwei Fliegen mit einer klappe schlagen. Was hier im weiteren dann Europa fördern wird.
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#19
Zitat:Daraus irgendwas für Politik und Diplomatie abzuleiten, ist nicht ratsam und führt auch schlicht zu nichts.
Eben. Gerade weil man daraus nichts für Politik und Diplomatie ableiten kann, sollte man die, die unter deutsche Jurisdiktion fallen, hart bestrafen. Beispiel: Man erwischt bei Thyssen jemand, der als Angestellter für Lockheed-Martin spioniert: meinetwegen sollte der- oder diejenige wegen Landesverrat bis zum St-Nimmerleinstag in den Bau marschieren. Da fällt mir auch diese nette Geschichte von der naiven Deutschen ein, die in Kanada deutsche U-Boot-Unterlagen verscherbeln wollte. Kann man bestrafen, ohne Konsequenz in den Beziehungen zB. zu China (damals IIRC gedachter Empfänger), das natürlich sein möglichstes tun wird, um sich zu distanzieren.

Oder sind wir uns da einig und ich habs falsch verstanden?

edit:

Zitat:Wirtschaftlich ja, aber müssen wir auch noch militärisch betroffen sein ?
Das eine zieht aber das andere sehr schnell nach sich. Das ist ja im übrigen einer der Punkte, wo die Geschichte Kontinuität zeigt. Pauschal geurteilt würde ich sagen, die meisten Kriege waren letztendlich wirtschaftlich motiviert, denn Wirtschaft = materieller Besitz = Macht. Sollte klar sein.

Zitat:Auch stellt sich die Frage : großer Schaden oder sehr großer Schaden.
Na ja. Es mag zynisch klingen, aber wenn tausend BW-Soldaten im Kampfeinsatz sterben, ist das angesichts der globalen Wirtschaft weniger schlimm als wenn der Euro dreißig Prozent an Wert verliert.

Zitat:Wir sollten weniger Offen auftreten und uns nirgends auf der Bildfläche sehen lassen. Das heißt aber nicht, daß wir nicht trotzdem im Theater oder hinter der Bühne sind.
Welcher Staat schwebt dir denn da als Vorbild vor? Mir fällt nämlich jetzt nicht spontan ein, wie sich sowas praktisch bewerkstelligen lassen sollte.
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#20
Und das trifft besser formuliert genau meine Meinung dazu. Wer solche Spionage begeht, sollte wegen Landesverrat mit Höchststrafe bestraft werden.

Zitat:Pauschal geurteilt würde ich sagen, die meisten Kriege waren letztendlich wirtschaftlich motiviert, denn Wirtschaft = materieller Besitz = Macht.
Das muß ich natürlich einräumen.

Zitat:Na ja. Es mag zynisch klingen, aber wenn tausend BW-Soldaten im Kampfeinsatz sterben,
Du solltest mich besser kennen. Tausend Verlust sind noch nicht mal Krieg.

Zitat:Welcher Staat schwebt dir denn da als Vorbild vor? Mir fällt nämlich jetzt nicht spontan ein, wie sich sowas praktisch bewerkstelligen lassen sollte.
Nehmen wir mal die Finnen :

Mischen sich die Finnen in Iranische Angelegenheiten ein? Haben die Finnen einen Joseph Fischer, der überall mit Knautschgesicht Kommentare abgibt? Ich meine sowas wie die Skandinavischen Länder, ruhig, sehr ruhig und am Rand. So wie Norwegen oder Finnland z.B.
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#21
Zitat:Quintus Fabius postete
Zitat:Wenn in Asien Krieg geführt wird, dann wird uns das sehr wohl betreffen, ob uns das gefällt oder nicht.
Wirtschaftlich ja, aber müssen wir auch noch militärisch betroffen sein?
deutschland ist als eine der größten handelsnationen auf freie seewege angewiesen. wenn mal eben das chinesische meer geschlossen ist, weil man sich da die köpfe einschlägt oder die straße von malakka wegen seepiraten nicht mehr befahrbar ist, so bedeutet das für uns einiges an verlusten und einbußen.
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#22
Zitat:Nehmen wir mal die Finnen :

Mischen sich die Finnen in Iranische Angelegenheiten ein? Haben die Finnen einen Joseph Fischer, der überall mit Knautschgesicht Kommentare abgibt? Ich meine sowas wie die Skandinavischen Länder, ruhig, sehr ruhig und am Rand. So wie Norwegen oder Finnland z.B.
Sorry, aber dieser Vergleich ist höflich ausgedrückt unrealistisch. Und wir wollen uns doch schon über Maßnahmen unterhalten, die auch machbar sind, oder? Wink
Da müssten wir ja erstmal den Morgenthau-Plan durchführen, damit wir auf Finnlands Bedingungen kommen. Genauso gut könnten man die USA mit der Schweiz vergleichen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Skandinavier eine grundlegend andere Mentalität besitzen als die Deutschen und solche Gedankenspiele schon deswegen müßig sind.
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#23
@bastian

Wie ich bereits erwähnte sollte man aus der Geschichte lernen, sich aber nicht vollens alles von ihr diktieren lassen! Im Moment sehe ich gewaltige Chancen in einer Zusammenarbeit mit Russland, was wir für eine blutige Vergangenheit haben ist dabei irrelevant, zumal wir ja immerhin auch 12 Millionen Zivilisten von ihnen kalt gemacht haben...
Darüber hinaus war das von Dir geschilderte die Sowjetunion und nicht das heutige Russland, da sehe ich einen deutlichen Unterschied!
Schauprozesse um Ölfirmen verstaatlichen zu können sind sicher nicht gerade demokratisch, aber da ich ohnehin ein Verfechter von verstaatlichten Öl- und Rüstungsunternehmen bin beeindruckt mich das nicht wirklich...
Was in Tschetschenien passiert ist eine innere Angelegenheit. Die westliche Meinung ist von Tschetschenischen Propagandisten geprägt, die die Tschetschenen von Anfang an als arme unterdrückte dastehen ließen.
Wenn die Türken in Kreuzberg, Wetting und Neu-Kölln ihre Unabhänigigkeit erkläre sehe ich das auch als interne Deutsche Angelegenheit an und verbitte mir jede Einmischung. Wenn die dort sich nach der Besetzung durch die Armee nicht unterkriegen lassen würde ich ebenfalls eine Unterdrückung anordnen!

Tschetschenien ist ein Teil des Souveränen Landes Russland und will sich abspalten. Russland hat hier nicht ein armes fremdes, hilfloses kleines Land angegriffen sondern versucht nur seine territoriale Integrität zu wahren. Es wurden nicht von Anfang an Aerosolbomben eingesetzt, aber wenn sich die Tschetschenen eben nicht mehr offen im Kampf stellen, sondern Guerillakrieg führen und per Bombenanschlägen den krieg auch nach Beslan und Moskau tragen, dann wird die Sprache eben härter. Russland war noch nie ein Land das lange gezaudert hat, wieso also sollte es sich jetzt alles von islamischen Terroristen gefallen lassen?

Russland hat uns die Ostgebiete geklaut?
Die Sowjetunion hat sich den nördlichen Teil Ostpreussens gesichert, der Rest wurde von Polen besetzt. Die Tatsache nach einem Krieg fremdes Territorium zu besetzten ist an sich nicht wirklich verwerflich, zumal solch ein Vorgehen damals noch viel eher als heute an der Tagesordnung war. Nur weil ich die Gebiete gerne zurückgewinnen will nehme ich es den Polen und Russen von heute doch nicht krumm, daß sie nicht freiwillig ohne daß es auch nur von uns angefragt oder gar ernsthaft verhandelt wird Territorium aufgeben! Viel schlimmer als die Besetzung damals ist für mich da eher Willy Brandt, der die Ansprüche auf Deusche Heimaterde aufgegeben hat... - aber wie gesagt, die Regierungen/Länder von heute haben ja nicht mehr unmittelbar etwas damit zu tun...

@Industriespionage...

Ich finde es schockierend, daß die Industriespionage derart massiv selbst unter befreundeten Nationen durchgeführt wird! Wenn ich hier von Französischen Spionen lese... - ich halte/hielt Frankreich für die nation, mit der Deutschland am innigsten befreundet ist...
Ob wir auch sowas machen? Glaubt ihr wirklich unsere Duckmäuser aus der Regierung haben die nötige Courage um solch einen aggressiven Akt anzuordnen?
Aber mit einem hat Quintus - mal wieder - Recht: Die Spione sollten nach ihrer identifizierung einfach Unfälle erleiden....
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#24
Gott sei dank, dass hier niemand die deutsche Außenpolitik leitet Big Grin

Ein generelles Programm zu formulieren ist sehr schwierig, da sich fast stündlich außenpolitische Gewichte für kurze Zeiten verschieben können und sich wieder neu konfigurieren,kurzfristige,opportunistische Ad-Hoc-Allianzen dominieren und die klare Bipolarität des Kalten Krieges einer unübersichtigen, hektischen und zerfahrenen Multipolarität gewichen ist, wobei diese Multipolarität durch unterschiedliche Kräfteagglomerationen der Pole gekennzeichnet ist.

Aber welche Basics sollte man wohl primär übergewichten?
Ohne Frage sollten die innereuropäischen Beziehungen und die transatlatischen Beziehungen sehr hoch gewichtet werden. Die größte Aufgabe liegt darin, innerhalb der Eu sich endlich mal über die weitere Entwicklung dieses Jahrhundertprojektes auseinanderzusetzen und dann diesen Kurs energisch weiterzuverfolgen.
Eine weiterer Ausbau der EU-internen Sozialpolitik, das Verständigen auf Mindeststandards, das Erstellen einer neuen Governance-Struktur mit der USA um den globalen Herausforderungen besser gerecht zu werden in Sachen internationale Kapital- und Finanzmärkte, eine Intensivierung der GASP, dies sind dann die folgenden und daraus resultierenden Politikaufgaben.
Im Transatlantischen Bereich muss man sich gezielt zusammensetzen, und zwar nicht bilateral, sondern im Rahmen des Nordatlantikrates. Gemeinsame Stategien zu failed states, zur vertretbaren Ressourcensicherung, aber auch in Sachen Terrorismus müssen mit der Supermahct abgestimmt werden und letztlich liegt es da an uns im europäischen Kontext uns so zu einigen, dass wir geeint der USA entgegentreten.

Europa und die USA, das waren, sind und müssen die zwei Pfeiler unserer Außenpolitik bleiben.
Was nun dieses Diskutiere um China und Russland angeht, so weiß ich beim besten Willen nicht, was eien perspektivische Ausrichtung auf diese Mächte uns wirklich bringen soll.
Mal abseits den bekannten plakativen Zeitungsüberschriften sollte man trotzdem mal hinter die Fassade dieser Länder schauen. Bei der USA wird dies immer gern getan, warum tut man dies nicht bei diesen zwei?

Bei allem Respekt zu Cyprinides Rußlandbegeisterung, was wollen wir mit einem Land, das nicht mal ganz das BIP von den Niederlanden hat?
Außer Ressourcen hat und wird Rußland nicht viel zu bieten haben und ich hab mich auch schon recht kritisch geäußert, inwiefern Russland nochmals die Morgenröte als echte kraftstrotzende Großmacht erleben wird.
Eine abnehmende Bevölkerungszahl, eine stark zunehmende Verbreitung von AIDS und anderen Krankheiten, Korruption und die Herrschaft gewissenloser Geheimdienstzirkel sorgen nicht gerade dafür, dass Russlands Zukunft rosig aussieht. Alkoholismus ist inzwischen ein großes Problem.
Und dann mal zur Wirtschaft:Ohne die ansteigenden Rohstoffpreise wäre Russland arm dran. Und was unsere Abhängigkeit angeht von deren Rohstoffen, so hab ich gestern in "Internationale Politik" auch einen interessanten Artikel gelesen:
Man kann nämlich den Spieß auch umdrehen: Russland hängt daran, dass wir deren Rohstoffe abnehmen.Ohne diese Devisen, stände Russland sehr schlecht da und das ganze Wirtschaftswachstum wäre Makulatur.
Außerdem fördern die Russen derzeit aus Quellen,die schon vor gut 15 Jahren erschlossen wurde. In naher Zukunft werden da größere Investitionen fällig, um da die Fördermengen durch neue erschlossene Quellen zu halten. Investitionen, die die russ. Ölindustrie in ihrem desolaten udn korrumpierten Zustand wohl alleine nur sehr schwer wird aufbringen können.
Und wer außer dem Westen wird da wohl einsprengen?
Die Chinesen bilden in Ostsibirien inzwischen jetzt schon fast die Mehrheit, da es dort kaum mehr Russen gibt.Wenn man bedenkt, dass von den zukünftigen gut 125 Millionen Russen dann noch gut 20 bis 25 Millionen Moslems darunter sind, dann sollte man eine gewisse Nervösität Russlands gegenüber Chinas irgendwann erahnen.
Und da wird man wohl automatisch im Kreml gute Beziehungen suchen, zumindest solche, die für die wirtschaftliche Kooperation ausreichen.
Russland wird versuche, ohne echte Stärke, immer nur durch Pokern udn hin-und-her-lavieren nach außen gut darzustehen.
Auf solch einen Spieler kann man verzichten.
So, dann zu China.
Ich denke auch hier hab ich schon in einigen Threads klargestellt, dass ich nichts von diesem oberflächlichen Medienhype um China halte, da stimme ich mit Bastian wieder überein.
Auch sehe ich wieder nicht, wie wirtschaftlich China uns wirklich nützt.
Es ist einfach nur Konkurrent und das was es uns an Konkurenz schadet, wird kaum durch die Marktchancen wieder gut gemacht.
Ich erinnere nur an Japan:
Jahrelang war Japan Trittbrettfahrer der GATT-Bestimmungen, versuchte in unsere Märkte einzusteigen ohne selbst seinen eigenen zu öffnen. Für sich selbst im Außenhandel nahm Japan den Freien Handel gern in Anspruch und konnte sich so schnell hocharbeiten, aber hinsichtlich siens eigenen Marktes reklamierte es Protektionismus.
Das Ergebnis: Japan profitierte, die USA und auch Europa verlor.
Noch heute hat die USA ein gewaltiges Handelsdefizit mit Japan und auch die EU hat ein deutliches Defizit gegenüber Japan. MIt China verhält es sich nicht anders, denn China ist kein boomender Markt für unsere Güter, wir und die Amerikaner sind ein guter und ganz und gar frei zu erobernder Markt für die Chinesen, da China sich inzwischen zur Billigfabrik der Welt entwicklet.
Und auch ansonsten predigten die Chinesen Wasser und trinken Wein, genau wie die Japaner vor ihnen.
Handelstechnisch profitieren wir also nicht von ihnen, denn weder ist China so konsumstark, noch wären die unsrigen Produkte die, die den Bedarf dann decken in größerem Stil.
Die einzigen, die profitieren sind einige der großen Unternehmen, da sie ihre Kosten so senken können, aber das kommt uns nicht zu gute, sondern einer abstrakten internationalen Finanzwelt.
Nicht umsonst hatten wir erst gerade den Streit um die Textilquoten für chin. Importe oder nicht umsonst wird gerade im US-Kongress so oft wie noch nie über China diskutiert und nicht wenige wollen sogar, dass die einstige Verfechterin des Free Trade, die USA, wieder etwas mehr zum Protektionismus zurückkehrt. Dies war schon wegen Japan im Gespräch, aber jetzt erst recht.
Diese Aufzählung klingt sicher recht negativ, aber ich sehr in China auch nicht den Feind Nummer eins. Wie ich in anderen Threads schon geschrieben hab,hat auch China genügend eigene Probleme.
Nur wollt ich mal dem so schön klingenden Weisheiten von der riesigen Chance China,von dem wichtigen Handelspartner, der uns so viel einbringt mal ein paar Fakten entgegenstellen.
Ein großes Handelsdefizit, das zudem noch strukturell angelegt ist, ist wohl keine große Chance...
Also, sicher kann man in China mitverdienen, nur weshalb die man deswegen so hochstilisieren muss zur bald größten Wirtschaftsmacht und dem zentralen Handelspartner, bleibt mir schleierhaft.
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#25
Zitat:Sorry, aber dieser Vergleich ist höflich ausgedrückt unrealistisch. Und wir wollen uns doch schon über Maßnahmen unterhalten, die auch machbar sind, oder?
Gut du hast recht. Ich kenne dann kein Land für einen Vergleich.

Also etwas ganz neues, eigenes (und realistisch, also machbar):

Ich will, das wir uns international im Zweifel eher raushalten. Das wir uns nicht einmischen und daß wir uns von der politischen Bühne zurückziehen.

Praktische Beispiele : Rückzug aus Afghanistan, keine Einmischung in die iranische Atompolitik, Kein Streben nach einem Sicherheitsratssitz, Rückzug aus allen sonstigen Kleckeres Einsätzen (z.B. Sudan, Georgien), Reduzierung der Zahlungen an die UN, Rückzug aus politischen Missionen, Streichung aller Entwicklungshilfe für Afrika, usw
Keinerlei Waffenverkäufe mehr ins Ausland, mit Ausnahme von ganz speziellen bestimmten Systemen an ausgewählte Länder (z.b. U-Boote für Israel). Überhaupt keine militärische Ausbildung mehr für andere Völker, Teilverstaatlichung und Abschottung der Rüstungsindustrie usw

Dies meine ich damit.

Wir müssen dazu auch im weiteren 1 unsere Abhängigkeit in Energiefragen reduzieren 2 unsere Industrie umbauen (die Fixierung auf die Autoindustrie ist schlecht)

Unser Lebensstandard wird so oder so in den nächsten Jahren fallen.

Im weiteren sollten wir außenpolitisch wie vor 1990 agieren, also höchst unauffällig, aber im Gegensatz zu damals ohne anderen zu folgen bzw zu gehorchen.

Isolationismus trifft das aber nicht ganz.

Noch meine Lieblingspunkte :

Rückzug aus Afghanistan (dieser Rückzug ist notwendig und unumgänglich !!)

Dieser Rückzug ist auch machbar. Er sollte innerhalb von 4 Jahren stufenweise erfolgen, so daß er mit dem Ende einer Legislaturperiode abgeschlossen ist.

Dieser Einsatz in Afghanistan ist nur Geldvernichtung. So leid mir die Afghanen tun, was wir da tun ist unsinnig.
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#26
Zitat:Quintus Fabius postete
Ich will, das wir uns international im Zweifel eher raushalten. Das wir uns nicht einmischen und daß wir uns von der politischen Bühne zurückziehen.
wir haben als eines der wirtschaftlichst (und damit auch potentiell politisch und militärisch) stärksten auch eine gewisse internationale verantwortung, der wir uns nicht so eunfach entziehen können.
natürlich ist es einfacher, sich zu isolieren und sich nicht um die probleme der welt zu kümmern: keine toten soldaten in auslandseinsätzen, keine große finanzielle belastung durch auslandseinsätze ... etc.
Zitat:Rückzug aus Afghanistan, keine Einmischung in die iranische Atompolitik, Kein Streben nach einem Sicherheitsratssitz, Rückzug aus allen sonstigen Kleckeres Einsätzen (z.B. Sudan, Georgien), Reduzierung der Zahlungen an die UN, Rückzug aus politischen Missionen, Streichung aller Entwicklungshilfe für Afrika, usw
bezügl. rückzug aus afghanistan: ja, der einzige sinnvolle auftrag für die bundeswehr dort wäre die bekämpfung des drogenanbaus. das gleiche lässt sich hier in deutschland selbst aber zu viel geringeren kosten durchführen, z.b. indem man die grenzkontrollen zur schweiz und zu den niederlanden massiv verschärft bzw erst wieder einführt.

bezügl. den iranischen atomwaffen: gegen die friedliche nutzung von atomkraft ist ja nichts einzuwenden. wenn aber in teheran irgendein verrückter mullah an die macht kommt und mit atomwaffen droht, um zugeständnisse, internationale anerkennung o.ä. zu bekommen, dann bedroht das uns doch ganz massiv. und die nichteinmischung in die iranische atompolitik bedeutet nicht automatisch, dass man dann weniger gefährdet ist.
bezügl. sudan und georgien: das sind doch nur beobachtermissionen mit ein paar soldaten Rolleyes

bezügl. streichung der entwicklungshilfe: solange das geld sinnvoll verwendet wird, d.h. nicht für irgendwelche kurzfristigen porjekte ausgegeben wird, kann man die entwicklungshilfe ruhig auf dem derzeitigen niveau lassen.
Zitat:Keinerlei Waffenverkäufe mehr ins Ausland, mit Ausnahme von ganz speziellen bestimmten Systemen an ausgewählte Länder (z.b. U-Boote für Israel). Überhaupt keine militärische Ausbildung mehr für andere Völker, Teilverstaatlichung und Abschottung der Rüstungsindustrie usw
warum denn nicht? mit hilfe von entwicklungshilfe, militärischen ausbildungsprogrammen inklusive rüstungslieferungen (neues material natürlich nur an verbündete) u.ä. können wir - solange wir es richtig machen - unseren einfluss zu geringen kosten vergrößern.
Zitat:Im weiteren sollten wir außenpolitisch wie vor 1990 agieren, also höchst unauffällig, aber im Gegensatz zu damals ohne anderen zu folgen bzw zu gehorchen.
auf gar keine fall sollte die scheckbuchdiplomatie der frühen 90er wiederholt werden. denn im vergleich zu den mengen an geld die ausgegeben wurden, ist unser einfluss nicht nennenswert gestiegen.
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#27
Zitat:internationale verantwortung
1 Das ist doch eine leere Worthülse. Warum haben wir Verantwortung ? Alle anderen Staaten schieben das so gut wie immer nur vor um ihre Eigeninteressen umzusetzen und das versuchen wir zur Zeit auch. Sehr erfolglos. Es gibt keine Internationale Verantwortung, es gibt nur nationale Interessen. Und die wahren wir besser, wenn wir uns zurückhalten und bescheiden auftreten.

2 Anspruch und Wirklichkeit gehen hier völlig auseinander. Wir sind wirtschaftlich und vom Geld her eine starke Nation, aber wir sind militärisch erschreckend schwach.
Der Anspruch von weltgeltung und die Wirklichkeit einer sehr begrenzten, schwachen, fehlerhaften und rechthaberischen dummen Außenpolitik klaffen enorm auseinander. Unsere derzeitige Außenpolitik bzw die Außenpolitik der letzten 10 Jahre sind nur eine um die Welt reisende Verkaufsverantstaltung (dies sogar teilweise erfolgreich) – ansonsten aber völlig erfolglos.

Anspruch und Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen wäre notwendig. Und unser Anspruch und die daraus folgenden Ziele sind falsch, viel zu hoch, außerhalb unserer tatsächlichen Möglichkeiten.

Zitat:bezügl. sudan und georgien: das sind doch nur beobachtermissionen mit ein paar soldaten
Eben. Wir mischen uns ein in Dinge die uns überhaupt nichts angehen.

Zitat:kann man die entwicklungshilfe ruhig auf dem derzeitigen niveau lassen.
Über die vielfältig negativen Folgen der Entwicklunsghilfe gab es hier schon mal einen eigenen Thread. Ich wiederhole das jetzt hier nicht, aber sämtliche Entwicklungshilfe gehört ersatzlos gestrichen.

Im Gegenzug sollten wir darauf bestehen, daß unsere Kredite zurück bezahlt werden. Der Schuldenerlaß bestraft all die Länder, die ihr Geld zurück gezahlt haben. Um das zu ermöglichen sollten wir nicht auf die Schuld, sonderen auf die Zinsen verzichten. Es sollte keinerlei Zinsen für solche Kredite mehr geben, sondern nur Rückzahlungsraten.

Zitat:warum denn nicht?
Keine Waffen an niemanden. Weil sich das irgendwann immer gegen einen selbst richtet, und sei es, daß die spanier unsere Technologie einfach weiter verkaufen.

Es ist zudem unmoralisch und kurzsichtig, anderen Waffen zu geben.

Zitat:auf gar keine fall sollte die scheckbuchdiplomatie der frühen 90er wiederholt werden
Keine Scheckbuchdiplomatie. Wir mischen uns nicht ein, und zahlen deshalb auch nichts. Niemand kriegt mehr Geld, und alle sollen uns in Ruhe lassen, so wie wir sie in Ruhe lassen, sonst Gnade ihnen Gott.

Ich schrieb deshalb ja explizit :

Zitat:aber im Gegensatz zu damals ohne anderen zu folgen bzw zu gehorchen.
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#28
Isolation in einer globalen Welt funktioniert schon allein wegen der Wirtschaft aber nicht.
Das kann man gerne so versuchen, nur hat man letztlich dadurch nur Probleme...
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#29
Zitat:hawkeye87 postete
bezügl. rückzug aus afghanistan: ja, der einzige sinnvolle auftrag für die bundeswehr dort wäre die bekämpfung des drogenanbaus. das gleiche lässt sich hier in deutschland selbst aber zu viel geringeren kosten durchführen, z.b. indem man die grenzkontrollen zur schweiz und zu den niederlanden massiv verschärft bzw erst wieder einführt.
Es hiess neulich in einer Dokumentation etwa 90% des weltweit angebauten Heroins kämen aus Afghanistan. Die Zahl ist mir doch zu gross um das Land "in Ruhe" zu lassen.
Irgendein Staat der Koalition sollte irgendeinen aktiven Wirkstoff entwickeln der die Mohnpflanzen kaputt macht und ihn, diskret, aus der Luft ausbringen - ist zwar nicht nett aber man spart sich das Geschiesse.
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#30
Diese Diskussion über das Heroin hatten wir ja schon mal.

1 solche Totalherbizide gibt es ja längst, sie werden über Kolumbien eingesetzt, der Erfolg ist mäßig. Mit größerem Aufwand könnte man schon jeden Anbau beenden, aber dann wächst auch sonst gar nichts mehr.

2 von diesem Heroin geht der Gros nach China, den Iran ! und nach Rußland. Das wird von den USA sogar gefördert. Jedes Jahr sterben Hunderte !! iranische Soldaten in endlosen Scharmützeln mit hervorragend bewaffneten Drogenschmugglern aus Afghanistan, der Iran hat ein massives Drogenproblem.

Warum wohl ? (und woher haben die Drogenschmuggler eigentlich so gute Infor und Waffen?!)

3 jeder Angriff auf die Drogen in Afghanistan heißt Krieg gegen die Drogenbarone. Das muß klar sein, wenn man dies macht. Um diesen Krieg zu gewinnnen bedürfte es

A einer gewissen mindestbrutalität die wir nicht haben

B einer Truppe von mindestens 500 000 Soldaten die wir nicht haben

Fazit : es ist nicht möglich, den Drogenanbau in Afghanistan auch nur Einzuschränken. Es ist sogar nicht im Interesse der größten Militärmacht dort (der USA)

Item : sollte das Geld lieber hier verwendet werden, um den Zufluß zu bekämpfen und die Kunden sollten endlich mal die vollen Konsquenzen ihres Handelns zu spüren bekommen. Kein Mitleid mit Süchtigen, sie haben es nicht verdient.

Desweiteren sollte man im Kindergarten und in der Grundschule ansetzen und dort den Kindern Verachtung vor Süchtigen indoktrinieren. Das funktioniert.

Das Drogenproblem kann nicht durch die Bekämpfung der Produzenten gelöst werden, weil es ein Problem unserer Gesellschaft ist. Nicht der Produzent, sondern der Konsum ist das Problem und das der Konsum so stark ist, ist ein Gesellschaftliches Problem hier, bei uns zu Hause. Damit ist jeder Versuch einer Bekämpfung der Produktion zum Scheitern verurteilt. Das Drogenproblem kann folglich nur bei den Konsumenten, in der Konsumierenden Gesellschaft gelöst werden.
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