Kampfmesser
#31
Blick von Osten - was führen die Russen so?! Hier eine der besten Gesamtdarstellungen:

https://www.thefirearmblog.com/blog/2016...forcement/

Das DV-2 Carbon (mit der alten Klingenform) ist seit vielen Jahren mein Eigen. Wenn man in extrem abgelegener Wildnis mit einer nur ein Werkzeug Strategie unterwegs ist, wäre das die beste Wahl.

Leider kriegt man die Messer von Kizlyar kaum noch her, vor allem die interessanteren Modelle.
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#32
Eine russische Kuriosität die jetzt in der Ukraine auch wieder aufgetaucht ist (so wie langsam alles was jemals in der Sowjetunition an noch so obskuren Waffen je hergestellt wurde dort auftaucht, einzelfallweise sogar zum ersten Mal) wären Schieß-Kampfmesser.

Die Sowjets fertigten solche vor allem für die Speznaz GRU, sie werden daher oft als Aufklärer-Messer oder Späher-Meser bezeichnet (Speznaz sind in Russland überwiegend Aufklärungseinheiten und weniger Spezialeinheiten in unserem Sinne).

Das bekannteste ist das Нож Разведчика Стреляющий, das NRS-2.

https://modernfirearms.net/en/handguns/h...nrs-2-eng/

https://zonawar.ru/podrobno/nosg_nrs2.html

Das Messer kann sehr gut geworfen werden (absurd das als Zielsetzung zu haben) - es ist ein brauchbares Kampf- und Allzweckmesser, und es beinhaltet eine 7,62mm Patrone, so dass man damit einen Schuss abgeben kann. Man kann es natürlich auch nachladen, aber es ist jeweils nur ein Schuss abfeuerbar.

https://www.youtube.com/watch?v=JdkiY6muhDA

https://www.youtube.com/watch?v=XR9E2R7y_rA

Die Patrone wird nach hinten gefeuert, also durch das untere Ende des Griffes. Man kann damit mit ein wenig Übung angeblich bis 25 m ein Mannziel sicher treffen.
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#33
Was haltet ihr von den Klassikern Fairbairn Sykes, Ka-bar, Bowie und Kukri?
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#34
(02.04.2026, 19:23)Frank353 schrieb: Was haltet ihr von den Klassikern Fairbairn Sykes, Ka-bar, Bowie und Kukri?

Erstes dürfte als reines Kampfmesser die Nase vorn haben.
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#35
Nun, wenn ich mich recht entsinne, habe ich mich über diese Messer ja schon teilweise ausgelassen. Dessen ungeachtet:

FS Dolch:

Ist schlussendlich auch nichts anderes als ein klassischer Deutscher Grabendolch des 1WK und andere solche vergleichbare Messer der Arditi und anderer. Der wesentliche Unterschied ist, dass dieser Dolch von der Balance her stark nach hinten gewichtet ist. Wenn man mal einen richtigen in der Hand hatte (und nicht die lächerlichen Teile welche heute gefertigt werden und die nur noch so aussehen als ob), dann weiß man was ich meine. Das macht dieses Messer sehr schnell und sehr wendig und beweglich. Als reines Kampfmesser ist er meiner Meinung nach nicht per se überlegen. Er ist halt sehr leicht, sehr führig, man kann ich den ganzen Tag lang tragen ohne dass er behindert und er fällt irgendwann gar nicht mehr auf. Er ist kurz und führig und damit für den modernen Krieg als reines Kampfmesser sehr gut, gerade eben weil er so leicht und kurz und führig ist. Viele verstehen nicht, dass die Klinge dieses Dolches sehr scharf sein sollte. Heutige Exemplare sind teilweise lächerlich stumpf, aber dieser Dolch sollte nach Fairbairn gleichermaßen zum Stechen und Schneiden eingesetzt werden und Stiche erlangen gerade eben durch eine scharfe Schneide erst richtig Mannstoppwirkung (Vergrößerung des Wundkanals etc)

Ka-Bar:

Theoretisch ein perfektes Kampfmesser das zugleich perfekt als Mehrzweckmesser verwendbar ist. Das Ka-Bar hat jedoch einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler. Die Klinge geht mit einem Winkel in den Erl im Griff über, der dazu führt, dass die Klinge sehr leicht genau am Griff abbricht. Oder sich stark verbiegt und dies selbst schon bei geringeren Belastungen. Das mindert die Wirkung als reines Kampfmesser nicht, senkt aber die Nützlichkeit als allgemeines Gebrauchsmesser erheblich. Wenn man genau hinsieht, dann sieht man, dass die Klinge nicht symetrisch mittig aus dem Griff heraus kommt, sondern leicht "nach vorne" versetzt. Damit die Spitze direkt in der Mitte der Verlängerung des Griffes aus gesehen ist. Dies mit der Form des Erls zusammen führt dazu, dass das Ka-Bar hier eine immens problematische Schwachstelle hat. Die Firma hat übrigens erst dieses Jahr zum ersten Mal eine richtige Full-Tang Version des Messers heraus gebracht, aber die ist nicht mehr so leicht und elegant wie das Original. Keine Empfehlung.

Bowie:

Ist ein immens weiter Begriff. Die Unterschiede sind so gewaltig, dass man kaum ein allgemeines Urteil fällen kann. Ein klassisches Bowie ist ein großes Mehrzweck- und Kampfmesser. Wenn es gut verarbeitet ist, dann ist das ein herausragend gutes Kampfmesser. Aber: richtige Bowies sind schwerer und sperriger und genau deshalb im modernen Krieg nicht so sinnvoll. Denn für die größeren Arbeiten ist eine leichte Machete überlegen und für die Verwendung als bloßes Kampfmesser ein kleineres, leichteres Kampfmesser. Richtige Bowies sind also Generalisten, die in allem verwendbar sind, aber in nichts richtig gut.

Kukri:

Hier ist wenig bekannt, wieviele unterschiedliche Formen es gibt und dass die für den Kampf verwendeten Khukuri eine andere Klingenform hatten als die welche wir heute als typisch für diese Werkzeug-Waffe empfinden. Die hatten deutlich schlankere, leichtere Klingen. Ich habe eine ganze Reihe an Khukuris. Die eigentlich für den Kampf vorgesehenen sind als Kampfmesser wesentlich besser als das was sonst heute als typisch "Kukri" angesehen wird. Und trotzdem immer noch als Werkzeug vollauf brauchbar. Aber auch hier gilt, dass für einen modernen Soldaten ein Khukuri meist zu groß, zu schwer, zu sperrig ist und Gewicht und Platz wegnimmt, die man für andere Dinge benötigt. Als reines Werkzeug sind Khukuris jedem Bowie weit überlegen, als Kampfmesser muss man realisieren, dass sie völlig anders wirken und man damit mit wuchtigen Schlägen und Hieben agiert (nicht einmal mit Schnitten( und dass hackende Hiebe damit eine völlig andere Wirkung haben als sonst mit Kampfmessern. Schlussendlich sind das Kurzschwerter bzw. wird hier die Grenze vom Kurzschwert zum Kampfmesser überschritten oder bewegen sie sich genau an dieser Grenze entlang. Für den modernen Krieg ist zu bedenken, dass Helm, Schutzweste, Ausrüstung usw. wie eine Rüstung die Wirkung eines Khukuri mindern, man also damit einige Übung benötigt um einen modern ausgerüsteten Soldaten damit sicher und schnell ausscchalten zu können. Deutlich mehr Übung als mit anderen Messerformen. Dieser notwendige Übungsaufwand spricht auch gegen das Khukuri.
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#36
Vielen Dank. Sehr interessant.
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#37
Gerne. Gar kein Problem.

Wenn du noch irgendwelche spezifischen Fragen hast, nur raus damit. Ich habe von den meisten Dingen keine wirkliche Ahnung, aber mit Messern kenne ich mich ein klein wenig aus.

Allgemein:


Eine interessante Frage seit jeher ist, woher das Smatchet von Fairbarn herrührt. Ob es tatsächlich eine komplett eigene Erfindung ohne Vorbilder war oder ob es beispielsweise (oft so behauptet) von dem walisischen Grabendolch im Ersten Weltkrieg herrührt. Tatsächlich aber ist die Sache nochmal ganz anders.

Eines der am meisten heute vergessenen Kampfmesser ist das Bolo der US Army im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit. Aufgrund der Erfahrungen auf den Phillipinen führte die US Army bei manchen Einheiten eine für den Kampf optimierte Form des Bolo ein.

https://www.youtube.com/shorts/W5tyqe1P8Ng

https://www.atlantacutlery.com/us-model-...Ylg0Ux4_9y

Was nun praktisch nicht bekannt ist, dass die sogenannten China Marines, eine in Shanghai stationierte Einheit der Marines mit diesem Bolo ausgerüstet waren. Das Smatchet stammt daher in keinster Weise vom walisischen Grabendolch im 1WK ab, sondern von eben dieser Form des Bolo, welche Fairbairn praktisch einfach weitestgehend übernommen und noch weitergehend verbessert hat, indem er die Klinge symetrischer machte und eine Fehlschärfe hinzu fügte:

https://www.youtube.com/watch?v=vLGmw2oZKYs
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#38
Spezifisch für den deutschen Kulturraum war früher einmal das sogenannte DEMAG Messer - respektive der DEMAG Dolch. DEMAG steht für Deutsche Maschinenfabrik AG, welche dieses Kampfmesser konzipierte, es wurde jedoch von einer Vielzahl anderer Hersteller produziert, insbesondere auch von Böker.

Der sogenannte DEMAG-Dolch wurde im 1WK das erfolgreichste deutsche Kampfmesser und galt neben dem Dolch der Arditi als das beste Kampfmesser seiner Zeit.

Amüsanterweise gibt es von Böker heute eine Reproduktion dieses Kampfmessers, welche ich mein Eigen nenne und welche wirklich hervorragend gut ist:

https://www.boker.de/grabendolch-121918#...6d8da205bf

Das ist wirklich ein sehr gutes Kampfmesser, selbst heute noch und deutlich besser als vieles was heute an modernem Zeug hergestellt wird. Ich war mit dem Werksschliff nicht ganz so zufrieden und habe das Messer selbst sehr aufwendig auf einem belgischen Broken nachgeschliffen, und es ist eine der schärfesten Klingen geworden die ich je hinbekommen habe (für ein Gebrauchsmesser viel zu scharf, hingegen kann ein Kampfmesser natürlich nie scharf genug sein).

Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Applegate-Fairbairn und diesem einfachen schlichten Grabendolch, würde ich immer letztgenanntes wählen. Die Evolution in den Grabenkämpfen des 1WK ist schlicht und einfach nicht übertreffbar. Vor allem ist das wirklich ein sehr führiges Messer, dafür wie stabil es ist und wie praktikabel.

https://www.youtube.com/watch?v=tjRpDbCrdlw

Das Problem ist wieder einmal der Preis ! Es wird nicht ansatzweise verstanden, dass ein primäres Kriterium für Grabendolche im 1WK der geringe Preis war.

Kaufkraftbereinigt (!) kostete der gleiche Grabendolch im 1WK in der Beschaffung ungefähr 50 Euro. Und heute will Böker dafür 245 Euro.

Reine Abzocke !! Ein Preis von um die 50 bis 100 Euro wäre eigentlich in Wahrheit angemessen. Das ist ganz allgemein ein Punkt: solche Messer sind heute heillos überteuert.

https://www.youtube.com/watch?v=-fmX74Q1oHE
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#39
(14.05.2026, 07:44)Quintus Fabius schrieb: Das Problem ist wieder einmal der Preis ! Es wird nicht ansatzweise verstanden, dass ein primäres Kriterium für Grabendolche im 1WK der geringe Preis war.

Solche Grabendolche wurden damals doch aber sicherlich zu zigtausenden als Nutzgegenstand gefertigt, während das heute (zumindest in der Ausführung) für die meisten eher Sammler- oder Ziermesser sind, die in homöopathischen Dosen produziert werden, oder nicht? Das würde zusammen mit der Entwicklung der Gestehungskosten (die auch relativ heute höher sind als damals) zumindest einen (vielleicht sogar großen) Teil des Preisunterschieds erklären. Zumindest in anderen Branchen/Bereichen ist das der Fall. Ob jetzt Böker noch einen Luxusaufschlag draufsetzen kann, keine Ahnung, beim Thema Messer und deren Hersteller bin ich immer noch (und werde es auch zukünftig sein) unbeleckt.
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#40
Ich meinte die 50 bis höchstens 100 Euro durchaus schon kaufkraftbereinigt und unter Herausrechnung von damals vorhandenen Synergieeffekten. Der Stahl ist nicht teuer, Griff wie Parierelement sind gefräst, die Klinge wird maschinell geschliffen, die Lederscheide ist wahrscheinlich im fernen Ausland genäht.

Auch wenn man keine Großserie hat, darf ein solches Messer niemals so viel kosten.

Es kostet also nur deshalb so viel, weil man damit Sammler abzockt, und völlig überhöhte Preise verlangt.

Anbei: typische Grabendolche im 1WK kosteten in der Großserie in der Beschaffung auf heute umgerechnet so um die 20 Euro, analog beispielsweise zu einem Mora heute. Deutschland war damals zudem in der Klingen- und Blankwaffenproduktion so was wie China / Indien heute. Deutschland belieferte praktisch die ganze Welt mit Unmengen an Klingen, von Macheten nach Südamerika über Tuaregschwerter nach Mali bis hin zu Säbeln für die Inder. Das ist heute vielen gar nicht mehr klar, dass deutsche Klingen in dieser Zeit weltweit gehandelt wurden, in gigantischem Ausmaß.

Im übrigen war der Bedarf so gewaltig, dass man auch jede Menge Jagdnicker einzog und manche Soldaten sogar mit Küchenmessern herumliefen.

Aber um es mal mit genauen Zahlen zu hinterlegen: eine Mark damals hatte einen Wert von ungefähr 7 Euro heute. Grabendolch der DEMAG wurden von der Armee für 3 Mark beschafft, dass wären heute also ungefähr 20 Euro. Es gab aber auch billige Grabendolche für nur 1 Mark bis 3 Mark. Die besten Grabendolche kosteten, wenn man sie privat kaufte zwischen 5 und bis zu 15 Mark (35 Euro bis ungefähr 100 Euro), so was kauften Offiziere oder Feldwebel etc. Ein Jagdnicker (keine Massenware, sondern Einzelfertigungen) kostete 5 bis 7 Mark, also 35 bis ungefähr 50 Euro auf heute umgerechnet und war oft die Alternative für einfache Soldaten die ein besseres Messer wollten.

Und heute 245 Euro für eine weitgehend maschinengefertigte Neuauflage aus günstigem Stahl, dass ist einfach nur Abzocke. Das ist übrigens in allen Bereichen so bei Messern aus deutscher Herstellung: Die Qualität hat in den letzten 30 Jahren massiv nachgelassen, die Preise sind drastisch gestiegen.

Ein praktisches Beispiel: ich habe noch zwei Waidblätter von PUMA aus den 70er Jahren. Herausragend gut - immer noch. Das war damals die beste kaufbare Qualität für so ein Messer. Und beide sind noch als Waidbesteck ausgefertigt, also mit Nicker dazu.

Heute haben die Waidblätter von PUMA bereits ohne Nicker einen Preis von 767 Euro, aber die Qualität ist nicht mehr so gut wie früher. Die zwei Waidbestecke kaufte mein Vater damals für 155 Mark je. Die waren damals schon teuer. Kaufkraftbereinigt sind das auf heute umgerechnet pro Messer um die 370 Euro.

Diese Messer sind also heute kaufkraftbereinigt doppelt so teuer wie früher, und dies bei schlechterer Qualität.

Das zieht sich so durch ganz viele Bereiche in dieser Bundesrepublik.
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#41
Ich habe keine Ahnung wie aufwendig die Messerproduktion ist und was "handgefertigt" dabei tatsächlich bedeutet (nein, einen Schmied an der Esse stelle ich mir nicht vor Wink ), ich kenne es nur aus anderen (feinmechanischen) Bereichen, dass da eine einfache Umrechnung entsprechend der Kaufkraft aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert, eben angefangen von der Stückzahl über die entgegen der reinen Kaufkraftentwicklung stärker gestiegenen Gestehungskosten bis hin zu Sammleraufschlägen, die teilweise erstaunlich niedrig sind (obwohl sie von den Käufern anders bewertet werden). Wie gesagt kann das alles natürlich auch unzutreffend sein, weil sich das gar nicht übertragen lässt.

Meine Frage wäre dann, da du das Messer ja selbst hast und es für hervorragend hältst, gibt es da ähnlich hervorragende, deutlich günstigere Varianten von anderen Herstellern (ggf. auch nicht-deutschen)? Denn wenn es einen Markt gibt und die Hersteller deutlich günstiger sein kann, müsste das ja fast der Fall sein (oder gibt es Gründe dagegen?).
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#42
Die Frage ist dann, ob es genau diese Form sein soll - also exakt ein DEMAG Dolch - oder ob es ein Nicker sein soll oder nur konzeptionell ähnlich usw. ?!

Der Markt ist im weiteren nicht sonderlich groß, weshalb die bekannten Hersteller (Böker) ihn ja auch durch überhöhte Preise so gründlich explorieren.

Es gibt für eigentlich alles immer günstigere Hersteller die teilweise bessere Ware anbieten. Beispielsweise kenne ich einen polnischen Schmied der ein solches Messer anbietet, für nur 55 Euro. Verkauft aber nur in Polen vor Ort. In der Tschechei gibt es so was auch.

Das Problem solcher kleiner Nischenhersteller ist immer, dass sie praktisch unbekannt sind, im Ausland sitzen, und keine Beachtung finden. Ein Beispiel: Die polnische Firma Skalmet verkauft ein Waidblatt für 200 Euro - statt der fast 800 Euro bei PUMA, kostet also nur 1/4 des Preises, ist aber rein praktisch und von der Verwendbarkeit her nicht viel schlechter. Und weil es so viel weniger kostet, setzt man es halt dann auch überhaupt mal praktisch ein:

https://skalmet.com/oferta2.html

Im weiteren halte ich den Grabendolch von Böker nicht insgesamt für hervorragend, sondern für sehr gut in seiner Konzeption als Kampfmesser das zugleich ein gutes Gebrauchs- und Alltagsmesser ist. Analog zum Nicker als klassischer deutscher Messerform. Über dessen Verschwinden hier daselbst:

https://forum.wildundhund.de/threads/der...er.143474/

Zitat:ich kenne es nur aus anderen (feinmechanischen) Bereichen, dass da eine einfache Umrechnung entsprechend der Kaufkraft aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert, eben angefangen von der Stückzahl über die entgegen der reinen Kaufkraftentwicklung stärker gestiegenen Gestehungskosten bis hin zu Sammleraufschlägen, die teilweise erstaunlich niedrig sind (obwohl sie von den Käufern anders bewertet werden). Wie gesagt kann das alles natürlich auch unzutreffend sein, weil sich das gar nicht übertragen lässt.

Fakt ist, die Preise sind massiv gestiegen, die Qualität hat deutlich nachgelassen. Und gute Qualität ist heute noch teurer geworden und es handelt sich schlicht und einfach um Messer und die werden nicht wirklich von Hand geschmiedet, mit einem Schmiedehammer in der Hand, sondern natürlich mit Maschinen gefertigt.

Was mir bei der modernen Version von Böker (gerade für die Frage der Alltagstauglichkeit) tatsächlich sehr gut gefällt ist die Fehlschärfe. Damit kann man über den Knebel hinweg nach vorne greifen und damit dann recht diffizille Arbeiten erledigen.
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#43
Ich habe nicht aus konkretem eigenen Interesse gefragt, sondern weil ich versuche etwas den Markt zu verstehen. Wie gesagt kenne ich die Situation aus feinmechanischen Produktionen, dort sind die Preise sehr deutlich gestiegen, allerdings ohne den von dir erwähnten Qualitätsverlust, und mit gleichzeitig deutlich geringeren Stückzahlen, was für mich ein Teil der Erklärung ist. Schade und nachvollziehbar ärgerlich, wenn das so auf dem Messermarkt nicht der Fall ist und steigende Preise sogar mit sinkender Qualität einher gehen. Allerdings, je mehr du erzählst umso weniger verstehe ich, mir war nie bewusst wie komplex das Thema Messer offenbar ist.
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#44
Also für was braucht man jetzt ein Kampfmesser oder einen Grabendolch. Zielt man da auf den Hals? Es ist ja ziemlich klein und scheint von Jagdmessern zum abnicken abgeleitet zu sein.

Ein richtiger Dolch ist ja beidseitig geschliffen, wie die SAS-Messer.

Scheinbar braucht man "Kampfmesser" auch zum arbeiten mit Holz und Blech.

Die Preise sind wahrscheinlich deshalb so hoch, weil vor allem Sammler im
Markt. Aktive Soldaten haben Behördenmaterial oder kaufen rational.
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#45
Zitat:Ein richtiger Dolch ist ja beidseitig geschliffen, wie die SAS-Messer.

Und ist damit im reinen Kampf besser, und für alles andere schlechter. Und wie oft kommt Messerkampf vor ?!

Ich habe ja zudem schon explizit Messer vorgestellt die beides beinhalten. Die also vorne beidseitig geschliffen sind, aber hinten nicht. Vom M3 bis hin zu den heutigen polnischen Kampfmessern und dem herausragenden Prototypen von Eickhorn, der es nie in Serie geschafft hat.

Es gibt aber noch einen Aspekt: eine Klinge die nicht (oder nur teilweise) beidseitig geschliffen ist, ist steifer und bricht nicht so leicht. Sie ist robuster, was gerade bei wuchtigen harten Stichen gegen am Körper getragenes Material oder auch Rippen, Knochen usw. vorteilhaft ist.

Und wenn du beim Grabendolch genau hinsiehst, dann ist dieser vorne auch so gestaltet, dass er im vordersten Teil zweiseitig geschliffen ist oder sehr leicht geschliffen werden kann.

Zitat:Es ist ja ziemlich klein und scheint von Jagdmessern zum abnicken abgeleitet zu sein.

Was verstehst du bitte unter Klein? Die Klingenlänge reicht gegen Menschen absolut aus. Praktisch sind das 15cm. Das ist lang genug für alles. Damit erreichst du jedes lebenswichtige Organ und jede Arterie.

Zitat:Also für was braucht man jetzt ein Kampfmesser oder einen Grabendolch. Zielt man da auf den Hals?

Kontextabhängig. Im 1WK war die übliche Abfolge eher, dass man dem Gegner an dessen Händen, Unterarmen usw. schwere Abwehrverletzungen beigebracht hat bzw. diese sich von selbst ergaben - dem folgend neigte man eher dazu den Bauch weit aufzuschneiden oder und insbesondere die Innenseite der Oberschenkel beim herumrangeln. Der Grund hierfür ist recht einfach: bei einem Gegner der um sein Leben kämpft und mit einem Messer konfrontiert ist, ist es gar nicht so leicht direkt an den Hals heran zu kommen. Den diesen wird er so oder so instinktiv so gut schützen wie er es kann.

Die Arditi gingen beispielsweise gerne in den Ringkampf und stachen dann in die Nieren und in die Leber. Stell ich mir ziemlich effektiv vor, so einen Stich in die Leber.

Und hat man den Gegner durch Schnitte und Stiche erstmal bearbeitet, dann kann man dem folgend noch immer in den Hals stechen und diesen dann aufschneiden.

In diesem Kontext sollte man bedenken, dass reine Messerstiche, insbesondere mit einer scharfen Klinge querschnittlich kaum eine Mannstoppwirkung haben. Oder das diese selbst bei sehr massiven Treffern extrem unberechenbar ist. Zur höheren Wahrscheinlichkeit hat selbst ein Stich in den Hals keine sofortige Mannstoppwirkung. Hingegen erzeugen lange massive Schnitte, und das aufschneiden / aufreißen von Schnittwunden Mannstoppwirkung. Dazu muss man die Klinge aber überhaupt erstmal in den Körper kriegen, dazu kommen noch Uniform (grober Wollstoff), Koppel, Lederriemen, Helm, vor der Brust gehaltenes Gewehr, Munitionsstaschen, Stabhandgranate im Gürtel, Maskentasche, Gasmaske usw.

All diese Ausrüstung stellt eine Art "Rüstung" dar, eine Art "Schutzbewaffnung". Dazu kamen im 1WK auch noch Brustplatten, Halsschutz aus Eisen, und sonstige Schutzausrüstung, gerade bei den Sturmeinheiten die solche Dolche tatsächlich öfter einsetzten. Entsprechend blieben nicht so viele freie Stellen und konnte damit der Hals eher verteidigt werden.

Wuchtige Stiche in die Innenseite der Oberschenkel, in den Unterleib, in den Genitalbereich waren eher auf große und leichter treffbare Ziele hin ausgerichtet, mit erheblicher Wirkung. Dazu musste man natürlich erstmal am Gegner dran sein. Wenn man aber die gegnerische Abwehr überwunden hat, dann bietet sich natürlich dem folgend schlussendlich auch der Hals besonders an. Aber nicht einfach nur mit einem Stich, sondern indem man ihn so weit wie möglich auftrennt.
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