Bw Infanterie Ausrüstung
Quintus Fabius schrieb:Damit der geneigte Leser dem das Schutzniveau nichts sagt mit der gebotenen Information etwas anfangen kann:

Zitat:Die Helme des Typ AS 600 bieten einen sehr weitreichenden Schutz bis zum Kaliber 7.62 x 51 mm M80 Geschosse

Eine M80 ist ein einfaches Vollmantelgeschoss. Das heißt 1: jedes Hartkerngeschoss geht durch und 2: das Geschoss muss den Kopf an einer Stelle treffen wo der Helm ist. Die Form des Helmes aber deckt nur einen geringen Teil des Kopfes ab, vergrößert aber wiederum die treffbare Fläche. Deshalb steigen wenn man Helme nutzt witzigerweise leichte Kopfverletzungen, weil viele Geschosse die sonst knapp am Kopf vorbei geflogen wären stattdessen den Helm treffen.

Trotzdem ist das eine sehr beachtliche Schutzleistung! Auf der Gegenseite sind das 1,5 kg welche auf dem Kopf lasten. Das behindert beim Schießen, beim Treffen, beim Bewegungen, beim Deckung nehmen, erschöpft die Nacken- und Schultermuskulatur usw

Und damit man einen Vergleich hat: ein Sturmgewehrmagazin für 30 Schuß wiegt 140 Gramm. Die 30 Schuß wiegen bei Verwendung von Standard-Mun im weiteren ca 360 Gramm. Zusammen also ca 500 Gramm. Für das Gewicht des Helmes könnte ich also stattdessen 3 weitere voll geladene Magazine dabei haben.

Zudem ist die Frage, ob Helme wirklich primär vor Kugeln schützen sollten und nicht eher auf ihre ursprüngliche Aufgabe hin konzipiert sein sollten, nämlich vor von oben herabfallenden Erdbrocken, Steinen, Trümmerteilen etc zu schützen. Einen dagegen schützenden Helm könnte man wesentlich leichter konstruieren. In einem ernsthaftem konventionellen Krieg könnte zudem ein möglichst großflächiger Splitterschutz wesentlicher sein als ein räumlich stark begrenzter Schutz gegen Kugeln.

Von daher kann man solche schweren gegen Kugeln schützenden Helme einfach wirklich grundsätzlich in Frage stellen.

Als Ergänzung:

Schutz für die "Haupt"-Waffe - das Gefechtshelmsystem SpezKr

http://strategie-technik.blogspot.de/20 ... e-das.html

Hier sieht man, dass das System modular ist. Der Schutz kann also der Umgebung angepasst werden!
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Und er schützt trotzdem nicht vor Hartkern-Munition und je mehr "Module" man dranhängt, desto mehr behindert er beim Schießen, bei der Kopfbewegung, beim Deckung nehmen, bei der Wahrnehmung und gefährdet damit den Soldaten mehr als dass er ihm nützt. Zudem steigt dann das Gewicht rasant an. Mit allen verfügbaren Spielereien sprechen wir hier schon ca 3 kg. Was dann 6 vollen Sturmgewehrmagazinen entspricht. Ich hätte lieber die 180 Schuß zusätzlich dabei als diese Behinderung von Helm.

Meiner Meinung nach resultiert diese Überbetonung von Panzerung / Schutz im allgemeinen aus der sozialkulturellen Grundströmung unserer Gesellschaft und nicht realen praktischen Anforderungen des Krieges.

Man muss zudem das ganze ganzheitlicher betrachten: je mehr Gewicht ich in Form solcher Schutzausrüstung mit mir herum schleppe, desto stabiler und schwerer müssen die Stiefel sein - also steigt deren Mindest-Gewicht ebenso an, und schon erzeugt der 2 kg aufwärts Helm wieder 1 kg mehr an den Füssen was wiederum für den Organismus so belastend ist wie mindestens 5 kg auf dem Rücken und den Hüften. Genau genommen erzeugt so ein Helm damit einen Gewichtsnachteil weit über sein eigentliches Gewicht hinaus. Verzichtet man auf den Helm, kann man sofort leichtere Schuhe nehmen und spart damit wiederum Belastung ein welche man direkt wieder in andere Mittel umsetzen kann. Bei gleicher Belastung kann man so eine erhebliche Menge an Feuerkraft mehr mitführen.

Und der einzig wahre Schutz für das "Hauptwaffensystem" ist Tarnung, geschickte Taktik, das Gelände und die eigene Feuerkraft. Und jeder dieser Faktoren wird durch schwere Gefechtshelme mehr behindert als alles andere.
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Der Gefechtshelm für den Infanteristen wurde, zumindest auf deutscher Seite, afaik im 1. Weltkrieg eingeführt als man merkte, dass die bis dahin verwendeten Pickelhauben aus gepresstem Leder keinen Schutz gegen Granatsplitter boten.
Im 1. Weltkrieg spielte Artillerie bekanntlich eine große Rolle.

Der aktuelle Gefechtshelm der Bundeswehr wiegt um die 1,6 kg, der Vorgänger-Stahlhelm war (bei schlechterer Schutzwirkung) geringfügig leichter, aber mit unbequemerem Innenleben.
Ich kenne beide Helme und muss sagen, dass einen beide mehr oder weniger stark einschränken.

Kürzlich war ich auf einem Baumklettersteig und bekam dort einen Schutzhelm, bei dem man quasi gar nicht merkte, dass man ihn trug. Der war vom Tragekomfort her genial.
Das hat mich bezüglich Helme fürs Militär doch etwas nachdenklich gemacht.

Die Frage wäre wirklich, in wieweit ein heutiger Infanterie-Helm wirklich ballistischen Schutz bieten muss bzw. wie hoch die Verluste wären, wenn Soldaten mit einem einfachen Schutzhelm nach z.B. EN 1078 (Sporthelme) ausgerüstet wären.

Was man dabei auch beachten muss (aber statistisch nicht erfassen kann) ist, wie viele Soldaten umgekehrt nicht verletzt oder getötet werden, weil sie mit einem leichten Schutzhelm beweglicher sind, u.U. die Sinne/Wahrnehmung weniger eingeschränkt sind und sie über eine längere Zeitspanne aufmerksamer bleiben, weil der Helm weniger ablenkt bzw. ermüdet.

Schutzwirkung gegen Schlag und Stoß also mit dem Kopf anstoßen, fliegende Steine/Trümmerteile usw. wäre ja in gewissem Umfang immer noch vorhanden. Nur eben kein Schutz gegen Splitter und Projektile.

Beispiel hierfür wäre der NVA-Fallschirmjägerhelm, der m.W. ja nur ein einfacher Plastikhelm war und nicht nur für den Sprung, sondern auch als Gefechtshelm verwendet wurde (schaut man sich diverse Videos aus der Zeit an).
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McBain:

Nelson (glaube ich) hatte mal die Idee einer Splitterschutzmütze anstelle eines bisherigen Helms welche bei Bedarf sehr leicht und schnell übergezogen werden könnte. In jedem ernsthaften größeren Krieg ist Splitterschutz wesentlich wichtiger als Schutz vor Kugeln. Das gilt für die Helme wie für die Westen.

In Bezug auf Helme tritt dazu der Effekt von durch Einschläge hochgeschleudertem Material welches dann auf die Köpfe der Soldaten fällt. Gegen solches Material würde auch der von dir vorgeschlagene "Sporthelm" ausreichend schützen.

Bezüglich Zahlen:

Im Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Kopfverletzungen nach Einführung der Stahlhelme stark an. Das erklärte man mit zwei Faktoren:

1 Die Soldaten wurden tatsächlich unvorsichtiger und steckten ihren Kopf raus in Situationen in denen sie ohne Helm nicht den Kopf exponiert hätten

2 das Artilleriefeuer nahm zu (demzufolge hätte es ohne Stahlhelm mehr Tote gegeben anstelle mehr Verletzter).

Im späteren Laufe des Krieges aber nahm die Zahl der Kopfverletzungen wieder ab, obwohl das Artilleriefeuer noch stärker wurde.

Meiner Meinung nach ist so ein massiverer Helm ebenso wie eine SK4 Weste vor allem auch eine psychologische Hilfestellung für die Soldaten.

Heute gibt es ergänzend schon Explosionssichere Unterhosen welche das Gemächt schützen sollen, Stiefel die gegen Sprengwirkung von unten (Minen) bedingt schützen usw usf

Der tatsächliche militärische Nutzen besteht hier meiner Überzeugung nach vor allem von der psychologischen Seite her- die Schutzausrüstung stärkt den Soldaten psychologisch und ermöglicht es ihm psychisch zu kämpfen und höhere Risiken einzugehen (was notwendig ist).

Reine Sporthelme (so sinnvoll sie sein mögen) bieten diesen psychologischen Schutz nicht, bedeuten aber auch Gewicht und Platz welchen man für andere Dinge verwenden kann. Rein materiall also kann ich dir nur zustimmen - ein solcher leichter Helm wäre sehr sinnvoll (auch als Halterung für diverse elektronische Geräte und zum Schutz des Kopfes vor herabstürzenden / herumwirbelnden Trümmern etc

Rein materiall macht das also Sinn, da aber die Hauptwirkung der ganzen Schutzausrüstung aber vor allem psychologischer Natur ist, nützt hier der leichte Sporthelm weniger, und bedeutet so gering seine Behinderung auch sein mag trotzdem Gewicht und Volumen.

Da Datenbrillen wie Nachtsicht/Thermalsichtgeräte zudem immer flacher, leichter und brillenartiger werden, braucht man für sie im weiteren auch nicht mehr die bisher obligatorischen Tragegestelle.

Deshalb meine (zugegebenermaßen) radikale Lösung: jede Art von Helmen und Schutzwesten abzuschaffen. Ich würde aber auch beispielsweise Kampfstiefel wie man sie bisher verwendet abschaffen, ebenso Chest Riggs usw

Sehr viel wichtiger als eine SK4 Weste mit Rigg ist heute meiner Überzeugung nach eine möglichst gute Tarnung und Beweglichkeit (beides bedingt einander) und beispielsweise ein Überzieh-Tarnanzug welcher die Wärmesignatur abtarnt etc

An die Stelle schwerer Körperschutzausrüstung sollte im weiteren eine andere Taktik und Doktrin treten. Also eine andere Einsatz- und andere Kampfweise.
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Für die KSK und Infanteriekräfte der Bundeswehr soll ein 60mm Mörser als Ergänzung zum 120mm Mörser eingeführt werden.
Als Forderungen werden genannt:
Möglichkeit des Einsatzes im direkten und im indirekten Richten, Wirkung hinter Deckungen (Schießen in der oberen Winkelgruppe muss möglich sein), Reichweite direktes Richten 100 m bis 1.500 m und Reichweite indirektes Richten unter Zuhilfenahme von Bodenplatte und Zweibein bis 3.500 m.
Außerdem soll der Mörser auch als Kommandomörser (ohne Bodenplatte und Zweibein) verwendbar sein.

Ein Bedarf wurde für 159 Systeme (106 Heer, 36 Luftwaffe, 13 Marine, 4 SKB), davon 37 reine Kommandomörser und 24.400 Patronen Mörsermunition als Erstausstattung festgestellt. Dafür sind Mittel in Höhe von ca. 35 Millionen Euro vorgesehen.

ESUT
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