Bw Infanterie Ausrüstung
#46
Und es geht weiter:

War nicht vor kurzem nur die Munition schuld? Nun also doch wieder das Gewehr? Oder nur bestimmte Margen, also nur einige der Gewehre und andere nicht? Oder doch die Munition? Wie auch immer, der weitere Kauf von G36 wurde gestoppt:

http://www.bild.de/politik/inland/bunde ... .bild.html

Zitat:Im BRH-Bericht heißt es nun: „Es spricht viel dafür, dass es in der Bundeswehr sowohl nichtsystemverträgliche Munitionssorten als auch unterschiedlich wärmeempfindliche Gewehre G36 gibt.“

Das ist fast das dümmste was ich je gelesen habe.

Na ja egal. Das G36 ist als Interimswaffe ja ohnehin jetzt mal reif für einen Ersatz. Eine gute Gelegenheit eine neue überlegene Schützenwaffe zu ordern!
Zitieren
#47
Wie ist man denn in Norwegen mit dem HK416/417 zufrieden?

Ausländisch kaufen ist wohl eher unrealistisch. Auch wenn Systeme wie das FN SCAR sich großer Zufriedenheit bei ihren Benutzern erfreut.

FInds erstaunlich, wie lange man hier zu Lande mal braucht, um so ein Thema aufzurollen und zu Handeln. Das ist wirklich unglaublich bedenklich.
Zitieren
#48
Onto:

Man ist überaus zufrieden. Zudem ist das HK417 inzwischen auch Teil der Infanterie-Bewaffnung der BW: in der "Zivilversion" M308 als G28 eingeführt, sowie in der originalen Version beim KSK.

Trotzdem würde ich gerade diese Waffe nicht einführen: weil: es ist ein AR15 System. Und vor allem anderen: es ist gegenüber dem G36 kein wirklicher Fortschritt. Der Ersatz aller G36 mit dem HK416 würde mehr kosten als eine Kampfwertsteigerung des G36 welche dieses besser machen würde als das HK416!

Es wäre gar nicht so teuer, die G36 kampfwertzusteigern. Ein neuer Aluhandschutz, ein längenverstellbarer Klappschaft, eventuell ein neues Gehäuse (Carbon, Alu), eine neue andere Optik und schon hätte das G36 die benannten Probleme nicht mehr. Auch Waffen wie das M16 wurden ja wieder und wieder kampfwertgesteigert und wurden dadurch mit der Zeit sehr gut.

Aus dem G36 könnte man auf die gleiche Weise kostengünstiger eine herausragend gute Waffe machen.

Wenn man eine neue Waffe einführen würde, wäre es allerdings interessant mit Frankreich zusammen zu gehen, dass auch das FAMAS ersetzen will, aber noch nicht recht weiß wie und womit. Eine Beschaffung zusammen mit den Franzosen würde den Preis gigantisch senken.

Zitat:Ausländisch kaufen ist wohl eher unrealistisch.

HK könnte entsprechende Waffen von FN auch in Lizenz herstellen, beispielsweise gibt es eine herausragend gute HK Version des FN MAG (das HK221 das kein Mensch kennt und welches für die BW vor ein paar Jahren die beste Option anstelle von MG4 und jetzt MG5 gewesen wäre).

Von daher könnte man auch eine Variante des SCAR L von HK bauen lassen. Aber wieder wäre der Punkt: das wäre kein wesentlicher Vorteil gegenüber dem G36. Interessant wäre allenfalls das SCAR H.

Zitat:FInds erstaunlich, wie lange man hier zu Lande mal braucht, um so ein Thema aufzurollen und zu Handeln. Das ist wirklich unglaublich bedenklich.

In diesem Kontext wurde auch viel Unsinn in den Medien verbreitet, viele Behauptungen die hier über das G36 aufgestellt wurden stimmen so auch nicht.

Peinlich vor allem anderen war primär die Reaktion von HK ! und weniger die Probleme des G36 welche weder überraschend waren noch so massiv sind wie es dargestellt wurde.

Allgemein:

Wenn wir uns entscheiden sollten beim gleichen Kaliber zu bleiben, wäre eine Kampfwertsteigerung des G36 die effizienteste Variante.

Sollte man aber das G36 ersetzen, wäre es sinnvoll, auch ein neues Kaliber unilateral einzuführen (hey, die Amis haben das auch schon zweimal gemacht). Das beste Kaliber wäre meiner Meinung nach die 6,5mm Lapua, auf das alle im Kaliber 7,62x51mm NATO befindlichen Waffen durch einen einfachen Rohrwechsel umgerüstet werden können. Das heißt, man könnte alle MG (HK121) und DMR (G28) behalten und hätte zudem wieder ein Einheits-Kugel-Kaliber.

Interessant wäre es nun, einen Prototypen eines Herstellers zu nehmen, der keine großen Aufträge bisher hatte und daher darauf angewiesen ist, dass sein Prototyp mal irgendwo einen Erfolg landet. Dieses System würde ich dann durch HK in Lizenz bauen lassen. Es gäbe da nun mehrere mögliche Hersteller, am besten wäre meiner Meinung nach Magpul, denkbar wäre aber auch das SCAR H direkt von FN zu beziehen.

Magpul hat mit dem Massada bzw dem Massoud zwei herausragend gute Sturmgewehre verfügbar. Die Militärvariante des Massada, die Remington ACR ist zudem sehr ausgereift und hat keine Kinderkrankheiten mehr.

Eine HK Variante dieser Waffe in 7,62x51mm oder im Idealfall in 6,5mm Lapua wäre die beste derzeit sofort einkaufbare Option. Ein Kaliberwechsel ist meiner Ansicht nach ohnehin unumgänglich, da die Problemstellung moderner Gefechtshelme und Schutzwesten ein stärkeres Kaliber notwendig macht. Die 5,56x45mm ist aufgrund der zunehmenden Schutzbewaffnung unserer Feinde obsolet.

Zudem wäre ein Einheits-Kugel-Kaliber taktisch überlegen. Es wäre allerdings teurer als eine Kombination aus 5,56 und 7,62, aber angesichts der geringen Gesamtkosten und der erheblichen taktischen Vorteile sollten wir diese Mehrkosten investieren: die Partisanenkriege der Gegenwart werden von Infanterie geführt, also sollten wir auch in diese investieren!
Zitieren
#49
Und tut sich da dann etwas in der Hinsicht mit Kampfwertsteigerungen?

Oder bleibt alles beim Üblichen?

Das G36 liefert nicht die Performence die es soll. Da kann man wohl so ziemlich jeden Soldaten befragen. Persönlich hab ich schon so manches über das G36 gehört, aber Gutes eigentlich kaum.
Zitieren
#50
Ich würde mir ja als neue Bewaffnung ein modernisiertes G11 wünschen. Die eigentliche Entwicklung ist ja ohnehin bereits Anfang der 1990er Jahre abgeschlossen worden.
Die Munition ließe sich sicherlich so anpassen, das man gegenüber der jetzigen 5,56 mm NATO keine ballistischen Nachteile hat, während weiterhin Gewicht - und auf Dauer auch Materialkosten - der Munition gesenkt würden (kein Metall mehr für die Hülsen).
Als Visier könnte man das Doppelvisier des jetzigen G36 nehmen - ob man es jetzt, wie Quintus vorschlägt, auf 6,5 mm neu einschießt oder auf das Kaliber "G11 Mod. 2" wäre nicht der große Unterschied. Den Granatwerfer des G36 bekäme man sicherlich auch unters G11 geklemmt.
Auch der Aufwand für die Fertigung wär nicht allzu groß, besieht man sich die Alternativen. Für Magpul oder FN müssten auch eigene Fertigungsstraßen neu gebastelt werden, für ein aufgemotztes G36 in neuem Kaliber, mit anderem Handschutz usw. würde man auch alles mögliche neu anschaffen müssen.
Mit etwas Glück könnte man die Franzosen zum mitmachen überreden, und somit die Kosten weiter senken.
Zitieren
#51
Onto:

Zitat:Das G36 liefert nicht die Performence die es soll

Das ist gerade eben der Punkt: das G36 kann exakt das, was die Bundeswehr gefordert hat, nicht mehr, nicht weniger. HK hat exakt geliefert, was verlangt wurde.

Wer nicht bereit ist, für die Infanterie Geld auszugeben sollte dann nicht über die Leistung der Waffen jammern. Gute Schützenwaffen kosten.

Zitat:Und tut sich da dann etwas in der Hinsicht mit Kampfwertsteigerungen?

In begrenztem Rahmen für das IdZ Programm, sowie etwas weiter reichend für besonders ausgewählte Einheiten.

Zitat: Persönlich hab ich schon so manches über das G36 gehört, aber Gutes eigentlich kaum.

Dann hör dir mal was von mir an: ich war grade mit der Grundausbildung fertig, als das G36 kam, in der Grundi hatten wir alle noch G3. Die Trefferquoten stiegen schlagartig immens an und im direkten Vergleich (den wir ja hatten) war das G36 ein Meilenstein im Vergleich zum G3.

Nun hätte man natürlich wie Norwegen es getan hat auch das G3 kampfwertsteigern können....

Nelson:

Zitat:Ich würde mir ja als neue Bewaffnung ein modernisiertes G11 wünschen. Die eigentliche Entwicklung ist ja ohnehin bereits Anfang der 1990er Jahre abgeschlossen worden.

Und wird zur Zeit von den Amis mit dem LSAT Programm fortgeführt das im Endeffekt exakt das zur Zielsetzung hat: ein modernsiertes G11. Man könnte also auch durchaus zusammen mit den USA in das LSAT Programm einsteigen. Nur: wir würden damit wieder eine Katze im Sack kaufen, mit dem Risiko von Kinderkrankheiten und Friktionen aller Art. Und gerade bei der Infanterie gilt um so mehr: was einfach ist, funktioniert. Daher sollte jede Schützenwaffe möglichst einfach und möglichst robust sein. Bis man hochtechnische Systeme dann so weit hat, braucht es noch einige Zeit und Mehrkosten.

Zudem wäre ein solches System wieder teurer als eine Waffe mit konventionellem Aufbau.

Im Prinzip wäre nicht nur eine Waffenfamilie mit hülsenloser Mun denkbar, auch Flüssigtreibladungen wären eine interessante Option. Aber all das würde Jahre dauern und hätte Unwägbarkeiten. Daher bin ich im Moment noch für eine konventionelle Schützenwaffe. Beispielsweise könnte man das G36 kampfwertsteigern und die gewonnene Zeit für die Entwicklung der nächsten Generation nutzen.

Zitat:Als Visier könnte man das Doppelvisier des jetzigen G36 nehmen - ob man es jetzt, wie Quintus vorschlägt, auf 6,5 mm neu einschießt oder auf das Kaliber "G11 Mod. 2" wäre nicht der große Unterschied.

Hier hast du mich falsch verstanden. Gerade das Doppelvisier des G36 ist Schrott und müsste im Rahmen einer Kampfwertsteigerung ersetzt werden.

Zitat:für ein aufgemotztes G36 in neuem Kaliber, mit anderem Handschutz usw. würde man auch alles mögliche neu anschaffen müssen.

Das ist nicht ganz richtig, weil alle dafür notwendigen Teile bereits auf dem Markt existieren und sofort ad hoc beschafft werden könnten. Nichts müsste dafür neu geschaffen werden.

Zitat:Mit etwas Glück könnte man die Franzosen zum mitmachen überreden, und somit die Kosten weiter senken.

Oder man steigt mit den USA und Frankreich zusammen in die LSAT Waffen ein. Aber da sind überall Unwägbarkeiten, wir sollten uns eben nicht auf andere verlassen. Gerade deshalb vertrete ich beispielsweise ein genuin deutsches Kaliber und den unilateralen Ausstieg aus den NATO Kalibern.

Gerade bei den Schützenwaffen sollten wir nicht sparen.
Zitieren
#52
Bei den jetzt gestoppten Beschaffungen handelt es sich ja eigentlich um die verbesserten G36 aus dem IdZ-Projekt, sprich mit verstellbarer Schulterstütze und EOTech-Visier.

Im Übrigen hat selbst das vielgepriesene G3 nicht alle Forderungen der Bundeswehr erfüllt, die Waffe war bei Dauerfeuer nur schwer zu kontrollieren, daher auch die Fixierung auf den gezielten Einzelschuss bei der älteren Generationen der Bundeswehr.
Zitieren
#53
Sinnvoller wäre es halt, diese Schulterstützen und Visiere für sich alleine zu ordern und auf bereits vorhandene G36 zu setzen, statt diese Anbauteile gleich zusammen mit fabrikneuen G36 zu kaufen. Die Schulterstützen auszutauschen und neue Visiere aufzusetzen wäre sehr unaufwendig.

Zitat:die Waffe war bei Dauerfeuer nur schwer zu kontrollieren, daher auch die Fixierung auf den gezielten Einzelschuss bei der älteren Generationen der Bundeswehr.

Wobei gerade das G3 systeminhärent für gezielte Einzelschüsse deutlich schlechter geeignet ist als andere Waffen, da der Abzug, der Rollenverschluß und die Konstruktion als Rückstoßlader schnelle gezielte Einzelschüsse sehr erschweren.

Eher ist es so, dass die Bundeswehr von Grund auf nicht verstanden hat, wie man Dauerfeuer einsetzen kann, nämlich um die Trefferwahrscheinlichkeit durch Ausnutzung der Streuung der Waffe bei kurzen Feuerstößen zu erhöhen (da dann eine Fläche bestrichen wird, vergleichbar einer Schrotgarbe).

Gerade das G3 ist beispielsweise eine Waffe, mit der man auf "größere" Distanzen eher mit einem kurzen Feuerstoß trifft als mit einem gezielten Einzelschuss. Aber das muß man natürlich auch erst mal erlernen/ausbilden. Gerade auf sich bewegende Ziele und unter realistischen Bedingungen (also kriegsmäßigem Schießen) trifft man mit Feuerstöße eher als mit gezielten Einzelschüssen und eigentlich war das G3 gerade auf diese Einsatzweise hin optimiert und wurde dann konträr zu seinen systeminhärenten Eigenschaften genutzt.
Zitieren
#54
@ Quintus

Ich meinte mit dem "neu anschaffen" auch nicht die Entwicklung neuer Waffenteile, sondern vielmehr die - für den Hersteller notwendig werdende - Umstellung der Produktionslinien. Wenn man einen Aluminium-Handschutz haben will, wird man für dessen Herstellung anderes Gerät brauchen, als für Polymer. Und ich gehe jede Wette ein, das HK derartige Argumente in jedem Fall anführen würde, um den Preis des verbesserten G36 in die Höhe zu treiben. Das gleiche würde für die Umstellung auf 6,5 mm Kaliber gelten - neue Läufe, andere Magazine, Veränderungen beim Gasdruck - jede Menge Zeugs, aus dem man (berechtigt?) Geld schlagen kann.
Das das Visier des G36 so schlecht ist, hätte ich allerdings nicht gedacht, aber gut, wenn da eh neue kommen sollten, dann wäre auch die Kaliberumstellung nicht mehr ganz so aufwändig.

Was das LSAT angeht, so würde ich einen Einstieg doch sehr befürworten. Die deutsche Wikipedia-Ausgabe gibt als angepeilten Preis 3600 Dollar, also etwa 2600 Euro an. Sparsam ist etwas anderes, aber gut, wenn wir mit einigen hunderttausend anzuschaffenden Gewehren zusätzlich einsteigen würden, ließe sich das sicherlich noch etwas reduzieren. Robust und Einfach zu bedienen sollte es allerdings schon sein, nur lässt sich das momentan eben leider noch nicht abschätzen.
Zitieren
#55
Nelson:

Die Produktionslinien für diese Produkte sind bereits vorhanden, sie produzieren halt bis dato nur geringe Margen. Die bereits bestehenden Produktionslinien auszubauen wäre sehr einfach, selbst die bestehenden sind ja nicht im Ansatz ausgeschöpft und man könnte beispielsweise einen Handschutz aus Alu sofort ad hoc in erheblichen Mengen einkaufen.

Zitat:Wenn man einen Aluminium-Handschutz haben will, wird man für dessen Herstellung anderes Gerät brauchen, als für Polymer.

Das Gerät gibt es schon und selbst HK hat eine Produktionslinie dafür bereits in Betrieb.

Das ist ja gerade der Punkt, dass wir gerade eben keine neuen Produktionslinien schaffen müssten.

Zitat: Das gleiche würde für die Umstellung auf 6,5 mm Kaliber gelten - neue Läufe, andere Magazine, Veränderungen beim Gasdruck

Das G36 würde ich nicht auf dieses Kaliber umstellen. Wenn man das G36 weiter verwendet, wäre es sinnvoller, weiter bei der 5,56x45mm NATO zu bleiben. Eine Umstellung auf 6,5mm wäre nur sinnvoll in Verbindung mit einer komplett neuen Waffe.

Wobei es dafür auch andere Gründe als nur den Aufwand hat: die 6,5mm Mun macht nämlich nur neue Läufe notwendig. Man könnte die gleichen Magazine weiter verwenden und auch sonst müsste nichts geändert werden. Und das Visier würde ja ohnehin ein neues werden.

Zitat: nur lässt sich das momentan eben leider noch nicht abschätzen

Und genau das ist das Problem: man würde eine Katze im Sack kaufen. Angesichts der dringenden Notwendigkeit wäre daher eine technisch einfachere Lösung vorzuziehen.
Zitieren
#56
@QF
Zitat:Eher ist es so, dass die Bundeswehr von Grund auf nicht verstanden hat, wie man Dauerfeuer einsetzen kann, nämlich um die Trefferwahrscheinlichkeit durch Ausnutzung der Streuung der Waffe bei kurzen Feuerstößen zu erhöhen (da dann eine Fläche bestrichen wird, vergleichbar einer Schrotgarbe).
Nein, man wollte eigentlich ein Sturmgewehr mit Kurzpatrone beschaffen, war dann allerdings aufgrund von NATO-Vorgaben an die beiden Kaliber 9x19 mm und 7,62x51 mm gebunden.

Und ein G3 im Kaliber 7,62x51 mm war nunmal bei kurzen Feuerstößen, Dauerfeuer schwer zu beherrschen. Das hat die Bundeswehr selbst erkannt, bereits in den 60er Jahren wurde nach einem Nachfolger gesucht und in den Kampftruppen wurde die Lücke erstmal durch mehr MP2 gefüllt.

Ein Schützentrupp der Panzergrenadiere hätte also anno dazumal mit einer Mischung aus G3, G3ZF, MG1/2/3 und MP2 gekämpft.

Zitat:Gerade das G3 ist beispielsweise eine Waffe, mit der man auf "größere" Distanzen eher mit einem kurzen Feuerstoß trifft als mit einem gezielten Einzelschuss.
Der Kampf >400m sollte vornehmlich durch G3ZF und MG1/2/3 geführt werden.
Zitieren
#57
parabellum:

Zitat:Nein, man wollte eigentlich ein Sturmgewehr mit Kurzpatrone beschaffen

Zwar war das CETME Gewehr (in Spanien) ursprünglich auf eine Kurzpatrone ausgerichtet, aber als die Bundeswehr begann sich für das CETME Gewehr zu interessieren, wollte man von Anfang an ein anderes Kaliber dafür! Es ist nicht so, dass die Bundeswehr eigentlich das CETME Mittelkaliber wollte, und dann gezwungen worden wäre, das 7,62x51mm NATO Kaliber zu nehmen, sondern man wollte von Anfang an das CETME Gewehr im NATO Kaliber.

Grund dafür war, dass die Bundeswehr bereits vorher mit dem FN FAL eine Waffe in diesem Kaliber eingeführt hatte und das man eine Vereinheitlichung von MG und Sturmgewehrmunition anstrebte und zudem die G1 und G3 das gleiche Kaliber haben sollten.

Das CETME Modell A dass die Bundeswehr bereits 1956 testete (und die BW wurde erst 1955 gegründet) war bereits in 7,62x51mm, ein anderes Kaliber wurde von der Bundeswehr nie in Betracht gezogen (aufgrund der bereits vorhandenen FN FAL (G1).

Man wollte also ausdrücklich nie eine Kurzpatrone bei der Bundeswehr für das G3 (CETME).

Zitat:Und ein G3 im Kaliber 7,62x51 mm war nunmal bei kurzen Feuerstößen, Dauerfeuer schwer zu beherrschen.

Schwerer (im Vergleich zu den heutigen Wohlfühltröten), aber in Wahrheit gar nicht so schwer. Das ist eine bloße Ausbildungs- und Einstellungssache. Beispielsweise kann ich die Waffe im Dauerfeuer einsetzen, und wenn ich es lernen konnte, dann könnte es jeder lernen.

Zitat:Der Kampf >400m sollte vornehmlich durch G3ZF und MG1/2/3 geführt werden.

Deshalb habe ich "größere" Distanzen auch in Anführungszeichen gesetzt. Ich meine damit eher den Bereich zwischen 100 und 400 m unter realistischen Gefechtsmäßigen Bedingungen.
Zitieren
#58
Gut, da sind meine Literaturquellen etwas wage. Laut Panzergrenadiere im Kalten Krieg:
Zitat:Aus diesem Grund bot sich vordergründig eine Ausrüstung der Bundeswehr mit dem Sturmgewehr 44 an. Kalkulationen und Angebote hierzu wurden von der Firma Heckler & Koch erstellt[...]

Hieraus habe ich geschlossen, dass man am Anfang ein Sturmgewehr mit Kurzpatrone beschaffen wollte.

Zitat: Es ist nicht so, dass die Bundeswehr eigentlich das CETME Mittelkaliber wollte, und dann gezwungen worden wäre, das 7,62x51mm NATO Kaliber zu nehmen, sondern man wollte von Anfang an das CETME Gewehr im NATO Kaliber.
Ich meine die NATO hat sich 1954 auf das 7,62x51mm Kaliber geeinigt. Stellt sich also die Frage, ob die Bundeswehr das G3 (auch G1/FN FAL - wobei hier vor allem der Gedanke der schnellen Verfügbarkeit im Vordergrund stand) mit dieser Munition einführte um den NATO-Standards zu genügen oder weil man 7,62x51mm gegenüber einer Kurzpatrone bevorzugte.
Zitieren
#59
Zitat:Stellt sich also die Frage, ob die Bundeswehr das G3 (auch G1/FN FAL - wobei hier vor allem der Gedanke der schnellen Verfügbarkeit im Vordergrund stand) mit dieser Munition einführte um den NATO-Standards zu genügen oder weil man 7,62x51mm gegenüber einer Kurzpatrone bevorzugte.

Es gab in der Bundeswehr 1955 während der Gründung noch eine Diskussion ob man ein Mittelkaliber einführen sollte, oder die da bereits beschlossene NATO Standard-Munition. Die Diskussion dauerte nicht lange. Man ließ sich Angebote verschiedener Firmen vorlegen und entschied sich dann noch 1955 für die NATO Munition - und daraus resultierend für das G1 (FN FAL).

Als man begann sich 1956 für das CETME Gewehr (G3) zu interessieren, hatte man sich bereits seit 1 Jahr auf die NATO Mun festgelegt, weshalb für das G3 nie diese Diskussion geführt wurde. Zudem wurde das CETME Gewehr (G3) nie mit einem Mittelkaliber angeboten, sondern bereits mit der 7,62x51mm CETME!

Den NATO Standards zu genügen war dabei nur ein Grund von mehreren. Eine weitere Rolle spielten Kostenfragen (die Mittelkaliberpatrone war teurer, ebenso die Waffen dafür), die Option von den USA größere Mengen von Mun zu erhalten, und die Leistungsparameter der Munition (Reichweite, Durchschlagskraft gegen Helme, Deckungen usw) sowie vor allem auch der Gedanke, die gleiche Mun bei MG und Sturmgewehren zu verwenden. 1955 gab es sogar noch eine Diskussion ob man überhaupt noch abgesessen MG verwenden sollte. Kampferfahrene Frontoffiziere waren 1955 teilweise der Meinung, dass gurtgefütterte MG für die Infanterie obsolet wären (Quelle Middelhof) und MG nur noch auf Fahrzeugen sinnvoll wären, abgesessen aber nur noch Sturmgewehre geführt werden sollten. Die gleiche Fraktion vertrat auch das Mittelkaliber als Einheits-Standardkaliber.

Da man sich aber sehr früh auf eine Bewaffnung der abgesessenen Infanterie mit MG festlegte und man nicht zwei Kaliber einführen wollte, suchte man ein Kaliber das mit MG und Sturmgewehren zugleich verwendet werden konnte.

Beschließend: die 7,62x51mm sollte anfangs durchaus im Dauerfeuer mit den G1 eingesetzt werden, man hielt den Rückstoß in den ersten Jahren der BW durchaus nicht für zu groß. Erst als man mit dem G1 in der Praxis feststellte, dass die Versprechungen der Rüstungsindustrie in Bezug auf dieses Kaliber und das G1 so nicht richtig waren begann man die Doktrin des gezielten Einzelschusses zu entwickeln.

Anbei: man liest üblicherweise in deutschen Quellen, dass das CETME Gewehr (G3) für die 7,92x33mm ausgelegt worden wäre, also auf das Kaliber des deutschen Sturmgewehr44. Das ist falsch. In Spanien experimentierte man zuerst mit einer eigenen Mittelkaliberpatrone, der 7,92x40mm CETME, aus der man dann die 7,62x40mm CETME entwickelte. Als dann die NATO Standard Patrone heraus kam, entwickelte man aus der 7,62x40mm CETME die 7.62×51mm CETME, und das CETME Gewehr dass die Bundeswehr testete war bereits in diesem Kaliber.

Daher ließ man in deutschen Quellen oft fälschlicherweise, die ersten G3 wären für das Kaliber des Sturmgewehr44 ausgelegt wären, dass ist falsch. Sie waren für die abweichende CETME Patrone ausgerichtet, die sowohl von der Leistung wie von den Kosten her der NATO Standard-Patrone unterlegen war. Das CETME Gewehr war daher nie für eine Mittelkaliber-Patrone ausgelegt und wurde auch nie mit einem solchen der BW vorgestellt.

Die CETME Patrone wurde zwar ganz eingangs auf der Grundlage der Mun des StGw44 (erster Prototyp gleiche Geschosse 7,92mm aber Hülse mit 40mm und nicht mit 33mm!) entwickelt, war aber ein eigenes Kaliber (7,62x40mm)! und die 7,62x51mm CETME war erst recht ein komplett eigenes Kaliber.

Achtung fremdsprachige Quelle (es gibt keine deutsche Quelle dazu):

http://www.municion.org/7_92x40/7_92x40.htm

http://www.municion.org/7_92x40/7_62x40.htm

Das CETME Gewehr wurde also nie mit einem Mittelkaliber der BW angeboten, sondern im CETME Kaliber.
Zitieren
#60
Anbei:

Die Probleme mit dem G36 treten ja vor allem dann auf, wenn mit dem G36 Deckungsfeuer abgegeben werden muss, weil entweder die MG durch Feindfeuer unterdrückt werden oder nicht in der räumlichen Position sind selbiges auf den Gegner zu legen.

Die Amis machen regelmäßig die gleiche Erfahrung mit ihren M4/M16. Das USMC hat auch deshalb beispielsweise die M27 (HK416) eingeführt, weil die MG oft ihre Rolle/Aufgabe nicht wahrnehmen können und daher die M16 einspringen mussten, mit den bekannten Konsequenzen.

Die Lösung könnte ein echtes Sturmgewehr sein, und die Aufgabe des MG innerhalb der Gruppen/Zugebene. Jedes Sturmgewehr wäre dann konsequent auch darauf hin ausgelegt, Dauerfeuer zu legen. Es wäre aufgrund seiner Magazinfütterung darin zwar einem gurtgefütterten MG unterlegen, aber dafür jeder Assault Rifle darin überlegen und statt 1 MG hätte man so viele IAR welche zusammen eine viel höhere Leistung im Dauerfeuer erbringen würden als eine Gruppe mit nur 1 MG.

Die US Army und andere gehen einen anderen Weg und setzen mehr gurtgefütterte MG pro Gruppe ein, dass USMC wiederum setzt das IAR Konzept nicht voll um und verwendet widersinnigerweise IAR und M16 nebeneinander statt nur noch IAR zu verwenden.

Daher wäre meine Idee dazu, auf Gruppenebene alle MG und alle G36 durch ein Einheits-Sturmgewehr zu ersetzen, und MG nur noch auf Zugebene oder höher getrennt/frei von den Gruppen zu verwenden.

So könnte auch jeder Infanterist in einer Gruppe mit jedem anderen seine Magazine austauschen und die Waffen wären beweglicher und für den OHK besser geeignet.

Meiner Meinung nach sind Waffen wie das G36 oder das M4/M16 etc nicht konsequent durchdacht. Sie sind im Endeffekt keine Sturmgewehre! weil die ursprüngliche Idee des Sturmgewehr ja war, Maschinengewehre, Gewehre und Maschinenpistolen in einer Waffe zu vereinigen.

Hier noch ein Artikel zu den im Endeffekt gleichen Problemen der Amis mit ihrem M4 (gleiche Probleme wie das G36):

https://medium.com/war-is-boring/the-ar ... c055acc76b

Diese Probleme resultieren also im Endeffekt aus einer Fehlkonzeption der Waffe, womit diese nicht die notwendigen Aufgabgen übernehmen kann, welche sie im realen Einsatz aber immer wieder übernehmen muss.

G3 wie G36 waren gerade eben entgegen ihrer Bezeichnung keine Sturmgewehre und die Assault Rifle der Amis sind es auch nicht. Die Lösung: echte Sturmgewehre (IAR) anstelle von Assault Rifle und MG.
Zitieren


Gehe zu: