Armenien
#76
(09.02.2026, 23:59)lime schrieb: ...
Armenien wird abwägen müssen ob dann Rußland oder die USA die bessere Option ist und ob das Risiko besteht ähnlich wie Rojava zu enden.
zu Armenien schreibt Jakob Wöllenstein, Leiter des Regionalprogramm Politischer Dialog der Konrad-Adenauer-Stiftung im Südkaukasus, in.n-tv:
Zitat:Armenien schafft das Kunststück, gute Beziehungen zu den USA und zum Iran zu unterhalten. Im Südkaukasus ist es eine Demokratie in zunehmend autoritärer Nachbarschaft. Eine Ausweitung des Kriegs (gegen den Iran) würde das Land hart treffen.

Ein bissiges Meme ging in der vergangenen Woche um in den Sozialen Medien des Südkaukasus. Auf einer animierten Landkarte der Region fügen sich aufeinanderfolgende Explosionen auf Territorien fast aller eingezeichneter Staaten zu einem "Feuerring". Nur in der Mitte, über der Republik Armenien, sitzt entspannt, den Blick ins Nichts schweifen lassend, der armenische Premierminister Nikol Paschinjan und mümmelt mit zwanglosem Unschuldsblick ein landestypisches Peraschki-Brötchen.

Die Darstellung trifft einen Nerv, da Armenien einerseits in der Region heraussticht als Demokratisierungsvorreiter in autoritärer Nachbarschaft, die sich von der einstigen Schutzmacht Russland distanziert und eine Friedensagenda fährt. Doch obwohl Jerewan eine EU-Mitgliedschaft zum langfristigen Ziel erklärt hat und einen engen Draht zur US-Regierung von Präsident Donald Trump pflegt, hat es sich stets um gute Beziehungen zum Iran bemüht.

Armenien befindet sich zwar, mit internationaler Unterstützung, auf einem historischen Weg der Aussöhnung mit den einst verfeindeten Nachbarn Aserbaidschan und Türkei. Aber die Grenzen dorthin sind weiter geschlossen. Der Iran war damit bislang für die Armenier neben Georgien die einzige offene Landgrenze, und auch Teheran legt großen Wert darauf, diese Route nach Norden zu erhalten.
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Durch die Republik Armenien verlaufen zwar noch keine wichtigen transnationalen Pipelines, doch genau das soll sich zeitnah ändern. Und ein geplantes Jahrhundertvorhaben zum Bau neuer Pipelines, Straßen, Schienen und Glasfaserverbindungen lässt schon am Namen erkennen, dass seine Bedeutung über reine Infrastruktur hinausgeht: Die "Trump Route for International Peace and Prosperity", kurz TRIPP.

Im Juni wird in Armenien gewählt
Dieses im August 2025 beim historischen Treffen Paschinjans und Aliyev mit Trump im Weißen Haus aus der Taufe gehobene Projekt ist eng verbunden mit der Regionalagenda für Frieden, Grenzöffnung und Konnektivität. Bei seinem jüngsten Vor-Ort-Besuch stellte US-Vizepräsident JD Vance Investitionen in Aussicht. Doch gebaut werden soll TRIPP von Privatfirmen - und Investoren könnten leicht abgeschreckt werden durch regionale Instabilität.

Die volle geopolitische Dimension des Projekts verdeutlicht der Blick auf die Landkarte. Die neue Route soll zum Großteil durch die Sjunik-Region führen, die langgezogene Südprovinz Armeniens, deren Spitze die Grenze zum Iran bildet, ansonsten aber beiderseits von Aserbaidschan flankiert wird:
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All diese Unwägbarkeiten treffen Armenien in einem Moment erhöhter Verwundbarkeit, vor den richtungsweisenden Parlamentswahlen im Juni. Die Regierung stellt sich zur Wiederwahl, auch und gerade für ihre Positionen von Öffnung, Westkurs und Friedensagenda, steht aber in der Kritik, handfeste Ergebnisse vorweisen zu müssen.

Erst im vergangenen Dezember haben sowohl die EU als auch Deutschland mit Armenien strategische Partnerschaftsabkommen geschlossen. Sollte das Land durch den Iran-Krieg unter massiven Druck geraten, wären die Europäer gefordert zu beweisen, wie viel ihnen dieser strategische Partner innerhalb des regionalen "Feuerrings" wirklich wert ist. Eine solche Belastungsprobe böte aber auch die historische Chance, durch flexible und substanzielle Unterstützung der armenischen Bevölkerung zu signalisieren, auf wen in Krisenzeiten tatsächlich Verlass ist.
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#77
Auf diese Zeitung gebe ich normal wenig - aber als Meinungsblatt hat das Papier durchaus Relevant:
Zitat:Weil es in die EU will - Putin droht dem nächsten Land

Moskau – Der Kreml-Diktator nimmt das nächste Land ins Visier. Wladimir Putin hat Armenien wegen seiner Annäherung an die EU offen gedroht. Ein möglicher EU-Beitritt? „Es wäre völlig logisch, ein Referendum abzuhalten und die armenischen Bürger zu fragen, wie ihre Entscheidung ausfallen würde“, sagte Putin. Und schob gleich eine Warnung hinterher: „Auf dieser Grundlage würden wir dann auch unsere eigene Entscheidung treffen.“


Zwar sprach der Kreml-Chef von einer „sanften, zivilisierten und für beide Seiten vorteilhaften Trennung“. Doch dann legte er mit einer weiteren Drohung nach und zog eine düstere Parallele: „Wir alle sehen gerade alles, was sich in Richtung Ukraine abspielt. Aber wie hat das angefangen? Mit dem Versuch der Ukraine, der EU beizutreten.“ Die Botschaft ist klar: Wer sich von Russland ab- und der EU zuwendet, riskiert, angegriffen zu werden.

Auslöser der neuen Spannungen: Erst vor wenigen Tagen trafen sich in Armeniens Hauptstadt Eriwan zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs zum Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft – inklusive des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Außerdem verabschiedete das armenische Parlament 2025 mit großer Mehrheit ein Gesetz, das den Start eines EU-Beitrittsprozesses vorsieht.

Armenien kehrt Russland den Rücken
Armenien galt jahrzehntelang als einer der engsten Verbündeten Moskaus im postsowjetischen Raum. Nach dem Zerfall der Sowjetunion band sich Eriwan fest an Russland, trat der Militärallianz OVKS bei und machte sich sicherheitspolitisch abhängig. Doch dieses Bündnis ist ins Wanken geraten. Spätestens seit dem Berg-Karabach-Krieg 2020 und den Eskalationen 2022/23. Damals griff Aserbaidschan Armenien an und Russland griff nicht ein. Deshalb wuchs in Eriwan das Gefühl: Der Schutz durch Russland funktioniert nicht mehr. Seither wendet sich das Land zunehmend von Moskau ab und sucht die Nähe zur EU.
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(Kopie hier)
In aller Freundschaft:
In der Schlussakte von Helsinki (1975) und der Charta von Paris (1990) wurde - noch unter der Sowjetunion - allen Staaten die freie Bündniswahl zugestanden. Die zehn Prinzipien der Schlussakte – darunter die Unverletzlichkeit der Grenzen, die bereits in der UN-Charta von 1945 verankert ist – besitzen nach wie vor normative Bedeutung. Das gilt natürlich auch für alle Staaten, die aus der Sowjetunion hervorgegangen sind.
Es ist einzig und allein deren Entscheidung, welchem Bündnis sie angehören wollen.
Und es ist die Entscheidung der Staaten im Bündnis, ob und ggf. welche neuen Mitglieder diese aufnehmen.
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#78
Das ist schon keine "schleichende Absetzbewegung" mehr:
Zitat: "Einflussagenten Russlands"
Armenien stellt Kirchenoberhaupt vor Gericht

07.08.2026, 18:10 Uhr

Seine Autorität ist eigentlich unangefochten, noch über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Dass Armeniens Kirchenoberhaupt nun vor Gericht landet, ist ein einmaliger Vorgang - und der Höhepunkt eines jahrelangen Streits.

In einem Machtkampf zwischen Regierung und Kirche in Armenien ist das orthodoxe Kirchenoberhaupt Karekin II. vor Gericht gestellt worden - ein bislang einmaliger Vorgang in den ehemaligen Sowjetstaaten. Der Katholikos und mehrere mitangeklagte Bischöfe erschienen persönlich zum ersten Prozesstermin in Etschmiadsin nahe der Hauptstadt Eriwan, wie Reporter berichteten.

Hintergrund ist ein jahrelanger Streit mit Ministerpräsident Nikol Paschinjan, dessen proeuropäische Regierung im Juni mit absoluter Mehrheit wiedergewählt worden ist.
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#79
(07.08.2026, 22:37)Kongo Erich schrieb: Das ist schon keine "schleichende Absetzbewegung" mehr:

Wenn im Herbst Putin dann die Gaslieferungen einstellt darf man gespannt sein wer diese übernimmt, Aserbaidschan oder die Türkei?
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