Szenario Marokko vs. Spanien
#31
Zitat:Trotzdem, der Konflikt um die Petrersilieninseln (oder Felsbrocken trifft es besser) ist das eine, eine begrenzte kurze nationale Prestigefrage. Ein echter ausgewachsener Konflikt mit einem großen EU- und NATO-Staat wäre was deutlich anderes. Daher halte ich solch ein Szenario kurzfristig bis mittelfristig für ziemlich ausgeschlossen. Gewisse äußere Spannungen wären vielleicht hilfreich, aber ein echter Konflikt mit einer recht wahrscheinlichen Niederlage und weiteren Konsequenzen würde der neue König eher nicht eingehen. Außerdem hat man doch aus dem Schicksal der Militärjunta in Argentinien lernen können:Sie mußten zurücktreten .
Es ist gut möglich das es den Regime oder den alten Kadern gelingt durch äussere Spannungen kurzfristig gesehen von innenpolitischen Problemen abzulenken, dennoch halte ich es für relativ unwahrscheinlich das Marokko eine offene Konfrontation mit Spanien eingeht. Erstens ist Spanien technisch viel höher Gerüstet als Marokko, auch im Ausbildungsstand der Trupppen beider Länder sehe ich Unterschiede von Tag und Nacht. Sollte Marokko sich ja mal auf eine derart waghalsige Aktion einlassen gibt es nicht nur alleine eine militärische Antwort Spaniens, sämtliche US und EU Hilfen werden für Marokko gestrichen und Infolge des Krieges fällt der Tourismus als wichtigste wirtschaftliche Einnahmequelle für Marokko aus.


Durch spanische Militärschläge und Sanktionen des Westens würden die Marokkaner die Dominanz des Westens an der eigenen Haut zu spüren bekommen, die Folgen davon wären ein starker Hass auf den Westen den sich insbesondere die Fundamentalisten zunutze machen können. Sollte infolge dessen der König von Marokko abdanken, so würden in Marokko radikale islamisten das Ruder übernehmen.

Edit:

Wenn in Marokko ein Regime an der macht wäre das vollen Rückhalt des Volkes Volkes geniesst und politisch stabil wäre würde Marokko ohne grosse Zweifel seine Interessen in Frage der Enklaven und der Petersilieninsel viel offensiver vertreten als es die jetzige Administration tut. Wäre Marokko wirklich stark und politisch stabil dann würden die Spannungen zwischen den beiden Ländern enorm zunehmen, da bin ich mir sicher. bei einem politisch stabilen und militärisch relativ starken Marokko wären die Forderungen nach Rückgabe der Persilieninseln und der Enklaven offener Bestandteil der Ausssen und Sicherheitspolitik und keine Ablenkung von innenpolitischen Problemen !
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#32
Inzwischen hat Marokko mehrere Aufrüstungsvorhaben initiiert. Die Luftwaffe soll etwa neue F-16 erhalten, und bei der Marine ist von der Beschaffung einer Fregatte der FREMM-Klasse und/oder dreier Korvetten der Sigma-Klasse die Rede. Inwieweit würden diese Beschaffungen das Stärkeverhältnis zugunsten von Marokko verbessern?
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#33
unwesentlich - Spanien alleine ist deutlich überlegen und könnte im Fall eines Angriffs von Marokko auch mit Unterstützung der Nachbarländer bis hin zur NATO rechnen,
es also völlig illusorisch den Konflikt um Territorium mit militärischen Überlegungen lösen zu wollen
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#34
http://www.eurasisches-magazin.de/artik ... D=20090415
Zitat:MAROKKO
Ceuta und Melilla: Die beiden letzten europäischen Kolonien in Afrika
Sind Ceuta und Melilla Exponate europäischer Fremdherrschaft oder Teile des „christlichen“ Spaniens?
Von Mohammed Khallouk
EM 04-09 · 02.04.2009

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Man stützt sich auf die nicht zu leugnende Tatsache, dass sowohl in Ceuta als auch in Melilla die spanische Sprache und das katholische Christentum ebenso wie auf der als „Peninsula“ bezeichneten iberischen Halbinsel die kulturprägenden Merkmale der Bevölkerungsmajorität darstellten. Von den christlich-spanisch geprägten Eliten wird eine Identitätsbeziehung in der bewussten Abgrenzung von den „moros“ gepflegt - einer abwertenden Bezeichnung für Muslime im allgemeinen und Marokkaner im besonderen.

Christliches Traditionsbewusstsein bestimmt das der Öffentlichkeit vermittelte Stadtbild während muslimische Rituale sich auf die mehrheitlich von marokkanischstämmiger Bevölkerung bewohnten Stadtrandviertel beschränken. Vor diesem Hintergrund erscheint die Klärung der künftigen territorialen Zuständigkeit kaum ohne Widerstände von der einen oder anderen Seite erreichbar. Noch bedeutender erscheint jedoch die Geschichte und ihre jeweilige Gewichtung zu sein.
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Die marokkanischen Nachbarprovinzen profitieren gegenwärtig von den Enklaven, über die der illegale Warenaustausch mit der EU erfolgt. Der fortdauernde Verweis der marokkanischen Regierung auf die „fortbestehenden Kolonien“ wird nicht zuletzt für Zugeständnisse Madrids und Brüssels in anderen Konflikten wie der illegalen Einwanderung nach Europa und Handelsstreitigkeiten als Druckmittel eingesetzt. Eine Funktion, die mit der Eingliederung in den marokkanischen Staatsverband verloren ginge.

Friedliche Bewältigung oder Aufrechterhaltung des Status Quo?

Dennoch belegt gerade jene Instrumentalisierung wie notwendig die Übergabe dieser beiden letzten von einem europäischen Staat beherrschten afrikanischen Enklaven ist. Hinzu kommt, dass durch die Einbeziehung der Städte als „vollständig integrierter Bestandteil in EU und NATO“ der Eindruck einer Südbedrohung Europas und vor allem Spaniens durch die afrikanisch-muslimische Kultur aufrechterhalten wird. Auf diese Weise erfolgt gleichermaßen eine Instrumentalisierung für ein exklusiv verstandenes „europäisches Modell“, das sich gegen Kultureinflüsse von außen absichern müsse.

Voraussetzung für die Akzeptanz der Übergabe der beiden Enklaven an Marokko bei der christlich-spanisch geprägten Bevölkerung ist jedoch, ....
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#35
Zitat:Dennoch belegt gerade jene Instrumentalisierung wie notwendig die Übergabe dieser beiden letzten von einem europäischen Staat beherrschten afrikanischen Enklaven ist.
wieso spielt man den Ball in solchen Texten immer nur in eine Richtung?

Zitat:Erfolgreiche Beispiele dieser Art sind zahlreich, nicht zuletzt in Europa, wo ethnische Minoritäten wie die Südtiroler in Italien weitgehende Autonomie erhalten haben, so dass sie die Zugehörigkeit zu einem Staat mit mehrheitlich anderer Ethnie und Sprache in keiner Weise als Benachteiligung sehen.
in christlichen Europa gibt es vielleicht solche Beispiele, nicht aber in islamischen Nordafrika........ Und die Denkrichtung ist hier wieder die gleiche, EU soll Marokko Geld geben damit Marokkaner tolleranter werden, damit man Marokko diese Gebiete übereignen kann.
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#36
Kosmos schrieb:
Zitat:Dennoch belegt gerade jene Instrumentalisierung wie notwendig die Übergabe dieser beiden letzten von einem europäischen Staat beherrschten afrikanischen Enklaven ist.
wieso spielt man den Ball in solchen Texten immer nur in eine Richtung?
....
Kosmos, der Autor der Zeilen - Mohammed Khallouk - ist offenbar nicht aus Europa oder Spanien, und der Artikel bringt insoweit erstmal dessen Sicht.
Und die "eine Richtung" ergibt sich zwangsläufig seit dem Ende der Kolonialisierung, damit ist nämlich die Richtung "zurück" zwangsläufig vorgegeben.
Fragt sich nur, wie weit "zurück" - und da sind die Auffassungen natürlich unterschiedlich.
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#37
Ich habe mal in einen Bericht über diese Enklaven gelesen, das diese nie zu Marokko gehörten, weis aber nicht mehr wo das war.
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#38
die Frage ist, was man als "jemals zu Marokko gehörend" bezeichnet; man muss nur lange genug suchen, dann waren die Mulsime im heutigen Spanien und Portugal - bis zu den Pyrenäen. Und welche Dynastie das war ist relativ "wurscht" - diese Muslime waren aus Marokko und sind später vertrieben worden.
Welcher Staat oder welches Land wann wo ein Territorium besetzt oder nicht besetzt ist jedenfalls immer "im Fluß" gewesen.

Aber zurück zur aktuellen Realität:
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437 ... ntent.html
Zitat:„Rassistische Übergriffe“
Streit zwischen Marokko und Spanien

Von Leo Wieland, Madrid

12. August 2010

Nach mehrwöchigen marokkanischen Protesten gegen angeblich „rassistische“ Übergriffe der spanischen Grenztruppen und Polizei in den nordafrikanischen Enklaven Ceuta und Melilla hat jetzt König Juan Carlos zu vermitteln versucht. ....
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