Vierter Golfkrieg
#46
Dazu erklärt Trump im Wortlaut: Militäreinsatz gegen eine "sehr böse radikale Diktatur"
Zitat:...
Israel und die USA haben massive Luftangriffe gegen den Iran begonnen. US-Präsident Donald Trump begründete das militärische Vorgehen am Samstag in einer Ansprache mit "Bedrohungen" durch den Iran für die USA und andere Länder. Die wichtigsten Passagen von Trumps Erklärung im Wortlaut:

"Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben große Kampfeinsätze im Iran begonnen. Unser Ziel ist es, die amerikanische Bevölkerung zu verteidigen, indem wir die unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime ausschalten, eine bösartige Gruppe von sehr harten, furchtbaren Menschen. Seine bedrohenden Aktivitäten gefährden direkt die Vereinigten Staaten, unsere Soldaten, unsere Stützpunkte im Ausland und unsere Verbündeten in aller Welt.
...
mit dieser Begründung habe ich so meine Schwierigkeiten. Denn wer "sehr böse" oder "radikal" und auch wer "eine Diktatur" ist, liegt immer im Auge des Betrachters.
Das Narrativ einer Seite - ganz egal von welcher - sollte nie als Begründung für militärische Auseinandersetzungen dienen.

Ich wechsle mal den Standpunkt und schau auf die Kriege mit US-Beteiligung so rund die letzten 60 Jahre etwas zurück (die Kriege mit russischer Beteiligung wie Afghanistan, Georgien, Syrien oder Afrika lass ich mal weg - das wäre ja kein "Standpunktwechsel"):

1. aktueller Angriff auf den Iran (durch Netanjahu und DT, Republikaner):
- der hatte nur wenige Stunden vorher angeboten, auf die Lagerung angereicherten Urans zu verzichten und ist nun einmal auch Mitglied im Atomwaffensperrvertrag, was ihm eine friedliche nukleare Nutzung erlaubt
Ergänzend
Berliner Zeitung: Das Völkerrecht mit Füßen treten: Riskanter Beifall für Trumps und Netanjahus Angriff im Iran
LTO: Wie Israel und Iran das Völ­ker­recht ang­reifen
SPIEGEL: »Dies ist ein gewollter Krieg, der gegen das Völkerrecht verstößt und auch nach US-Recht illegal ist«
Tagesschau: "Diese Luftangriffe sind völkerrechtswidrig"
ZEIT: "Das Völkerrecht scheint keine Rolle mehr zu spielen"

2. Entführung des amtierenden venezolanischen Präsidenten (durch DT, Republikaner):
- statt der vorgeschobenen "Drogenbekämpfung" wird der Zugriff auf das Öl immer deutlicher

3. Angriff auf Iran im Sommer 2025 (durch Netanjahu und Donald Trump, Republikaner):
Wikipedia:
Zitat:Der IAEA‑Generaldirektor Rafael Grossi stellte klar, dass die IAEA niemals Israel Deckung für seine Luftangriffe auf iranische Nuklearstandorte gegeben habe. Er wies Behauptungen zurück, wonach Inspektoren oder Berichte Hinweise geliefert hätten, die eine solche Vorgehensweise rechtfertigen könnten.

4. Angriff auf Libyen im Frühsommer 2011 (durch Barak Obama, Demokraten u.a.)
Der UN-Sicherheitsrat verständigt sich auf eine Libyen-Resolution. Diese geht über eine Flugverbotszone hinaus. Auch Panzer und Artilleriestellungen können bombardiert werden. Zusätzlich zur Flugverbotszone, marschierten amerikanische und britische Soldaten in Libyen ein.
Daraus wird eine komplexe Mission "Regime-Change" weit über die Ermächtigung des Sicherheitsrates hinaus. Im Ergebnis ist das wohlhabendste Land Afrikas ins Chaos gestürzt worden. Sirte ist beispielsweiße der wichtigste Stützpunkt des gefürchteten Islamischen Staates (IS) außerhalb von Syrien und dem Irak.

5. Angriff auf den Irak im Frühsommer 2003 (durch George W. Bush, Republikaner)
Der Angriff erfolgte ohne UN-Mandat, basierend auf der (später als falsch erwiesenen) Annahme, Hussein besitze Massenvernichtungswaffen. Der Krieg (Blut für Öl?) hat langfrisitig zur Destabilisierung der ganzen Region geführt (Entstehungsgeschichte IS)

6. Krieg in Afghanistan im Herbst 2001 (durch George W. Bush, Republikaner)
... endete mit dem Sieg der 1994 gegründeten deobandisch-islamistischen Terrorgruppe Taliban.

7. Befreiung von Kuwait (Zweiter Golfkrieg) auf Grundlage der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates im Januar 1991: ob die dem US-Kongress und der UN vorgelegten "Gräuel-Beweise" wirklich stichhaltig waren, ist heute eine kaum mehr umstrittene Frage - ich erinnere an den dramatischen Auftritt (Brutkastenlüge, 1990) der Tochter des kuwaitischen Botschafters

8. Jugoslawienkriege auf dem Balkan in den 1990er Jahren mit Bill Clinton (Demokraten):
"Befreiungskriege" sind die fast zwangsläufige Folge von zerfallenden Imperien. Die dominanten Ethnien wollen ihre Machstellung nicht aufgeben - wir sehen das heute anlässlich der Ukraine - und die "unterdrückten" Ethnien wollen selbstständig sein. Das war in den Jugoslawienkriegen nicht anders.
Zitat:Durch schlagkräftige – allerdings bis heute völkerrechtlich umstrittene – Kampfeinsätze der NATO konnten die Kriege auf dem Balkan im Jahr 1999 schließlich beendet werden. Zur Kontrolle und Stabilisierung der Region blieben über Jahre hinweg NATO-Friedenstruppen und Schutztruppen in der Region. Im Kosovo sind die KFOR-Truppen der NATO bis heute vor Ort. Bis heute gibt es noch Spannungen, die überwunden werden müssen.

9. US-Invasion in Panama 1989 - 1990 (durch George Bush, Republikaner):
in Fortsetzung eines erfolglosen Militärputsch gegen Noriegas Regime wenige Monate zuvor führt zum Widerstand aller Mitglieder der Organisation Amerikanischer Staaten (Resolution vom 22.12.1989)

10. Einstieg in den Vietnamkrieg bzw. dessen Ausweitung (Präsident Lyndon B. Johnson, Demokraten 1965):
Nach dem fingierten Tonkin-Zwischenfall von 1964 ließ Präsident Lyndon B. Johnson im Februar 1965 erstmals Nordvietnam direkt bombardieren.
Im Ergebnis ist die (nordvietnamesische) Herrschaft über das "geeinte Vietnam" und eine bis heute andauernde Beeinträchtigung der US-Interessen in Südostasien fest zu stellen.

11. Invasion in der Schweinebucht (Kuba) im April 1961 (durch John F. Kennedy, Demokraten);
hätte in der nachfolgenden Entwicklung fast zu einem nuklearen Schlagabtausch mit Russland geführt und belastet bis heute die US-Amerikanische Reputation in Lateinamerika

Von diesen 11 kriegerischen Auseinandersetzungen sind die weit überwiegende Mehrheit also von der Begründung oder/und auch vom Ergebnis her ... zumindest zu hinterfragen.
Wollen wir jetzt die USA als logische Konsequenz dieser Erkenntnis als "Bedrohung für andere Länder" bezeichnen?
Und rechtfertigt dies dann "chirurgische Tötungsschläge" gegen die Regierung der USA?
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#47
Tote bei proiranischen Protesten in Pakistan:
Zitat:8 killed in pro-Iran protest at US consulate in Pakistan's Karachi

Karachi (AFP) – At least eight people were killed during pro-Iran protests at the United States consulate in the Pakistan megacity of Karachi on Sunday, a rescue service spokesman told AFP.
https://www.france24.com/en/live-news/20...-s-karachi

@EuropeanMind
Zitat:Das Problem ist, dass die Straße von Hormuz eng genug ist, dass du die richtig komplexen Systeme nicht brauchst, die auf Startplätze angewiesen sind. Etwas überspitzt kannst du die Raketen auf einen Autoanhänger packen, in einer Garage verstecken und dann von jedem halbwegs platten Stück Land in Küstennähe abfeuern.

Klar kriegst du viele davon gefunden und zerstört, aber die sind definitiv verteilt und versteckt, insofern ist es selbst für die Amerikaner schwierig, sicherzustellen, dass nicht doch hier und da welche durchkommen. Und das reicht, um das Risiko hoch genug zu haben, damit die Versicherungsfirmen sich weigern, die Schiffe zu Preisen zu versichern, die die Durchfahrt ökonomisch sinnvoll machen. Ansonsten wären auch die Houties nicht so ein Problem gewesen.
Natürlich kann man kleinere Systeme auch recht einfach verstecken, aber es waren genau eben nicht diese kleineren oder weniger komplexen Systeme, die die Houthis zu einem Problem haben werden lassen. Was aber sicher stimmt, ist der Hinweis auf die Versicherungssummen. Diese könnten tatsächlich nach oben gehen.

Aber hierbei ist dann auch die Frage, wie die Nachbarn reagieren werden, denn der Großteil des Öls stammt von den Golfarabern und diese werden sich nicht so gerne das Geschäft ruinieren lassen. Darüber hinaus muss man bedenken, dass "nur" ca. 20% des weltweit benötigten Öls durch den Golf gehen, und von diesen 20% wiederum etwa 65% nach Asien, vorzugsweise China. D. h. die Hauptgeschädigten einer möglichen Sperre wären eher Nationen in Asien und nicht jene im Westen. Stellt sich also die Frage, ob sich die Iraner einen Gefallen tun, wenn sie nun mit der Sperrung drohen, die ja v. a. auch Peking betreffen würde, das sich bislang relativ kritisch zum US-Vorgehen geäußert hat? Politisch wäre es also für Teheran eigentlich Unsinn...

Schneemann
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#48
Das Regime hat erst im Januar innerhalb einer Woche 30.000 Demonstranten abknallen lassen:

(Vor 3 Stunden)Kongo Erich schrieb: Dazu erklärt Trump im Wortlaut: Militäreinsatz gegen eine "sehr böse radikale Diktatur"
mit dieser Begründung habe ich so meine Schwierigkeiten. Denn wer "sehr böse" oder "radikal" und auch wer "eine Diktatur" ist, liegt immer im Auge des
Betrachters.

Sick
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#49
@Kongo Erich

Ob deine Listung zu US-Involvierungen nun hier im Strang zielführend ist, und auch ob die Quellen immer sinnvoll sind, lasse ich außen vor. Da sollten wir bitte nicht zu weit vom Thema wegkommen.
Zitat:Denn wer "sehr böse" oder "radikal" und auch wer "eine Diktatur" ist, liegt immer im Auge des Betrachters.
Aber dieser zitierte Satz stört mich schon etwas. Nein, es kommt definitiv nicht auf das Auge des Betrachters an, was eine Diktatur ist oder nicht. Vor allem liegt dieser Formulierung das unheilvolle Risiko bei, dass man faktisch jedes noch so schlimme Regime und jedwede Gräueltat sich damit "schönreden" kann. Und das ist nicht zielführend.

Schneemann
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#50
(Vor 3 Stunden)Schneemann schrieb: ...
Aber hierbei ist dann auch die Frage, wie die Nachbarn reagieren werden, denn der Großteil des Öls stammt von den Golfarabern und diese werden sich nicht so gerne das Geschäft ruinieren lassen. Darüber hinaus muss man bedenken, dass "nur" ca. 20% des weltweit benötigten Öls durch den Golf gehen, und von diesen 20% wiederum etwa 65% nach Asien, vorzugsweise China. D. h. die Hauptgeschädigten einer möglichen Sperre wären eher Nationen in Asien und nicht jene im Westen. Stellt sich also die Frage, ob sich die Iraner einen Gefallen tun, wenn sie nun mit der Sperrung drohen, die ja v. a. auch Peking betreffen würde, das sich bislang relativ kritisch zum US-Vorgehen geäußert hat? Politisch wäre es also für Teheran eigentlich Unsinn...

Schneemann
"Donald der Leibhaftige" hat doch schon vorgebaut, in dem er sich den Zugriff auf die Ölreserven Venezuelas gesichert hat und auch die USA als großen Förderer der fossilen Energien pusht.
Betroffen (negativ) sind jetzt die Hauptabnehmer dieser Ölstaaten - China und auch Indien.
Bevorteilt sind einige wenige Golfstaaten (die über Pipelineverbindungen ins Rote Meer verfügen, wie die Saudis) und vor allem die Russen.
Aber das ist nur kurzfristig so. "Fossil" ist ein sehr schnell auslaufendes Modell.

China führt jetzt schon weltweit die Karawane an, die zu regenerativen Energien greift. Diese sind nicht nur für den Klima- und Umweltschutz relevant, sondern erlauben auch die lokale Energieproduktion und damit vor allem die Reduzierung von Abhängigkeiten, vor allem "im globalen Süden".
Dieser Trend wird sich jetzt noch wesentlich mehr verstärken.
GröPaZ wird also mittel- bis langfristig die globale Stellung der USA eher schwächen.

(Vor 3 Stunden)Schneemann schrieb: .... Vor allem liegt dieser Formulierung das unheilvolle Risiko bei, dass man faktisch jedes noch so schlimme Regime und jedwede Gräueltat sich damit "schönreden" kann. Und das ist nicht zielführend.

Schneemann
Die Intention ist gerade anders herum: man kann sich jede Regierung "schlecht reden" und damit jeden Angriff irgendwie rechtfertigen.
Und das ist gar nicht so schwierig, weil es an jeder Regierung berechtigte und zum Teil sogar sehr berechtigte Kritik geben wird. Und wenn man dann noch "getürkte Beweise" und Lügen vorbringt, dann wird es noch leichter - das wirft aber dann auch die Frage auf, warum die tatsächlichen Fehler nicht ausreichen und man zu solchen Behauptungen greifen muss.

Das Ziel des Beitrages ist, das Gewaltmonopol der UN zu bekräftigen - und nicht die "Selbsthilfe" durch irgendwelche Staatenlenker egal welcher Färbung.
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#51
@Kongo Erich
Zitat:"Donald der Leibhaftige" hat doch schon vorgebaut, in dem er sich den Zugriff auf die Ölreserven Venezuelas gesichert hat und auch die USA als großen Förderer der fossilen Energien pusht.
Genau genommen sind die USA schon heute der größte Ölförderer der Welt, auch Dank des Fracking Booms, und sie benötigen Venezuelas Ölreserven überhaupt nicht. Es wäre für den Preis völlig egal, ob man mit Venezuela einen "Deal" macht oder nicht. Und es gehört auch nicht hierher in diesen Strang. Wink
Zitat:Die Intention ist gerade anders herum: man kann sich jede Regierung "schlecht reden" und damit jeden Angriff irgendwie rechtfertigen.
Nein, du hattest den Vergleich angebracht und nun ruderst du in die andere Richtung weg. Denn du weißt genau, und so gut kenne ich dich dann doch, dass der Satz bzgl. des Auge des Betrachters ziemlich am eigentlichen Ziel vorbeiging und so nicht haltbar ist, historisch übrigens schon dreimal nicht.
Zitat:Das Ziel des Beitrages ist, das Gewaltmonopol der UN zu bekräftigen - und nicht die "Selbsthilfe" durch irgendwelche Staatenlenker egal welcher Färbung.
Das glaube ich sogar. Aber dann muss man sich fragen, wo denn die UN waren und was sie gemacht haben bzw. machen hätten wollen, als das iranische Regime - übrigens nicht zum ersten Mal - zigtausende Landsleute hat massakrieren lassen? Tatsache ist, dass die UN handlungsunfähig gewesen wären, wenn sie etwas unternehmen hätten wollen, denn die Schleppenträger des Autoritarismus hätten im Sicherheitsrat keinen Finger gerührt. Man hätte, was ja dann auch geschah, erschüttert zusehen müssen. Insofern: Wenn die UN dieses skizzierte und von dir genannte Gewaltmonopol, gerade auch im demokratischen und humanitären Sinne, anwenden und auch durchsetzen könnten, würde ich es sogar gutheißen. Aber in der jetzigen Verfassung sind die UN nun einmal (leider) ein völliger und moralischer Totalausfall, weswegen die unilateralen Aktionen derzeit der einzig richtige Weg sind, wenn man überhaupt noch irgendwie das Gesicht wahren will.

Schneemann
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#52
(Vor 3 Stunden)Schneemann schrieb: @Kongo Erich

Ob deine Listung zu US-Involvierungen nun hier im Strang zielführend ist, und auch ob die Quellen immer sinnvoll sind, lasse ich außen vor. Da sollten wir bitte nicht zu weit vom Thema wegkommen.
...
Schneemann
Du hast recht, deshalb führe ich die Diskussion an anderer Stelle weiter


(Vor 3 Stunden)Nightwatch schrieb: Das Regime hat erst im Januar innerhalb einer Woche 30.000 Demonstranten abknallen lassen:
Sick

(Vor 3 Stunden)Schneemann schrieb: @Kongo Erich
...
Aber dann muss man sich fragen, wo denn die UN waren und was sie gemacht haben bzw. machen hätten wollen, als das iranische Regime - übrigens nicht zum ersten Mal - zigtausende Landsleute hat massakrieren lassen?...

Schneemann
Die habt ihr persönlich gezählt?
Und wo bleibt Euer Aufschrei zu den Gemetzteln in Afrika wie etwa
in Ruanda
im Ostkongo (Mehr als 10 Millionen Tote, 500.000 vergewaltigte Frauen und zahlreiche weitere Menschenrechtsverletzungen)
im Sudan oder
in der Zentralafrikanische Republik ?

=> Buchempfehlung

Warum sind diese Konflikte nicht genauso "im Fokus" wie die ideologische Verbohrtheit einer klerikalen Machtelite?
Was hat der Iran, was diese Länder nicht haben?

Grundsätzlich stellt sich in allen diesen Ländern die gleiche Frage wie im Iran:
Zitat:Wer wünscht den Iranern, vor allem den Iranerinnen, kein freieres, selbstbestimmteres Leben als in ihrer fundamental-schiitischen Islamischen Republik? Selbiges gilt für die nordkoreanische Kim-Diktatur, für das sozialistische Hungerexperiment in Kuba, für die Unterdrückten im südostasiatischen Myanmar, für diverse Regime in Afrika und weitere Schurkenstaaten. Den betroffenen Völkern kann man nur wünschen, in ihren Ländern säßen das Gute und die Gerechtigkeit an der Macht.
Legitimiert jedoch der Kampf für das Gute und Gerechte den Bruch des Völkerrechts?
fragt sich die vor ca. 45 Minuten zitierte "Berliner Zeitung" (zur Kopie) .
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#53
Schneemann:

Zitat:Genau genommen sind die USA schon heute der größte Ölförderer der Welt, auch Dank des Fracking Booms, und sie benötigen Venezuelas Ölreserven überhaupt nicht.

Auf der politisch-strategischen Ebene gehört das durchaus in diesen Strang. Den die Folgen dieses vierten Golfkrieges für die Ölversorgung werden zur höheren Wahrscheinlichkeit dramatisch sein.

In diesem Kontext ist es absolut wesentlilch zu verstehen, dass das Öl welches in Venzuela gefördert wird und Fracking Öl nicht dassselbe sind. Erdöl ist eben nicht gleich Erdöl ! Die Öle unterscheiden sich (was kaum einer weiß) und damit unterscheiden sie sich auch in ihrem Wert und ihrer Weiterverarbeitung und Verwendbarkeit.

Werter Erich:

Zitat:Und wo bleibt Euer Aufschrei

https://en.wikipedia.org/wiki/Whataboutism
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#54
Werter Quintus Fabius:
Aus Deinem Link
Zitat: "Die sogenannten 'Whataboutists' hinterfragen, was nicht zuvor hinterfragt wurde, und bringen Widersprüche, Doppelmoral und Heuchelei ans Licht. Das ist keine naive Rechtfertigung oder Rationalisierung [...], es ist eine Herausforderung, kritisch über die (manchmal schmerzhafte) Wahrheit unserer Stellung in der Welt nachzudenken."

Zurück zum Thema:
Trump droht Iran bei Vergeltungsschlägen mit "noch nie dagewesener Härte"
Aktualisiert am 01.03.2026, 12:34 Uhr

Also:
der eine Schulhofrowdy verprügelt mit seinen Freunden ein Mitglied der Straßengang von der anderen Seite,
und droht dann weiter
Zitat:... und wehe, Du wehrst Dich und haust zurück ....
Das kann man auch als Zeichen der Angst vor Vergeltung interpretieren.
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#55
Hezbollah, Houthis und irakische Milizen bislang abgemeldet. Der Iran steht sehr alleine da, hält es aber für sinnvoll sich es mit seinen Anrainern allesamt zu verscherzen. Interessante Ausnahme allerdings, dass sie (leider) noch die Präsenz haben und sich mit Angriffen auf die Türkei zurückhalten. Hätte nur zu gerne gesehen, wie der Möchtegernsultan im Quadrat springt.
Die Golfanrainer sind dagegen die erwarteten Papiertiger, nicht einer dieser Akteure hat bislang genug Schneid, um den Persern eine entsprechende Antwort zu geben.

Die israelische und amerikanischen Luftstreitkräfte liefern dagegen (erneut) eine sehr gute Performance ab. Das darf man auch mal lobend erwähnen auch wenn viele es schulterzuckend für selbstverständlich annehmen. Der Umfang der Angriffe ist beeindruckend. Ich muss in diesem Punkt meine gesttrige Einschätzung auch revidieren, da kam dann in den späteren Stunden noch einiges rein. Mittlerweile ist man wieder dabei über Teheran mit 4th Gen Kampfjets StandIn Munition abzuladen - mit bislang keinerlei Verlusten. Und das obwohl der Iran anders als im 12-Tage-Krieg nun wirklich genug Zeit hatte AD zu dislozieren und aus den Fehlern in der Vergangenheit zu lernen. Bleibt zu hoffen, dass die Zielliste diesesmal ausreichend lang ist und man die nächsten Tage im gleichen Tempo weiter macht.

Und ein schönes Fundstück möchte ich nicht vorenthalten: Iranian Rhapsody
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#56
(Vor 1 Stunde)Nightwatch schrieb: Interessante Ausnahme allerdings, dass sie (leider) noch die Präsenz haben und sich mit Angriffen auf die Türkei zurückhalten. Hätte nur zu gerne gesehen, wie der Möchtegernsultan im Quadrat springt.
Ja und nein. Ich möchte ungern erleben, dass die Türkei nach so einem Angriff Artikel 5 bemüht. Das dürfte die NATO vor eine ziemliche Zerreißprobe stellen, bzw. den Wert der Beistandsklausel in der Außenwirkung massiv beschädigen.
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#57
@Kongo Erich
Zitat:Die habt ihr persönlich gezählt?
Und wo bleibt Euer Aufschrei zu den Gemetzteln in Afrika wie etwa
in Ruanda
im Ostkongo (Mehr als 10 Millionen Tote, 500.000 vergewaltigte Frauen und zahlreiche weitere Menschenrechtsverletzungen)
im Sudan oder
in der Zentralafrikanische Republik ?

=> Buchempfehlung
Das ist nun ein wenig sachdienlicher Versuch, um vom Thema hier abzulenken. Ruanda liegt über 30 Jahre zurück, der zweite Kongokrieg über 20 Jahre. Wenn es aktuelle Ereignisse wären - zumal du ja gerne uns vorzugsweise das herausragende Potenzial Afrikas verkaufen möchtest -, so wären sie sicher angesprochen worden.

Übrigens - gerade die aktuellen Ereignisse im Sudan habe ich bspw. durchaus hier im Forum angesprochen (https://www.forum-sicherheitspolitik.org...hp?tid=712), aber die Sudanesen hatten halt das Pech, dass sie ihre Tragödie durchlitten, als die Palästinenser in Gaza meinten ihre private Fehde mit den Israelis bestreiten zu müssen. Und da sich irgendwelche totgeschlagenen Schwarze wenig eignen, um Israel zu kritisieren, zumal wenn man sich an einem angeblichen Genozid in Gaza abarbeiten kann, hat sich auch niemand großartig dafür interessiert. Leider.

Und ich hatte zudem in Iran das Nichtreagieren bei den jüngsten Massakern auch thematisiert und kritisiert. Die Reaktion? Sanfte Zurückhaltung, um es mal höflich zu sagen. Und Broensen hat mir dann sogar erklärt, dass man da ja keine da Reaktion erwarten könne (sollte?), da wir alle doch wüssten, dass es da eben "so sei" und man sich deswegen nicht so arg darum kümmern würde. Fand ich irritierend bis hochinteressant. Dodgy

Insofern: Dass du mir nun vorwirfst, ich würde nicht aufschreien bei anderen Themen, entbehrt nicht einer gewissen bitteren Ironie.
Zitat:Warum sind diese Konflikte nicht genauso "im Fokus" wie die ideologische Verbohrtheit einer klerikalen Machtelite?
Was hat der Iran, was diese Länder nicht haben?
Möglicherweise liegt es daran, dass der Sudan oder der Kongo eben das sind, was sie sind, nämlich in sich zerstrittene, uneinige und zerbröselnde Staatsgebilde ohne größere Projektionsmacht auf außerhalb gelegene Gebiete und wo dutzende Gruppen um die Macht ringen, während der Iran nicht nur von einem elitär-klerikalen Regime recht einheitlich und zentral beherrscht wird, sondern noch regelmäßig anderen mit der Vernichtung droht, einen entsprechenden Militärapparat hat, Terrorgruppen im halben Nahen Osten finanziert und unterhält (die sogar die internationale Schifffahrt angreifen), ein umfangreiches Raketenprogramm pflegt und zudem noch an einem Atomprogramm herumbastelt.

Schneemann
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