Vor 10 Stunden
(Gestern, 13:22)DopePopeUrban schrieb: Diese UUV würden ja nicht mit klassischen Betriebsstoffen versorgt werden müssen, sondern eben mit Strom um die Batterien zu laden. Eventuelle Brennstoffzell-Elemente wie flüssiger Sauerstoff und co lass ich mal außen vor. Den Strom muss ein Versorger erstmal erzeugen können, sonst hängt unser UUV dabei drei Tage am seegehenden CarPort. Ich stell mir RAS mit einer umbenannten Komponente generell schwierig vor, da niemand dort ist um eine Kabelverbindung auf dem UUV herzustellen.Da ließe sich sicher etwas konstruieren, bspw. könnte auch ein RHIB ausgesetzt werden, von dem aus die Versorgungsleitung am UUV manuell angeschlossen wird oder man entwirft ein Trichtersystem vglb. dem zur Luftbetankung, da ist ja auch kein Mensch an der Verbindungsstelle anwesend.
Ich sehe da aber auch weniger RAS während der Fahrt, sondern eher in befreundeten Häfen oder sicheren Küstenbereichen, so wie es ja auch mit den Tendern für bemannte U-Boote gemacht wird. Tender sind halt nicht ausschließlich für die In-See-Versorgung gedacht, sondern können als "adhoc-Stützpunkte" operieren.
Natürlich bringt das wieder eine gewisse An- und Abfahrt mit sich, weil solche Tender eben nicht im Operationsraum versorgen, sondern das UUV diesen dafür vorübergehend verlassen muss.
Zitat:Daher gehe ich davon aus, dass man ein UUV für einen solchen Prozess an Bord holen müsste. Was dieses aber natürlich auch in seiner Größe extrem einschränkt und (zumindest aktuell) von keinem unserer Versorger erbracht werden kann. Eine Fregatte hingegen könnte dafür eine Heckschleppe verwendenWelche unserer Fregatten hat denn "zumindest aktuell" eine Heckschleppe, die UUV aufnehmen kann?

MUsE wird bekanntlich u.a. explizit als Versorger/Mutterschiff auch für UxV angedacht. Es wäre also denkbar, dass unsere nächste zu beschaffende Versorgerklasse genau das in einem höheren Maße beherrschen wird als jede unserer Fregatten.
Zitat:Bei vorgeschobenen Stützpunkten wäre ich bei dir, aber das negiert mEn den Bedarf, diese UUV permanent in Deutschland anzusiedeln. Wenn man ohnehin schon Infrastruktur für diese vor Ort anlegt wäre es vermutlich sinnvoll, einen Schritt weiter zu gehen und direkt eine permanente Präsenz dort aufzubauen.Absolut, da sind wir uns einig. Ein Tender-Konzept wäre dabei jedoch eine Lösung, in der man keine dauerhaften Einrichtungen vorhalten, sondern lediglich einen Liegeplatz zur Verfügung gestellt bekommen muss. Damit erhält man auch die Flexibilität, den Operationsraum kurzfristig zu verlegen. Ein "containerisierter Stützpunkt, einschiffbar" wäre auch eine denkbare Lösung dazu.
Zitat:Letztendlich ist die Größe ja kein Eigenzweck sondern dient nur dazu, Kapazitäten vorzuhalten. Für die U-Jagd wären das auf jeden Fall ein passives Schleppsonarsystem, Flank Arrays und zumindest ein Obstacle Avoidance Sonar. Das alles dürfte relativ wenig Platz brauchen, Knackunkt werden die Batterien sein. ... Die Leistungsfähigkeit würde ich deshalb nicht an der Größe festmachen.Es gibt dazu zwei Aspekte. Einerseits natürlich die Systeme an Bord. Die werden nicht entscheidend sein für die Größe der Einheit. Andererseits der Antrieb, und der ist mMn der entscheidende Punkt. Ich spreche deshalb allgemein von Antrieb, weil es um die Gesamtheit von Geschwindigkeit und Ausdauer geht. Dabei gilt es dann auch, die unterschiedlichen Formen des ASW separat zu betrachten:
Für Verbands-U-Jagd müssen UUVs eine ausreichende Ausdauer haben, um weit genug vom Verband entfernt operieren zu können, damit ein tatsächlicher Mehrwert gegenüber den Schleppsonaren der Schiffe entsteht. Außerdem benötigen sie eine hohe Geschwindigkeit, um mit einem U-Jagd-Verband Schritt halten zu können.
Die Grenzen werden dabei durch die Versorgungsmöglichkeiten im Verband gesetzt, weil die UUV immer an diesen gebunden sind.
Im Geleitschutz gilt weitestgehend das gleiche, allerdings können Ausdauer und Geschwindigkeit ggf. geringer und vor allem konstanter ausfallen als im U-Jagd-Einsatz, was auf die Effizienz einzahlt. Gerade für den Konvoischutz ergeben sich da Möglichkeiten, LUUVs darauf zu optimieren. Allerdings bietet diese Einsatzform wenig Möglichkeiten zur zwischenzeitlichen Versorgung der UUV, es sei denn, man setzt eine entsprechend große Geleitschutzgruppe ein.
Für Area-ASW wird eine geringere Höchstgeschwindigkeit benötigt und die erforderliche Reichweite richtet sich nach den Begebenheiten des Einsatzraumes hinsichtlich abzudeckender Fläche, verfügbarer Versorgungspunkte, eingesetzter Anzahl von UUV und der eigenen Sensorreichweite.
Insgesamt würde ich den effizienten Einsatz von LUUV im Verband-ASW als am schwierigsten erachten, da er die Versorgungskapazitäten und Mobilität des Verbands belastet und eine hohe Antriebsleistung erfordert. Um hier einen echten Mehrwert bei der U-Boot-Jagd zu erlangen, braucht es mMn XLUUVs in der Dimension kleiner U-Boote oder man benötigt spezielle UUV-Mutterschiffe, die in der Lage sind, etwas kleinere Hochleistungs-LUUVs auch in Bewegung ausreichend zu versorgen.
Zitat:Aber das spricht doch nicht für den Betrieb auf einer Fregatte gegenüber dem auf einem Versorger. Warum sollte man die Kapazitäten auf mehreren Fregatten dislozieren und diese damit belasten, wenn man sie auch auf einem zentralen Versorger vorhalten kann? Zumal es ja bei größeren UUV auch nicht darum gehen sollte, dass ein einzelnes Exemplar Einzelmissionen von ein paar Stunden Dauer (vglb. BHS) durchführt, sondern dass mehrere UUV im Gesamtverband über Tage hinweg operieren. Da ist es sehr viel effizienter, wenn man die Kapazitäten dafür auf einer Einheit im Verband bündelt. Das kann der allgemeine Versorger sein oder ein spezialisiertes Mutterschiff, abhängig davon, über viele UUVs welcher Dimension wir sprechen.Zitat:Diese Wartung erfolgt durch den Versorger im Operationsraum. Was der nicht leisten kann, kann auch keine Fregatte leisten.Ich stelle mir das eher so vor wie beim BHS-Betrieb auf den MSC. Also ein eingeschifftes Kontingent das zumindest die Einsatzfähigkeit routinemäßig erhalten kann. Die BHS schicken wir ja auch nicht zur Wartung auf die EGVs außer wenn sie unbedingt müssen.
Ein "Bord-UUV" ergibt für mich nur Sinn für Einzelmissionen und wird dadurch eben in der U-Jagd nur Sonderaufgaben sinnvoll übernehmen können, wie eben küstennahe Unterwasseraufklärung.
Legt man es hingegen so ausdauernd aus, dass es mehr als das leisten kann, erscheint mir die Einschiffung auf einer Fregatte nicht mehr sinnvoll, zumal es dann auch gleich mehrere dieser UUV im Verband geben sollte.
Es mag natürlich Grenzfälle geben, z.B. im Geleitschutz, wo eine Fregatte selbst den Luftschirm stellt und über zwei eingeschiffte UUV einen Mini-ASW-Schirm vor dem Verband herstellt. Aber in der reinen U-Boot-Jagd sehe ich das nicht, weder im Verbands-, noch im Area-ASW.
Zitat:...da wir im ASW mEn keinen weiteren Bedarf an Effektorträgern haben. Da ist man mit BHS, Borddrohne, Langstrecken-UAV und MPA schon ganz gut aufgestelltDas ist auch nochmal eine Frage davon, wo man gedenkt, diese UUV einzusetzen. Eigene Effektoren ergeben dabei überhaupt nur dann Sinn, wenn andere Wirkmittelträger dort nicht verfügbar sind, denn sonst ist es immer besser, der Sensorträger verrät seine Position nicht durch eigenen Effektoreinsatz.
Außerdem stellt sich schnell auch die Reichweitenfrage: Hat ein UUV eine hohe Sensorreichweite, dann ist es vmtl. beim Erkennen eines Kontaktes nicht in Torpedoreichweite. Und bevor ein UUV selbst die Jagd aufnimmt, ist es viel sinnvoller, den Kontakt weiter zu melden, damit dieser durch BHS oder MPA bekämpft werden kann.
Also statt mit Torpedos sollten auch "lauernde" UUV besser mit Systemen ausgestattet sein, die es ermöglichen, unerkannt Kontakte weiter zu melden, bspw. durch langsam aufsteigende Bojen, die an der Oberfläche dann selbsttätig ein entsprechendes Datenpaket an den Verband absenden.
Selbst schießende UUV sind mMn nur für Einsätze im vom Gegner beherrschten Seeraum sinnvoll und das dann eben im Sinne von selbstverlegenden Minen, die sich unbemerkt in Position bringen und dann mit passiver Sensorik auf vorprogrammierte Kontakte lauern und reagieren. Ich vermute allerdings, dass das keine wieder verwendbaren Systeme sein würden, sondern eben "Unterwasser-Loitering-Munitions".

