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Eine doch etwas ruppige Art der Kriminalitätsbekämpfung im viel gelobten und aufsteigenden Schwellenland...
Zitat:Zahl der Toten nach Polizeieinsatz steigt auf 132
Bei einem Polizeieinsatz gegen eine Drogenbande in den Favelas von Rio de Janeiro sind laut offiziellen Angaben mehr als 100 Menschen getötet worden. Menschenrechtler kritisieren das harte Vorgehen der Polizei.
Bei einem blutigen Polizeieinsatz gegen das Verbrechersyndikat Comando Vermelho (Rotes Kommando) in der brasilianischen Küstenmetropole Rio de Janeiro sind mindestens 132 Menschen getötet worden. Das teilte die unabhängige Ombudsstelle des Bundesstaats Rio de Janeiro mit. Die Bundespolizei Rio de Janeiros sprach laut Nachrichtenagentur Reuters von 119 Toten.
https://www.tagesschau.de/ausland/amerik...a-100.html
Schneemann
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(31.10.2025, 06:59)Schneemann schrieb: Eine doch etwas ruppige Art der Kriminalitätsbekämpfung im viel gelobten und aufsteigenden Schwellenland...
https://www.tagesschau.de/ausland/amerik...a-100.html
Schneemann
Was genau würde denn in einem EU-Land passieren wenn ein Polizeieinsatz von hunderten mit Kriegswaffen ausgestatteten Schwerverbrechern beschossen würde? Die Polizei würde sicher nicht nur mit Betäubungspfeilen zurückschießen.
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@lime
Ich verstehe deine Frage nun nicht ganz. Wir hätten vermutlich eher verletzte oder tote Polizisten und weniger tote Kartellmitglieder, da die Polizei hierzulande und auch innerhalb Europas im Regelfalle wohl zurückhaltender vorgehen würde (oder auch vielleicht überfordert wäre).
Schneemann
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(31.10.2025, 21:14)Schneemann schrieb: @lime
Ich verstehe deine Frage nun nicht ganz. Wir hätten vermutlich eher verletzte oder tote Polizisten und weniger tote Kartellmitglieder, da die Polizei hierzulande und auch innerhalb Europas im Regelfalle wohl zurückhaltender vorgehen würde (oder auch vielleicht überfordert wäre).
Schneemann
Und wenn man das bedenkt kann man der bras. Polizei nicht wirklich etwas vorwerfen. Außer man gibt lieber freiwillig die lokale Kontrolle an Kartelle ab.
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Verstehe. Wobei sich dann mein Einwand, fairerweise gesagt, nicht auf dich bezog, sondern darauf, wonach ja Brasilien als BRICS-Mitglied - quae dicenda sunt - manchmal etwas zu idealistisch dargestellt wird. Belassen wir es jenseits von Polizeitaktik damit.
Schneemann
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(31.10.2025, 23:13)Schneemann schrieb: Verstehe. Wobei sich dann mein Einwand, fairerweise gesagt, nicht auf dich bezog, sondern darauf, wonach ja Brasilien als BRICS-Mitglied - quae dicenda sunt - manchmal etwas zu idealistisch dargestellt wird. ... dann lass uns mal einen objektiveren Blick auf Brasilien werfen:
Zitat:20.12.2025 | Märkte
Brasilien zwischen Zinsdruck und Hoffnung
Die brasilianische Zentralbank bleibt restriktiv. Strukturreformen nach den Wahlen könnten allerdings das Potential des Landes entfesseln, meint man bei der DWS Group.
Brasilien ist das Land der Zukunft – und wird es auch immer bleiben. Diese fast sprichwörtliche Redewendung unter Brasilianern beschreibt das vergangene Jahrzehnt ganz gut. Die politischen Prioritäten von 2014, als Dilma Rousseff knapp wiedergewählt wurde, sind bis heute noch erschreckend aktuell. Rechtsruck 2018, Linksruck 2022 – doch echte Strukturreformen, die nachhaltiges Wachstum bringen, blieben aus. Mit den Präsidentschaftswahlen 2026 rückt nun eine seltene Chance näher, diverse Bremsklötze für langfristige wirtschaftliche Fortschritte endlich anzugehen.
Leitzins seit 2022 deutlich über der Gesamt- und Kerninflation
Der nachfolgende Chart verdeutlicht dies. Der Leitzins, in Brasilien als Selic bekannt, liegt seit 2022 deutlich über der Gesamt- und Kerninflation. Für Anleger ließe sich das als Zeichen deuten: Die Zentralbank agiert unabhängig, versucht die Erwartungen stabil zu halten und stemmt sich gegen den Preisdruck vor allem im Dienstleistungssektor. Aber die nun schon lange hohen Zinsen werfen auch Fragen nach den strukturellen Schwächen im brasilianischen Rechts- und Finanzsystem auf.
Gesetzlich verpflichtende Ausgabenindexierung, zahllose Steuerprivilegien sowie subventionierte Kredite schwächen die geldpolitische Steuerung. Das Copom, das geldpolitische Komitee der Zentralbank, muss daher die Zügel tendenziell länger als in anderen Ländern straff halten – während politisch gut vernetzte Platzhirsche oft geschützt werden. Hohe Steuern, Bürokratie und teure Vertragsdurchsetzung verschärfen die daraus entstehenden Probleme, insbesondere für Klein- und Mittelbetriebe. Wer die Etablierten schützt, erstickt leicht Innovation, Gründungen und Wettbewerb. Doch: Die Bereitschaft zur Veränderung wächst, quer durch die Parteien. Hoffnung machen Initiativen zur Effizienzsteigerung staatlicher Behörden, die neue Mindestlohnregel mit Obergrenze und Versuche, zweckgebundene Kredite einzudämmen. Entscheidend bleibt aber die Umsetzung.
...
bleibt anzumerken, dass die hohen Zinsen natürlich auch die öffentlichen Kreditfinanzierungen und damit den Staatshaushalt - etwa im Bereich der Sicherheitsinvestitionen - belasten.
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(22.12.2025, 00:13)Kongo Erich schrieb: dann lass uns mal einen objektiveren Blick auf Brasilien werfen:
... Das Handelsblatt analyisiert:
Zitat:Bei kritischen Mineralien braucht der US-Präsident Brasilien
Erst attackierte Trump Brasilien, dann nahm er das Land wieder von der Zoll-Liste. Ein Grund: Brasilien verfügt über die zweitgrößten Reserven an seltenen Erden und viele kritische Mineralien.
Alexander Busch
17.02.2026 - 08:10 Uhr
Salvador. Im Juli des vergangenen Jahres verhängte US-Präsident Donald Trump die bis dahin weltweit höchsten Importzölle auf brasilianische Produkte: Mehr als 60 Prozent Einfuhrabgaben galten plötzlich für die meisten Waren. Er bestrafte damit die brasilianische Justiz für deren Umgang mit Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Auch Brasiliens obersten Bundesrichter im Verfahren gegen Bolsonaro trafen harte Sanktionen. Das Verfahren wegen eines Putschversuchs nannte Trump „Hexenjagd“.
Inzwischen sind fast alle Strafzölle wieder aufgehoben. Auch die Sanktionen gegen Richter Alexandre de Moraes gelten nicht mehr. Donald Trump hat inzwischen mehrfach mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gesprochen.
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Salvador. Im Juli des vergangenen Jahres verhängte US-Präsident Donald Trump die bis dahin weltweit höchsten Importzölle auf brasilianische Produkte: Mehr als 60 Prozent Einfuhrabgaben galten plötzlich für die meisten Waren. Er bestrafte damit die brasilianische Justiz für deren Umgang mit Ex-Präsident Jair Bolsonaro. Auch Brasiliens obersten Bundesrichter im Verfahren gegen Bolsonaro trafen harte Sanktionen. Das Verfahren wegen eines Putschversuchs nannte Trump „Hexenjagd“.
Inzwischen sind fast alle Strafzölle wieder aufgehoben. Auch die Sanktionen gegen Richter Alexandre de Moraes gelten nicht mehr. Donald Trump hat inzwischen mehrfach mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva gesprochen.
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Persönliche Sympathien dürften Trumps Kurswechsel kaum erklären. Entscheidend ist Brasiliens Rolle als Bergbaumacht mit großen Reserven wichtiger Rohstoffe. Vor allem bei seltenen Erden und kritischen Rohstoffen wie Niob, Nickel, Lithium und Mangan hat das größte Land Lateinamerikas großes Potenzial.
„Angesichts des weltweit großen Interesses an der Schaffung zuverlässigerer Lieferketten außerhalb der Kontrolle Chinas entwickelt sich Brasilien zu einem strategischen Wettbewerber auf dem Markt für Seltenerdmetalle“, sagt John Zadeh, Rohstoffexperte des Branchendienstes Discovery Alert.
Laut US Geological Survey verfügt Brasilien nach China über die zweitgrößten Reserven an seltenen Erden: knapp ein Viertel (23 Prozent).
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Für große Industrienationen, die auf eine stete Versorgung mit den raren Rohstoffen angewiesen sind, entwickelt sich Brasilien zunehmend zu einer interessanten Alternative. Das südamerikanische Land liefert Niob, Nickel, Bauxit und Grafit in großen Mengen. Die Produktion von Kupfer und Lithium ist zuletzt stark gewachsen. Für PwC ist Brasilien ein Schlüsselakteur im globalen Markt für Energiemineralien. Deloitte und AYA Earth Partners schätzen, dass Brasilien zehn Prozent der weltweiten Reserven an kritischen Mineralien besitzt.
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Investitionen in Brasiliens Bergbau
Das neue Interesse der US-Regierung an Brasiliens Bergbau ist augenfällig. Beim Bergbaukongress in Salvador Ende Oktober traf sich ein hochrangiger US-Vertreter mit brasilianischen Firmen, um über Lieferverträge für Mineralien und seltene Erden zu sprechen.
Parallel investiert die US-Entwicklungsbank Development Finance Corporation (DFC) erstmals in Brasiliens Bergbau. Die 2019 in Trumps erster Amtszeit als Gegengewicht zur chinesischen Belt-and-Road-Initiative gegründete DFC finanziert private Projekte in Schwellen- und Entwicklungsländern, wenn diese strategisch für die USA relevant sind oder geopolitischen Einfluss sichern.
Die DFC investierte 456 Millionen Dollar in Serra Verde, Brasiliens einzigen Seltene-Erden-Produzenten, der von nordamerikanischen und britischen Finanzfonds geführt wird. Das Unternehmen produziert seit 2024 schwere Seltenerden. Auch das Bergbauunternehmen Aclara in Brasilien erhielt einen Zuschuss von fünf Millionen Dollar von der US-Agentur.
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Ausländische Konzerne können ohne Restriktionen investieren
Die EU will am 24. März 2026 Investitionszusagen für fünf Projekte im Bereich kritischer Mineralien bekanntgeben. Geplant sind Kooperationen in Brasilien zur Förderung von Lithium, Nickel, seltenen Erden und Mangan. Für die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) ist Brasilien ein zentraler Lieferant für Rohstoffe, die für erneuerbare Energien, E-Mobilität und Leichtbau gebraucht werden.
Brasilien hat Vorteile gegenüber anderen Bergbauregionen. Das Land verfügt über eine lange Bergbautradition, etwa bei Eisenerz, und damit über Fachkräfte, Infrastruktur und industrielle Erfahrung. Ausländisches Kapital ist nicht beschränkt; Konzerne können Minen mehrheitlich kontrollieren.
Zugleich ist Brasilien selbst ein großer Absatzmarkt – etwa wenn dort Batterien für Fahrzeuge oder Speicher für Rechenzentren entstehen. Zudem stammt ein Großteil des Stroms aus Wind-, Wasser- oder Sonnenkraft.
Dennoch bleibt die Bilanz gemischt: Brasilien hat riesige Reserven, produziert aber bislang wenig. So hat sich die Produktion seltener Erden im ersten Halbjahr 2025 zwar verzehnfacht. Mit einem Wert von 7,5 Millionen Dollar entspricht Brasiliens Anteil am Weltmarkt jedoch nur einem Prozent. Das Land exportierte 20 Tonnen Chemikalien seltener Erden. Zum Vergleich: China produzierte im gleichen Zeitraum 270.000 Tonnen.
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um es auf den Punkt zu bringen:
Brasilien ist stark genug, um sich selbst von den USA nicht erpressen lassen zu müssen - daraus folgt:
a) die Zeit der unipolaren US-Dominanz ist auch auf dem amerikanischen Kontinent vorbei
b) was Brasilien schafft kann und dürfte für andere Regionalmächte ein Vorbild sein
c) Nachbarn von Brasilien könnten versuchen, sich unter den Mantel der Regionalmacht zu flüchten - die Strukturen dafür sind vorhanden
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