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Die russischen Bataillonskampfgruppe sind ja ein Musterbeispiel russischer Vorstellungen. Der kleinste taktische Verband der eigenständig das Gefecht der verbundenen Waffen führen kann, jedoch im Krieg gegen die Ukraine aufgrund verschiedener Schwächen wie die Kopflastigkeit von Befehlsketten, fehlende Aufklärung, geringe Infanteriestärke etc. aber auch ganz entscheidend aufgrund fehlender eigener Versorgung - obwohl diese Kampfgruppen höchst mobil agieren sollten, schlicht ein Fehlschlag war.
Es darf nicht immer den Fehler gemacht werden die andere Seite grundsätzlich der NATO gleichwertig anzusehen und dann durch irgendwelche offensichtliche Unterschiede noch besondere Fähigkeiten zu sprechen. Die russische Seite operiert auf ganz anderen Grundsätze als der Westen und die Ukraine tat gut daran viele dieser alten sowjetischen Ideen über Bord geworfen zu haben. Natürlich wäre es noch schöner gewesen man hätte auf die NATO gehört und die Sommeroffensive auf eine Angriffsachse beschränkt anstatt auf breiter Front mit viel zu wenig Material vorzugehen.
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Zur taktischen Bataillonskampfgruppe möchte ich sagen, daß diese im Kern ein Artilleriebataillon mit eigenem Infanterieschirm sein sollte. Ihr Grundgedanke bestand ja darin, Artillerie möglichst früh und hochmobil ins Gefecht zu bringen. Und ausgerechnet die Infanterie, jenes unerlässliche Element für die Sicherung der Artillerie, wurde "sträflich" vernachlässigt. Im Ergebnis operierten diese Kampfgruppen oft isoliert, ohne ausreichenden Schutz oder Durchhaltefähigkeit. Damit gerät ihr Einsatz in einen absurden Widerspruch: Eine Formation, die Feuerkraft konzentrieren soll, ist zu fragil, um sich selbst zu halten. Was wir dann zu sehen bekommen haben, war eine Taktik, die in ihrer Dysfunktionalität der berüchtigten „menschlichen Welle“ nicht unähnlich war – nur mit umgekehrtem Vorzeichen.
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Pmichael:
Zitat:Die russischen Bataillonskampfgruppe sind ja ein Musterbeispiel russischer Vorstellungen. Der kleinste taktische Verband der eigenständig das Gefecht der verbundenen Waffen führen kann, jedoch im Krieg gegen die Ukraine aufgrund verschiedener Schwächen wie die Kopflastigkeit von Befehlsketten, fehlende Aufklärung, geringe Infanteriestärke etc. aber auch ganz entscheidend aufgrund fehlender eigener Versorgung - obwohl diese Kampfgruppen höchst mobil agieren sollten, schlicht ein Fehlschlag war.
Ich bin da unschlüssig und würde die BTG wie sie die Russen eigentlich und ursprünglich vom Konzept her gedacht hatten eben nicht per se als Fehlschlag ansehen. Dass die Versorung der BTG nicht ausreichend war, lag ja nicht an diesen selbst, sondern an den dahinter stehenden Logistikverbänden und der gesamten Versorgungskette welche die BTG eigentlich benötigt damit sie funktioniert.
Schlussendlich hatte man nicht die Versorgungskapazitäten hinter den BTG welche für dieses Konzept eigentlich notwendig gewesen wären. Auch die Frage der fehlenden Infanterie wird meiner Meinung nach überbewertet und hätte gelöst werden können. Reim vom ursprünglichen Konzept sollten BTG nämlich durchaus von zusätzlichen, von ihnen getrennten Infanterieverbänden unterstützt werden, welche in entsprechendem Gelände die Absicherung der BTG übernehmen sollten.
Ironischerweise hatten die Russen in den Anfängen der BTG solche Zusatz-Infanterie durchaus dabei. Warum sie dann während der Offensive in der Ukraine dieses eigentlich wesentliche Merkmal (zusätzliche eigenständige Infanterieverbände) einfach wegließen ist nicht ganz klar, deutet aber auch darauf hin, dass die Russen in keinster Weise mit einem ernsthaften Krieg rechneten.
Für die hochbewegliche offensive mechanisierte Kriegsführung bietet es sich zudem durchaus an, in den mechanisierten Kampfgruppen bewusst nicht zu viel Infanterie dabei zu haben, und infanteristische Aufgaben eben wie beschrieben dezidierten Infanterieeinheiten zu überlassen welche dafür an die Seite der jeweiligen BTG treten und eigentlich hatten die Russen solche Konzepte. Sie haben sie nur in der praktischen Realität nicht umgesetzt. Womit wir bei einem wesentlichen Punkt wären: die BTG wurden praktisch gesehen für sich alleine eingesetzt, man versuchte tatsächlich das Gefecht mit ihnen und aus ihnen heraus zu führen. So war das aber ursprünglich nicht gedacht.
Ursprünglich wären die BTG nur ein Baustein der eigentlich das Gefecht der verbundenen Waffen führenden Brigaden gewesen ! Sie waren zudem nie für weitreichende Operationen gedacht, sondern immer nur für begrenzte Offensiven über kurze Distanzen !
Wenn du mit Kopflastigkeit die viel zu zentralisierte Form der Führung in der russischen Armee meinst, stimme ich dir zu. Die BTG ist eine Struktur bzw. ein Konzept, welches überhaupt nicht zur russischen Führungs- und Militärkultur passt. Solche Einheiten mit einer äußerst rigiden Befehlstaktik zentralisiert führen zu wollen widerspricht natürlich ihrer Natur. Das führt auch gleich zur Frage der fehlenden Aufklärung: wie van Crefeld es mal dargestellt hat, haben zentralisierte Kommandosysteme welche mit Befehlstaktik operieren einen deutlich erhöhten Aufwand für die Informationsgewinnung, Informationssteuerung und Informationsauswertung.
Entsprechend benötigt die russische Armee ohnehin eigentlich mehr Aufklärung und mehr Informationsverarbeitung, ist darin aber nicht sonderlich gut. Und damit wurde das ganze Konzept welches eigentlich Beweglichkeit, Geschwindigkeit und eine höhere Kampfkraft in kleineren Einheiten generieren sollte schlussendlich ab absurdum geführt.
Insgesamt aber halte ich das Konzept der BTG nicht per se für falsch, sondern ganz im Gegenteil für absolut richtig und zukunftsweisend, jedoch fehlt den Russen die Befähigung dieses Konzept anzuwenden. Die Russen hatten hier im Prinzip die richtige Idee, konnten diese aber real praktisch nicht umsetzen. Gescheitert sind die BTG meiner Meinung nach primär aus folgenden drei Punkten:
1. Zentralisierte Führung und rigide Befehlstaktik (der russischen Militärkultur entsprechend). Die BTG wären aber gerade eben bei Verwendung einer Auftragstaktik besonders leistungsfähig. Sie widersprechen damit konzeptionell der russischen Militärkultur.
2. Wenn man im Verhältnis zur Größe des Verbandes überproportional viel Artillerie hat (wie das bei den BTG der Fall ist), erhöht sich der Logistikaufwand immens. Entsprechend benötigt die BTG in einem Push System wie es die Russen verwenden sehr viel mehr Versorgungseinheiten „hinter ihr“, welche die Versorgungskette entlang ständig Nachschub nach vorne schieben müssen. Diese Einheiten (außerhalb der BTG, auf höheren Ebenen) fehlten.
3. Die BTG waren eigentlich nie dafür konzipiert größere Offensiven über längere Distanzen zu führen. Genau das sollten sie aber in der Ukraine tun. Noch darüber hinaus war es eigentlich das Konzept der BTG, als Vorausverbände ihrer Ursprungseinheiten (Brigaden) zu dienen und im weiteren als Bestandteil dieser zu kämpfen, also im Verbund mit anderen zusätzlichen Einheiten. Stattdessen setzten die Russen die BTG für sich allein ein. Das war eigentlich nie das Konzept gewesen.
Das heißt die Russen verwendeten die BTG eben nicht so, wie es das Konzept der BTG eigentlich vorsah !
Zitat:dann durch irgendwelche offensichtliche Unterschiede noch besondere Fähigkeiten zu sprechen
Wie meinst du das bzw. könntest du diesen Punkt noch etwas genauer ausführen ?
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Pogu:
Gestatte mir bitte noch ein paar kurze Ergänzungen:
Zitat:Zur taktischen Bataillonskampfgruppe möchte ich sagen, daß diese im Kern ein Artilleriebataillon mit eigenem Infanterieschirm sein sollte. Ihr Grundgedanke bestand ja darin, Artillerie möglichst früh und hochmobil ins Gefecht zu bringen. Und ausgerechnet die Infanterie, jenes unerlässliche Element für die Sicherung der Artillerie, wurde "sträflich" vernachlässigt. Im Ergebnis operierten diese Kampfgruppen oft isoliert, ohne ausreichenden Schutz oder Durchhaltefähigkeit.
Meiner Ansicht nach ergab sich diese „Isolation“ bei der Offensive in der Ukfraine vor allem auch dadurch, dass man fast nur solche BTG einsetzte und diese halt eben für sich allein einsetzte, aber das war nicht das eigentliche ursprüngliche Konzept. Eigentlich sollen BTG durch zusätzliche Infanterieeinheiten „gedeckt“ werden, welche aber nicht Teil der BTG sind. So haben dass die Russen vorher auch praktisch gemacht. Zudem sollten sie vor allem als ein Mittel der „Eröffnung“ dienen, dass heißt den Kampf eröffnen, dann aber im weiteren als Teil ihres größeren Herkunftsverbandes agieren, also im Verbund mit anderen Einheiten und eben nicht für sich allein.
Zitat:Damit gerät ihr Einsatz in einen absurden Widerspruch: Eine Formation, die Feuerkraft konzentrieren soll, ist zu fragil, um sich selbst zu halten.
Es war aber ja eigentlich nie das Konzept, dass sich diese Formation selbst (über längere Zeit, über größere Distanzen) halten können sollte. Sondern man wollte eine Maximierung der Feuerkraft beim ersten Schlagabtausch, dem folgend aber sollten größere Verbände (Brigaden) eingreifen und die BTG im weiteren als Bestandteil dieser kämpfen. Nur hat man das so in der Ukraine nicht gemacht. Darüber hinaus setzten die Russen bei Kämpfen vor 2022 wo sie BTG verwendeten, durchaus zusätzliche Infanterieeinheiten ein, welche die BTG in entsprechendem Gelände unterstützten. Ironischerweise übrigens auch in der Ukraine, wo sich die BTG als Konzept zwischen 2014 und 2022 durchaus sehr bewährt haben (in den Separatistengebieten), dort stellten dann die Separatisten entsprechende zusätzliche Infanterieverbände.
Die Erfolge der Russen im Süden, von der Krim ausgehend hatten auch BTG mit zusätzlicher Infanterieunterstützung, und unterschieden sich auch dadurch von dem Vorgehen in Richtung Kiew.
Das wesentlichste aber ist eigentlich, dass solche gemischten Kampfgruppen nach offiziellem russischen Konzept eigentlich nur über kurze Distanzen und eine kurze Zeit hinweg kämpfen sollen. Sie wurden aber gerade eben nicht so eingesetzt.
Die Wurzeln solcher Kampfgruppen reichen ja bis in die Sowjetzeit zurück. Tatsächlich taucht der Begriff BTG das erste Mal bereits 1987 auf:
https://www.amazon.de/Soviet-Combined-Ar...B09MYVW5HS
Und bereits zu dieser Zeit stellte man aufgrund von Manövern und Überprüfungen der Struktur fest, dass diese nicht für weitreichende Offensiven geeignet ist, und zusätzliche Infanterie benötigt. Das war und ist den Russen also seit Dekaden eigentlich bekannt. Ursprünglich sollten das Durchbruchseinheiten sein, welche dann weiteren anderen Verbänden der größeren Herkunftsverbände die Explorierung des Durchbruches ermöglichen. Deshalb auch so Systeme wie TOS-1 auf dieser Ebene. Die ganze Artillerie diente (dient) daher eigentlich diesem Zweck: feindliche Verbände so anzuschlagen, dass weitere nachstoßende Einheiten sie zerschlagen können, oder gleich den Durchbruch zu erzeugen, den dann andere (!) Einheiten explorieren.
In der Realität setzte man aber 2022 die BTG in der Tiefe des Raumes ein und versuchte gleich den Bewegungskrieg und die Explorierung von Durchbrüchen mit ihnen selbst zu führen. Das konnte nur scheitern, und wiederspricht aber sogar der eigentlichen russischen Doktrin in Bezug auf die BTG.
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Danke für Deine interessante Antwort, sehr geschätzter @Quintus.
Ich sehe es so:
Als Erbe der sowjetischen Militärdoktrin betrachtet die heutige russische Armee Geschwindigkeit als den entscheidenden Faktor. Leistung wird primär daran gemessen, wie schnell sie erbracht wird. Taktischen Erfolg hat, wer seinen Auftrag schneller ausführt. Geschwindigkeit gilt als Schlüsselfaktor für Gefecht und Krieg.
Die BTG wurde genau nach dieser Prämisse konzipiert und basierend auf den Erfahrungen aus den beiden Tschetschenienkriegen weiterentwickelt.
Allerdings stößt deren Befehlstaktik in einer hochdynamischen, zergliederten Struktur an ihre Grenzen. Bei hoher Geschwindigkeit laufen Prozesse potenziell zu schnell ab, um derart zentral gesteuert zu werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit von für die russische Armee "sich fremd anfühlenden" Prinzipien: weitgehende Unabhängigkeit in drei zentralen Bereichen – Auftragstaktik, Hauptwaffensysteme und Logistik.
Diese Geschwindigkeit sollte insbesondere in drei Feldern genutzt werden:
• Schlagkräftige Durchbruchsmanöver zur schnellen Flankierung und Einkreisung.
• Erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit zur Anpassung an sich wandelnde Gefechtslagen.
• Angriffe auf Schlüsselpunkte und Destabilisierung gegnerischer Strukturen.
Die chinesischen HIMOB-CA-Bataillone orientierten sich an diesem BTG Modell. Sie identifizierten Hochmobilität als Voraussetzung für Geschwindigkeit und schneiderten ihre Strukturen gezielt darauf zu.
Für das russische BTG-Konzept gilt: Geschwindigkeit ist nicht nur deren Vorteil – sie ist die Doktrin! Die tatsächliche Umsetzung ist jedoch deren Schwäche.
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Exakt so ist es. Und darin liegt meiner Ansicht nach der innere Widerspruch der russischen Doktrin. Man verfolgt eigentlich eine richtige Zielsetzung (Geschwindigkeit), will diese aber mit Methoden umsetzen, welche die Geschwindigkeit vermindern bzw. dieser Zielsetzung völlig entgegen gesetzt verlaufen. Ein Musterbeispiel:
Zitat:Erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit zur Anpassung an sich wandelnde Gefechtslagen.
Gerade die BTG wäre rein von ihrer Struktur her besonders dafür geeignet, auf sich wandelnde Gefechtslagen zu reagieren. Also das richtige Konzept und die richtige Struktur hierfür.
Was man aber real in der Ukraine beobachtete war, dass BTG absolut stur und unbeirrbar längst überholte Pläne exekutierten, die angesichts der geänderten Umstände überhaupt keinen Sinn mehr machten.
Statt auf die Veränderung zu reagieren, ignorierte man sie, in manchen Fällen in extremer Weise. Weil die Führung darüber dies explizit so einfordert und keinerlei Abweichung vom Operationsplan zulässt.
Ich habe also eine Kampfgruppe, welche auf eine erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit aus eigener Kraft hin optimiert ist, und verbiete (!) ihr überhaupt zu reagieren.
Solche Widersprüche finden sich in der russischen Militärkultur zuhauf. Und daraus resultiert dann regelmäßig, dass die Russen ihrer eigenen Doktrin entgegen handeln, also eben nicht so handeln, wie ihre Doktrin es in der Theorie vorsieht.
Da klafft also dann eine weite Lücke zwischen russischer Militärtheorie und dem was die Russen real auf dem Schlachtfeld tun. Das heißt aber eben nicht umgekehrt, dass die Theorie per se falsch wäre. Und es stellt sich die Frage, was eigentlich wäre, wenn die Russen einfach ihre eigene Theorie tatsächlich real umsetzen würden ?! Denn theoretisch haben sie eigentlich oft die richtigen Ideen, aber die real existierenden russischen Streitkräfte sind halt genau so oft Lichtjahre davon entfernt diese umzusetzen bzw. umsetzen zu können.
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Naja, die Russen sind halt imstande zu beweisen, daß ein Scharfschützengewehr nichts bringt, indem sie es im Nahkampf einsetzen. :-D
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Wohl wahr  Und tatsächlich gab es mal einen Film wo ein Russe mit einem Dragunov mit aufgepflanztem Bajonett einen Graben gestürmt hat. Mit dem Begleitkommentar dass das Dragunov für den Bajonettkampf besser ist, weil es länger ist ......
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Gut zu wissen. Für diesen Fall rege ich eine Bajonetthalterung für das IWS 2000 an. ☝🏻😄
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(14.03.2025, 09:59)Quintus Fabius schrieb: Pmichael:
Wie meinst du das bzw. könntest du diesen Punkt noch etwas genauer ausführen ?
Beispiel wäre die Idee dass die Russen in der Lage sind NATO ähnliche Präzisionschläge auf zivile und militärische Infrastruktur durchführen können, eine Kernfähigkeiten der NATO die seit dem Ende des Vietnamkriegs stetig weiterentwickelt wurde und durch Erfahrungen im Einsatz kritisch bewertet wird. Ich kriege jedesmal einen Schlaganfall wenn ich lese wie Russland großangelegt irgendwelche Infrastruktur vernichten würde in den ersten Stunden des Krieges.
Anderes Beispiel wäre das Artilleriegefecht, lange Zeit das Kronjuwel der Russen und die dominierende Meinung war doch man hätte gegen die Russen auf dieser Ebene nichts entgegenzusetzen, man konnte sich gar nicht vorstellen dass die viele Artillerie grundsätzlich dumme Artillerierohre waren, die weder genau sind noch eingebettet in einer Feuerleitung waren - wie wir es von den eigenen NATO Artillerie kennen.
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Pmichael:
Zitat:Beispiel wäre die Idee dass die Russen in der Lage sind NATO ähnliche Präzisionschläge auf zivile und militärische Infrastruktur durchführen können, eine Kernfähigkeiten der NATO die seit dem Ende des Vietnamkriegs stetig weiterentwickelt wurde und durch Erfahrungen im Einsatz kritisch bewertet wird. Ich kriege jedesmal einen Schlaganfall wenn ich lese wie Russland großangelegt irgendwelche Infrastruktur vernichten würde in den ersten Stunden des Krieges.
Ich stimme dir hier absolut zu, dass die Fähigkeiten beider Seiten hier nicht ansatzweise vergleichbar sind und die NATO hier schlicht und einfach immens überlegen ist was ihre tatsächliche Befähigung angeht.
Dennoch: man benötigt die immensen Kapazitäten der NATO gar nicht, um trotz wesentlich geringerer Fähigkeiten verheerenden Schaden anzurichten. Theoretisch (!) hätte Russland hier ausreichende Fähigkeiten - umso erstaunlicher wie wenig sie praktisch in der Lage sind diese auch real einzusetzen.
Selbst mit den russischen Nachbauten iranischer Tuckermarschflugkörper könnte man beispielsweise das gesamte Stromnetz in dieser Bundesrepublik gleich mit Kriegsbeginn ausschalten, wenn die Russen diese Fähigkeit richtig explorieren und einsetzen würden. Wozu sie wie die Ukraine beweist offenkundig nicht in der Lage sind.
Ganz allgemein klafft zwischen dem Potential welches Russland hätte und dem was es real tut eine Lücke, die mich selbst immer wieder erstaunt.
Zitat:Anderes Beispiel wäre das Artilleriegefecht, lange Zeit das Kronjuwel der Russen und die dominierende Meinung war doch man hätte gegen die Russen auf dieser Ebene nichts entgegenzusetzen, man konnte sich gar nicht vorstellen dass die viele Artillerie grundsätzlich dumme Artillerierohre waren, die weder genau sind noch eingebettet in einer Feuerleitung waren - wie wir es von den eigenen NATO Artillerie kennen.
Ja absolut richtig. Ich stehe offen dazu: ich gehörte selbst zu denen die vor Kriegsbeginn gerade die russische Artillerie drastisch überschätzt haben. Vor Kriegsbeginn 2022 sah ich in der Kombination aus russischen Luftabwehrsystemen und Artillerie ein signifkantes strategisches Problem. Durch den realen Krieg hat sich dies stark relativiert.
In diesem Kontext müsste man aber natürlich anmerken, dass es so oder so keinen Sinn macht (weder früher / vorher noch heute) die Russen mit eigener Artillerie in einem Konterartillerieduell zu schlagen. Stattdessen würden die NATO Luftwaffen die russische Artillerie innerhalb weniger Wochen vollständig in Schutt und Asche legen, da bliebe nichts übrig. Um in diesem Kontext deine Beispiele zu ergänzen:
Am meisten erstaunt (!) von allem hat mich die schwache Leistung der russischen Luftstreitkräfte. Wie schlecht die russische Luftwaffe abgeschnitten hat und immer noch abschneidet hat mich regelrecht verblüfft. Das war für mich wirklich unerwartet.
Ich gehöre ja definitiv zu denen, die Russland vor dem Krieg heillos überschätzt haben. Dessen ungeachtet sollte man aber auch nicht den Fehler machen, die Russen jetzt heillos zu unterschätzen. Theoretisch (!) hätte Russland alle Mittel und Fähigkeiten um selbst ohne Atomwaffen verheerende Angriffe auszuführen und erhebliche Kampfkraft zu entfalten.
Aber sie können es offenkundig nicht und lernen zu langsam dazu. Das war für mich wirklich unerwartet.
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Vor allem der permanente Einsatz einzelner Flugzeuge
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Über die Drohnenkriegsführung in der Ukraine:
https://x.com/revishvilig/status/1899167355403460896
Zitat:Robert Brovdi, Commander of the Ukrainian 414th Separate Brigade of Unmanned Combat Aerial Systems - Madyar's Birds, shares valuable insights into the evolution of drone warfare:
The timely appearance of drones and their increasing role in combat effectiveness—now responsible for over 50% of confirmed kills, even by conservative estimates—has made commanders highly dependent on them. In the first year of drone operations, we were able to hit about 150 to 200 targets per month. This served as a significant motivator for us, as we were actually taking out the first units of armored vehicles.
Eventually, we surpassed the threshold of 1,000 targets in a single month, and this number only accounts for direct losses inflicted on enemy personnel and equipment. We are responsible for more than 140 km within 22 brigades, not counting the "ears" that conduct field operations. When this started to bear fruit, it gave us, in my opinion, the most important effect—motivation.
The undisputed dominant leaders among weapon systems are two types: FPV drones and hexacopters—our so-called "Baba Yaga" night bombers. These two categories, along with their various models, currently account for—without exaggeration—around 90% of all inflicted damage and destruction of enemy personnel and equipment.
The remainder comes from munitions drops by Mavic drones, strike wings, and kamikaze wings that fly beyond the horizon. The vast majority of drones supplied to the front line are adapted over time due to shifting battlefield conditions, changes in frequency usage, and—most importantly—the expertise of engineers working within the teams.
The improvement of drone technical characteristics depends not just on factory specifications but on real-time modifications. Factors such as payload capacity, desired penetration depth, and warhead weight all play a role, allowing drones to be used at ranges six to eight times greater than their official specs indicate.
This isn't about setting Guinness World Records—it’s about carrying out precision strikes daily, around the clock, on a regular basis. The war will not end soon. Russia is currently sending about 30,000–35,000 new recruits to the front each month. Currently, 20,000 Russian soldiers each month are killed or severely wounded in combat. We need to do one simple thing—push ourselves by a third and reach a balance of [eliminations] at 30,000 per month. That way, we will equalize the inflow and outflow of their troops.
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Ein wenig beachteter Aspekt im Kontext von Drohnen ist dass schier unfassbare Ausmaß in welchem Gelände mittels Drohnen vermint wird. Besonders die Ukrainer sind darin inzwischen herausragend gut, und verseuchen alles was nur geht mit per Drohne verlegten Minen und dies auch weit im Hinterland des Feindes.
https://x.com/GrandpaRoy2/status/1857851990019056035
72 km Straße wurden hier im folgenden Beispiel in kürzester Zeit per Drohnen vermint:
https://x.com/GrandpaRoy2/status/1857851...56/photo/1
Minenkriegsführung per Drohne halte ich für ein ganz großes Geschäft der Zukunft, zumal diese auch jetzt schon praktisch vollautonom durchgeführt werden kann.
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