US-Zollkrieg und weltweites Börsenbeben
#46
zurück von der individuellen Anlageberatung zu den zwischenstaatlichen Beziehungen:

Wie geht es nach dem Urteil weiter mit den Zoll-Belastungen zwischen USA und dem Rest der Welt?
DT - Das Trotzköpfchen - will ja weiter mit dem Kopf durch die Wand.
Kann man da noch Abkommen schließen, die mehr als einseitige Zusagen sind?

EU-Votum über Handelsabkommen mit den USA droht Verschiebung
Zitat:Nachdem Trump das Urteil des US-Supreme Court umgehend mit einem neuen globalen Basiszollsatz von 15% gekontert hat, will das EU-Verhandlungsteam in einer Sondersitzung beraten, ob das nicht ein „klarer Bruch“ der Vereinbarung ist.
Indien verschiebt Handelsreise in die USA – Unsicherheit nach Zoll-Urteil
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#47
Inzwischen stellt sich eine Frage:
Droht der Zolldeal zwischen den USA und der EU zu platzen?


Zitat:EU-Kommission pocht auf vereinbarte Obergrenze bei US-Zöllen

Zoll-Chaos: Das oberste Gericht in den USA schiebt Donald Trumps Zollpolitik einen Riegel vor. Der US-Präsident legt daraufhin nach. Aus Brüssel kommt eine Warnung.

Brüssel/Washington - Die Europäische Kommission verlangt von den USA angesichts der entstandenen Unklarheiten in der US-Zollpolitik, eine vereinbarte Zollobergrenze von 15 Prozent in jedem Fall nicht zu überschreiten. EU-Produkte müssten von einer möglichst wettbewerbsfähigen Behandlung profitieren, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Im Sommer vergangenen Jahres hatten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump darauf verständigt, dass für die meisten EU-Importe in die USA ein maximaler Zoll nicht überschritten werden soll *). Das daraufhin mit den USA ausgearbeitete rechtlich bindende Abkommen muss noch vom EU-Parlament angenommen werden.
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wieso rechtlich bindend wenn es noch gar nicht angenommen ist?
Zitat: ...
EU-Kommission: "Ein Deal ist ein Deal"
Nach einer Entscheidung des obersten US-Gerichtshofs gegen die Zollpolitik von Trump legte dieser mit einem neuen weltweiten Zollsatz nach - erst kündigte er 10, dann 15 Prozent an. Ob und wie dieses neue Vorhaben sich auf die Absprachen zur Zollobergrenze auf EU-Importe auswirken könnte, ist noch unklar.

In der Mitteilung der EU-Kommission hieß es: "Ein Deal ist ein Deal." Man verlange Klarheit über die nächsten Schritte der Vereinigten Staaten nach dem jüngsten Urteil des Obersten Gerichts. Die Kommission stehe in engem und ständigem Kontakt mit der US-Regierung. Der EU-Handelskommissar Maros Sefcovic hatte den Angaben nach am Samstag mit dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer und Handelsminister Howard Lutnick gesprochen.
siehe auch Handelsblatt und die WELT

*)
Die Obergrenze von 15  Prozent (inklusive MFN-Zollsatz) gilt für nahezu alle EU-Exporte, die derzeit unter reziproke Zölle fallen. Ausgenommen sind Fälle, in denen der MFN-Zollsatz der USA über 15  Prozent liegt - in solchen Fällen wird ausschließlich der MFN-Zoll erhoben, ohne zusätzliche Aufschläge (Zitat).
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#48
Es ist schon sehr erratisch, was da aus Washington kommt
Zitat:Neue 15-Prozent-Abgaben
Warum Deutschland der große Verlierer von Trumps Zollchaos sein könnte
Der US-Präsident kündigt nach der Schlappe am Supreme Court einen neuen 15-Prozent-Zoll auf jegliche Importe an. Der größte Gewinner dürfte Brasilien sein. Für die deutsche Exportwirtschaft verschlechtert das die Lage.
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#49
N-TV befasst sich mit den "Konstanten" bei Donalds chaotischer Zoll-Politik:
Zitat:Trumps wilder Zollkurs hat System

Donald Trumps Zollentscheidungen sind erratisch und teils grotesk. Dennoch lassen sich wiederkehrende Merkmale erkennen. Und die dürften sich durch das jüngste Urteil des Obersten Gerichtshofs kaum ändern.

... Die Hauptmerkmale von Trumps Zollentscheidungen dürften allerdings unverändert bleiben. Neben der laut Ökonomen nicht haltbaren Vorstellung, so das Defizit aus der Handelsbilanz herauszubekommen und ausländische Unternehmen zur Kasse zu bitten, sind diese Merkmale: Willkür, Ausrichtung nach Trumps persönlichen Interessen bis hin zur Bereicherung und Inkompetenz. ...
für jeden dieser Behauptungen bringt n-tv dann auch Beispiele, die diese Aussage belegen. Dem kann ich weder widersprechen noch will ich etwas hinzufügen - außer vielleicht der "Trotzhaltung" des "jetzt erst recht".
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#50
Derzeit ist nichts sicher, außer dass alles unsicher ist - das "Markenzeichen der Wirtschaftspolitik von "Donald dem Leibhaftigen".

Aber jetzt mal Ordnung in's System:
1.
Die EU legt das Zollabkommen mit den USA auf Eis, solange nicht sicher ist, dass es bei den maximal vereinbarten 15 % bleibt (so unter anderem auch die Stuttgarter Zeitung - Kopie hier)

2.
Für einige US-Importeure sind die nun für 150 Tage zulässigen 15 % günstiger als das, was vor der Entscheidung des Supreme Courts angewandt wurde. So reduziert sich der Zollsatz für Brasilien (um 35 %) oder Kanada (um 20 %) während der für Grönland oder Russland um 5 % steigt (Quelle).
Und dann?
Die Importeure, die nun günstiger einkaufen können, werden die 150 Tage also nutzen, um sich die Lager voll zu schlagen. Ein kurzzeitiger Aufschwung im Export in die USA wird die Folge sein (so das Handelsblatt, Kopie hier) . Und das sind - nach der Logik von DT - genau die Lieferanten, die ohnehin schon einen großen Handelsüberschuss hatten und deshalb (???) mit so hohen Zöllen belastet werden sollten.
Damit ist das Gegenteil von dem erreicht, was "Donald der Leibhaftige" nach seinen verbalen Äußerungen eigentlich erreichen wollte und auch hier im Forum kolportiert worden ist.

3,
Wer bisher "verfassungswidrige Zölle" bezahlt hat wird natürlich versuchen, sein Geld zurück zu erhalten. Der Logistikkonzern FEDEX fordert eine vollständige Rückerstattung aller Zölle und zieht vor Gericht. (siehe auch hier) Es ist die erste bekannte Klage eines US-Konzerns nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs - und wird sicher nicht die einzige Klage bleiben.
Nur eingeschoben: die Klage beweist, wer die Zölle bezahlt hat - die Importeure der Waren, also letztendlich die US-Verbraucher.
Und damit man weiß, um welche Summen es geht:
Die US-Zollbehörde hat bis Mitte Dezember IEEPA-Zölle im Wert von 133 Milliarden US-Dollar erhoben (eine Monatsübersicht gibt es hier) - Größenordnungen sind das also, die (auch hier im Forum) bisher stolz als "Erfolge für den US-Haushalt" verkündet wurden.
Diese Gelder sind nicht nur schon ausgegeben (z.B. für Donalds Lieblingsprojekte wie ICE) - sie müssen auch noch zurückgezahlt werden. Und das bei einem ohnehin stetig ansteigenden Milliardendefizit im US-Haushalt. Die Staatsverschuldung der USA ist auf einem historischen Höchststand und liegt Anfang 2026 bei über 120 % bis ca. 124 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Gesamtverschuldung übersteigt 37 Billionen US-Dollar.

Daraus ergeben sich die Fragen:
a) Wann sind die USA nicht mehr zahlungsfähig und
b) wie werden die US-Regierungen damit umgehen?
c) Welche Auswirkungen hat das dann auf die Gläubiger?

4. Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff bringt es auf den Punkt: "Die Weltwirtschaft werde in jedem Fall „auf ein fragmentierteres, weniger US-zentriertes Handelssystem zusteuern“."
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#51
es sind heute 124% Staatsschulden und steigend.
siehe:https://usdebtclock.org/
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#52
Die Rückforderungssummen werden immer größer
Zitat:Logistiker drängen auf Rückerstattung von US-Zöllen
175 Milliarden Dollar illegaler Zolleinnahmen wanderten seit April 2025 in die US-Staatskasse
. Etliche Klagen, unterstützt von Speditionen wie Kühne + Nagel, sollen das Geld zurückholen.

...
und weil das Geld schon ausgegeben ist (sonst hätte der letzte größere shutdown nicht stattgefunden) ist das absehbare Haushaltsloch mindestens doppelt so groß
a) ausgegebene Zahlungen sind weg (oder Gehaltsrückzahlung von ICE-Angehörigen ????)
b) Rückzahlungen an die Importeure in den USA
c) fehlende Einnahmen durch weggefallene überproportionale Steuern
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#53
Das Witzige ist ja, dass viele MAGAisten trotz dieser Rückforderungsklagen immer noch die Tatsache leugnen, dass nicht das Ausland die Zölle gezahlt hat.
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