Das mit der Mistral-Klasse finde ich schon witzig. Während die eigene Werftindustrie auf dem Zahnfleisch kriecht ...
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... gibt man sich sogar die Blöße, bei der NATO shoppen zu gehen.
Natürlich bleiben da noch andere Fragen: Werden die russischen Werften überhaupt in der Lage sein, diese Schiffe instandzusetzen?
Sack re blöö!
Wer weiß. Vielleicht erfolgt demnächst noch ein Vertrag, die
Admiral Kuznetsow in Frankreich wirklich einsatzfähig zu machen. 24 Rafale's wären doch nicht schlecht ...
Und als ob es nicht schon peinlich genug ist, jedem Verband - vor allem den Einsatzgruppen um die
Admiral Kuznetzow - bei jeder Fahrt einen Schlepper zur Seite zu stellen, hat man offenbar für ein paar zukünftige Lacher vorgesorgt und gleich zwei neue Schlepperklassen in Auftrag gegeben.
- Projekt 22030; Hochseerettungsschlepper, 3 Schiffe geplant
- Projekt 745MB; Hochseebergungsschlepper, 4 Schiffe geplant
Der Witz ist, dass dieses ganze Geschwafel an die Neunziger erinnert: Man phantasiert davon, wie viele Flugzeugträger man bei Nordmeer- und Pazifikflotte braucht, während das aktuelle Korvetten-Programm (Steregushij-Klasse) schon auf dem besten Weg ist, zum Milliardengrab zu werden. Eine russische Fachzeitschrift brachte passend dazu einen Artikel, das die WMF kurz vor ihrem Kollaps steht. Da haben wir es mal wieder: Man kann keine Kriegsschiffe für das 21. Jahrhundert bauen, wenn die Werften seit den Achtzigern nicht modernisiert worden sind. Es wird aber gern verschwiegen, das das Problem hausgemacht ist. Nach dem Zerfall der UdSSR hat man lieber improvisiert, anstatt den Wegfall der Zulieferindustrie (Ukraine, Kasachstan, Belarus) mit Investitionen in die eigene Industrie zu überwinden.
Das sich Bauzeiten von fast 20 Jahren negativ auf die Qualität der Schiffe auswirkt ist nur ein Aspekt; weil man kaum moderne Fertigunsgtechniken hat, weisen die neuen Schiffe Konstruktionsfehler und technische Defekte auf, die während der Erprobung für einen Haufen Geld behoben werden müssen. Das alte Sowjetdenken behindert das aber auch wieder: Entspricht das Schiff - wie im Falle der Steregushij - nicht sofort den Anforderungen der WMF, werden sofort die Zahlungen an die Werft eingestellt, die durch die Durststrecke in den Neunzigern Fertigungstechnisch ohnehin auf dem letzten Loch pfeift und jede zweite staatliche Überweisung an die Gläubiger weiterleitet.
Gleichzeitig werden die Schiffe der WMF immer älter, weil neue Einheiten zu langsam zulaufen. Was wurde seit 2001 in Dienst gestellt? Die Gepard, die Tartastan, die Astrakhan, die Steregushij und die Jaroslaw Mudrij. Fünf Schiffe in Neun Jahren! Fünf! Wie man damit die Flotte modernisieren will, muss mir mal einer erklären. Um eine Anständige Modernisierung auf die Beine zustellen, wäre pro Jahr der Zulauf von
- 1 strategischen U-Kreuzer (Projekt 955)
- 2 Mehrzweck-U-Kreuzern (Projekt 885 und/oder 971M)
- 3 konventionellen U-Booten (Projekt 677)
- 2 Zerstörern (Projekt 21956)
- 2 Fregatten (Projekt 22350)
- 2 Korvetten (Projekt 20380)
notwendig. Dazu kommen unzählige schrottreife Versorgungschiffe, die ersetzten werden müssen. Bisher schafft man es mit Mühe und Not, ein Schiff alle zwei Jahre auszuliefern. Gehen wir mal die Werften durch:
- Ostsee:
Jantar,
Sewernaja und
Admiralstejskije Werf
- Weißes Meer:
Sewmash
- Innland:
Krasnoje Sormowo und
Zelenodolskij Zawod
- Ferner Osten:
Amurskij SSZ und
Khabarowskij SSZ
Obwohl alle Werften dazu in der Lage wären, bauen nur drei (
Sewernaja,
Admiraltejskij und
Sewmash) zur Zeit Kriegsschiffe. Jantar baut nur für den Export, abgesehen davon, das die Jaroslaw Mudrij noch fix fertig gebaut wurde.
Krasnoje Sormowo - wo einst sogar Atom-U-Boote gebaut wurden - hat in den letzten Jahren ein paar übrig gebliebene 877er und 636er fertiggestellt und an China ausgliefert, inklusive einem diesel-nuklearen Versuchs-U-Boot für die WMF, seitdem hat dort nichts die Halle verlassen.
Zelenodolskij hat 2002 die
Tartastan ausgeliefert. Die
Dagestan dümpelt nach wie vor halbfertig am Pier rum. Die Werft ist sogut wie am Ende.
Amurskij SSZ hat 2006 K-152
Nerpa aus der Halle gerollt und die
Sowershennij (Steregushij-Klasse) auf Kiel gelegt, aber auch zunehmend Probleme mit der Finanzierung.
Khabarowskij SSZ hat seit 1994 kein Schiff mehr für irgendeine Marine gebaut sondern hält sich mit dem bau von Binnenfrachtern über Wasser
Insofern bete ich, das man sich im Kreml endlich mal um eine moderne Schiffbauindustrie bemüht ...
... damit aus diesem Schrotthaufen endlich wieder eine brauchbare Flotte wird.