Aufbau und Bewaffnung einer Infanterie-Kompanie
#18
Nelson:

Um deinen Beitrag gleich aufzugreifen und von den Ebenen über der Großkompanie zu sprechen:

Meiner Meinung nach sollte das Regiment die nächsthöhere Ebene sein, dass dann direkt aus Kompanien aufgebaut wird. Folgerichtig sollte es gar keine Bataillone mehr geben.

Werter Samun:

Um uns mal von der Frage der Ideologie und der Politik zu lösen konzentriere ich mich im weiteren nur auf die Frage der reinen Waffen:
Zitat:Die Aufgabe ist Feinde hinter Deckungen mit Steilfeuer einzudecken; und zwar in Infanterie-Kampfentfernung - maximal 800m. Das kann ein Granatwerfer meiner Meinung nach nicht mit gleicher Effizienz.

Das kann ein normaler 40mm Granatwerfer (Unterlaufgranatwerfer) nicht mit der gleichen Effizienz. Genau aus diesem Grund sehe ich ja gar keine Unterlaufgranatwerfer mehr vor. Die Mörser zudem auf diese reine Direkte Unterstützung zu reduzieren, indem ich sie auf die 800 m beschränke, verschenkt viele Möglichkeiten die Mörser mir sonst auch noch bieten würden. Ein moderner Granatwerfer ist aber wiederum einem Mörser in diesem Bereich weit überlegen.

Zitat:Soweit ich weiss gibt es Studien, die zeigen, dass sich der Mangel an Mörsern in letzter Zeit als sehr negativ bewertet wird.
Diese Studien kenne ich. Es fehlen ganz allgemein Mörser und insbesondere Mörser auf der Ebene der Kompanie. Das hat nichts mit Granatwerfern zu tun, sondern schlicht und einfach damit, dass auf der Ebene der Kompanie heute überhaupt fast nirgends mehr Mörser vorhanden sind. Die Bundeswehr hat beispielsweise meines Wissens nach gar keine Mörser mehr innerhalb einer Infanteriekompanie.

Im weiteren möchte ich noch mal betonen, dass die von dir beschriebene Aufgabe der Mörser nur mit sehr leichten Mörsern im Bereich des Kaliber 50mm bis 60mm erfüllt werden könnte (vergleichbar den britischen Mörsern). Alle anderen Mörser sind viel zu groß, zu schwer, die Munition zu schwer. Wenn die Mörser bei den Sturmtrupps liegen sollen, dann müssen sie sehr leicht sein, was sie wiederum stark einschränkt und viele Nachteile hat. Die von dir beschriebene Struktur und Einsatzweise haben in der Praxis beispielsweise die Briten und die sind nicht zufrieden damit.

Solche leichten Mörser sind zudem modernen Granatwerfern deutlich unterlegen was die direkte Unterstützung der Sturmtrupps angeht. Sie sind bei weitem nicht so präzise und man braucht vergleichweise viel Munition um den Feind einzudecken oder wirklich zu treffen. Man kann nur ungefähr richten und ein genaues Treffen ist bereits ab 400 m nur noch Glückssache. Also muß man sehr oft feuern, und das hat wiederum das Problem, dass die Kadenz niedrig ist und das die Munition größer und schwerer ist als Granaten und in der Folge dessen man nicht so viel davon mitführen kann.

Ein moderner Granatwerfer ist halbautomatisch, hat eine höhere Reichweite und eine sehr viel größere Kadenz und sehr viel größere Genauigkeit. Und man kann damit ebenfalls Gegner in Deckung bekämpfen und das bis 1000 m Entfernung. Man muß nicht erst den Mörser aufstellen, ausrichten und dann die Munition einführen, sondern man schießt wie mit einem Gewehr einfach direkt sofort drauflos.

Aber allgemein stimme ich dir ja zu, dass Mörser eine sehr wichtige Waffe sind und auf der Ebene der Kompanie vorhanden sein sollten. Wir sind also nur unterschiedlicher Meinung, was die Art der Mörser angeht und wo sie angesiedelt sein sollten. Du propagierst sehr leichte Mörser die direkt vorne verwendet werden (britisches Modell) und gerade wegen der negativen Erfahrungen der Briten sehe ich schwerere Mörser vor die in eigenen Einheiten nicht in den Zügen sondern weiter oben auf der Ebene der Kompanie vorhanden sind (vergleichbar setzen die Russen übrigens Mörser ein).

Zitat:Letztendlich sind auch die "schweren" Waffen der Infantrie-Kompanie, die wir hier verplanen, voll beweglich und die Unterschiede in Beweglichkeit sind nur marginal zwischen den leichten und schweren Gruppen.

Die sind in Bezug auf die Mörser nicht marginal, weil die notwendige Kadenz und Feuerbereitschaft bei Mörsern nur dann aufrecht erhalten werden kann, wenn diese in Stellung stehen, während der Bewegung können Mörser nicht eingesetzt werden.Man muß sie immer erst aufbauen und richten, und das geht nur stationär. Mörser machen daher jede Einheit die sie mit sich führt sehr langsam (mit der Ausnahme extrem leichter Systeme im Bereich 50 mm, die aber keinerlei Vorteile gegenüber Granatwerfern haben).

Zitat:Die von dir beschrieben Großkompanie ist zwar möglich aber ich denke mir die 10 Zugführer unter einem Komaniechef sind nicht zielführend. Die Hierachie dürfte damit zu flach sein und von einem Kompanie-Chef zumal in Gefechtssituationen nicht mehr beherrschbar. Dann solltest du eher die einzelnen Züge/Gruppen vergrößern und damit ihre Anzahl reduzieren, wenn du die Soldatenanzahl in der Großkompanie halten willst.

Die flachere Hierarchie ist sogar von mir beabsichtigt und ist gerade eben ein Argument von mir für diese Struktur. So viele Indianer wie möglich bei so wenig Häuptlingen wie gerade nötig. Der Zugführer ist meiner Überzeugung nach der wichtigste Offizier im Infanteriekampf, seine Rolle ist wichtiger als die des Kompanieführers. Ergänzend müssten deshalb die Zugführer besonders gut ausgebildet werden, jeder Zugführer müsste so weit ausgebildet werden, dass problemlos auch als Kompanieführer agieren kann. Jeder Offiziere sollte so ausgebildet werden, dass er übergeordnete Stellen ebenfalls ausüben könnte.

Zitat:Die schweren Waffen zu hoch aufzuhängen erhöht für den einzelnen Zug/Halbkompanie die Meldewege, was für ein schnelles Vorgehen auch nicht vorteilhaft ist, da die Zusammenarbeit über eine weitere Ebene koordiniert werden muss.

Eine Vernetzung auf Kompanieebene ist natürlich zwingend erforderlich, insbesondere wenn man meiner Doktrin eines schnellen und agressiven Vorgehens folgen will. Dann ist eine enge Vernetzung sogar erst recht erforderlich. Die Meldewege sind übrigens dann mit modernen Kommunikationsmitteln bei weitem nicht erhöht sondern extrem kurz.

Man verliert viel mehr Zeit wenn man Mörser mitschleppt und vor Ort jeweils neben dem Sturmtrupp in Stellung bringen und richten muß, im Vergleich zu einer Stellung wo die Mörser sich weiter hinten befinden und von dort aus fest gegen alle Ziele wirken können die ihnen übermittelt werden. Die vorne befindlichen Trupps müssen dabei alle in der Lage sein, sozusagen die Rolle eines „Artilleriebeobachters“ zu übernehmen. Das ist nur eine Frage der Ausbildung.

Zitat:In den "Altdeutschen" Armeen ging es nicht darum Trupps oder einzelne Soldaten einzusetzen und zu koordinieren sondern ....Wo wir wieder beim Auftrag wären, der ein komplett anderer war.

Da hast du mich falsch verstanden. Solche Reminiszenzen sollen nur dem ganzen Traditionsgedöns dienen auf das nunmal viele Soldaten stehen. Da geht es nur um Namen und Bezeichungen, die einfach eine bestimmte Mentalität befördern sollen, mit dem Taktischen Konzept haben die nichts zu tun. Das dient also nur der Psychologischen Seite. Überall auf der Welt gibt es Kompanien, aber wir sind Teil einer Standarte/Fahne usw, das ganze dient der Psychologischen Seite und soll den Soldaten Traditionsanbindung bieten usw usf

In Bezug auf die Gliederung will ich nur darauf hinaus, dass meiner Meinung nach Infanterie-Kompanien viel größer sein sollten als sie es jetzt sind. Solche selbstständigen Kompanien wären flexibler, könnten im modernen assymetrischen Krieg viele Aufträge übernehmen für die heute mehrere Kompanien zusammen arbeiten müssen usw

Solche deutlich größeren Kompanien sollten aber weiterhin aus normal großen Zügen zusammen gesetzt sein, was die Hierarchie verflacht, die ganze Kompanie flexibler macht und beweglicher.

Aufgrund der Größe der Kompanien und auch aus anderen Gründen sollte es dann über der Kompanie kein Bataillon mehr geben, sondern nur noch Regimenter die dann direkt nur aus Kompanien aufgebaut sind.
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