(Kooperationen) European Armed Forces - Probleme und Perspektiven
@phantom
Zitat:Dass es eine Ausnahmesituation ist. Aber das ist doch nicht selbsttragend, der Staat ist doch im Nu Pleite, weil keine Steuereinnahmen mehr reinkommen. Er gibt nur dauernd Geld aus, rein kommt nichts.

Zunächst einmal verstehe ich, dass Quintus Fabius (wehr)strategisch bedeutsame Branchen/Unternehmen verstaatlichen oder einer stärkeren staatlichen Kontrolle unterziehen will. Diese Standpunkt teile ich. Von einer Verstaatlichung der deutschen oder europäischen Wirtschaft im Allgemeinen ist wohl nicht die Rede gewesen.

Zumindest in Europa hat es eigentlich Tradition, dass Schlüsselbranchen unter staatlicher Kontrolle stehen. Dazu zählten einmal u.a., das Postwesen, Eisenbahn, ÖPNV, Rundfunk, Wasser, Banken, bestimmte Versicherungen und die Energiewirtschaft. Viele (die meisten?) Unternehmen die den Weg in die Privatisierung gegangen sind, haben nachher deutlich schlechtere Leistungen abgeliefert als vorher. Dafür haben sie jedoch mitunter Gewinne generiert. Die Frage ist also nicht zuletzt, woran man "Leistung" bemisst. Diese ganzen Überlegungen auf die Rüstungsbranche zu übertragen ist keinesfalls revolutionär oder neu. Ich persönlich halte sehr viel von der Idee größtmöglicher staatlicher Kontrolle über die Rüstungsbranche.

Außerdem stimmt Deine Aussage bzgl. sinkender Steuereinnahmen nicht. Selbst so Mrd.-schwere Konzerne wie KMW machen unterm Strich am Ende des Jahres keine 100 Mio. Gewinn vor Steuern. Bereinigt mit subventionierten Aufträgen, subventionierten Energiekosten, bezuschussten Arbeits- und Ausbildungplätzen, etc... bleibt hier für die BRD bereinigt sicherlich kein müder Euro Netto übrig. Was aber in jedem Fall bleibt sind die versteuerbaren Gehälter von ein paar Tausend Mitarbeit von KMW. Die Einkommenssteuer der Arbeiter bricht aber nicht plötzlich weg, nur weil sich die Eigentumsverhältnisse des Unternehmens ändern. Da gibt es keinen direkten Zusammenhang. Q.e.d.

Zitat:Dann entsteht die Inflation und alle Bürger verlieren innert kürzester Zeit ihr Gespartes. Der Staat lebt auf kosten der Bürger, durch die massive Geldentwertung entschuldet er sich auch noch selbst. Schön für den Staat, schlimm für die Bürger, die haben dann nichts mehr.

Ich sehe -wie zuvor am Beispiel KMW gezeigt- schon nicht, dass eine verstaatlichte Rüstungsindustrie zu sinkenden Staatseinnahmen führen würde. Aber selbst wenn das hypothetisch der Fall wäre, bestünde damit noch lange kein Zusammenhang mit einer Inflation. Eine Zunahme der Geldmenge, bzw. an Krediten und steigende Verrbaucherpreise sind keine zwingende Folge sinkender Steuereinnahmen.

Darüber hinaus ist Inflation keinesfalls per se schlecht. Sie dient u.a. in westlichen Wirtschaftssystemen als gezielt eingesetztes Werkzeug zur Ankurbelung der Wirtschaft. Zum Beispiel die Japaner haben seit Jahren darauf hingearbeitet und die Geister beschworen, endlich Inflation haben zu dürfen. Inflation ist auch kein Effekt, der mit Planwirtschaft im Besonderen zu assoziieren wäre, da dort ja Gehälter und Verbraucherpreise sehr stark geregelt sind, was sich stark hemmend auf die Inflation auswirkt. Dieser Effekt tritt in planwirtschaftlichen Wirtschaftsräumen eigentlich erst dann ein, wenn das System zusammenbricht und die Produktion nicht mehr mit dem Bedarf mitkommt. Aber die Verstaatlichung einzelner Schlüsselunternehmen als Planwirtschaft zu bezeichnen, ist eh eine eher unsachliche Übertreibung. Eine Art Wirtschaftsrevolution wäre das nicht. Es wäre das gleiche wie die Privatisierung der Post, der Bahn oder Telekom. Nur eben dieses Mal in der anderen Richtung.

Zitat:Merkel könnte sagen, ich möchte nicht dass der Shareholder derart bedient wird, dass das Topmanagement von EADS nur noch die Hälfte verdient, ansonsten vergebe sie die Aufträge ins Ausland. Sie hätte als Kunde die Macht so etwas zu tun. Der Staat hätte die Macht das auch gegenüber den privaten Firmen zu tun.

An dem Tag an dem Frau Merkel sagt, dass einzelne Unternehmen eine zu Hohe Dividende oder gar einen zu guten Aktienkurs aufweisen und Topmanagement einzelner Unternehmen nur noch die Hälfte verdienen soll, ...an diesem wundersamen Tag wird es rosa Elefanten regnen. Versprochen!

Zitat:Nein, wenn du die Aufträge eh bekommst, hast du null Druck. 95% des Drucks auf eine Firma entsteht dadurch, dass der Kunde nicht bei dir einkaufen muss. Wenn du diesen Kern entfernst, machst du die elementare Triebfeder für Leistung kaputt. Dann spielt es ja keine Rolle, ob du dich 20% oder 100% anstrengst, du wirst immer mit dem Auftrag belohnt.

Aof operationeller oder strategischer Management Ebene möglich. Einem Großteil der Mitarbeiter eines Unternehmens ist jedoch vollkommen egal, ob ein bestimmter Kunde einen bestimmten Aufftrag erteilt. Wichtig ist denen, dass die Auftragslage sich insgesamt stabil auf einem Niveau hält, welches den eigenen Arbeitsplatz gerade noch so rechtfertigt, aber nicht in Arbeit ausartet. Das ist bei fast allen Unternehmen so. Bei solchen Otto-Normal-Mitarbeitern sehe ich im Falle einer staatlichen Eigentümerschaft keine Motivationsproblematik.

Zitat:Es gibt keine Garantien, auch für den Staat nicht, du musst deine Zulieferer erziehen. Wie du das bei deinem Konsumverhalten ja auch machst. Oder kaufst du 2x den gleichen Schrott. Das machst du auch nicht, du würdest niemals den gleichen Anbieter nochmals beglücken, wenn er vorher grottige Ware abgeliefert hat.

Kaum ein Unternehmen wird über Jahre hinweg finanziell mit Projekt- und Entwicklungskosten in Vorleistung gehen (können) um am Ende einen Korb zu bekommen. Das Risiko wäre zu groß und der Kunde/Auftrag damit uninteressant. Man würde es dem Kunden daher einfach nicht anbieten, sich aus der Ausschreibung zurück ziehen. Soll sich doch lieber die Konkurrenz das Genick brechen. :lol:

Nicht ohne Grund sind aber üblicherweise Meilensteine, Zahlungspläne und Konventionalstrafen vertraglich im Detail geregelt. Einzelne Streitkräfte sind hier vielleicht einfach zu lasch in der Durchsetzung ihrer Rechte. Der Grund mag vielleicht sein, dass in einem Großbetrieb wie den Streitkräften eines Landes einzelne Systeme, Arbeitsweisen, Prozesse nicht so einfach über Nacht ausgetauscht werden können. Derart große Kunden sind systeminhärent nicht ausreichend flexibel, um mal eben die Produktlinien zu wechseln, wie andere ihre Socken. Mal eben von z.B. EADS zu LM und in zwei Jahren wieder zurück ist leichter gesagt als getan. Dieses konkrete Druckmittel der wirtschaftlichen Abstrafung ist daher weitestgehend zahnlos bzw. kaum praktikabel. Ein unverlässlicher Kunde der sich von anfang an quer stellt und schnell kneift und rumstresst, mit dem soll sich doch viel besser die Konkurrenz befassen. Es tut gar nicht weh auf einen solchen Kunden -auf ein solches Risiko- zu verzichten.

Zitat:Dem anderen sagst du, du kriegst immer den gleichen Lohn, aber ich will in jedem Spiel von dir eine Topleistung sehen. Was meinst du wirkt mehr? :mrgreen: Es ist immer die Aussicht auf eine Belohnung die dich zur Mehrleistung treibt.

Bislang hat niemand davon gesprochen, die Bezahlung der Mitarbeiter in Rüstungsbetrieben zu verschlechtern. Aber dennoch: Willst Du wirklich behaupten, die Spieler vom FC Bayern München seien motivierter als ihre Kollegen vom SC Paderborn, weil sie mehr Geld verdienen und mehr Prämien kassieren?
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