16.08.2026, 11:19
Der erste Palästinenser
Noch jemand den im Westen fast niemand kennt und den selbst die meisten Palästinenser nicht kennen war Ragheb an-Naschaschibi.
Er war einer der ersten Araber, der sich in der Zeit um 1933 herum selbst Palästinenser nannte und der gründete die Palästinensisch Arabische Partei mit der Zielsetzung eines freien Staat Palästina.
In diesem Kontext ist bemerkenswert, dass dieser Mann eine Ein-Staaten-Lösung wollte, und auch die Juden dort immer als Palästinenser bezeichnete. Er dachte an einen Staat Palästina in dem Juden und Araber gemeinsam das palästinensische Volk bilden, als eine Nation, nur halt mit verschiedenen Religionen.
Seine These ab 1920 herum war, dass es ja auch christliche Araber gibt und daher die einwandernden Juden sich in die arabische Welt integrieren sollten, beispielsweise indem sie Arabisch lernen. Dann gäbe es mit der Zeit halt einfach christliche, jüdische und muslimische Araber, und genauer gesagt Palästinenser. Sein Argument war, dass die meisten Juden im Exil ja auch die Sprache ihrer jeweiligen Länder gesprochen hätten, also beispielsweise in Deutschland eben kein Hebräisch, sondern Deutsch.
Er sah in der Sprache den Schlüssel für die Integration der Juden und argumentierte, dass die Juden mit den Arabern von der Abstammung her so eng verwandt seien, und es zur Zeit des Propheten auf der arabischen Halbinsel ja auch arabische (!) Stämme jüdischen Glaubens gegeben habe, und damit die Lösung aller Probleme in der Heimkehr der Juden in die arabische Völkerfamilie liegen würde.
Diese Idee von ihm fand bei gar nicht wenigen Araber Anklang und vor dem Arabischen Aufstand und bevor der Mufti von Jerusalem sich durchsetzte, erreichte seine Partei bei Wahlen fast die Hälfte aller Stimmen. Rigide abgelehnt wurde sie wiederum von den Juden ! Vor allem der jüdische Politiker Chaim Arlosoroff agitierte heftig gegen die Idee einer Integration der Juden in die arabische Welt als de facto Araber jüdischen Glaubens.
Und schließlich wandte sich der Mufti von Jerusalem gegen an-Naschaschibi und erklärte dieser sei ein Verräter am Islam. 1935 gründete er dann in Oppposition zur wachsenden Macht des Mufti von Jerusalem die Arabisch-Palästinensische Partei, die sich für eine friedliche Verständigung mit den Juden einsetzte und erklärte, dass die Juden zum Palästinensischen Volk untrennbar hinzu gehören.
Als Araber heiratete er schließlich eine aus Rhodos stammende Jüdin ! Eine solche Ehe wäre bzw. ist selbst heute noch sehr ungewöhnlich, damals war sie de facto ein Skandal, vor allem für die Juden, die ihre Abstammung ja über die Mutter definieren. Nach jüdischer Auffassung sind damit die Nachkommen von an-Naschaschibi jüdischen Blutes, seiner Frau warf man vor das Judentum verraten zu haben und das jüdische Blut verunreinigt zu haben usw.
Dafür wurde er von den Arabern als Verräter verunglimpft und seine Frau von den Juden gleichermaßen als Verräterin. Durch den vom Dritten Reich unterstützen Mufti verlor er dann immer mehr an Einfluss und die Araber wandten sich von ihm ab.
1947 wurde er aus dem Arabischen Hohen Komitee auf Geheiß des Mufti entfernt und musste nach Jordanien fliehen. Dort wurde er vom jordanischen König zum Minister ernannt. Nach der Eroberung des Westjordanlandes wurde er jordanischer Gouverneur für dieses Gebiet und setzte sich sehr für die palästinensischen Flüchtlinge dor ein. Er schützte aber auch jüdische Siedlungen im Westjordanland und sah zu dieser Zeit in einem dauerhaften, international anerkannten Anschluss des gesamten Westjordanlandes an Jordanien die einzige noch machbare Lösung. Er wurde dann auf eigenen Wunsch Landwirtschaftsminister und setzte sich für verarmte palästinensische Bauern ein. 1951 starb er an Krebs.
So wurde also der "erste Palästinenser", welcher sich zeitlebens für eine Aussöhnung und einen Ausgleich zwischen Juden und Palästinensern einsetzte von beiden Seiten gehasst, verstoßen, vertrieben und beendete sein Leben als Jordanier.
Noch jemand den im Westen fast niemand kennt und den selbst die meisten Palästinenser nicht kennen war Ragheb an-Naschaschibi.
Er war einer der ersten Araber, der sich in der Zeit um 1933 herum selbst Palästinenser nannte und der gründete die Palästinensisch Arabische Partei mit der Zielsetzung eines freien Staat Palästina.
In diesem Kontext ist bemerkenswert, dass dieser Mann eine Ein-Staaten-Lösung wollte, und auch die Juden dort immer als Palästinenser bezeichnete. Er dachte an einen Staat Palästina in dem Juden und Araber gemeinsam das palästinensische Volk bilden, als eine Nation, nur halt mit verschiedenen Religionen.
Seine These ab 1920 herum war, dass es ja auch christliche Araber gibt und daher die einwandernden Juden sich in die arabische Welt integrieren sollten, beispielsweise indem sie Arabisch lernen. Dann gäbe es mit der Zeit halt einfach christliche, jüdische und muslimische Araber, und genauer gesagt Palästinenser. Sein Argument war, dass die meisten Juden im Exil ja auch die Sprache ihrer jeweiligen Länder gesprochen hätten, also beispielsweise in Deutschland eben kein Hebräisch, sondern Deutsch.
Er sah in der Sprache den Schlüssel für die Integration der Juden und argumentierte, dass die Juden mit den Arabern von der Abstammung her so eng verwandt seien, und es zur Zeit des Propheten auf der arabischen Halbinsel ja auch arabische (!) Stämme jüdischen Glaubens gegeben habe, und damit die Lösung aller Probleme in der Heimkehr der Juden in die arabische Völkerfamilie liegen würde.
Diese Idee von ihm fand bei gar nicht wenigen Araber Anklang und vor dem Arabischen Aufstand und bevor der Mufti von Jerusalem sich durchsetzte, erreichte seine Partei bei Wahlen fast die Hälfte aller Stimmen. Rigide abgelehnt wurde sie wiederum von den Juden ! Vor allem der jüdische Politiker Chaim Arlosoroff agitierte heftig gegen die Idee einer Integration der Juden in die arabische Welt als de facto Araber jüdischen Glaubens.
Und schließlich wandte sich der Mufti von Jerusalem gegen an-Naschaschibi und erklärte dieser sei ein Verräter am Islam. 1935 gründete er dann in Oppposition zur wachsenden Macht des Mufti von Jerusalem die Arabisch-Palästinensische Partei, die sich für eine friedliche Verständigung mit den Juden einsetzte und erklärte, dass die Juden zum Palästinensischen Volk untrennbar hinzu gehören.
Als Araber heiratete er schließlich eine aus Rhodos stammende Jüdin ! Eine solche Ehe wäre bzw. ist selbst heute noch sehr ungewöhnlich, damals war sie de facto ein Skandal, vor allem für die Juden, die ihre Abstammung ja über die Mutter definieren. Nach jüdischer Auffassung sind damit die Nachkommen von an-Naschaschibi jüdischen Blutes, seiner Frau warf man vor das Judentum verraten zu haben und das jüdische Blut verunreinigt zu haben usw.
Dafür wurde er von den Arabern als Verräter verunglimpft und seine Frau von den Juden gleichermaßen als Verräterin. Durch den vom Dritten Reich unterstützen Mufti verlor er dann immer mehr an Einfluss und die Araber wandten sich von ihm ab.
1947 wurde er aus dem Arabischen Hohen Komitee auf Geheiß des Mufti entfernt und musste nach Jordanien fliehen. Dort wurde er vom jordanischen König zum Minister ernannt. Nach der Eroberung des Westjordanlandes wurde er jordanischer Gouverneur für dieses Gebiet und setzte sich sehr für die palästinensischen Flüchtlinge dor ein. Er schützte aber auch jüdische Siedlungen im Westjordanland und sah zu dieser Zeit in einem dauerhaften, international anerkannten Anschluss des gesamten Westjordanlandes an Jordanien die einzige noch machbare Lösung. Er wurde dann auf eigenen Wunsch Landwirtschaftsminister und setzte sich für verarmte palästinensische Bauern ein. 1951 starb er an Krebs.
So wurde also der "erste Palästinenser", welcher sich zeitlebens für eine Aussöhnung und einen Ausgleich zwischen Juden und Palästinensern einsetzte von beiden Seiten gehasst, verstoßen, vertrieben und beendete sein Leben als Jordanier.
