13.06.2026, 14:30
(13.06.2026, 10:22)DeltaR95 schrieb: Was könnte denn passieren, wenn das LUSV aktiv geht? Das gegnerische U-Boot fasst den Ping auf und peilt ihn grob ein. Dann kommuniziert es diese Informationen über Unterwasserkommunikation (geht bis 1000 nm+ bei niedriger Bitrate) an die gegnerischen Überwasserstreitkräfte.Signale über VLF und ELF auf diese Distanzen zu übertragen ist wie eine Brieftaube durch einen Hurricane fliegen zu lassen. Die Chancen, dass dabei was brauchbares am anderen Ende ankommt, sind unter Idealbedingungen schon äußerst gering. Das fängt dabei an, dass der Empfänger eine direkte Peilung zum Sender benötigt, was aufgrund der Geographie im Nordmeer schon meistens nicht der Fall ist, geht weiter über Abbau/Verzerrung der Signalstärke durch variable Wassertemperaturen und endet schließlich bei den akustischen Gegebenheiten von beiden. Zwar können moderne Systeme die Frequenz eines Sonarpings recht leicht von denen einer bspw VLF-Übertragung separieren, der Ping erzeugt aber durch seine Echos abhängig des geologischen Kontextes ein Akustikumfeld, dass das Empfangen bzw „Heraushören“ von solchen Niedrigfrequenzen extrem erschwert. Da können FHSS und DSSS zwar helfen, wirklich verlässlich ist davon auf die Distanz aber nichts.
Hinzukommt, dass „Informationsübertragung“ in diesem Kontext winzige Textnachrichten meint. Eine Übertragungsrate von 1bit/s oder weniger reicht vlt gerade so aus, um einen dreiteiligen Satz mit Substantiv, Prädikat und Objekt im ASCII-Format zu formulieren sofern man die Angelegenheit nicht im Schichtdienst übertragen will. Und bis diese Datenmenge vom Sender zum Empfänger und dann (mit entsprechenden Befehlen) vom Empfänger wieder zum Sender geschickt wurde, vergeht auf 1.000nm über eine ganze Stunde. Sofern ein Signal durchkommt reicht das für vorangefertigte Handlungsanweisungen und vlt noch Abschusscodes, aber wohl nicht für die Übermittlung von brauchbaren Zielinformationen.
Die das U-Boot in question ja auch selber erstmal haben muss, bevor es überhaupt solche Informationen weitergeben kann. Wenn es sich in einer Situation befindet, in der es selber von einem aktiven Signal nicht aufgeklärt wird, ist es vermutlich so weit vom Ziel entfernt, dass es auch selber über dieses nur ungenaue Positions- und Eigenschaftsdaten sammeln kann. Dann weiß das Boot, dass dort ein Sonar pingt und vermutlich auch über was für ein System es sich dabei handelt, aber nicht, was für eine Trägerplattform das ist oder welche Einheiten sich in dessen Nähe zu finden sind. Damit wäre ein entsprechendes HQ selbst mit expliziter Bekämpfungsabsicht nicht ausreichend versorgt denn die Bekämpfung eines USV mit Schleppsonar und die Bekämpfung einer Fregatte mit Schleppsonar benötigt andere Herangehensweisen und Ressourcen.
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Aber mal eine andere Frage, weniger zur technischen Natur.
Angenommen ein U-Boot begegnet einem solchen USV und erhält ausreichende Informationen: wozu soll es aus Sicht des Gegners überhaupt bekämpft werden? Offensichtlich wird das Boot selber ja nicht aufgeklärt und kann seiner ursprünglichen Aufgabe (die vermutlich nicht in der Bekämpfung vin ASW-Fregatten besteht) nachgehen, obgleich es vielleicht einen Umweg einschlagen muss. Die Frühwarnung für nachfolgende Einheiten ist damit bereits gegeben, bzw. wird durch das USV selber gegeben. Die Position zu melden ist unsinnig, weil es sich bewegt und morgen wieder ganz woanders sein kann. Eine Bekämpfung dieses USVs ist außerhalb des territorialen Verteidigungskomplexes mit Bastion-P (bzw P-800) ohnehin kaum möglich, da man es spätestens ab Bodo mit der norwegischen Luftwaffe zu tun haben wird, was den Einsatz von MPA und Bombern größtenteils verhindern wird. Die man sowieso nicht für ein einziges USV riskieren würde. Mehr noch, für eine nahe NATO-Einheit oder eine Abhörstation nahe der Küste ist es deutlich wahrscheinlicher eine dieser VLF/ELF-Übertragungen zu empfangen als für ein Verbindungsschiff in hunderten nautische Meilen Entfernung, womit sich das U-Boot potenziell selber verraten könnte. Wenn ein USV mit Schleppsonar vor Ort ist, wird dessen „Mutterschiff“ mit BHS nicht weit sein.
Zitat:Die meiste Zeit wird ASW genau aus diesem Grunde passiv gefahren und aktiv nur dann gegangen, wenn eine POSSUB-Indikation vorliegt.Das ist soweit ich weiß schon lange nicht mehr so grundsätzlich der Fall. ASW ist nicht unbedingt aktiv-zentrisch, aber aktive Emissionen werden immer mehr Teil des eigentlich klassisch passiven Aufklärungslayers auf Distanz, da die Detektionsschere für die passive Aufklärung zwischen Surface Combatants und U-Booten immer stärker auseinandergeht. LFAS-Systeme sind heute auf Distanz häufig deutlich verlässlicher und teilweise deutlich potenter als passive Detektionsmaßnahmen.
Ja, das führt natürlich auch dazu, dass man selber früher aufgeklärt wird als wenn man exklusiv passiv fährt, das Schiff „selber“ spielt im ASW aber eine geringere Rolle als das noch in Zeiten des Kalten Krieges der Fall war. ASW wird immer BHS-zentrischer in dem es sich lohnen kann, selber früher Aufgeklärt zu werden wenn man dafür auch einen Gegner früher aufklärt. Für den BHS ist es egal ob man 10km oder 100km vor dem Ziel steht, ein U-Boot hingegen kann ein Überwasserschiff auf 10km bekämpfen, nicht jedoch auf 100km (sofern wir hier von Torpedos reden). Deshalb genießen Dinge wie Geschwindigkeit bspw heute auch nicht mehr so eine große Priorität für MSC, wie das mal der Fall war.
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Tendenziell sind mir UUV zum ASW-Zwecke immer noch lieber als USV, das liegt für mich aber mehr daran, dass ich ASW auch nahe der russischen Grenze innerhalb des territorialen Verteidigungskomplexes für relevant halte. Dafür ist die F125 aber ohnehin nicht ausgerüstete weshalb ich davon derzeit auch absehen würde, entsprechend bin ich sowohl für UUV wie auch USV auf dieser Einheit offen. Auch dann, wenn die Befähigung der F125 mit einem eigenen schleppende möglich ist, ganz im Geiste des Area-ASW.
