29.05.2026, 11:25
„Broensen“ schrieb:Ich bin auch davon überzeugt, dass Schweden sich militärisch auch sehr darauf konzentrieren wird, […]
„Bairbus“ schrieb:Schweden transformiert ihre Streitkräfte gerade und stellt sie breiter auf.
„DorJur“ schrieb:Wie auch immer die schwedischen Anforderungen tatsächlich aussehen: Ich stimme Dir zu, dass dort gerade ein gewaltiger Transformationsprozess im Gange ist. Schweden (und auch Finnland) sind jetzt in die NATO- Verteidigungsarchitektur eingebunden und sind insoweit auch gezwungen, in ganz anderen Kategorien zu denken.Obgleich in der Gripen noch viel DNA des Kalten Krieges steckt sollte man sich nicht darin vertun, dass die JAS39 bei ihrer Indienststellung 1996 schon nicht mehr dem „klassischen“ Bild der schwedischen Luftverteidigungsdoktrin entsprach.
Das ist weit weg von einer Verteidigungsplanung als neutrales Land im kalten Krieg und auch nicht vergleichbar mit dem Status als NATO-PfP-Nation in den letzten 30 Jahren.
Das ist kein Äquivalent zu den vorangegangenen Draken und Viggen, die noch eng um GCI-Doktrin konzipiert wurden (und sich teils deswegen auch im Export zum Ladenhüter entwickelten). Das ist ein leichter Mehrrolenjäger, der im Air-to-Air, Air-to-Surface, Anti-Ship, SEAD, Reconnaissance und Electronic Warfare verwendet werden kann und das mit einem kommunizierten Combat Radius von rund 800km. Das reicht um St Petersburg von Stockholm oder Murmansk von Lulea aus zu bombardieren, also ein Abfangjäger für die Kurzstrecke ist das schon nicht mehr. https://prokcssmedia.blob.core.windows.n...nglish.pdf
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Auch hat sich in Bezug auf die schwedische Verteidigungsdoktrin mMn deutlich weniger geändert, als man vielleicht meinen sollte. Schweden hat seit Anfang der 90er im Rahmen von PfP eng mit der NATO zusammengearbeitet und ist seit 2009 Mitglied von NORDEFCO, einer Verteidigungskooperation zwischen Schweden, Finland, Dänemark, Norwegen und Island. Die jeweiligen Heeres-, Marine- und Luftstreitkräfte beüben seit fast zwei Jahrzehnten die kollektive Verteidigung. Schweden ist seit 2008 Mitglied der EU Nordic Battlegroup, kämpfte an Seite der NATO in Afghanistan und pflegte seit 2014 durch FISE ein defacto Defensivbündnis mit Finland, das beide Streitkräfte eng ineinander integrierte und die rechtlichen Grundlagen für das Entsenden von Beistandstruppen in die jeweiligen nationalen Hoheitsgebiete sowie ein gemeinsames Oberkommando im Bündnisfall schuf.
Unter anderem deshalb konnten sich Schweden und Finnland so vergleichsweise leicht und schnell in bestehende NATO-Strukturen integrieren, da die ihre nationalen Verteidigungsstrategien bereits auf den bilateralen Bündnisfall ausgelegt waren bzw. sind. Also es ist jetzt nicht so, dass durch den NATO-Beitritt beider plötzlich ihre gesamte Verteidigungsplanung auf den Kopf gestellt wird, obgleich der Fokus auf die Bündnisverteidigung nochmal stärker in den Fokus rücken dürfte als bisher. Aber das scheint nach meinem Eindruck lediglich das Ende eines kontinuierlichen Prozesses zu sein, der schon seit rund 30 Jahren läuft.
Was nicht heißt, dass ein Gripen-Nachfolger keine Anpassungen hinsichtlich der Einsatzdoktrin erhalten würde. Die werden definitiv passieren. Aber daraus wird mMn kein schwedischer Eurofighter oder etwas ähnliches entstehen, da schwedische Grundsatzdoktrin auch im Rahmen einer NATO-Bündnisverteidigung weiterhin Relevanz haben wird.
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„Broensen“ schrieb:Das lässt sich mMn aber eben nicht mit einer 6th-Gen-Entwicklung beibehalten. Alleine schon die obligatorische Stealth-Thematik macht doch günstige Mehrrollen-Flieger eigentlich unmöglich. Ganz abgesehen davon, dass ein von vornherein mit Cloud und CCA geplantes Luftkampfsystem im Export ohne diese Elemente schwer wirtschaftlich zu vermarkten sein sollte.Kommt darauf an, wie man die 6. Generation definiert. Wenn man darunter eine Plattform versteht, die inhärent in einem Verbund aus CCA operiert, wäre das durchaus der Fall, wenn man darunter (wie ich) einfach nur den nächsten Inovationszyklus von Kampfflugzeugen versteht, dessen Auswüchse einzelfallabhängig sind, wäre das nicht der Fall.
Persönlich halte ich den unterschied zwischen 5th gen und 6th gen ohnehin für non-existent. Combat Cloud und CCAs existieren auch unabhängig der bemannten Plattform. Also warum wird eine F-35 nicht zur 6th gen Plattform sobald sie in diesem Verbund agiert, wohingegen eine neuere Version der F-35 (ohne Heckleitwerk damits futuristisch aussieht) nach den meisten Definitionen ein 6th gen fighter wäre? Wird eine Saab Gripen zum 6th gen fighter wenn man sie mit CCAs und Helsing KI paart, oder muss man wegen fehlenden Stealth-Eigenschaften eine halbe Generation abziehen, also dann 5.5. Generation?
Oder handelt es sich bei der 6. Generation einfach nur um moderne Neuauflagen der 5. Generation die besser an die Fortschritte in Aerodynamik und Drohnenwesen angepasst sind und die nur 6. Generation genannt wird weil es cool klingt? Stealth war die große Exklusiveigenschaft, die die 5. von der 4. Generation trennte. Aber was trennt die 6. Generation von der 5. Generation als Exklusiveigenschaft, die sich so in keiner anderen Generation findet? Mir fällt nichts ein.
Ich glaube du verstehst, worauf ich hinaus will. Die Grenze, sofern man hier überhaupt von einer Grenze sprechen will, verläuft vollkommen fließend und damit ist es mEn eine Einzelfallentscheidung, ob eine Plattform für den Export geeignet ist oder nicht.
Zitat:Denn dieser Jet müssten dann ja sowohl über die Komponenten zum vernetzten Betrieb, als auch über eine vollständige Sensorik und entsprechende Effektoren verfügen.Das ist auch ziemlich genau der Ansatz, den ich für einen deutsch-französischen oder deutsch-schwedischen NGF favorisiere. Kein Systemverbund sondern ein Ökosystem, in dem jede Komponente entweder im Verbund oder einzeln genutzt werden kann. Was sich meinerseits nicht primär auf die Exportfähigkeit begründet (die nur aufgrund der Partner Dassault/Saab Relevanz hat), sondern auf die Redundanz des Systems. Denn wenn wir einen fixen Systemverbund unterhalten indem spezifische Fähigkeiten auf spezifische Plattformen ausgelagert sind die eine zentralisierte Combat Cloud brauchen um effizient arbeiten zu können, geht der Ansatz in Flammen auf sobald mal was mit der Combat Cloud nicht funktioniert oder Teile des Verbunds nicht verfügbar sind.
Zitat:Allein mit nord- und mitteleuropäischen F-35, deutschen EF und schwedischen Gripen landet man schon bei über 700 in der nächsten Generation zu ersetzenden Kampfjets, dazu könnten noch die anderen EF-Nutzer kommen, sofern die bei 2-Muster-Flotten bleiben und nicht in den USA kaufen wollen.Wir wissen doch noch nicht, wie sich der CCA-Ansatz auf zukünftige Stückzahlen eines NGFs auswirken wird. 700 Plattformen wäre der ist-Zustand, wenn der Bestand im 1-1 Verhältnis ersetzt werden würde. Da ein NGF als CCA-Führungseinheit aber vermutlich zwei Besatzungsmitglieder benötigt und die CCA teilweise bemannte Plattformen ersetzen, wird die Stückzahl der nötigen Flugzeuge vermutlich (deutlich) geringer ausfallen, als das jetzt der Fall ist.
Ich kann mir gut und gerne vorstellen, dass aus rund 200x EF und F-35 der Luftwaffe nur noch +/-120x NGF werden könnten, zusammen mit der zweifachen oder dreifachen Anzahl an CCAs. Das ist ja gerade der Punkt, der dieses Modell meiner Auffassung nach für Kunden dessen Bestandsflotten aus niedrigen bis mittleren zweistelligen Stückzahlen bestehen so „unattraktiv“ macht. In der CCA-Produktion wird der Rubel rollen, aber Saab hätte dann wirklich hauptsächlich nur den NGF zu vertreiben und das an eine europäische Kundschaft, die vermutlich nicht gewillt sein wird, verbindliche Zugeständnisse dafür zu machen. Der NGF würde in Norwegen, Finland oder auch in Dänemark direkt mit GCAP und SCAF konkurrieren, der Erfolg dieses Ansatzes ist also alles andere als sicher. Und das Polen einen deutsch-schwedischen NGF beschafft, halte ich persönlich für äußerst unwahrscheinlich.
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Diese Nachteile ließe sich eventuell durch einen gemeinsamen Pool im Bereich Luftwaffenequipment umgehen, aber sowas braucht einen Kooperationswillen und entsprechende staatliche bzw. überstaatliche Stellen die sowas ermöglichen, was ich kurz- bis mittelfristig nicht für realistisch halte. Sinnvoll wäre es zweifellos, aber das wird mit diversen nationalen Interessen nur schwerlich vereinbar sein.
Angefangen bei uns, weil wir bzw undere politischen Vertreter überhaupt nicht hinter der Idee einer kollektiven europäischen Verteidigung stehen. Nicht mal hinter einer europäischen Verteidigung generell.
Zitat:Also wenn wir unbedingt einen eigenen NGF bauen wollen und das mit Dassault nicht funktioniert, dann muss dieser Jet halt auch wirklich einen echten Mehrwert liefern gegenüber einer Juniorpartnerschaft bei Tempest oder dem Dassault-NGF.Mehrwert generell wird es ja inhärent geben, da eine Plattform die von Grund auf mit dem Ansatz konzipiert wurde innerhalb eines CCA- und Combat Cloud Ökosystems wirken kann definitiv eine Mehrleistungen gegenüber einem EF haben wird, den man retroperspektivisch dazu ertüchtigt. Auch die Stealth Eigenschaften sowie die perspektivische Interoperabilität der deutschen und schwedischen Luftwaffe wäre hier ein Mehrwert. Und nicht zuletzt ermöglicht die Beteiligung an einer solchen Plattform den Erhalt der eigenen Fähigkeiten sowie die Möglichkeit, eigene Upgrades und eventuell Sonderversionen der Plattform für den Eigenbedarf zu entwickeln.
Ich verstehe aber was du meinst, bis auf letzteres sind alle diese Vorteile tendenziell auch mit der Lizenzproduktion von GCAP oder SCAF zu erreichen. Entsprechend sollte man hier auch keine Investitionen tätigen sodass man meinen könnte, man würde hier das Rad neu erfinden.
Weshalb ich es für einem deutsch-schwedischen NGF auch für sinnvoll erachte, die Kirche sozusagen im Dorf zu lassen was das Fähigkeitsspektrum angeht. Keine aerodynamisch und sensorische High End Plattform, auch kein Jet-Trainer mit Führungsbefähigung am anderen Ende des Spektrums, einfach ein kompakter und stinklangweilig-durchschnittlicher Mehrrollenjäger. Zur High End Plattform wird er wenn er innerhalb des CCA- und Cloud-Ökosystems arbeitet, außerhalb dessen wird er zur F-16 der 2040er. Kompatibel mit allem, gebunden an nichts.
