Geschichte und Ethnogenese der Juden
#52
Zitat:Jein. Wie ich schon 2024 auf den vorangegangenen Seiten geschrieben hatte, lassen sich für ca. 1.200 v. Chr. Einwanderungsspuren dort nachweisen, auch gibt es Siedlungsnachweise. Ob dies nun "Hebräer" waren und ob meine Formulierung so zutreffend ist, darüber kann man sicher streiten. Ebenso gibt es ja die bekannten Thesen, dass es Vermischungen zwischen den Einwanderern und den dort bereits ansässigen Völkerschaften gab. Da wir das aber nach rund 3.200 Jahren nicht zur Sicherheit klären werden können, habe ich meistens auf biblische Umschreibungen zurückgegriffen

Darüber kann man nicht streiten, wenn man sich auf den archäologischen Befund stützt. Und nicht auf die Bibel oder andere schriftliche Aufzeichnungen.

Fakt ist, dass es keine Einwanderung von außen bzw. von Fremden in das Bergland / Hinterland von Kanaan in dieser Zeit gab - sondern: es wanderten Kanaaiter von der Küste weg ins Hochland bzw. Hinterland und gründeten dann dort auch neue Siedlungen. Das waren also Binnenflüchtlinge. Mit der exakt gleichen Kultur, weshalb die "Einwanderungsspuren" sich dem folgend kulturell auch von den Spuren der Altansässigen praktisch nicht unterscheiden. Allenfalls dahingehend, dass es zu dieser Zeit in diesem Gebiet eine deutlich Deurbanisierung gab.

Es war also keine Vermischung von Kanaaitern mit Einwanderern, oder eine Einwanderung eines vermeintlichen Stammes der Hebräer, sondern eine Verschiebung der exakt gleichen Bevölkerung weg von der Küste. Mit zugleich ablaufenden deutlichen sozialen Veränderungen. Die archäologischen Funde zeigen das absolut eindeutig.

Zitat:Auch ein jein - wobei ich mir mit dem "Jein" nicht zu eigen machen will, eine hundertprozentige Antwort zu kennen. Ich bezog mich auf das Buch der Richter. Und diese greift grob ab 1.200 v. Chr.

Und wieder: Archäologischer Befund und Bibel "widersprechen" sich hier. Wobei man der Bibel zugute halten muss, dass jeder heutige Versuch hier exakte Chronologien aufzustellen wann welches biblische Ereignis genau war höchst fragwürdig ist. Man könnte es auch so interpretieren, dass die Bibel hier einfach Ereignisse zu einem anderen, späteren Zeitpunkt beschreibt.

Zitat:Nur aber nochmals um Missverständnissen vorzubeugen: Sowohl die Richter als auch Saul sind rein in biblischen Quellen erwähnt, es gibt (bislang) keine wissenschaftlich-archäologischen Quellen, die sie bestätigen würden. Es sind also somit reine Theorien.

Und deshalb schreibe ich auch nicht über die Richter oder über Saul, sondern über die tatsächlich nachgewiesenen archäologischen Befunde, welche belegen, dass es keine Einwanderung eines Volkes der Hebräer nach Kanaan gab. Sondern dass es in Kanaan zu sozialen und höchstwahrscheinlich auch religiösen Umwälzungen kam, einschließlich einer Verlagerung der Bevölkerung weg von der Küste.

Zitat: Das Problem ist, dass wir uns hier in sehr unscharfen Zeitströmen bewegen, was natürlich mehrere Thesen zulässt.

Nur was die Bibel angeht, oder andere Schriften aus dieser Zeit, wie beispielsweise das Amarna Archiv oder entsprechende andere Schriften aus Ägypten, aber aus dem Bereich des Zweistromlandes etc.

Der archäologische Befund hingegen ist absolut klar und es ist hier aktueller wissenschaftlicher Konsens, dass das Volk der Hebräer vor Ort entstand, aus Gruppen die schon vorher dort lebten und eben nicht einwanderten. Etwaig - wie ich es ja früher hier schon erwähnt habe - mit einer gewissen, geringen Einwanderung von kulturell und sprachlich verwandten Gruppen vom Sinai (Moses).

Die Hebräer sind unmittelbare direkte Nachfahren der Kanaaiter. Sie sind Kanaaiter.
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