Gestern, 11:25
(Gestern, 09:51)Schwabo Elite schrieb: Daraus würde ich schliessen, dass es wesentlich mehr Nazis gegeben hat, als man heute wahrhaben will.Deine Schlussfolgerung ist falsch.
Möglichweise waren einfach 80% der Deutschen Nazis.
...
Deshalb ist der Bombenkrieg gegen Nazideutschland nicht mit dem Irankrieg vergleichbar.
Ich nehme das Beispiel Penzberg / Oberbayern, das ich recht gut kenne - aber die Forschung bestätigt ähnliche Verhältnisse in anderen Orten.
Sowohl bei den letzten freien Wahlen vor dem Nazi-Terror wie auch den ersten Wahlen danach gab es eindeutig starke, überwiegend gewerkschaftlich geprägte Mehrheiten "links von der Mitte". Kommunisten und Sozialdemokraten stritten sich um die Vorherrschaft. Bei den ersten Wahlen nach dem Krieg gab es sogar weniger sozialdemokratische als kommunistische Stadträte,
Während des Krieges gab es latenten Widerstand, zugleich kam es bei den Arbeitern des Bergwerkes immer wieder zu gezielten Verhaftungen und jahrelangen Aufenthalten insbesondere im KZ Dachau. Dennoch wurde der kurz vor der Ankunft der Amerikaner zutage tretende Widerstand ("Penzberger Mordnacht") am 28. April 45 brutal niedergeschlagen - von ortsfremden "Werwolf-Gruppen" mit örtlichen Kollaborateuren.
Der erste - von den Amerikanern eingesetzte - Nachkriegsbürgermeister Josef Raab war Kommunist und während der Nazi-Herrschaft in den internationalen Brigaden (Spanien) und danach in der Resistance. Dennoch hat der in der ersten demokratischen Wahl - die er organisierte - gegen seinen SPD-Komkurrenten Prantl verloren. Also wenn, dann waren das vielleicht 10 % Nazi-Fans im Ort.
Natürlich gab es auch "braune Ortschaften" in der Umgebung. Aber dennoch - eine Terror-Herrschaft lässt sich nicht mit der Schlussfolgerung "das sind 80 % Regimetreue" erklären. Das sind eher 80 %, die sich wegducken, und 10 % Aktive auf der jeweiligen Pro- und Contra-Seite.
Massendemonstrationen wie zuletzt im Iran sind schon das äußerste, was eine Zivilgesellschaft in einem repressiven Staat an "Aufmüpfigkeit" leistet bzw leisten kann. Und dieser Widerstand lässt sich von repressiven Staaten und deren Hilfsorganisationen relativ leicht unterdrücken. Die Angst marschiert da immer mit.
Und deshalb sind beide Bombenkriege durchaus miteinander vergleichbar. Aus massiven Bombardements erwächst eher die Trotzhaltung der Machthaber, die dann auch auf eine verängstigte Gesellschaft durchschlägt.
