24.03.2026, 07:58
Erich schrieb:wieviel Menschen ein Landstrich ernähren kann hängt von den Wirtschaftsmethoden ab - und Du unterlässt diese Differenzierung und wirfst die unterschiedlichen Jahre wirr durcheinander.Das ist halt sachlich falsch, die Beschränkung die du da so frei postulierst gab es so schlicht nicht. Zu keinem Zeitpunkt zwischen 1850 und 1948. Ich habe ausführlich dargelegt (und nichts durcheinandergeworfen, sondern lediglich unterschiedliche Zeitpunkte beleuchtet), wie die Bevölkerung des Landstrichs in diesen hundert Jahren massiv gewachsen ist. Auch und gerade die arabische Bevölkerung, durch Zuwanderung, aber auch durch natürliche Vermehrung. Schlicht weil es die fortschreitende Kultivierung des Landes ermöglichte.
Entscheidend ist, dass kurz vor und bei Gründung des Staates Israel - also in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts - die seinerzeit dort verwendeten Bewirtschaftsungsmethoden keine weiteren großen Zuwanderungswellen mehr aufnehmen konnten.
Und gleichzeitig, darauf hatte ich hingewiesen, die Folgen der Shoah zu verkraften waren. Es waren zigtausende, die alleine über das "DP-Lager Föhrenwald" (heute Geretsried) in das heutige Israel geströmt sind, darunter sehr viele Flüchtlinge aus den sowjetisch besetzten Ländern Osteuropas. Im Laufe des Jahres 1946 stieg die Zahl jüdischer DPs nur in der US-Zone von 40.000 auf über 145.000 an - und die meisten davon wollten nach Israel migrieren.
Deine verengte Betrachtung dann der letzten Jahre unmittelbar vor der Staatsgründung geht dabei schon deswegen ins Leere, als das der Konflikt bereits wenigstens zwanzig Jahre früher entbrannt und voll im Gange war als die ersten Überlebenden der Shoah das Land erreichten.
Aber nein, selbst zwischen 1946 und 1948 war das Land nicht überlastet, nicht einmal nach 1948 als viele hunderttausend Juden nicht nur aus Europa sondern vor allen Dingen aus dem ganzen Nahen und Mittleren Osten ins Land strömten. Insofern ist das Argument „das Land trägt so viele Menschen nicht, die mussten sich wehren“ schlicht und einfach nicht.
Zitat:Du bestätigst es doch gerade - erst die Änderungen der Bewirtschaftsmethoden, die eben nach der Gründung des Staates Israel stattfanden, ermöglichte es, dort eine größere BevölkerungDie Einführung neuer Bewirtschaftungsmethoden in der Region begann bereits im 19. Jahrhundert, 100 Jahre vor der Gründung des Staates Israel. Ich habe ausführlich dargelegt in welchen enormen Umfang die Bevölkerung des Landstrichs angestiegen ist bevor die Juden überhaupt in größerer Zahl dort aufgeschlagen sind.
anzusiedeln.
Zum Zeitpunkt der Zuwanderung war diese Voraussetzung aber gerade nicht gegeben.
Zitat: Du widersprichst Dir selbst und streust Sand. […]Ich widerspreche mir nicht und ich streue auch keinen Sand. Ich habe die Anfänge des Konflikts skizziert. Safed sticht hier als ein früher antijüdischer Gewaltausbruch hervor. Der Punkt ist: Antijüdische Übergriffe gab es dort schon deutlich bevor auch nur 50.000 Juden gegenüber hunderttausenden Arabern in der Region lebten.
Zitat:Ich spreche nun gezielt von der Belastung durch die Masseneinwanderung in Folge der Shoah, die einen Großteil der einheimischen arabischen Bevölkerung überforderte.Und ich habe die erklärt warum diese Verengung nicht trägt. Der latent schwelende jüdisch-arabische Konflikt nationalisierte sich im Nachgang des ersten Weltkriegs, Jahrzehnte bevor es zur einer Masseneinwanderung in Folge der Shoah gekommen ist. Das lag damals nicht an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Landes, Überflutung oder dergleichen, sondern schlicht, weil der aufkeimende arabischen Nationalismus und Antisemitismus die Aussicht auf einen jüdischen Staat in der Region nicht ertragen konnte.
Zitat:sag ich doch - die Migration zehntausender Menschen jüdischen Glaubens infolge der Shoah überlastete die Aufnahmebereitschaft und die Aufnahmemöglichkeiten der einheimischen arabischen Bevölkerung
1850: 300k Moslems, 13k Juden, 30k Sonstige (vor dem Zionismus)
1914: 600k Moslems, 39k Juden, 85k Sonstige (Beginn erster Weltkrieg)
1931: 760k Moslems, 175k Juden, 100k Sonstige (Zensus)
Ab hier haben wir schon Konflikt. Jahre vor der Shoah bedingten Masseneinwanderung. Und nein, angesichts der Wachstumszahlen insgesamt über die Jahrzehnte lag es nicht an der mangelnden Tragfähigkeit des Landes. Man wollte keinen jüdischen Staat in der Region, schlicht und einfach.
Oder alternativ gesagt: wären es statt 175k Juden halt weitere 175k Moslems gewesen hätte es natürlich keinen Konflikt gegeben.
Zitat:Ich verweise gerne auf den israelischen Historiker Shlomo Sand "Die Erfindung des Landes Israel", ISBN 978-3-549-07434-1Ja das erklärt vieles.
