23.03.2026, 20:14
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: Falschaussage reiht sich an Auslassung reiht sich an Verkürzung reiht sich an Haarsträubende TheseDas muss ich zurück spiegeln
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: 1. „Das Land war nach den Maßstäben der seinerzeitigen Bewirtschaftung "voll".“wieviel Menschen ein Landstrich ernähren kann hängt von den Wirtschaftsmethoden ab - und Du unterlässt diese Differenzierung und wirfst die unterschiedlichen Jahre wirr durcheinander.
Das ist so nicht korrekt. Vor Beginn der jüdischen Einwanderung in die Region Palästina lag die Gesamtbevölkerung um 1850 bei 350.000 Personen, nur 13.000 davon Juden. Zur Gründung des Staates Israel hundert Jahre später lag alleine die muslimische Bevölkerung der Region bei knapp 1.2 Millionen und die christlich-arabische bei über 140k. Dazu kamen dann noch 800k (stark steigend) Juden.
Sprich grob gesagt hat sich die Bevölkerung in der Region zwischen Herzls Idee und Ben Gurions Umsetzung mehr als versechsfacht, die Zahl der Nichtjuden dort mehr als vervierfacht.
Das Gegenteil ist also richtig: Der Landstrich war nach den Jahrhunderten der Herrschaft des Ottomanischen Reiches weitgehend entvölkert und bot mehr als genug Platz für eine Vervielfachung der Bevölkerung. Dieser Bevölkerungszuwachs begann übrigens schon in der späteren Ottomanischen Periode als im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert viele Ägypter nach Palästina migrierten. Die größten Einwanderungswellen gab es unmittelbar vor Beginn des Zionismus Mitte des 19. Jahrhunderts! Die damals wenige Jahrzehnte vor den Juden eingewanderten Ägypter (und auch andere Gruppen aus dem Ottomanischen Reich) sind größtenteils das was man heute Palästinenser nennt.
Entscheidend ist, dass kurz vor und bei Gründung des Staates Israel - also in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts - die seinerzeit dort verwendeten Bewirtschaftsungsmethoden keine weiteren großen Zuwanderungswellen mehr aufnehmen konnten.
Und gleichzeitig, darauf hatte ich hingewiesen, die Folgen der Shoah zu verkraften waren. Es waren zigtausende, die alleine über das "DP-Lager Föhrenwald" (heute Geretsried) in das heutige Israel geströmt sind, darunter sehr viele Flüchtlinge aus den sowjetisch besetzten Ländern Osteuropas. Im Laufe des Jahres 1946 stieg die Zahl jüdischer DPs nur in der US-Zone von 40.000 auf über 145.000 an - und die meisten davon wollten nach Israel migrieren.
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: Warum wurde die so umfangreiche Wiederbesiedlung des Landstriches nach Jahrhunderten möglich? Die Industrielle Revolution ermöglichte eine effizientere Bewirtschaftung und erneute Urbarmachung verkommener Landstriche. ...Du bestätigst es doch gerade - erst die Änderungen der Bewirtschaftsmethoden, die eben nach der Gründung des Staates Israel stattfanden, ermöglichte es, dort eine größere Bevölkerung
Insofern ist es einfach Unfug zu behaupten, die Zionistische Idee eines jüdischen Staates und die Einwanderung der Juden hätten zwangsläufig zu einer Vertreibung der arabischen Bevölkerung führen müssen.
anzusiedeln.
Zum Zeitpunkt der Zuwanderung war diese Voraussetzung aber gerade nicht gegeben.
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: 2. „Und gerade die (unkontrollierte) Masseneinwanderung nach der Shoah hat das gezeigt - damit ist die ursprünglich gastfreundliche Aufnahme durch die ansässigen Araber sehr schnell zu einer Art "Notwehrreaktion" gekippt.“Du widersprichst Dir selbst und streust Sand.
Die Masseneinwanderungen nach der Shoah vielen in die Endphase des arabisch-jüdischen Konflikts im Britischen Mandatsgebiet. Der Konflikt eskalierte schon Jahrzehnte früher und begann schon in der Endphase des Ottomanischen Reichs (Pogrome in Safed 1834 und 1838). Freilich ist es so, dass der Konflikt mit zunehmender jüdischer Einwanderung eskaliert ist.
Zwischen Erstem und Zweitem Ägyptisch-Osmanischen Krieg, während einer Revolte gegen die ägyptischen Besatzung (1831–1841) war das sogenannte "Progrom von Safed (1834 und 1838)" eingebettet in den Kontext der ägyptisch-osmanischen Auseinandersetzung einerseits und den drusischen Überfall auf die von einem Erdbeben schwer geschädigte Stadt (1838). Aber bis Ende des 19. Jahrhunderts lebten wieder 12.000 Einwohner, zur Hälfte (safawitisch) Juden zur anderen nichtjüdische Araber (überwiegend Muslime, zu geringem Anteil auch arabische Christen) in der Stadt.
Es gab also zwischen 1838 und 1929 ein relativ friedliches Zusammenleben in Safed. So gründeten um 1908 junge Juden, Christen und Muslime gemeinsam eine Sektion des Komitees für Einheit und Fortschritt, um, wie sie erklärten, die Zweite Osmanische Verfassung und die von ihr „gewährten Gesetze und Rechte zu verteidigen“.
Ich spreche nun gezielt von der Belastung durch die Masseneinwanderung in Folge der Shoah, die einen Großteil der einheimischen arabischen Bevölkerung überforderte.
Bis dahin war durchaus noch eine gastfreundliche Aufnahme von Menschen jüdischen Glaubens gegeben. Auch wenn es schon 1929 (Hebron und Safed) zu Ausschreitungen und Unruhen kam, infolge einer seit 1928 feststellbaren Radikalisierung beider Seiten.
Aber mit der Masseneinwanderung, der regelrechten "Überflutung" der einheimischen Bevölkerung, wuchsen die Probleme - und dann kam noch dazu, dass im Sykes-Picot-Abkommen 1916 das ehemalige osmanische Gebiet aufgeteilt worden war, und arabische Nationalisten beider Teile auf eine Vereinigung und staatliche Unabhängigkeit ausgerichtet waren.
Die Spannung explodierte dann im Großen Arabischen Aufstand (1936–1939). In dieser Situation noch zigtausende jüdischer Emigranten aufzunehmen, war alles andere als "beruhigend".
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: Aber betrachten wir die Verhältnisse: Über die Jahrzehnte bis zum ersten Weltkrieg wuchs die jüdische Bevölkerung um wenige zehntausend Menschen, während sich die eh schon 25-mal so große arabische Bevölkerung mal eben verdoppelte. Da gab es also überhaupt keine wie auch immer geartete kulturelle oder demographische oder wirtschaftliche Bedrohungsag ich doch - die Migration zehntausender Menschen jüdischen Glaubens infolge der Shoah überlastete die Aufnahmebereitschaft und die Aufnahmemöglichkeiten der einheimischen arabischen Bevölkerung
...
Zu Beginn des ersten Weltkriegs lag der Anteil der Juden an der Bevölkerung Palästinas bei 5%. Bis zur Machtergreifung Hitlers 1933 lag der Anteil dann bei immer noch mäßigen 17%.
Tatsächlich aber hatte sich der Konflikt bis in die dreißiger Jahre schon nationalisiert.
(23.03.2026, 13:38)Nightwatch schrieb: ....ich denke, wir können in einem Blog-Beitrag nicht drei Jahrhunderte Zionismus und jüdischer Geschichte im Kontext zur arabischen Nationalbewegung aufarbeiten.
3. „Die Karte (Quelle "klick" zeigt die territoriale Entwicklung Israels und Palästinas im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte“
Es ist halt komplexer:...
Da gibt es ohnehin schon genug Literatur, um das Thema zu vertiefen.
Ich verweise gerne auf den israelischen Historiker Shlomo Sand "Die Erfindung des Landes Israel", ISBN 978-3-549-07434-1
(23.03.2026, 14:11)Kos schrieb: ...zwischen einem "formal so tun als ob man akzeptiert" und der tatsächlichen auch innerlichen Akzeptanz besteht ein Unterschied.
Wie Nightwatch schon schrieb, die Juden haben diesen Teilungsplan akzeptiert, es waren die Araber die ihn abgelehnt haben und einen Krieg angefangen haben. Deswegen ist auch der UN-Teilungsplan Geschichte und es gibt keine Grundlage mehr für diesen.
Jüdische Kreise haben von Anfang an versucht, den Teilungsplan zu hintertreiben - verständlich, denn dieser jüdische Staat wäre nicht lebensfähig gewesen.
Die emotional gegen die Überfremdung mit Menschen jüdischen Glaubens aufgeheizten Araber waren diesbezüglich wenigstens ehrlicher.
(23.03.2026, 14:11)Kos schrieb: Richtig, die behauptest und irgendwelche sogenannten 'Völkerrechtler' behaupten dies auch.und das Forenmitglied Kos weiß es besser, ok ...
