Unbemannte Wasser- und Unterwasserfahrzeuge
#62
Broensen schrieb:Da ließe sich sicher etwas konstruieren, bspw. könnte auch ein RHIB ausgesetzt werden, von dem aus die Versorgungsleitung am UUV manuell angeschlossen wird oder man entwirft ein Trichtersystem vglb. dem zur Luftbetankung, da ist ja auch kein Mensch an der Verbindungsstelle anwesend.
Hab ich auch schon überlegt aber das würde natürlich RAS auf Schönwetter-Situationen beschränken, noch stärker als ohnehin bereits.
Wer in Sea State 5 aus einem RHIB heraus ein UUV "entert", der hat sich seinen Jolly Roger aber redlich verdient. Big Grin

Luftbetankungen profitieren davon, dass sie den großen Luftwiderstand bei hohen Geschwindigkeiten zur Stabilisierung von Schlauch und Empfänger nutzen können. Aber auf See schwankt der Tanker, das UUV auch und Wind ist zwar da, der wird aber nicht zur Stabilisierung genutzt werden können und in 8/10 Fällen wahrscheinlich auch ganz woanders hinwollen als entgegen der Fahrtrichtung.
Zitat:Ich sehe da aber auch weniger RAS während der Fahrt, sondern eher in befreundeten Häfen oder sicheren Küstenbereichen, so wie es ja auch mit den Tendern für bemannte U-Boote gemacht wird. Tender sind halt nicht ausschließlich für die In-See-Versorgung gedacht, sondern können als "adhoc-Stützpunkte" operieren
Zitat:Absolut, da sind wir uns einig. Ein Tender-Konzept wäre dabei jedoch eine Lösung, in der man keine dauerhaften Einrichtungen vorhalten, sondern lediglich einen Liegeplatz zur Verfügung gestellt bekommen muss. Damit erhält man auch die Flexibilität, den Operationsraum kurzfristig zu verlegen. Ein "containerisierter Stützpunkt, einschiffbar" wäre auch eine denkbare Lösung dazu.
Sofern wir hier von so einer Art semi-mobilen Schuten sprechen bin ich ja bekanntlich bei dir. Wenn wir schon überall "freundliche" Küste zur Verfügung haben, sollten wir die auch nutzen solange es sinnvoll ist.

Die Achillesferse eines solchen Ansatzes wäre aber natürlich, dass a) die Versorgungslinien zu den Komplexen erhalten bleiben und b), dass diese ausreichend gegen vor allem luftseitige Angriffe geschützt werden. Wenn wir im Kontext Norwegens bleiben kann man glaube ich guten Gewissens sagen, dass die meisten Ziele nördlich von Bodo in komfortabler CM und TBM Reichweite liegen. Dort ist entsprechend mit Präzisionsangriffen zu rechnen, weshalb man diese Komplexe in solchen Gefahrenzonen nur dort "ansiedeln" können wird, an denen ein entsprechender Schutz gewährleistet werden kann.

Was für mich fein ist, ich bin ja sowieso ein Freund des Festungs-Ansatzes.

Idealerweise legt man UUV-Operationen (abseits der Ostsee) ohnehin multistatisch an. Sofern wir das europäische Nordmeer einigermaßen flächendeckend überwachen wollen, braucht es dafür zahlreiche UUV und auch entsprechende Enabler. UUV-Bezogen ein Verbund aus landgestützten Operationen sowie Seeverbringung über MSC/Versorger/JSS/sonstiges um auch entsprechend in die geographische Breite aufklären zu können. Zusammen mit MSC, UAV und MPA würde das dann auch tatsächlich dem selbst auserkorenen Leitbild der hochentwickelten hochflexibeln hokus pokus Hybridmarine gerecht werden.
Zitat:Welche unserer Fregatten hat denn "zumindest aktuell" eine Heckschleppe, die UUV aufnehmen kann? Tongue
Aktuell keine, mit der F126 hat man aber eine in der Pipeline die (zumindest theoretisch) dazu geeignet wäre. Auch sind F126 und F127 noch Papierprojekte an denen man Änderungen vornehmen kann wenn man unbedingt will.
Bei den Versorgern hingegen ist der Drops mEn erstmal gelutscht. Es wird vermutlich keine dritte Klasse neben EGV und MBV geben und zu den Tendern komme ich gleich.
Zitat:MUsE wird bekanntlich u.a. explizit als Versorger/Mutterschiff auch für UxV angedacht. Es wäre also denkbar, dass unsere nächste zu beschaffende Versorgerklasse genau das in einem höheren Maße beherrschen wird als jede unserer Fregatten.
Ich glaube MUsE wird hauptsächlich in der Ostsee beschäftigt sein. Zum einen wegen des dortigen Arbeitspensums, Korvetten, MCM usw zu Versorgern sowie auf die hach so nötigen FCSS aufzupassen. Und zum anderen weil es in der Nordsee kaum Bedarf für einen Tender geben wird. Die Fregatten werden per EGV/MBV versorgt und die U-Boote können in Bergen betankt und aufmunitioniert werden.
Zitat:Es gibt dazu zwei Aspekte. Einerseits natürlich die Systeme an Bord. Die werden nicht entscheidend sein für die Größe der Einheit. Andererseits der Antrieb, und der ist mMn der entscheidende Punkt. Ich spreche deshalb allgemein von Antrieb, weil es um die Gesamtheit von Geschwindigkeit und Ausdauer geht. Dabei gilt es dann auch, die unterschiedlichen Formen des ASW separat zu betrachten: [...]
Da hast du auch vollkommen Recht mit, das bedarf erstmal der grundlegenden Feststellung, welche Art ASW man überhaupt betreiben möchte. Denn je nachdem ergeben sich natürlich unterschiedliche Anforderungen und Kernfähigkeiten.

Grundsätzlich würde ich ebenfalls dazu tendieren, dass UUV im "bewegten und gerichteten" ASW kaum einen Mehrwert bieten. Das umfasst das Screening von militärischen oder zivilen Verbänden sowie den klassischen Geleitschutz. Dafür dürften UUV zum einem nicht geeignet sein, weil das, wie du schon angeführt hast, dessen Versorgungsmöglichkeiten stark einschränkt und batterietechnische wie nautische Kapazitäten erfordert, die aktuell so kaum bis gar nicht möglich sein werden. Zudem sind UUV in diesem Fall mMn auch gar nicht erforderlich, da ein zu schützender Verband nur wenig Zeit am selben Ort verbringt und somit nur hoch-temporäre Sonarleistungen (wenn wir von Screening sprechen) erforderlich ist. Hierfür dürfte das luftseitige Screening durch Helikopter- und Sonarbojeneinsatz deutlich geeigneter sein, da auch nur ein stark lokalisiertes Gebiet überwacht werden muss.

UUV sehe ich vor allem als Asset der nicht-gerichteten Volumensuche. Ausgedehnte Seegebiete die permanent oder annähernd permanent überwacht werden müssen und die Sonarseitig zu groß sind, um sie realistisch alleine mit Fregatten und Helikoptern/MPAs zu überwachen. Hierfür sind dann möglichst viele Sensorträger, die in diesem Seegebiet loitern und somit Fregatten und Führungsstab bei der Unterhaltung eines ASW-Lagebilds unterstützen. Diese UUV benötigen hauptsächlich ein effizientes Energiemanegement um möglichst lange vor Ort bleiben zu können, benötigen aber bspw keine hohen Geschwindigkeiten, da sie in ihrem Aufgabenprofil "semi-stationär" agieren.
Zitat:Aber das spricht doch nicht für den Betrieb auf einer Fregatte gegenüber dem auf einem Versorger. Warum sollte man die Kapazitäten auf mehreren Fregatten dislozieren und diese damit belasten, wenn man sie auch auf einem zentralen Versorger vorhalten kann? Zumal es ja bei größeren UUV auch nicht darum gehen sollte, dass ein einzelnes Exemplar Einzelmissionen von ein paar Stunden Dauer (vglb. BHS) durchführt, sondern dass mehrere UUV im Gesamtverband über Tage hinweg operieren. Da ist es sehr viel effizienter, wenn man die Kapazitäten dafür auf einer Einheit im Verband bündelt. Das kann der allgemeine Versorger sein oder ein spezialisiertes Mutterschiff, abhängig davon, über viele UUVs welcher Dimension wir sprechen. [...]
Tut es auch keinesfalls, wobei ich dafür weniger einen Versorger sondern mehr mein herbeimanifestiertes JSS bevorzugen würde (das mittlerweile im übrigen zu einem 211m 28.000t Koloss mit Azimuth Thrustern und DNV GL Eisklasse 1A angewachsen ist). Zusätzlich zu mitgeführten UUVs auf Fregatten und in Küstenstationen.

Wie gesagt tendiere ich diesbezüglich zu einem multistatischen Ansatz der sich nach Möglichkeiten gegenseitig ergänzt. Einerseits weil der Norden des Nordmeers Richtung Spitzbergen reichweitentechnisch auch mit Stationierung in Norwegen anspruchsvoll wird und zum anderen um das Sensor-Cluster bei Bedarf auch an neue Frontverläufe und Gefahren anzupassen und verschieben zu können.
Zitat:Das ist auch nochmal eine Frage davon, wo man gedenkt, diese UUV einzusetzen. Eigene Effektoren ergeben dabei überhaupt nur dann Sinn, wenn andere Wirkmittelträger dort nicht verfügbar sind, denn sonst ist es immer besser, der Sensorträger verrät seine Position nicht durch eigenen Effektoreinsatz. [...]
Diesbezüglich volle Zustimmung.
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