Gestern, 19:41
(Gestern, 18:41)Broensen schrieb: Selbst wenn das so wäre, was ich explizit bestreite, so bliebe es ein Fehler, zu schießen, statt auszuweichen, um die persönliche Gefährdung zu beenden. [...]Um mich zu widerholen: Kann er nicht, er steht am Fahrzeug und hat keine Möglichkeit rechtzeitig in Erfahrung zu bringen, dass die Dame nach links weg von ihm ausbrechen will. Aus seiner Sicht im Moment der Schussemntscheidung hätte sie genausogut nach rechts oder geradeaus fahren können.
Wir diskutieren darüber nur, weil wir mehr Informationen haben als der Schütze im Moment der Schussentscheidung. Wäre die Dame von Schützen aus gesehen anstatt nach links nach rechts oder geradeaus gefahren und hätte den Schützen überollt wäre die Diskussion darüber im nachhinein ganz anders. Für den Schützen im Moment der Schussentscheidung macht das aber keinen Unterschied.
(Gestern, 18:41)Broensen schrieb: Also falls er tatsächlich durch die Fahrzeugbewegung bedroht gewesen wäre, dann hätte der Schuss diese Gefahr verfestigt, statt sie abzuwehren. In keinem Fall lässt sich eine akute persönliche Gefährdung und ein darauf bezogen sinnvoller Schusswaffeneinsatz zusammenbringen. Das schließt sich gegenseitig aus. Es bleibt nur entweder situationsbedingte Fehleinschätzung/-reaktion oder Fluchtunterbindung und somit präventive Gefahrenabwehr als denkbare Rechtfertigung.Wieder der selbe Fehler: Du argumentierst so weil das Fahrzeug danach weiter gefahren ist. Das kann der Schütze im Moment der Schussentscheidung nicht voraussehen. Er ist kein Hellseher. Die Schussabgabe war in diesem Moment die einzige Aussichtsreiche Möglichkeit den wahrgenommenen Angriff mit dem Fahrzeug zu stoppen. Ein besserer Treffer und die Frau drückt kein Gaspedal mehr durch.
Zitat:Beide Agents haben falsch gehandelt.Das ist sicherlich korrekt, jedoch irrelevant. Der Beamte muss sich nicht überfahren lassen, auch wenn er da taktisch gesehen nicht stehen sollte.
Selbst sofern eine Festnahme die Absicht des ersten Agents war, hätte der spätere Schütze niemals vor dem Fahrzeug her laufen dürfen, dort hätte allenfalls ein Fahrzeug positioniert werden müssen.
Zitat:Der erste Agent hat mit seiner Handlung eine absehbare Reaktion ausgelöst, auf die sein Kollege nicht vorbereitet war und auf die er falsch reagiert hat.Die Situation entwickelte sich dynamisch binnen Sekunden und ich kenne den Vorlauf nicht. So isoliert kann ich nicht beurteilen ob das Rumgeturne an der Fahrertür so fürchterlich falsch war. Es sieht sicherlich unprofessionell aus. Aber das rechtfertigt nicht das Verhalten der Dame im Fahrzeug.
Zitat:Und deswegen ist auch der Tod der Fahrerin durch dieses polizeiliche Fehlverhalten maßgeblich herbeigeführt worden, obwohl natürlich immer eine Mitschuld besteht, wenn jemand auf der Flucht erschossen wird.Das eben halt nicht, die Situation wurde maßgeblich durch das Verhalten der Fahrerin im Vorfeld (auch eingedenk so mancher Zeugenaussage dazu) erzeugt und dann konkret durch ihren Fluchtversuch (durch den Schützen korrekt als Angriff wahrgenommenen) eskaliert. Nur weil die Beamten da taktisch dumm agieren erwächst ihr daraus nicht das Recht bei Durchbruch jemanden (beinahe) über den Haufen zu fahren und taktisches Ungeschick hebt auch nicht das Recht der Beamtena auf, sich gegen wahrgenommene Angriffe mit tödlicher Gewalt zu wehren.
Zitat:Aber wenn man dem Schützen zugesteht, dass er aufgrund subjektiv empfundener Gefahr schießt, dann muss man genauso der Fahrerin zugestehen, dass sie aufgrund einer Panikreaktion Gas gibt.Ja. Das wäre insbesondere dann relevant geworden wenn sie die Situation überlebt und man sie dann angeklagt hätte. Ich sehe in ihren Verhalten keinen Hinweis darauf, dass sie vorgehabt hat den Schützen zu überfahren. Ich denke, dass sie ihn überhaupt nicht wahrgenommen hat. Aber das spielt keine Rolle wenn wir die Situation aus Sicht des Schützen im Moment der Schussnentscheidung beurteilen. Er kann in diesem Moment nicht in der Kopf der Frau schauen.
Zitat: Das ist natürlich schwer, wenn Angst und Schrecken auf der "Gegenseite", als wichtiges Ziel der eigenen Arbeit aufgefasst wird, wie es bei ICE derzeit weit verbreitet ist.Bei der Gegenseite ist es wiederrum weit verbreitet, ICE bei ihren (völlig legalen) Einsätzen nach Kräften zu behindern. Die Getötete stammt soweit ich das überblicke sogar aus einen anderen Bundesstaat und hielt sich nur dor auf um Stress zu machen.
Wenig überraschend ist die Lage jetzt mal eskaliert und beide Seiten haben (schon politisch motiviert) ziemlich unumstößliche Standpunkte.
Am Ende des Tages ist es eine bedauernswerte Epsiode, die va Gouverneur Waltz in seinem Betrugsskandal helfen und ansonsten in ein, zwei Newscycles aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden sein wird. Schließlich war die Getötete weiß und für größere Randale ist es in Minnesota gerade viel zu kalt.
