Heute, 02:13
Frage:
Die Staaten, die glaubten, im Ersten Weltkrieg gelernt zu haben, wie ein moderner Krieg zu führen sei, wurden 1939 bis 1942 mehrheitlich besiegt oder jedenfalls so weit zurückgedrängt, dass sie auf die Intervention von Dritten angewiesen waren. Das Ruder herumreißen konnten sie erst, als sie die Zeit nutzten, die ihnen die USA und v.a. die UdSSR mit Millionen Toten verschafften, um aus ihren Fehlern (und nicht zuletzt von ihren Feinden) zu lernen.
Eingefahren wurden diese anfänglichen Erfolge von der Armee der Verlierer des Ersten Weltkriegs, die sich eben nicht darauf beschränkt hatten, die Lehren des letzten Krieges zu lernen, sondern die die Lehren konsequent weiterentwickelt und zu Ende gedacht hatten.
Ich gehe fest davon aus, dass das gegenwärtige Kriegsgeschehen in der Ukraine nicht den modernen Krieg darstellt. Betrachtet man diesen Krieg als Experiment, sind einfach zu viele Faktoren vorbestimmt und nicht dem freien Spiel der Kräfte unterworfen. Sollte Russlands Armee in einem künftigen Krieg erfolgreich sein, dann nicht wegen der in der Ukraine gemachten Erfahrungen, sondern weil sie aus ihren Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen und künftige Entwicklungen vorweggenommen hätte.
Und was das anlangt, glaube ich einfach nicht an eine Innovationsfähigkeit der russischen Armee. Begründung: Sollte Russland diesen Krieg für sich entscheiden können, und sei es am Verhandlungstisch, wird man ganz allgemein den Fehler aller Sieger machen und glauben, man habe die Zauberformel bereits gefunden. Und in Russland selbst neigt man besonders dazu, die gleichen Fehler wurden bei den Heeresreformen ab 1999 und 2008 auch gemacht.
Zweitens ist der russische Staatsapparat innovationsfeindlich. Selbst im nun angebrochenen vierten Kriegsjahr klagen die Z-Blogger darüber, dass die Führung sich dem Feedback aus der Schlammzone verweigert, dass positive Ideen fast ausschließlich auf Eigeniniative der Feldoffiziere zurückgehen, und dass der Armee viel Wissen verloren geht, wenn diejenigen, die die gute Idee hatten, im Kampf fallen oder wegversetzt werden.
Und dann ist da noch das rasende Tempo des technischen Fortschritts v.a. in puncto KI. Ich halte es für durchaus möglich, dass die Russen in fünf Jahren genauso ratlos dastehen wie wir jetzt.
(04.04.2025, 19:06)Quintus Fabius schrieb: Das Problem an den Russen ist im weiteren nicht ihre Masse, sondern der Umstand, dass sie in der Ukraine gelernt haben eine modernen Krieg real zu führen […]Haben sie das? Ich habe da gewisse Zweifel. Und das meine ich nicht aus Geringschätzung, sondern weil ich deutliche Parallelen zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehe.
Die Staaten, die glaubten, im Ersten Weltkrieg gelernt zu haben, wie ein moderner Krieg zu führen sei, wurden 1939 bis 1942 mehrheitlich besiegt oder jedenfalls so weit zurückgedrängt, dass sie auf die Intervention von Dritten angewiesen waren. Das Ruder herumreißen konnten sie erst, als sie die Zeit nutzten, die ihnen die USA und v.a. die UdSSR mit Millionen Toten verschafften, um aus ihren Fehlern (und nicht zuletzt von ihren Feinden) zu lernen.
Eingefahren wurden diese anfänglichen Erfolge von der Armee der Verlierer des Ersten Weltkriegs, die sich eben nicht darauf beschränkt hatten, die Lehren des letzten Krieges zu lernen, sondern die die Lehren konsequent weiterentwickelt und zu Ende gedacht hatten.
Ich gehe fest davon aus, dass das gegenwärtige Kriegsgeschehen in der Ukraine nicht den modernen Krieg darstellt. Betrachtet man diesen Krieg als Experiment, sind einfach zu viele Faktoren vorbestimmt und nicht dem freien Spiel der Kräfte unterworfen. Sollte Russlands Armee in einem künftigen Krieg erfolgreich sein, dann nicht wegen der in der Ukraine gemachten Erfahrungen, sondern weil sie aus ihren Erfahrungen die richtigen Schlüsse gezogen und künftige Entwicklungen vorweggenommen hätte.
Und was das anlangt, glaube ich einfach nicht an eine Innovationsfähigkeit der russischen Armee. Begründung: Sollte Russland diesen Krieg für sich entscheiden können, und sei es am Verhandlungstisch, wird man ganz allgemein den Fehler aller Sieger machen und glauben, man habe die Zauberformel bereits gefunden. Und in Russland selbst neigt man besonders dazu, die gleichen Fehler wurden bei den Heeresreformen ab 1999 und 2008 auch gemacht.
Zweitens ist der russische Staatsapparat innovationsfeindlich. Selbst im nun angebrochenen vierten Kriegsjahr klagen die Z-Blogger darüber, dass die Führung sich dem Feedback aus der Schlammzone verweigert, dass positive Ideen fast ausschließlich auf Eigeniniative der Feldoffiziere zurückgehen, und dass der Armee viel Wissen verloren geht, wenn diejenigen, die die gute Idee hatten, im Kampf fallen oder wegversetzt werden.
Und dann ist da noch das rasende Tempo des technischen Fortschritts v.a. in puncto KI. Ich halte es für durchaus möglich, dass die Russen in fünf Jahren genauso ratlos dastehen wie wir jetzt.