23.03.2025, 09:32
Ja stimmt, da gibt es etliche interessante Parallelen. Vom Stellungskrieg über die Brutalität und die strategischen Raketenangriffe auf iranische Städte bis hin zur Unmenge an Waffen aus aller Herren Länder welche dorthin geliefert wurden.
Allgemein:
Zwar nicht direkt eine Lehre des aktuellen Krieges, aber vielleicht dennoch interessant: schon 1987 stellte die Rote Armee Bataillonstaktische Gruppen (BTG) auf, und experimentiert mit gemischten Bataillonen. Diese wurden in einer Vielzahl von Übungen und in mehreren Varianten bis 1989 getestet. Mir ist nicht bekannt, ob es eine direkte Linie der heutigen russischen BTG zu diesen früheren Formen mit dem gleichen Namen gibt, aber interessant ist, was für Schlußfolgerungen die Sowjets aus ihren Übungen zogen. Denn die Russen heute ignorierten diese weitgehend, was umso erstaunlicher ist, als dass die dann in der Ukraine festgestellten Schwächen des Konzeptes auch schon damals alle bekannt waren und in einer Vielzahl von militärwissenschaftlichen Schriften publiziert wurden.
Die Sowjets stellten anhand ihrer Manöver fest:
1. Dass die beste Grundlage für eine BTG ein Mot-Schützen Bataillon sei und nicht ein Panzer-Bat, weil man mehr Infanterie benötigen würde und weil das Mot-Schützen Bataillon grundsätzlich besser dafür geeignet sei andere Einheiten anzuhängen.
2. Dass eine Mischung von zu vielen verschiedenen Typen von Artillerie und insbesondere von Rak-Art und Rohr-Art zu vermeiden sei.
3. Dass die Artillerie keine hohe Reichweite benötigt weil sie im näheren Umfeld der BTG wirkt. Daher wurde 1989 vorgeschlagen, auf der Technologie des Vasilek Mörsers eine automatische 120mm Mörser-Haubitze zu beschaffen, auf einer Kettenplattform. Praktisch gesehen einen Panzermörser wie das AMOS System oder NEMO, nur mit höherer effektiver Reichweite und ein solches System dann zum Standard-Artilleriegeschützt der BTG zu machen.
4. Zur Verstärkung der Infanterie zog man einen zusätzlichen Infanteriezug als Reserve für den Bataillonskommandeur ein. Man zog weitere AGS-17 in die Infanterie-Kompanien ein, und ebenso Fliegerfäuste (SA-7), führte aber zusätzlich dazu noch eine zusätzlichen Zug mit AGS-17 und einen zusätzlichen Zug mit SA-7 in die Struktur ein.
5. Das Problem zu vieler Untereinheiten der BTG löste man dadurch, dass man jeweils einen Teil davon dem stellvertretenden Befehlshaber, dem Chef des Stabes und einem weiteren neu geschaffenen Posten eines dritten Mannes (Stellvertretender Befehlshaber für die rückwärtigen Dienste) unterstellte. Ohne aber dass diese einen eigenen Stab gehabt hätten. Man bildete also praktisch gesehen Untergruppen, ohne dass diese fester Teil der Struktur waren.
6. Man kam zu dem Schluss, dass eine größere Anzahl von 82mm Vasilek Mörsern besser sei als die 120mm Mörser, zum einen weil man ohnehin die Artillerie organisch in der BTG hat welche die Aufgaben der 120mm von der einen Seite übernehmen kann - zum anderen weil die automatischen Mörser gegen feindliche Infanterie besser seien.
7. Man betonte, dass eine BTG immer nur über eine kurzer Distanz hinweg eingesetzt wird, mit einem zeitlich begrenzten Auftrag. Diese Art von Kampfverband sei vor allem anfangs kampfstark, aber weniger durchhaltefähig und müsse daher entsprechend vor allem als eine Durchbruchseinheit gesehen werden, die nur einen vorher klar definierten und begrenzten Zeitraum im Kampf verbleibt.
Es entstand folgende Struktur einer sowjetischen BTG (in der Theorie bzw. in den Experimentalverbänden):
Bataillonsführer: führt direkt: 3 Mot-Schützen Kompanien (verstärkt), 1 Panzer-Kompanie (10 Kampfpanzer)
Chef des Stabes: 1 Fernmeldezug, 1 Aufklärungszug (3 Spähpanzer, 2 x SPG 9, 4 x AT-3/AT-4), 1 Flugabwehrzug (9 x SA-7/14/16), 1 Mot-Schützenzug
stellv. Battaillonsführer: 1 Artillerie-Einheit - diese bestehend aus: 2 Artillerie-Batterien (2 x 8 2S9 / geplant 2 x 8 120mm Mörserhaubitze), 1 Mörser-Batterie (8 x 82mm Vasilek), 1 Granatmaschinenwaffenzug (8 x AGS-17)
stellv. Bataillonsführer für die rückwärtigen Dienste: 1 Sanitätszug, 1 Pionierzug, 1 Transport und Versorungszug, 1 Berge- und Reperaturzug
Im Vergleich zu den in der Ukraine eingesetzten BTG fällt hier vor allem auf, wieviele leichtere Granatwaffen / automatische Mörser mitgeführt werden und dass man die Artillerie eher in Richtung Mörser entwickeln wollte. Heute hingegen mischte man Rohr- und Raketenartillerie in den BTG, mit den bereits von den Sowjets erwarteten daraus resultierenden logistischen Problemen. Interessant finde ich die Aufteilung in mehrere Unterbereiche ohne dass diese organische Struktur darstellen wobei jeweils ein Stellvertreter vier Untereinheiten zu führen hat. Die leichtere Auslegung, die strafferen weniger auswuchernden Formen, und die eigentlich klar definierte Doktrin vom kurz angelegten Einsatz mit begrenztem Auftrag über kurze Distanzen wurden allesamt von den Russen in der Ukraine so nicht umgesetzt.
Allgemein:
Zwar nicht direkt eine Lehre des aktuellen Krieges, aber vielleicht dennoch interessant: schon 1987 stellte die Rote Armee Bataillonstaktische Gruppen (BTG) auf, und experimentiert mit gemischten Bataillonen. Diese wurden in einer Vielzahl von Übungen und in mehreren Varianten bis 1989 getestet. Mir ist nicht bekannt, ob es eine direkte Linie der heutigen russischen BTG zu diesen früheren Formen mit dem gleichen Namen gibt, aber interessant ist, was für Schlußfolgerungen die Sowjets aus ihren Übungen zogen. Denn die Russen heute ignorierten diese weitgehend, was umso erstaunlicher ist, als dass die dann in der Ukraine festgestellten Schwächen des Konzeptes auch schon damals alle bekannt waren und in einer Vielzahl von militärwissenschaftlichen Schriften publiziert wurden.
Die Sowjets stellten anhand ihrer Manöver fest:
1. Dass die beste Grundlage für eine BTG ein Mot-Schützen Bataillon sei und nicht ein Panzer-Bat, weil man mehr Infanterie benötigen würde und weil das Mot-Schützen Bataillon grundsätzlich besser dafür geeignet sei andere Einheiten anzuhängen.
2. Dass eine Mischung von zu vielen verschiedenen Typen von Artillerie und insbesondere von Rak-Art und Rohr-Art zu vermeiden sei.
3. Dass die Artillerie keine hohe Reichweite benötigt weil sie im näheren Umfeld der BTG wirkt. Daher wurde 1989 vorgeschlagen, auf der Technologie des Vasilek Mörsers eine automatische 120mm Mörser-Haubitze zu beschaffen, auf einer Kettenplattform. Praktisch gesehen einen Panzermörser wie das AMOS System oder NEMO, nur mit höherer effektiver Reichweite und ein solches System dann zum Standard-Artilleriegeschützt der BTG zu machen.
4. Zur Verstärkung der Infanterie zog man einen zusätzlichen Infanteriezug als Reserve für den Bataillonskommandeur ein. Man zog weitere AGS-17 in die Infanterie-Kompanien ein, und ebenso Fliegerfäuste (SA-7), führte aber zusätzlich dazu noch eine zusätzlichen Zug mit AGS-17 und einen zusätzlichen Zug mit SA-7 in die Struktur ein.
5. Das Problem zu vieler Untereinheiten der BTG löste man dadurch, dass man jeweils einen Teil davon dem stellvertretenden Befehlshaber, dem Chef des Stabes und einem weiteren neu geschaffenen Posten eines dritten Mannes (Stellvertretender Befehlshaber für die rückwärtigen Dienste) unterstellte. Ohne aber dass diese einen eigenen Stab gehabt hätten. Man bildete also praktisch gesehen Untergruppen, ohne dass diese fester Teil der Struktur waren.
6. Man kam zu dem Schluss, dass eine größere Anzahl von 82mm Vasilek Mörsern besser sei als die 120mm Mörser, zum einen weil man ohnehin die Artillerie organisch in der BTG hat welche die Aufgaben der 120mm von der einen Seite übernehmen kann - zum anderen weil die automatischen Mörser gegen feindliche Infanterie besser seien.
7. Man betonte, dass eine BTG immer nur über eine kurzer Distanz hinweg eingesetzt wird, mit einem zeitlich begrenzten Auftrag. Diese Art von Kampfverband sei vor allem anfangs kampfstark, aber weniger durchhaltefähig und müsse daher entsprechend vor allem als eine Durchbruchseinheit gesehen werden, die nur einen vorher klar definierten und begrenzten Zeitraum im Kampf verbleibt.
Es entstand folgende Struktur einer sowjetischen BTG (in der Theorie bzw. in den Experimentalverbänden):
Bataillonsführer: führt direkt: 3 Mot-Schützen Kompanien (verstärkt), 1 Panzer-Kompanie (10 Kampfpanzer)
Chef des Stabes: 1 Fernmeldezug, 1 Aufklärungszug (3 Spähpanzer, 2 x SPG 9, 4 x AT-3/AT-4), 1 Flugabwehrzug (9 x SA-7/14/16), 1 Mot-Schützenzug
stellv. Battaillonsführer: 1 Artillerie-Einheit - diese bestehend aus: 2 Artillerie-Batterien (2 x 8 2S9 / geplant 2 x 8 120mm Mörserhaubitze), 1 Mörser-Batterie (8 x 82mm Vasilek), 1 Granatmaschinenwaffenzug (8 x AGS-17)
stellv. Bataillonsführer für die rückwärtigen Dienste: 1 Sanitätszug, 1 Pionierzug, 1 Transport und Versorungszug, 1 Berge- und Reperaturzug
Im Vergleich zu den in der Ukraine eingesetzten BTG fällt hier vor allem auf, wieviele leichtere Granatwaffen / automatische Mörser mitgeführt werden und dass man die Artillerie eher in Richtung Mörser entwickeln wollte. Heute hingegen mischte man Rohr- und Raketenartillerie in den BTG, mit den bereits von den Sowjets erwarteten daraus resultierenden logistischen Problemen. Interessant finde ich die Aufteilung in mehrere Unterbereiche ohne dass diese organische Struktur darstellen wobei jeweils ein Stellvertreter vier Untereinheiten zu führen hat. Die leichtere Auslegung, die strafferen weniger auswuchernden Formen, und die eigentlich klar definierte Doktrin vom kurz angelegten Einsatz mit begrenztem Auftrag über kurze Distanzen wurden allesamt von den Russen in der Ukraine so nicht umgesetzt.